Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 49/2006
Wegen eines Umzuges der Menschenrechtsstiftung
TIHV hat die Dokumentationsabteilung in dieser Woche keine Berichte über
Menschenrechtsverletzungen herausgegeben. Alle Berichte sind zusammenfassende
Übersetzungen des DTF
Netzwerk Bia vom 30.11.2006
Politiker angeklagt
Vor der 2. Kammer des Amtsgerichts
Beyoglu musste sich Atilla Kaya, Vorsitzender der SDP wegen eines Artikels
in der Tageszeitung Özgür Gündem unter verschiedenen Vorwürfen
verantworten. Mit ihm angeklagt sind Chefredakteur Hasan Bayar, Journalist
Dogan Iyice und der Besitzer der Zeitung, Ali Gürbüz. In dem
Artikel hatte Atilla Kaya eine Untersuchung des Vorwurfs gefordert, dass
bei der Tötung von 14 Militanten der PKK in der Provinz Mus chemische
Waffen eingesetzt wurden. Der Hauptvorwurf lautet auf Erniedrigung der
Armee (Artikel 301). Die Anklage führt aber auch den Vorwurf von Rassenhass
(Artikel 216) und Propaganda für eine terroristische Organisation
(Artikel 7 des ATG) auf. Das Gericht vertagte sich auf den 7. März,
um dann zu verkünden, ob es sich für alle Straftatbestände
für zuständig hält.
Radikal vom 06.12.2006
Student angeklagt
Der Student M. Emin Demir
wurde wegen Fragen an den Vorsitzende der Mutterlandspartei (Anavatan Partisi),
Erkan Mumcu, im Verlaufe einer Fernsehsendung unter Artikel 220/8 des neuen
TStG wegen Propaganda für eine illegale Organisation angeklagt. Er
hatte sich in dem Programm auf Kanal D am 23. Februar als Kurde vorgestellt
und die Meinung vertreten, dass die PKK nicht der Grund der Probleme sondern
das Resultat der Probleme sei. Fünf Tage später wurde die Wohnung
des Studenten durchsucht und sein Computer sowie etliche als "illegal"
eingestufte Bücher wurden beschlagnahmt. Dazu soll auch das Material
gehören, das der Student für seine Diplomarbeit zu "Sendungen
in der Muttersprache" gesammelt hatte.
Netzwerk Bia vom 04.12.2006
Bombenexplosionen
In der Nähe des Dorfes
Ikizler in der Provinz Sirnak kamen die Brüder Yusuf (15) und Yasin
Saltan (13) ums Leben, als sie mit etwas spielten, was daraufhin explodierte.
Muteber Ögreten von der Initiative für eine minenlose Türkei
teilte mit, dass zwischen Januar und dem 5 Juni 2006 11 solcher Vorfälle
gemeldet wurden, bei denen 7 Menschen ums Leben kamen und 18 Personen verletzt
wurden.
Agentur ANF vom 05.12.2006
Auslieferung abgelehnt
Ein Gericht in Maastricht
(Niederlande) hat die beantragte Auslieferung des kurdischen Politikers
Nedim Seven abgelehnt. Er war am 8. August 2006 bei der Einreise von Belgien
festgenommen worden. Das Gericht befand, dass Nedim Seven, der früher
schon in der Türkei inhaftiert und gefoltert worden war, bei einer
Auslieferung erneut Folter zu befürchten hätte.
Agentur ANF vom 05.12.2006
Syrien liefert Häftling
aus
Die syrischen Behörden
sollen den der Mitgliedschaft in der PKK verdächtigen Rahmi Öner
über die Grenzstation Cilvegözü an die türkischen Behörden
ausgeliefert haben. Der Familie ist es auch über Anwälte nicht
gelungen, einen Kontakt zu dem in Bitlis geborenen Mann herzustellen.
Agentur ANF vom 05.12.2006
Minenexplosion
Im Kreis Güclükonak
(Sirnak) starben zwei namentlich nicht bekannte Soldaten, als sie auf eine
Mine traten.
Radikal vom 07.12.2006
Strafe wegen Beleidigung
von Atatürk
Ein Gericht in Konya hat
Etem Gürsu, Inspektor am Schulamt Konya, zu einer Strafe von 10 Monaten
Haft verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. In einem
Seminar für Lehrer hatte er ihnen vorgehalten, dass die Schüler
sagten, dass Atatürk sie befreit habe. Ihn habe Atatürk aber
nicht befreit, denn Atatürk sei 20 Jahre vor seiner Geburt gestorben.
Radikal vom 07.12.2006
Kassationshof entscheidet
über Reue
Der Kassationshof hat in
einer Grundsatzentscheidung zum Artikel 221/1 des neuen TStG entschieden,
dass Gerichte nicht alleine entscheiden dürfen, ob "effektive Reue"
vorliege oder nicht. Voraussetzung sind Berichte des Innenministeriums
und der obersten Polizeibehörde. Entgegen der Praxis nach dem 12.
September, nach der "Geständige" nur dann eine mildere Strafe erhielten,
wenn sich die Polizeidirektion dafür aussprach, sieht der Artikel
221 TStG einen solchen Bericht nicht vor.
Agentur ANF vom 06.12.2006
Schleppendes Vorgehen
bei Entschädigungen
Die nach dem Gesetz für
Abfindungen bei Schäden durch den Terror oder den Kampf gegen den
Terrorismus eingesetzte Feststellungskommission arbeitet sehr langsam.
Sie hat von den 225.773 Anträgen noch nicht einmal 20%, d.h. gerade
mal 44.639 Anträge bearbeitet. Bislang wurden bei 28.656 positiven
Entscheiden 140 Millionen YTL ausgezahlt. 971 der abgelehnten Antragssteller
haben gegen die Entscheidungen geklagt. Von den in 36 Fällen ergangenen
Urteilen wurde in 3 Fällen die Entscheidung der Kommission revidiert.
Netzwerk Bia vom 07.12.2006
KDV'ler Halil Savda Inhaftiert
Nachdem der militärische
Kassationshof das Urteil gegen den Kriegsdienstverweigerer Halil Savda,
der gleichzeitig dem Vorstand der Zweigstelle Istanbul des IHD angehört,
aufgehoben hatte, hat heute das Militärgericht in Corlu seine Inhaftierung
angeordnet. Dasselbe Gericht hatte ihn im Januar 2005 wegen eines Verstoßes
gegen den Artikel 77 des militärischen Strafrechts zu einer Strafe
von 3 Monaten und 15 Tagen Haft verurteilt worden. Der Kassationshof hatte
in seinem aufhebenden Urteil auf vorherige Verurteilungen von Halil Savda
hingewiesen (vor dem SSG Adana hatte er eine Strafe von 14 Jahren, 7 Monaten
Haft erhalten und vor dem SSG Diyarbakir war er zu 45 Monaten Haft verurteilt
worden) und hatte auf die Anwendung des Artikel 88 des militärischen
Strafrechts (Befehlsverweigerung) bestanden.
Netzwerk Bia vom 08.12.2006
Journalisten vor Gericht
Die 18. Kammer des Zivilgerichts
in Ankara hat Erbil Tusalp, der in der Zeitung Birgün schreibt, zu
einer Strafe von 5.000 YTL verurteilt. Er hatte in einem Artikel vom 24.
Dezember 2005 unter dem Titel "Stabilität" angeblich schwere Beleidigungen
gegen den Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan formuliert. Der
Herausgeber der Zeitung, Yalcin Erdündogan muss sich außerdem
vor der 2. Kammer des Amtsgerichts Beyoglu wegen einer Beschwerde des Vorsitzenden
der Partei einer unabhängigen Türkei, Haydar Bas, verantworten.
In dem Artikel war kritisiert worden, dass die Frau von Haydar Bas, Ayse
Bas, noch 17 Kinder zur Welt bringen könne, obwohl sie über 50
Jahre alt sei. Das Verfahren vom 6. Dezember wurde auf den 21 März
vertagt.
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