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Formen sogenannter
"Sippenhaft"
anhand von Beispielen seit 2004
2004
2005
2006
2007
2004
Özgür Gündem
vom 09.09.2004
Prügel in Osmaniye
Mahir Yilmaz Sari hat sich
beim IHD in Adana beschwert, dass er in der letzten Woche in Osmaniye von
Polizisten verprügelt wurde. Er habe eine Strafe wegen Unterstützung
der DHKP/C erhalten, die er im August 2003 verbüßt hatte. Seitdem
werde er von der Polizei belästigt. Er sei deswegen nach Adana gezogen,
aber die Polizei besuchten seine Familie bei Nacht und bedrohten und beschimpften
sie. Vor einer Woche sei er selber nach Osmaniye gefahren. Die Polizisten
hätten ihn zunächst nach seinem Ausweis gefragt und dann hätten
sie ihn ins Auto gezerrt, bedroht und verprügelt.
Özgür Gündem
vom 07.10.2004
"Sippenhaft"ung
Halis Ince, der ältere
Bruder von Songül Ince, die bei der Operationen gegen die Gefängnisse
vom 19.12.2000 verletzt wurde und im Jahre 2002 für 6 Monate aus der
Haft entlassen wurde, hat sich beschwert, dass die in Istanbul lebende
Familie dauernd belästigt werde. Seine Schwester sei nach der Haftentlassung
ins Ausland gegangen. In der letzten Zeit hätten sich die Hausdurchsuchungen
gehäuft. Am 14. September sei die Polizei gekommen und durch ihr Auftreten
hätten die Kinder einen Schock erlitten. Zwei Tage darauf sei die
Polizei erneut gekommen und erst kürzlich sei sie wieder nachts zu
einer Hausdurchsuchung erschienen. Halis Ince kündigte an, dass die
Familie sich bei IHD und der Staatsanwaltschaft Gaziosmanpasa beschweren
werde.
Bia vom 19.12.2004
Journalist mehrfach festgenommen
Berichte über den Journalisten
Mustafa Benli, der als Chefredakteur der Zeitschrift "Hedef" seit 1998
in Haft war, sprechen davon, dass er nach seiner vorzeitigen Haftentlassung
aufgrund des neuen Strafgesetzes drei Mal wieder in Polizeihaft genommen
wurde. Im Verlauf des Todesfastens war er am Wernicke-Korsakoff-Syndrom
erkrankt. Im Dezember wurde er nun wegen des geringeren Strafmaßes
im neuen Strafgesetz aus dem Gefängnis vom Typ F in Edirne freigelassen.
Beim Verlassen des Gefängnisses wurde er gleich in Polizeihaft genommen,
aber nach ein paar Stunden wieder freigelassen. Er ging nach Corum, wo
er am 7. Dezember erneut festgenommen wurde. Erst nachdem klar wurde, dass
auf ihn die Änderungen des § 312 TSG anzuwenden sind, wurde er
freigelassen. Am 8. Dezember wurde Mustafa Benli erneut festgenommen, dieses
Mal, weil er im Verfahren wegen der Operation in der geschlossenen Haftanstalt
von Ankara noch keine Aussage gemacht hatte. Nach 8 Stunden kam er wieder
auf freien Fuß.
2005
Özgür Gündem
vom 03.09.2005
Familie eines Politikers
belästigt
Cemal Coskun, Mitglied des
Parteiparlaments der DEHAP, sprach auf einer Pressekonferenz im IHD. Er
beschwerte sich, dass seine Familie seinetwegen belästigt werde. Falls
die Polizei nach ihm suche, so könne man ihn leicht finden. Die Polizisten
kämen aber immer, wenn er nicht zu Hause. Das sei in den letzten zwei
Wochen vier Mal passiert, als seine 14-jährige Tochter allein zu Hause
war.
Evrensel vom 10.12.2005
Folter in Hakkari
Giyasettin Demir und Nedim
Demir, die in der Stadt Gecitli der Provinz Hakkari am 8. Dezember von
Soldaten festgenommen worden waren, haben Foltervorwürfe erhoben.
Die Soldaten kamen zum Haus von Ali Demir, der die Gendarmerie wegen ungesetzlicher
Beschlagnahme seines Landes verklagt hatte. Da sie Ali Demir nicht antrafen,
nahmen sie seine Söhne mit. Sie wurden aus der Stadt gebracht und
ein Feldwebel beschuldigte sie mit vorgehaltener Waffe, sie verklagt zu
haben. Er fragte die Brüder, ob sie den Ali Kaya kennen würden,
der an dem Angriff auf den Buchladen Umut in Semdinli beteiligt war. Er
sei ein Patriot und hätte nicht verhaftet werden sollen. Nach einem
Verhör von 3 Stunden wurden die Brüder wieder freigelassen. Sie
beschwerten sich beim IHD in Hakkari.
2006
Evrensel vom 23.02.2006
Drohungen und Vergewaltigung
Am 22. Februar sprach Ayhan
Kilic auf einer Pressekonferenz des IHD Istanbul. Er berichtete von einem
Vorfall am 30. Januar. Er sei in einem roten Auto entführt worden.
Danach erinnere er sich nur, dass er in einem Keller zu sich kam. Er wurde
nackt ausgezogen und vergewaltigt. Fünf maskierte Personen befragten
ihn und zeigten ihm Fotos von seinen Verwandten. Sie forderten ihn auf,
als Spitzel zu arbeiten und drohten, seinen Verwandten etwas anzutun. Er
käme nur frei, wenn er bereit sei, eine Bombe in das Büro der
DTP zu werfen oder in der Jugendabteilung verdeckt zu arbeiten. Ayhan Kilic
berichtete ferner, dass ein ca. 25-jähriger Mann dort in seinem Blute
gelegen habe.
Özgür Gündem
vom 24.03.2006
Festnahmen in Van
Bei einer Polizeioperation
wurden in der Nacht vom 23. März Metin Özlü und Hamdullah
Kumru in Van festgenommen. Die Wohnungsinhaberin Perihan Özlü
wandte sich an den IHD und berichtete, dass ihr Mann Irfan Özlü
im Jahre 1990 unter Folter ermordet worden sei. Da einer ihrer Söhne
sich der Guerilla angeschlossen habe, werde ihre Wohnung ständig überfallen.
Ihr werde vorgeworfen, Terroristen, die aus den Kandil-Bergen kommen, Unterschlupf
zu gewähren.
DIHA vom 17.08.2006
Festnahmen in Van
Am 16. August überfiel
die Polizei in Van ein Haus. Dort richteten sie eine temporäre Station
ein (warteten auf Ankommende, DTF). Sie nahmen C. Isik (16) und seinen
Bruder F. Isik (15) vorläufig fest. Später wurden sie freigelassen
und an ihrer Stelle der Vater Yusuf Isik festgenommen. Seine Frau Dilber
Isik sagte, dass ihnen kein Grund für die Festnahme genannt wurde
und sie während der Razzia mit Waffen bedroht wurden.
Radikal vom 24.08.2006
Foltervorwürfe in
Mersin
Muhammet Ali Köse hat
Vorwürfe erhoben, dass am 12. August die Polizei in Mersin ihn am
Arbeitsplatz, an einem verlassenen Ort und auf der Polizeiwache geschlagen
hat. An jenem Tage kamen die Beamten H.C. und I.S. von der zentralen Polizeistation
in Mersin zwei Mal zu seinem Imbiss und fragten nach dem älteren Bruder
Mustafa Kemal Köse. Die Beamten regten sich über die Antwort,
dass sie als Polizisten ihn selber finden sollten, auf. Sie schlugen Muhammet
Ali Köse auch in Gegenwart der Kunden Fikret Deniz, Tevfik Yilmaz,
Hasan Gündogdu und Mustafa Kasap, legten Herrn Köse Handschellen
an und führten ihn zum Auto. Bei dem Vorfall sollen die Fensterscheiben
des Imbiss zu Bruch gegangen sei. Nach Aussage von Ali Köse sei es
auf einen hügligen Weg zum Dorf Yassibag gegangen. Dort sei er wieder
verprügelt und mit dem Tode bedroht worden.
15 Personen, die gesehen
hatten, wie Köse verprügelt wurde, gingen zur Polizeiwache und
fragten nach ihm. Einem von ihnen, Irfan Göktas, gelang es, zu den
Zellen zu gelangen. Dort sah er Köse nackt und auch, dass er geschlagen
worden war. Auf Druck der Freunde wurde Köse freigelassen und von
seinen Freunden ins Krankenhaus gebracht. Es wurde Spuren von Schlägen
im Gesicht, auf dem Rücken, der Brust und am Kopf festgestellt. Der
linke kleine Finger war gebrochen. Muhammet Ali Köse stellte Strafanzeige.
Toplumsal Demokrasi vom 09.12.2006
Foltervorwürfe in
Igdir
Bayram Otay (60) und sein
Sohn Gündüz (26) haben den Soldaten der Gendarmeriestation Tuzluca
vorgeworfen, sie nach ihrer Festnahme in Igdir am 2. Dezember gefoltert
zu haben. Wie verlautete, wurde zuerst die Wohnung des Sohnes Yasar Otay
durchsucht. Es gelang Yasar Otay aber fortzulaufen. Daraufhin wurden Bayram
Otay und Gündüz Otay festgenommen, weil sie Yasar Otay die Flucht
ermöglicht haben sollten. Sie verbrachten eine Nacht auf der Gendarmeriestation,
bevor sie in U-Haft kamen. Ein weiterer Sohn, Yunus Otay, stellte dann
Strafanzeige mit der Begründung, dass sein Vater und sein Bruder die
ganze Nacht lang gefoltert worden seien. Seinem Bruder seien die Finger
gebrochen worden. Zunächst hätten die Soldaten Atteste beim Staatskrankenhaus
in Tuzluca besorgt, dass beide Gefangenen gesund seien, aber der Haftrichter
schickte sie zu einer weiteren Untersuchung, als sie sich über Folter
beschwerten. Dieses Mal wurden Spuren von Schlägen am Körper
festgestellt.
2007
atilim.org, 12.11.2007
Misshandlungen in Adana
Adile Ünal gab im Büro
des Menschenrechtsvereins IHD in Adana eine Presseerklärung. Sie berichtete,
dass am 9. November zwei Zivilpolizisten zu ihrem Haus gekommen seien und
nach ihrem Sohn Ahmet Ünal fragten. Sie habe gesagt, sie wisse nicht,
wo ihr Sohn ist. Die beiden Polizisten hätten sie bedroht und die
Wohnung mit Gewalt betreten. Dann hätten sie Adile Ünal, ihren
Bruder Ömer Can und ihren Sohn Hüseyin Ünal mit Eisenstöcken
geschlagen. Sie hätten auch die Schwiegertochter und ihren 1 1/2 jährigen
Enkel festgenommen, wobei sie Pfeffergas auf ihre Augen gesprüht hätten.
Sie seien zur Polizeistation im Stadtteil Hürriyet gebracht worden.
Im Polizeiauto seien sie beschimpft worden: „Ihr seid aus Mardin, ihr seid
alle Terroristen.“ Von den Schlägen hätten sie überall am
Körper blaue Flecken gehabt. Ihr Bruder Ömer Can und ihr Sohn
Hüseyin Ünal seien unter der Anklage des Widerstands gegen die
Polizei festgenommen worden.
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