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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 48/2006
Radikal vom 25./26.11.2006
Soldaten erschießen
Dorfbewohner
In der Nacht vom 23. November
töteten Soldaten Islam Terkoglu zwischen den Dörfern Daglica
(Oremar) und Baktova (Xitene) im Kreis Yüksekova (Hakkari). Sein Onkel
Ihsan Terkoglu sagte, dass sein Neffe zum Holzsammeln gegangen sei. Er
habe das Holz auf ein Fahrzeug von Ahmet Bozkurt geladen und der sei damit
in die Kreisstadt gefahren. Islam Terkoglu habe sich zu Fuß auf den
Weg ins Dorf gemacht. Unterwegs sei auf die Holzsammler ohne Vorwarnung
geschossen worden. Islam Terkoglu sei schwer verletzt worden, aber über
Stunden nicht in ein Krankenhaus gebracht worden. Anstelle eines Krankenwagens
sei er in den Kofferraum eines Autos gelegt worden und auf dem Weg zum
Krankenhaus verstorben. Die Soldaten sollen danach eine Waffe am Ort des
Vorfalls deponiert haben, um den Eindruck einer bewaffneten Auseinandersetzung
zu erwecken. Die offizielle Verlautbarung des Gouverneurs besagte dann
auch, dass es zu einem Gefecht kam und ein Terrorist tot, der andere lebend
gefasst wurde. Der CHP Abgeordnete für Hakkari, Esat Canan, protestierte
gegen diese Darstellung und wies darauf hin, dass der angebliche 2. Terrorist
mit Namen Soydan aus der Haft entlassen wurde, ohne einem Staatsanwalt
vorgeführt zu werden.
Toplumsal Demokrasi vom 24.11.2006
Todesschüsse in
Urfa
Am 17. November hatten Bedienstete
der Stadtverwaltung Urfa auf fliegende Händler geschossen. Dabei verstarben
Abbas Sedatoglu und Resit Sedatoglu. Nun erlag auch Mehmet Sedatoglu seinen
Verletzungen im Krankenhaus.
Toplumsal Demokrasi vom 22.11.2006
Kein Verfahren wegen
Folter
Fahri Eray Palaz hat sich
beschwert, dass die Staatsanwaltschaft in Adana kein Verfahren gegen Polizeibeamte
eröffnete, die ihn nach seiner Festnahme am 26. Juli misshandelten.
Ihm sei damals eine Arbeitsunfähigkeit von 15 Tagen bescheinigt worden.
Vor 20 Tagen nun habe der Staatsanwalt die Ermittlungen mit der Begründung
beendet, dass die Anwendung von Gewalt im Rahmen der für die Polizei
vertretbaren Gewaltanwendung liege. In gleicher Weise erging es einem Ahmet
Aslan, der am 1. August festgenommen und auf der Polizeiwache Sakirpasa
misshandelt worden war.
Toplumsal Demokrasi vom 24.11.2006
Politiker freigesprochen
Am 23. November sprach das
Friedensgericht Hüseyin Aktas, den Vorsitzenden der DTP in der Provinz
Elazig, vom Vorwurf des Lobens einer Straftat und eines Täters frei.
Er hatte bei den Newroz-Feiern den auf der Insel Imrali inhaftierten Abdullah
Öcalan als "werter Öcalan" bezeichnet.
Agentur ANF vom 28.11.2006
Journalist verurteilt
Der Chefredakteur der kurdischen
Zeitschrift Azadiya Welat, Hamdullah Yilmaz, hat mitgeteilt, dass die 4.
Kammer des Landgerichts Diyarbakir ihn in 2 Verfahren zu vier Jahren und
drei Monaten Haft verurteilt hat. Seiner Erklärung zufolge soll die
Verurteilung erfolgt sein, weil er nach einem Bombenanschlag in Diyarbakir
vom 12. September vom "Staat im Staate" gesprochen hatte.
Agentur ANF vom 28.11.2006
Lebende Schutzschilder
verurteilt
Die 4. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir hat am 23. November das Urteil im Prozess gegen 35 Personen
verkündet, die als "lebende Schutzschilder" in den Kreis Eruh (Siirt)
gefahren waren. Murat Aydin, Pakize Uksul, Selma Aygün, Gülistan
Basutçu, Pinar Demirci, Volkan Isil, Saadet Aksoy, Saniye Turhan,
Metin Beydogan, Cemil Dündar, Muzaffer Akal, Hanim Adigüzel,
Serpil Alkaya, Irfan Güler, Mücahit Boga, Mehmet Salih Özer,
Onur Bugra Kolcu und Basar Necdet wurden wegen Abhalten einer unerlaubten
Demonstration zu je 30 Monaten Haft verurteilt. Die Verfahren von 17 Personen,
die vor Gericht nicht aussagten, wurden abgetrennt.
Weitere Meldungen (DTF)
Netzwerk BIA vom 29.11.2006
Zeitung konfisziert
Die 12. Kammer des Landgerichts
Istanbul hat die Beschlagnahme der Ausgaben vom 27. und 28. November der
anstelle von Özgür Gündem erschienenen Tageszeitung Toplumsal
Demokrasi angeordnet. Zuvor hatte das gleiche Gericht das Erscheinen von
Özgür Gündem für 15 Tage verboten. Als Begründung
für die Beschlagnahme von Toplumsal Demokrasi wurde auf einen Artikel
unter dem Titel "Die PKK ist eine Bewegung der Bedeutung" verwiesen.
Agentur ANF vom 30.11.2006
Die PKK will ihre Archive
öffnen
Der kurdische Volksführer
Abdullah Öcalan hat die Gründung von Wahrheitskommissionen gefordert,
damit die zu Zeiten der bewaffneten Auseinandersetzung begangenen Verbrechen
aufgeklärt werden. Dazu verwies er auf das Vorbild von Südafrika.
Murat Karayilan, der Vorsitzende des Exekutivrats der KKK, sagte, dass
sie ihre Archive öffnen würden, um einen Beitrag zur Ermittlung
der Verbrechen zu leisten. Er sagte aber auch, dass der türkische
Staat bereit sein muss, die eigenen Verbrechen aufzudecken. Dabei gehe
es nicht um getötete Guerillas, sondern um die Verletzung von Gesetzen
des Krieges. Karayilan sagte weiter, dass die Wahrheits- und Gerechtigkeitskommissionen
von Personen in der Türkei gebildet werden müssten, die zu beiden
Seiten einen gleichen Abstand besitzen. Die bewaffneten Auseinandersetzungen
dauerten immer noch an und Menschen verlören immer noch ihr Leben.
Die Berichte von Menschenrechts-organisationen zeigten, dass beide Seiten
in gewisser Weise schuldig seien.
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