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Übersetzungen aus den Tagesberichten der TIHV
Woche 34/2006

Milliyet vom 19.08.2006
Todesschüsse in Istanbul
Am 17. August erschoss die Polizei Frau Zeycan Celik (38) im Stadtteil Tarlabasi (Beyoglu-Istanbul). Gegen 22.30 Uhr verfolgte die Polizei zwei Personen aus Somalia, die in Drogengeschäfte verwickelt sein sollten. Sie schossen auf die Flüchtenden und trafen Zeycan Celik, die bei Naciye Demir zu Gast war und deren Tochter sie vom Balkon in die Wohnung bringen wollte. Ein Schuss traf sie unter dem linken Auge. Sie starb im Krankenhaus. Offiziell verlautete, dass Idris Saloma und sein Freund aus Somalia auf die Polizei geschossen haben und erst die Ballistik ermitteln könne, von welcher Seite der tödliche Schuss fiel. Naciye Demir wiederum sagte, dass es keinen Schusswechsel gegeben habe und die Polizei wild in die Gegend gefeuert habe.

Atilim vom 19.08.2006
Foltervorwürfe in Istanbul
Am 14. August nahm die Polizei in Istanbul 7 Mitglieder der Sozialistischen Plattform der Unterdrückten (ESP) fest, nachdem sie an den Büros der AKP in Kadiköy und Bakirköy Spruchbänder gegen Israel aufgehängt hatten. Am 19. August sprach Figen Yüksekdag für die ESP auf einer Pressekonferenz beim IHD. Sie sagte, dass die Freunde bei der Festnahme grobe Schläge erhielten und über den Boden gezogen wurden. In der Polizeihaft seien die Schläge und Folter weiter gegangen. Iskender Kordu sei wegen der Folter schlecht geworden und seine Festnahme sei so datiert worden, als habe er sich die Verletzungen selber zugefügt. Sowohl Iskender Kordu als auch Habip Akkaya sagten auf der Pressekonferenz, dass sie mit Handschellen und auf dem Boden liegend geschlagen wurden. Sie kündigten an, Strafanzeige zu stellen.

Özgür Gündem vom 19.08.2006
Gefangener geschlagen
Vom F-Typ Gefängnis in Sincan wurde berichtet, dass Erol Zavar (ehemaliger Chefredakteur der Zeitschrift Odak) verprügelt wurde. Seine Frau Elif Zavar berichtete, dass er am 2. August wegen Darmkrebs operiert worden sei und am 7. August wieder ins Gefängnis kam. Sie habe am 16. August erfahren, dass er Gewalt ausgesetzt war und habe "blaue Flecken" auf seinen Armen und seinem Körper gesehen. Elif Zavar sagte weiter, dass ihr Mann wegen einer Meinungsverschiedenheit zur Leibesvisitation geschlagen wurde und dabei 150 Meter über den Boden geschleift worden war. Er habe den Bediensteten gesagt, dass er operiert wurde und Schmerzen habe. Erst auf wiederholte Aufforderung habe der Arzt des Gefängnisses Erol Zvar untersucht, ihn aber nicht von dem Ergebnis unterrichtet.

Özgür Gündem vom 18.08.2006
Todesschüsse in Batman
Die Staatsanwaltschaft in Batman hat den IHD aufgefordert, Beweise zur Erschießung des Fatih Tekin (3) vorzulegen. Das Kind war während einer Demonstration in Batman am 30. März erschossen worden. Die Familie hatte einer Autopsie nicht zugestimmt. Der Generalsekretär des IHD, Nejat Tastan sagte, dass die Staatsanwaltschaft sie angeschrieben hätte und nach Beweisen frage. Dabei sei die Zentrale des IHD in Ankara und der Vorfall habe sich in Batman abgespielt. Es sei die Aufgabe des Staatsanwaltes heraus zu finden, aus welcher Waffe die tödlichen Schüsse abgefeuert wurden.

Özgür Gündem vom 18.08.2006
Verschleppte Ermittlungen zu Folter
Die Staatsanwaltschaft in Silopi hat sich an den IHD gewandt und nach der Adresse und Beweismitteln zur Folter an HADEP-Funktionär Aslan Kaya gebeten. Er war im November 2001 mit einer Delegation nach Silopi (Sirnak) gefahren, um wegen des Verschwindens von Serdar Tanis und Ebubekir Deniz (25.01.2001) zu ermitteln. Die Delegationsteilnehmer waren festgenommen worden und Aslan Kaya hatte Foltervorwürfe erhoben.

Bugün/Hürriyet vom 19./20.08.2006
Vorfall in Istanbul
In der Nacht vom 19. August wurde ein Polizeiauto im Stadtteil Kemalpasa (Bagcilar-Istanbul) beschossen. Dabei wurden die Polizeibeamten Salih Özübey (schwer) und Orhan Aslandag verletzt. Angeblich soll einer der Angreifer gefasst worden sein.

Hürriyet vom 20.08.2006
Flüchtlinge ertrunken
Bei dem Versuch von Didim (Aydin) auf die griechische Insel Farmakosi zu gelangen sind am 19. August durch Kentern des Bootes zwei Afghanen ertrunken. Zwei weitere Flüchtlinge werden vermisst, 18 Personen wurden gerettet.

DIHA vom 17.08.2006
Festnahmen in Van
Am 16. August überfiel die Polizei in ein Haus in Van. Dort richteten die Polizisten eine temporäre Station ein (warteten auf Ankommende, DTF). Sie nahmen C. Isik (16) und seinen Bruder F. Isik (15) vorläufig fest. Später wurden sie freigelassen und an ihrer Stelle der Vater Yusuf Isik festgenommen. Seine Frau Dilber Isik sagte, dass ihnen kein Grund für die Festnahme genannt wurde und sie während der Razzia mit Waffen bedroht wurden.

Yeni Safak vom 22.08.2006
Todesschüsse in Hatay
Am 21. August eröffneten Soldaten an der Grenze nach Syrien (Kreis Altinözü/Hatay) Schüsse auf eine 15-köpfige Gruppe, die illegal in die Türkei kommen wollte. Dabei wurde der aus Syrien stammende Salih Hec getötet. Offiziell verlautete, dass Aufforderungen sich zu ergeben nicht befolgt wurden und es zu einem Gefecht kam.

Radikal vom 24.08.2006
Foltervorwürfe in Mersin
Muhammet Ali Köse hat Vorwürfe erhoben, dass am 12. August die Polizei in Mersin ihn am Arbeitsplatz, an einem verlassenen Ort und auf der Polizeiwache geschlagen hat. An jenem Tage kamen die Beamten H.C. und I.S. von der zentralen Polizeistation in Mersin zwei Mal zu seinem Imbiss und fragten nach seinem älteren Bruder Mustafa Kemal Köse. Die Beamten regten sich über die Antwort auf, dass sie als Polizisten ihn selber finden sollten. Sie schlugen Muhammet Ali Köse auch in Gegenwart der Kunden Fikret Deniz, Tevfik Yilmaz, Hasan Gündogdu und Mustafa Kasap, legten Herrn Köse Handschellen an und führten ihn zum Auto. Bei dem Vorfall sollen die Fensterscheiben des Imbisses zu Bruch gegangen sei. Nach Aussage von Ali Köse sei es auf einen hügligen Weg zum Dorf Yassibag gegangen. Dort sei er wieder verprügelt und mit dem Tode bedroht worden.
15 Personen, die gesehen hatten, wie Köse verprügelt wurde, gingen zur Polizeiwache und fragten nach ihm. Einem von ihnen, Irfan Göktas, gelang es, zu den Zellen zu gelangen. Dort sah er Köse nackt und auch, dass er geschlagen worden war. Auf Druck der Freunde wurde Köse freigelassen und von seinen Freunden ins Krankenhaus gebracht. Es wurden Spuren von Schlägen im Gesicht, auf dem Rücken, der Brust und am Kopf festgestellt. Der linke kleine Finger war gebrochen. Muhammet Ali Köse stellte Strafanzeige.

Özgür Gündem vom 24.08.2006
Vorfälle im Gefängnis Sincan
Am 23. August veranstaltete die Zweigstelle Ankara des IHD eine Pressekonferenz auf der gesagt wurde, dass die Vorfälle beim Verlegen weiblicher Gefangener von der geschlossenen Haftanstalt in Ankara in das Gefängnis in Sincan vom Typ F die Form von Folter angenommen habe. Der Vorsitzende des IHD Ankara, der Anwalt Sait Kiran, sagte, dass die Verwaltung wochenlang nicht auf Anfragen nach einem Treffen reagiert habe. Am 15. August wurde versucht, in dem Raum von drei Gefangenen eine Tafel aufzuhängen. Als sich die Gefangenen wehrten, seien ihre Fotos zerrissen worden. Nilüfer Sahin sei über den Boden aus dem Raum gezogen und misshandelt worden. Die Anwältinnen Akca Oflaz und Filiz Kalayci sahen die Spuren davon. Die Gefangene Figen Cagri wurde geschlagen, weil sie sich gegen eine Leibesvisitation wandte. Der After und die Vagina der Gefangenen werde kontrolliert und wer sich gegen das Ausziehen der Schuhe wehre, erhalte Besuchsverbot. Es gebe kein warmes Wasser. Bücher und Briefe würden nicht ausgehändigt. Sait Kiran sagte weiter, dass permanent das Lied "Ich sterbe für meine Türkei" sehr laut abgespielt werde. Die Öffnungszeiten der Kantine würden ständig wechseln. Bei dem Gespräch mit der Verwaltung sei entgegnet worden, dass das Personal unter den gleichen Unregelmäßigkeiten leide. Sait Kiran meinte, dass es daran liege, dass das Gefängnis nicht "betriebsbereit" sei und schlecht geführt werde.
Aysa Yazar, der Mutter von Nesrin Yazar, die im Gefängnis Kürkcüler (Adana) gehalten wird, wurde bei einem Besuch die Stempel "Erst das Vaterland" und "Eingesehen" (wie es auf Gefangenpost steht, DTF) auf den Arm gedrückt. Aysa Yazar sagte, dass dies auch bei anderen Besuchern gemacht werde und zwei von ihnen, die den Stempel löschen wollten, habe man lange Zeit im Gefängnis festgehalten. Aysa Yazar beschwerte sich außerdem, dass sie lange auf ihre Tochter warten musste und als sie nach 15 Minuten fragte, sei ihr gesagt worden, sie solle doch warten.

Radikal vom 24.08.2006
Freispruch für Journalisten bestätigt
Die Kammerversammlung des Kassationsgerichtshofs hat den Freispruch für den Journalisten Tuncay Özkan bestätigt. In einer Serie in Milliyet vom 20-23. April 2001 hatte er den damaligen Innenminister Saadettin Tantan kritisiert. Er war von der 2. Kammer des Amtsgerichts Ankara freigesprochen worden. Das Urteil hatte die 4. Kammer des Kassationsgerichtshofs aufgehoben. Dagegen legte der Staatsanwalt am Kassationsgerichtshof Widerspruch ein.

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