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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 35/2006
Özgür Gündem
vom 27.08.2006
Schüsse in Ovacik
In der Nähe der Kreisstadt
Ovacik (Tunceli) hat die Polizei auf Menschen geschossen und dabei Okay
Aydin am Bauch und Arm, Veysel Sakat am Arm verletzt. Veysel Sakat sagte,
dass er gehört habe, dass Freunde verprügelt würden. Er
sei dorthin gefahren und beim Verlassen seines Autos habe ihm jemand etwas
vorgehalten und gesagt, dass er Polizist sei. Den Dienstausweis habe er
aber nicht genau gesehen, da sofort geschossen wurde. Es seien zwei Personen
gewesen, von denen aber nur einer eine Waffe gehabt habe. Sie regten sich
auf, vorher von ihnen überholt worden zu sein. Laut der Nachricht
von Özgür Gündem fuhren die “Schießwütigen” anschließend
in die Gendarmeriestation Yesil Yazi.
Özgür Gündem
vom 29.08.2006
Der Unteroffizier Haydar
Ovasin hat sich der Gendarmerie gestellt. Er gab zu, Okay Aydin und Veysel
Sakat verletzt zu haben.
Özgür Gündem
vom 26.08.2006
Beschwerden aus dem Gefängnis
Nach Aussagen seiner Schwester
Filiz Azbay soll Abdurrahman Tasdelen im Militärgefängnis von
Adana mit einer Heftmaschine gefoltert worden sein. Ihm seien Klammern
in den Körper gedrückt worden. Bei ihrem Gespräch habe sich
zwar stets jemand eingemischt, aber in einem unbeobachtetem Moment habe
ihr Bruder ihr die Wunde an der Brust gezeigt. Ihr Bruder habe gesagt,
dass es insgesamt 37 Klammern seien. Das sollen die Bediensteten im Gefängnis
noch mit anderen 8 Gefangenen gemacht haben. Mehr habe der Bruder nicht
mitteilen können, weil danach das Gespräch unterbunden wurde.
Isa Idigül, der Vater
des gefangenen Soldaten Hakan Idigül, sagte, dass er seinen Sohn besuchen
wollte, stattdessen aber zu einem Oberstleutnant und Major gebracht wurde,
die ihm sagten, dass sein Sohn und andere bestraft wurden, weil sie Fenster
und Betten zerstört hätten. Isa Idigül habe die Erklärung
nicht befriedigt und er habe die Offizieren beschuldigt, dass sie folterten.
Das habe der Major verneint, aber indirekt auch vor weiteren Schritten
gewarnt, ‘weil es nicht gut für den Sohn sei’. Isa Idigül wollte
den militärischen Staatsanwalt sprechen, wurde aber nicht vorgelassen.
Die zivile Staatsanwaltschaft nahm eine Anzeige nicht an, da die Sache
nicht in ihren Zuständigkeitsbereich falle. Auch Mukaddes Boyraz,
der Mutter des Gefangenen Rasim Boyraz, wurde ein Besuch nicht gestattet.
Im Militärgefängnis Adana war der gefangene Soldaten Murat Polat
im Juli 2005 zu Tode geprügelt worden.
Hürriyet vom 25.08.2006
Kurdische Bücher
scheitern am Zoll
Nach einem Bericht des schwedischen
Fernsehsenders TT wurden 1.208 Bücher, die von Astrid Lindgren’s Serie
Pippi Langstrumpf in Kurdische übersetzt worden waren, am Zoll beschlagnahmt.
Offiziell wurden Mängel an den Einfuhrpapieren festgestellt. Zudem
soll eine Erlaubnis des Kultusministeriums nicht vorgelegen haben.
Özgür Gündem
vom 27.08.2006
Demonstranten angeklagt
Im Zusammenhang mit einer
Pressekonferenz zum Weltfriedenstag am 1. September 2005 in der Kreisstadt
Silopi (Sirnak) wurden 34 Teilnehmer unter Artikel 314 in Verbindung mit
Artikel 220 neues TStG (das entspricht dem alten Artikel 169 und dem Vorwurf
der Unterstützung einer illegalen Organisation) angeklagt. Das Verfahren
wird vor der 4. Kammer des Landgerichts Diyarbakir durchgeführt werden.
Zaman vom 26.08.2006
Entführung durch
HPG?
Ali Bozkurt soll am 25.
August im Kreis Genc (Bingöl) von HPG Militanten entführt worden
sein.
Milliyet vom 26.08.2006
Bombenexplosionen
Bei zwei Bombenexplosionen
in Adana wurden am 25. August fünf Personen verletzt. Beide Bomben
detonierten in der Özler Straße. Die 1. Bombe vor einem Einkaufszentrum
und die 2. Bombe im ersten Stock eines Bürogebäudes, in dem sowohl
der IHD als auch die ÖDP und SHP Büros haben. Den verletzten
Ali Sahin, Hakan Küçükkömürcü, Serkan Sevgi
und Süleyman Gülmez soll es dem Vernehmen nach gut gehen.
Radikal vom 29.08.2006
Todesschüsse in
Balikesir
Am 27. August erschossen
Polizisten Halil Bulut in Balikesir, weil er nicht anhielt. Er soll schwer
alkoholisiert gewesen sein. Die Polizisten behaupteten, dass sie auf die
Reifen zielten, aber Halil Bulut wurde in die Brust geschossen.
Cumhuriyet/Milliyet vom 29.08.2006
Prügel in Istanbul
Das Mädchen I.U. (16)
warf der Polizei in Istanbul vor, sie festgenommen zu haben, weil sie mit
zwei Freunden rauchte. Sie seien auch verprügelt worden. Am Abend
des 26. August gegen 23 Uhr habe sie mit zwei Freunden aus der Nachbarschaft
Zigaretten geraucht, als ein Polizeibeamter sie anfuhr, was sie zu dieser
Stunden mit Jungen zu tun habe. Dabei habe er sie geohrfeigt und gleich
eine Streife angefordert, um sie festnehmen zu lassen. Einer der Freunde
habe sich eingemischt und der sei auch geschlagen worden. Der Streife habe
er gesagt, dass das Mädchen ihn geschlagen habe. Inzwischen waren
auch Anwohner erschienen und I.U. wurde nach einer Stunde im Polizeigewahrsam
wieder freigelassen.
TIHV vom 29.08.2006
Foltervorwürfe in
Istanbul
Der IHD in Istanbul gab
auf einer Pressekonferenz bekannt, dass Akin Varli, Inan Aydogan, Necati
Çimen und Kurtulus Sürmeli, die am 21. August bei Schreiben
von Parolen der SDP festgenommen worden waren, auf der Wache in Sehremeni
(Istanbul) physischer und verbaler Gewalt ausgesetzt waren. Man habe sie
nackt ausgezogen und groben Schlägen ausgesetzt.
Cumhuriyet vom 29.08.2006
Historikerin vor Gericht
Die Staatsanwaltschaft von
Beyoglu hat Muazzez Ilmiye Cig, eine führende Historikerin zur Erforschung
der Sumerer, und den Verleger Ismet Ögütücü vom Verlag
“Zeitalter und Analyse” wegen des Buches “Meine Reaktionen als Bürgerin”
unter Artikel 216/2 neues TStG (Aufstachelung zum Rassenhass) angeklagt.
In dem Buch sind Briefe abgedruckt, die sie an den damaligen Bürgermeister
von Istanbul, Recep Tayyip Erdogan geschrieben hat, und Artikel, die sie
1997 veröffentlichte. Frau Cig sagte u.a., dass bei den Sumerern die
Prostituierten ihr Angesicht verhüllten, während es im Islam
eingeführt wurde, als die vielen Frauen und Töchter des Propheten
bemerkt wurden.
Özgür Gündem
vom 29.08.2006
Bürgermeister vor
Gericht
Der stellvertretende Bürgermeister
von Semdinli, Emin Sari, wird sich vor einem Amtsgericht wegen eines Telefonats
mit Roj TV verantworten müssen. Er hatte nach der Verhandlung gegen
den Unteroffizier Tanju Cavur am 20. Januar einen Kommentar abgeben wollen,
aber schon nach den Worten “Wenn das Verfahren unabhängig in Angriff
genommen wäre, hätte heute Tanju Cavus...” war die Telefonleitung
unterbrochen worden. Die Anklage fordert eine Bestrafung nach Artikel 301
TStG (Beleidigung).
Hürriyet vom 29.08.2006
Bombenanschläge
Am 28. August explodierte
gegen 16.40 Uhr eine Bombe vor einem Geschäftshaus in Antalya. Imran
Arik, ein pensionierter Polizist, und eine namentlich nicht bekannte Person
starben (später wurde der Name als Ilter Avsar bekannt); 87 Personen,
darunter 14 Touristen wurden verletzt. Am 27 August detonierten in Marmaris
drei Bomben in einem Kleinbus und in zwei Müllbehältern. Dabei
wurden 21 Personen verletzt, darunter 10 Engländer. Die Namen der
Verletzten wurden mit "Alex Becford, Master Louis, Suzanne Becford, Janet
Hughes, Kevin Smith, Jenifer Smith, Master Adam Pond, Katherin Urry, Mart
Stringer, Dorothy Huger, Seval Gözüaçik, Özgür
Ates, Sebahat, Erdinç Firat, Rüzgar Kivilcim Firat, Yunus Inan,
Ayten Dili, Ali Saridüz, Caner Çelik und 2 Unbekannten angegeben.
Am gleichen Tag kam es vor dem Gebäude des Landrates in Bagcilar (Istanbul)
zu einer Explosion. Dabei wurden Fuat Kizilkaya, Rahman Can, Sabriye Can,
Enes Can (9), Demet Özdemir und Cumaali Ekici verletzt. Fuat Kizilkaya
soll auf dem rechten Auge erblindet sein. Zu den Vorfällen in Istanbul
und Marmaris haben sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekannt.
Halkin Sesi/Zaman vom 31.08.2006
Angriff auf Demonstranten
Während der Feierlichkeiten
in der Vatan Straße (Istanbul) zum 30. August enthüllten Demonstranten
ein Spruchband, auf dem "wir werden nicht Soldaten von Israel" stand. Die
Menge griff die Demonstranten Rüya Kurtulus, Hakan Demir, Musa Seçkin
und Nihat Mogurtay an. Die Polizei setzte Pfeffergas ein, um die Demonstranten
zu retten, und nahm sie anschließend fest. In Ankara wurden 20 Personen
festgenommen, weil sie aus Protest gegen die Entsendung von Soldaten in
den Libanon ihre Geschäfte am 28. August nicht geöffnet hatten.
Unter ihnen kamen Erdinç Eroglu, Hasan Karapinar, Abdullah Özgün,
Ali Sinan Çaglar, Eray Destegül und Nurcan Temel am 29. August
in U-Haft. Sie sollen andere zum Schließen der Läden gezwungen
und Propaganda für eine illegale Organisation gemacht haben.
Radikal vom 01.09.2006
In Istanbul haben die Demonstranten
die Polizei beschuldigt, die Menge aufgewiegelt zu haben. Rüya Kurtulus
sagte, dass aus der Menge keine Reaktion gegen das Spruchband gekommen
sei. Sie seien dann ein paar Schritte nach vorne gegangen und ein Polizist
habe sie am Hals gepackt und zwischen 5 weitere Polizisten geschleudert
mit den Worten 'hier ist ein Verräter'. Musa Seckin sagte, dass er
ebenfalls in die Menge geschleudert wurde anstatt dass die Polizei sie
vor den Schlägen schützte. Auf der Wache seien die Schläge
weiter gegangen. Die am 31. August freigelassenen Demonstranten kündigten
an, dass sie gegen die Polizisten und den Polizeichef von Istanbul, Celalettin
Cerrah, der nach dem Vorfall "sehr schön" gesagt hatte, Strafanzeigen
stellen werden.
Radikal/Özgür Gündem
vom 31.08.2006
Vorfall in Bozkir (Konya)
Am 28. August kam es unter
Bauarbeiter in der Kreisstadt Bozkir (Konya) zu einer Diskussion, die sich
in eine Schlägerei verwandelte. Daraufhin marschierten ca. 1000 Leute
zur Stadtmitte und riefen Parolen gegen Kurden. Sie griffen eine Teestube
von Kurden an und verprügelten zwei Bauarbeiter, darunter Salih Yesilmen.
Die Polizei rettete sie, indem sie in die Luft schoss. Da die Menge an
der Baustelle niemand vorfand, versammelte sie sich wieder in der Stadtmitte.
Unterdessen wurden die kurdischen Bauarbeiter in kleinen Gruppen aus der
Stadt gebracht.
Milliyet vom 31.08.2006
Neue Kriterien für
Fahndungen
Das Innenministerium hat
ein Dekret heraus gebracht, demnach nur noch nach Personen gefahndet werden
soll, gegen die ein gerichtlicher Haftbefehl existiert. Mit dem Dekret
soll verhindert werden, dass Personen, die einmal zur Fahndung ausgeschrieben
waren, aber gerichtlich nicht mehr verfolgt werden, wiederholten Festnahmen
ausgesetzt sind.
Radikal vom 01.09.2006
Todesschüsse in
Izmir
Am 30. August schoss die
Polizei in Izmir auf ein Fahrzeug im Stadtteil Kahramanlar im Kreis Konak
(Izmir). Der Fußgänger Aziz Yargi wurde dabei getötet.
Nach offizieller Darstellung wurde aus dem Auto ebenfalls geschossen und
Aziz Yargi geriet zwischen die "Fronten".
Özgür Gündem
vom 01.09.2006
Gefangene sollen für
Übersetzungen zahlen
Aus dem E-Typ Gefängnis
in Siirt wurde berichtet, dass Gefangen, die Briefe in Kurdisch schreiben,
für jede Übersetzung 60 YTL zahlen müssen. Die Briefe der
Gefangenen, die nicht zahlen, werden nicht weiter geleitet. Der Anwalt
M. Sabir Tas gab nach einem Gespräch mit seinen Mandanten Yilmaz Altig,
Naime Encü, Pakizer Uksul und Abdullah Kanat an, dass sein Mandant
Yilmaz Altig vor die Wahl gestellt worden sei, entweder zu zahlen oder
auf die Weiterleitung des Briefes zu verzichten. Der Anwalt gab weiter
an, dass die einzige weibliche Gefangene, Naime Encü, in Einzelhaft
gehalten werde.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 31.08.2006
Protestantische Kirche
anerkannt
Die im Jahre 1999 in Istanbul
gegründete Stiftung der Protestantischen Kirche (IPKV) hat einen positiven
Bescheid auf die Ausstellung eines Bauplanes für eine Gebetsstätte
in der Bagdat Straße unter Beiziehung des Gouverneurs der Stadtverwaltung
Istanbul erhalten. In dem Bescheid vom 18. August wurde der Bauplan in
der Weise geändert, dass dort nun eine Gebetsstätte der Protestanten
ist. Laut dem Vorsitzenden der IPKV, Timur Topuz, kommt dieser Bescheid
einer Anerkennung der Glaubensrichtung gleich.
Radikal vom 02.09.2006
Handgranate auf das Haus
von syrisch-orthodoxen Christen
In der Nacht von vorgestern
(31.08.) wurde eine Handgranate in das Haus von Gebro Seven im Stadtteil
Isiklar in der Kreisstadt Midyat (Mardin) geworfen. Die Explosion richtete
Sachschaden an. Gebro Seven war mit seiner Familie zum ersten Mal seit
25 Jahren auf Heimaturlaub. Er sagte, dass die Bombe wahrscheinlich von
Personen geworfen wurde, die nicht wollen, dass sie in die Heimat zurückkehren.
Nachrichtenagentur ANF
Bilanz der HPG für
August
Nach Auskunft der Volksverteidigungskräfte
HPG führten die türkische und iranische Armee in einem Monat
51 Operationen (43 davon auf türkischer Seite) durch. Es sollen 85
Soldaten, Dorfschützer und Nationalgardisten (Iran), sowie 9 Guerillas
getötet worden sein. Zudem habe sich ein Soldat der türkischen
Armee der HPG ergeben. Die Guerilla habe des Weiteren 5 Militärfahrzeuge,
7 Waggons und eine Lokomotive zerstört.
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