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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 47/2006
Toplumsal Demokrasi vom 19.11.2006
Minderjährige misshandelt
Unter den Personen, die
während des 1. Kongresses des Jugendparlaments der DTP in Istanbul
am 12. November festgenommen wurden, sollen die minderjährigen I.
Cakmak, M.S.S., S.K. und B.S. von der Polizei misshandelt worden sein.
Gülizar Cakmak, die ältere Schwester von I. Cakmak gab an, dass
ihre Schwester überall blaue Flecken gehabt habe. Bei einer kurzen
Umarmung auf den Weg zum Staatsanwalt habe sie ihr gesagt, dass sie bedroht
wurde, beim Arzt sich nicht über Folter zu beschweren. Der Anwalt
Baran Dogan sagte, dass seine Mandanten zwei Stunden lang bei der normalen
Polizei waren, bevor sie zur Abteilung für Jugendliche gebracht wurden.
Davor seien sie im Polizeiauto schwer verprügelt worden. Dies soll
ärztlich attestiert worden sein.
Toplumsal Demokrasi vom 20.11.2006
Türkischtest bei
der Polizei
Hacire Oral (71) hat sich
beschwert, dass sie Telefonaten mit ihrem Sohn Abdurrahman Oral im Gefängnis
in Elbistan (Maras) nicht Kurdisch sprechen durfte und anstatt dessen zu
einem Türkischtest auf die Polizeiwache gebracht wurde. Sie hatte
sich am 16. November an die Gefängnisverwaltung gewandt, um bei Telefonaten
mit ihrem Sohn Kurdisch sprechen zu dürfen. Sie sei dann auf Anordnung
der Verwaltung zur Polizeiwache Daglioglu in Adana gebracht worden. Ein
Kommissar habe sie über ihren Sohn ausgefragt. Dann habe er behauptet,
dass sie Türkisch könne, obwohl sie nie zur Schule gegangen war.
Anschließend sei sie nach Hause geschickt worden.
Toplumsal Demokrasi vom 20.11.2006
Fernsehprogramm behindert
Am 19. November versuchte
die Polizei eine Live-Diskussion aus dem Theatersaal der Stadtverwaltung,
die über Gün TV ausgestrahlt werden sollte, selber zu filmen.
Daraufhin beendete der Moderator Adil Kurz die Diskussion, an der 20 Schriftsteller
teilnehmen sollten.
Hürriyet vom 20.11.2006
Flüchtlingsschiff
gesunken
In der Nacht vom 18. November
sank ein Boot mit 25 illegalen Einwanderern an Bord in der Nähe der
Stadt Sigacik im Kreis Seferihisar (Izmir). Es waren Personen aus Somalia
und Palästina in Bord. Eine Person kam ums Leben und drei Person sind
verschollen. 21 Personen wurden festgenommen. Später wurde eine zweite
Leiche gefunden.
Milliyet vom 21.11.2006
Prügel in Osmaniye
Der LKW-Fahrer Sahir Dogan
hat sich beschwert, dass sein Sohn Kazim Dogan und er auf der Polizeiwache
in Osmaniye verprügelt wurde. Am 16. November sei er wegen überhöhter
Geschwindigkeit angehalten worden und es sei zu einem Wortwechsel mit jemandem
gekommen, der sich als Direktor bezeichnete. Sie seien dann zur Wache in
der Stadtmitte gebracht worden. Dort habe ein Polizist seinem Sohn einen
Fausthieb verpasst, und er sei verprügelt worden, als er sich einmischte.
Dabei sei ein Finger von ihm gebrochen. Im Krankenhaus sei sein Finger
geröntgt und in Gips gelegt worden. Wieder bei der Polizei habe er
die Aussage verweigert. Ihm sei dann ein Bußgeld von 248 YTL auferlegt
worden, weil er keinen Führerschein vorgelegt und mit seinem LKW in
die Stadt gefahren sei.
ANF/Radikal vom 21.11.2006
Druck in den Gefängnissen
Lokman Basaran teilte mit,
dass sein in Silifke inhaftierter Bruder Idris Basaran am 19. November
einen Schlaganfall hatte und ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er sei
wegen seiner Herzprobleme und Darmbeschwerden nicht behandelt worden. Briefe
des im F-Typ-Gefängnis von Kocaeli inhaftierten Ezgin Engin an die
Zeitungen Radikal, Milliyet und Özgür Gündem sollen nicht
weitergeleitet worden sein, weil sie die Möglichkeit der Kommunikation
unter Gefangenen ermögliche. Dies wurde am 31. Oktober notiert. Ezgin
Engin hatte in den Briefe auf die Isolation in den F-Typ Gefängnissen
aufmerksam machen wollen. Über seine Familie teilte der im F-Typ-Gefängnis
2 von Tekirdag inhaftierte Nuri Tanis mit, dass er verprügelt worden
sei, weil er einen Mitgefangenen grüßte. Er sei danach in eine
Einzelzelle gesteckt worden. Im gleichen Gefängnis soll mehreren Gefangenen
die Zeitschrift Azadiya Welat nicht ausgehändigt werden.
Netzwerk Bia vom 21.11.2006
Erol Özkoray verurteilt
Der Herausgeber der Zeitschrift
"Idea Politika", Erol Özkoray wurde Anfang November von der 2. Kammer
des Landgerichts Istanbul zu einer Geldstrafe von 2.200 YTL verurteilt.
Die Strafe wurde nach Artikel 159 altes TStG für die Artikel "Pleite
der Türkei" und "Oligarchisches Quadrat" verhängt.
Atilim vom 22.11.2006
Prügel in Ankara
Mitglieder der ESP, die
beim Verteilen der Zeitungen Toplumsal Demokrasi und Atilim am 17. November
auf der Yüksel Caddesi (Ankara) festgenommen worden waren, haben sich
über Misshandlungen beschwert. Gökce Otlu sagt, dass er, Yagiz
Özel und Ahmet Kirgil wegen der Prügel in ein Krankenhaus gebracht
werden mussten. Filiz Ulucelebi beschwerte sich über sexuelle Belästigung.
Ahmet Yildirim sagte, dass selbst bei der Gerichtsmedizin geprügelt
wurde. Er habe mit Handschellen am Boden liegen müssen und sei getreten
worden. Die Polizeibeamten sollen die Ärzte an der Ausstellung von
Attesten gehindert haben.
Agentur ANF vom 23.11.2006
Entführung und Drohungen
gegen Politiker
Mahmut Alinak, ehemaliger
Abgeordneter und Vorsitzender der DTP für die Provinz Kars, gab bekannt,
dass Mehmet Altun, Vorsitzender der DTP für den Kreis Selim am 21.
November gegen 17 Uhr von drei bewaffneten Personen im Stadtzentrum entführt
und in ein Auto gezerrt wurde. Mit verbundenen Augen habe man ihn außerhalb
der Stadt herum gefahren. Er sei splitternackt ausgezogen und in Wasser
getaucht worden, An den Ohren, Zehen und am Penis seien Kabel angebracht
worden und er habe Elektroschocks erhalten. Dabei sei ihm vorgeworfen worden,
an einer Versammlung in Van und einer Kundgebung in Kars teilgenommen zu
haben. Die Entführer haben auch gedroht, ihn und Mahmut Alinak umzubringen.
Später sei er auf einem Feld am Stadtrand wieder freigelassen worden.
Atilim vom 23.11.2006
Brief eines Gefangenen
nicht weiter geleitet
Ein Brief von Erol Zavar,
ehemaliger Chefredakteur der Zeitschrift Odak, an die Zeitung Atilim wurde
nicht weiter geleitet, weil dort irreführende Informationen zu den
F-Typ-Gefängnissen drin enthalten sein sollen.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 21.11.2006
Ausreiseverbote nach
26 Jahren (teilweise) aufgehoben
Nach dem Militärputsch
wurde vielen Personen die Ausreise aus der Türkei ohne Gerichtsbeschluss
auf Wunsch der Militärs verboten. Davon sollen bis vor Kurzem 3.800
Personen betroffen gewesen sein. Die oberste Polizeidirektorat hat nach
einer Inspektion der Akten die Einschränkungen für 3.130 Personen
aufgehoben. Die Akten von 670 Personen werden noch untersucht.
Radikal vom 22.11.2006
Erhebung von TESEV
Die Stiftung für wirtschaftliche
und soziale Studien (TESEV) hat eine Umfrage unter 1492 Personen in 23
Provinzen durchgeführt. Einige Ergebnisse darauf besagen, dass Arbeitslosigkeit
für das größte Problem gehalten wird (38,2%), gefolgt von
Inflation (12,1%) und Terror (11,1%). Im Jahre 1999 dachten noch 42,4%,
dass strenggläubige Muslime in der Türkei unterdrückt werden.
Im Jahre 2006 dachten noch 17% so. Demgegenüber sagten 8%, dass die
Strenggläubigen Druck auf die sekulären Personen ausüben.
Unter den Alewiten befürchten 49%, dass sich in der Türkei das
Schariat breit machen könne. Unter den Kurden sind dies 19%, bei den
Islamisten 24% aber unter den Sekulären 58%.
Netzwerk Bia vom 21.11.2006
Wenig beachteter Angriff
auf Meinungsfreiheit
Der Vorsitzende der Anwaltskammer
Diyarbakir, Sezgin Tanrikulu, hat auf einer Pressekonferenz darauf hingewiesen,
dass die Bestimmungen im neuen Strafrecht, die die Meinungsfreiheit einschränken,
langsam sichtbar werden. So seien allein in Diyarbakir 150 Personen in
60 Verfahren nach dem Artikel 220(8) des neuen Strafgesetzes angeklagt
worden. Dieser Artikel verbietet die Propaganda für eine illegale
Organisation. Von den Verfahren seien 26 abgeschlossen worden und es erhielten
46 Personen Haftstrafen. Einer davon ist der Vorsitzende der Zweigstelle
Diyarbakir des Menschenrechtsvereins IHD, Selahattin Demirtas (vgl. Wochenbericht
46/2006).
Radikal vom 25.11.2006
Gericht erklärt
Religionsunterricht zum Wahlfach
Der stellvertretende Vorsitzende
der Alevi-Bektasi Föderation, Ali Kenanoglu, hatte im Jahre 2005 ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht in Istanbul mit dem Ziel angestrengt,
dass sein Sohn Mustafa Berkay vom Religionsunterricht befreit wird. Die
5. Kammer des Verwaltungsgerichts gab ihm nun Recht. Dabei berief es sich
auf den Artikel 24(1) der Verfassung und den Artikel 9 der EMRK. Gegen
das Urteil kann Revision beim Obersten Verwaltungsgericht eingelegt werden.
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