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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 31/2006
Radikal vom 28.07.2006
Geständnisse eines
Generals
Der pensionierte General
Altay Tokat, der zwischen 1995 und 1998 im Gebiet unter Ausnahmezustand
im Dienst war, hat bekundet, dass er in der Nähe der Wohnungen von
Richtern und Staatsanwälten, die in das Gebiet versetzt worden waren,
Bomben explodieren ließ, damit sie sich konform verhielten. In der
Zeitschrift Aktüel wurde ein Interview mit dem General veröffentlicht,
der dem zentralen Exekutivausschuss der MHP angehört. Er nahm darin
zu den Vorfällen in Semdinli Stellung und behauptete, dass dem Besitzer
des Buchladens "Umut", Seferi Yilmaz, eine Gruppe von Milizionären
unterstellt sei und die Unteroffiziere die Aufgabe hatten, diese Gruppe
zu überwachen. Der General bezeichnete die Vorgehensweise als unprofessionell,
meinte aber, dass die Bombe in den Laden geworfen sein könnte, um
den Besitzer zu warnen. Er selber habe in seiner Dienstzeit auch Bomben
werfen lassen, die als Warnung gedacht waren. Die Beamten und Richter aus
dem Westen würden den Ernst der Lage in dem Gebiet nicht erkennen.
Aus dem Grund habe er in der Nähe ihrer Wohnungen Bomben hochgehen
lassen, damit sie sich nicht so sorglos verhalten. Mit den Bomben habe
er vielleicht ihr Leben gerettet.
Auf Nachfrage von Radikal
sagte Tokat, dass am Werfen von Bomben nichts Besonderes sei. Sie seien
zum Zwecke der Schulung geworfen worden. In der Armee gebe es Einheiten
und die separatistische Organisation habe eine Miliz, die sich an Aktionen
in den Städten beteiligte. Die seien noch gefährlicher.
Özgür Gündem
vom 27.07.2006
Prügel im Gefängnis
Ayhan Kacak, der im F-Typ
Gefängnis von Van einsitzt, hat sich beschwert, dass er von Wärtern
brutal verprügelt wurde, weil er bei der Entlassung eines Freundes
auf Kurdisch "Es lebe der Frieden" gerufen habe. Seine Mutter Hanife Kacak
besuchte ihn am 25. Juli und sagte danach, dass der Vorfall am Vortage
passiert sei, als gleich 30 Wärter sich auf ihren Sohn stürzten.
Er habe nun Schwierigkeiten zu sprechen.
Radikal vom 28.07.2006
Journalistin freigesprochen
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
Istanbul hat die Journalistin Perihan Magden im Zusammenhang mit einem
Artikel in der Zeitschrift Aktüel mit der Überschrift "Verweigerung
aus Gewissensgründen ist ein Menschenrecht" freigesprochen. Das Gericht
urteilte, dass die Meinungsäußerung durch die Europäische
Menschenrechtskonvention gesichert sei und die materiellen Elemente des
Vergehens nicht erfüllt seien.
Yeni Safak vom 27.07.2006
Verfahren gegen Metin
Kaplan
Die 14. Kammer des Landgerichts
Istanbul verhandelte am 26. Juli gegen den aus Deutschland abgeschobenen
Metin Kaplan, der Leite der Union der islamischen Vereine und Gemeinden.
Sein Verfahren wurde mit dem Verfahren gegen Hasan Cibir verbunden. Ihm
wird Mitgliedschaft in der Organisation zur Last gelegt. In seiner Vernehmung
wies Hasan Cibir die Beschuldigungen zurück und sagte, dass seine
Festnahme nur wegen Verwandtschaft mit Metin Kaplan erfolgt sei. Anträge
auf Freilassung der Angeklagten wurden abgelehnt.
Özgür Gündem
vom 01.08.2006
Prügel im Gefängnis
Ismail Özdemir, der
im F-Typ Gefängnis von Tekirdag einsitzt, hat Vorwürfe erhoben,
dass er im Zimmer des Direktors verprügelt wurde. Sein Vater Osman
Özdemir sprach auf einer Pressekonferenz des IHD Istanbul am 28. Juli
und erklärte: "Am 18. Juli sollte mein Sohn zur Behandlung der Schuppenflechte
auf die Krankenstation gebracht werden. Dabei ist er aus Versehen einem
Wärter auf die Hacke getreten. Sofort wurde er angegriffen und in
das Zimmer des Direktors gebracht. Dort wurde er schwer geschlagen. Weil
er sagte, dass er Anzeige erstatten werde, wurden ihm 10 Tage Einzelhaft
auferlegt.“
Özgür Gündem
vom 01.08.2006
Minenexplosion
Elif Senlik (14) starb und
Ahmet Senlik, Bayram Dursun (13) und Besile Dursun (12) wurden verletzt,
als sie am 30. Juli in der Nähe der Ortschaft Ferdi im Kreis Genc
(Bingöl) auf eine Mine traten.
Özgür Gündem
vom 02.08.2006
Foltervorwürfe in
Adana
Farhi Eray Palaz, der am
26. Juli in Adana festgenommen wurde, hat Vorwürfe erhoben, dass er
auf der Polizeistation Rüstü Bayram gefoltert wurde. Er sei auf
dem Weg zur Bushaltestelle von einer Streife angehalten und nach seinem
Ausweis gefragt worden. Er habe ihn aber nicht dabei gehabt und deshalb
die Nummer angegeben. Bei der Überprüfung stellten sie fest,
dass nichts gegen ihn vorliegt. Dennoch legten sie ihm Handschellen an
und brachten ihn zur Wache. Er habe gefragt, warum er festgenommen wurde,
und sei gleich von 5-6 Beamten in Uniform beschimpft worden. Andere Beamte
hätten sich beteiligt und ihn geschlagen, bis er das Bewusstsein verlor.
Mit Wasser unter Hochdruck sei er wieder zu Bewusstsein gebracht worden.
Unter dem Vorwurf von Widerstand gegen die Staatsgewalt sei er zum Staatsanwalt
gebracht worden. Der habe ihn aber freigelassen.
Özgür Gündem
vom 02.08.2006
Mord durch unerkannte
Täter
Der in Tekkeköy im
Kreis Idil (Sirnak) lebende Abdulgafur Öktem (32), der an Epilepsie
leidet, wurde am 28. Juli ermordet. Er wurde von 4 Leuten zu Hause abgeholt,
die sagten, dass sie auf die Jagd gehen würden. Soldaten von der Gendarmerie
brachten später der Familie die Leiche mit der Behauptung, dass er
auf eine Mine getreten sei. Bei den 4 Personen, die ihn von zu Hause abholten
(M.E.I., N.K., A.Y. und A.I.) soll es sich um Überläufer der
PKK handeln. A.Y. soll der Staatsanwaltschaft in Sirnak gesagt haben, dass
es bei einer Mittagspause eine Explosion gegeben habe. Der Vater des Opfers,
Mehmet Ata Öktem sagte, dass ihnen keine Leiche sondern nur Fleischstücke
gebracht wurden. Der Ausweis und die persönlichen Gegenstände
seines Sohnes seien aber unversehrt gewesen. Der Vater bezweifelte, ob
es sich bei den Fleischstücken um seinen Sohn handeln könne,
und vermutete andere Gründe für dessen Tod, wie die Beteiligung
an einer militärischen Operation.
Weitere Meldungen (DTF)
Nachrichtenagentur ANF vom
31.07.2006
HPG gibt Bilanz für
Juli heraus
Nach Angaben der Volksverteidigungskräfte
HPG fanden im Juli 65 militärische Operationen und 68 Racheakte statt.
Es kam zu 74 Gefechten, bei denen 152 iranische und türkische Soldaten
und 12 Guerillas getötet wurden. Von den militärischen Operationen
sollen 7 durch die iranischen Streitkräfte und 5 von den türkischen
und iranischen Streitkräften gemeinsam durchgeführt worden sein.
Die HPG will außerdem einen iranischen Hubschrauber abgeschossen
haben.
Bia (Netzwerk) vom 04.08.2006
Staatspräsident
legt Anti-Terror Gesetz (ATG) dem Verfassungsgericht vor
Staatspräsident Ahmet
Necdet Sezer hat die Artikel 5 und 6 des Gesetzes 5532, mit dem Bestimmungen
des Anti-Terror Gesetzes verändert wurden, an das Verfassungsgericht
weiter geleitet, um sie auf Verfassungswidrigkeit zu überprüfen.
Das Gesetz 5532 war am 29. Juni im Parlament verabschiedet worden und nach
der Ratifizierung durch den Staatspräsidenten durch Veröffentlichung
im Amtsblatt vom 18. Juli in Kraft getreten. Sezer hatte angekündigt,
einige Bestimmungen vom Verfassungsgericht überprüfen zu lassen.
Dazu gehört die Vorschrift des Artikels 6, nach dem Verantwortliche
der Presse und von Publikationen ebenfalls bestraft werden, wenn die Identität
von Beamten im Kampf gegen Terrorismus preisgegeben wird oder Verlautbarungen
von Terrororganisationen abgedruckt werden, "selbst wenn sie selber nicht
an der Tat beteiligt waren". Dies widerspricht nach Sezer dem 7. Absatz
von Artikel 38 der Verfassung und dem Prinzip der persönlichen Strafverantwortung.
Ähnliches gilt für die Absätze 2-4 des Artikels 7 des Anti-Terror-Gesetzes.
Schließlich hat der Staatspräsident auch die Bestimmung des
(temporären) Verbots von Publikationen (Artikel 5 des Gesetzes 5532)
angefochten. Nach dieser Bestimmung können Publikationen für
die Dauer von 2 Wochen bis zu 1 Monat verboten werden, wenn sie Propaganda
für Terror gemacht haben.
Radikal vom 05.08.2006
Erstes Verbot für
die Presse nach dem ATG
Das erste Verbot für
eine Publikation nach dem revidierten Anti-Terror Gesetz hat die Tageszeitung
Ülkede Özgür Gündem getroffen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft
Istanbul hat die 12. Kammer des Landgerichts Istanbul die Zeitung für
2 Wochen verboten, weil sie in der gestrigen Ausgabe ein Interview mit
dem PKK-Funktionär Murat Karayilan abgedruckt hat. Der Nachrichtendirektor
der Zeitung, Nurettin Firat, gab an, dass bislang an die 600 Verfahren
gegen die Zeitung eröffnet wurden und sie Widerspruch gegen das Verbot
einlegen werden.
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