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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 28-29/2006
Özgür Gündem
vom 14.07.2006
Foltervorwürfe in
Istanbul
Ekin Saygili und Garip Cagdas
von der Sozialistischen Plattform der Unterdrückten (ESP) haben Vorwürfe
von Folter erhoben. Sie seien am 7. Juli bei einer Personenkontrolle in
Kartal (Istanbul) unter Schlägen festgenommen worden und auf der Wache
psychologischer Folter ausgesetzt gewesen. Der Zugang zu einem Rechtsanwalt
sei ihnen verwehrt worden.
Radikal vom 12.07.2006
Strafe gegen Dink bestätigt
Die Kammerversammlung des
Kassationsgerichtshofs hat die 6-monatige Haftstrafe gegen den Herausgeber
der Zeitung "Agos", Hrant Dink, die die 2. Kammer des Amtsgerichts Istanbul
verhängt hatte, bestätigt. Damit stellte sich das Gericht gegen
die Ansicht des Staatsanwaltes, der die Meinung vertreten hatte, dass die
materiellen und ideellen Elemente der Straftat der Beleidigung (Artikel
159 altes TStG) nicht erfüllt seien. Hrant Dink war wegen Beleidigung
des Türkentums verurteilt worden. Die Strafe war auf 5 Jahre zur Bewährung
ausgesetzt worden, d.h. falls Herr Dink in den nächsten 5 Jahren nicht
wegen eines gleich schweren Vergehens verurteilt wird, wird er nicht in
Haft kommen.
Radikal vom 09.06.2006
Autor verurteilt
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
Beyoglu hat Mustafa Balbal (von der Tageszeitung Cumhuriyet) zu einer Haftstrafe
von 10 Monaten wegen seines Buches "Blutblumen eines gefangenen Generals
am Ararat" verurteilt. In dem Buch soll sowohl die Republik als auch die
Armee beleidigt worden sein. Die Strafe wurde nach den Absätzen 1
und 2 des Artikels 301 neues TStG verhängt. Die Strafe wurde in eine
Geldstrafe von 1.800 YTL verwandelt und zur Bewährung ausgesetzt.
Der Verleger Ahmet Zeki Okcuoglu (Verlag Doz) wurde freigesprochen.
Zaman vom 13.06.2006
Folterprozess
Die 7. Kammer des Landgerichts
Istanbul verhandelte am 12. Juli im Falle der Polizeibeamten Adil Serdar
Saçan, Ahmet Erdogan, Metin Rakipoglu, Semir Günaydin, Vedat
Mercan, Necati Kurt, Serdal Akça und Osman Köprü, denen
Folter an Firat Develioglu, Emre Nil, Aysegül Hüma, Mustafa Kemal
Gül, Kartal Is und Tugba Babuna, Mitglieder der Wissenschaftlichen
Recherchestiftung, im Jahre 1999 zur Last gelegt wurden. Die Geschädigten
Mustafa Kemal Gül und Kartal Is schilderte ihre Erlebnisse in Polizeihaft.
Gül sagte: "Sie schlugen uns und zogen uns aus. Sie fesselten uns
an der Heizung und wir mussten uns die Schreie von Gefolterten anhören.
Ich erhielt Stromstöße über meine Zehen und mir wurde Wasser
über den Kopf geschüttert." Mustafa Kemal Gül sagte des
weiteren, dass man sie nicht schlafen ließ und dass sie auf dem Flur
schwere körperliche Übungen ausüben mussten. Kartal Is sagte,
dass er bis auf die Unterwäsche ausgezogen wurde und, wenn er Fragen
nicht beantworten konnte, an die Schläfe und ins Gesicht geschlagen
wurde. Später sei er ins Krankenhaus gekommen und habe Serum erhalten.
Die Behandlung habe 3 Stunden gedauert. Nach der Behandlung habe die Folter
angedauert.
Evrensel-Özgür
Gündem-Zaman vom 08-13.07.2006
Verfahren wegen Newroz
In Antep wurde der Vorsitzende
der aufgelösten DEHAP, Abdullah Ince angeklagt, weil er in einem Antrag
an den Gouverneur zur Newroz-Feier das Wort „Newroz“ mit "w" anstatt mit
"v" geschrieben hatte. In gleicher Weise wurde der Bürgermeister von
Cizre (Sirnak), Aydin Budak, angeklagt. Die Mitglieder des Organisationskomitees,
Ali Gün, Fecriye Benek, Ibrahim Erkul, Mesut Demir, Pinar Akman und
Zeydin Gökalp wurden wegen Propaganda für eine illegale Organisation
angeklagt. Am 7. Juli verurteilte die 4. Kammer des Landgerichts Diyarbakir
die Studenten Ahmet Dönmez und Umut Güngör wegen Propaganda
für eine illegale Organisation zu 10 Monaten Haft. In Adana beschloss
die 6. Kammer des Landgerichts am 13. Juli, im Falle der Mitglieder des
Organisationskomitees für die Newroz-Feiern, Halil Imrek, Mehmet Yasik,
Yilmaz Gül, Eylem Güden, Mehmet Aslan, Fadil Bozan und Sima Dorak
nicht zuständig zu sein, weil sie wegen einer unerlaubten Demonstration
und nicht wegen Propaganda angeklagt werden müssten. Die in U-Haft
befindlichen Angeklagten wurden freigelassen. Die 5. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir ordnete am 13. Juli ein Ende der U-Haft für Haci Üzen,
Mesut Aslan, Sabriye Buruntekin und Hasan Eren an. Sie sind im Zusammenhang
mit den Newroz-Feiern in Silopi angeklagt.
Cumhuriyet vom 07.07.2006
Bombenexplosion
Der minderjährige Ahmet
Dursun wurde schwer verletzt, als er in der Nähe des Dorfes Esnemez
im Kreis Dogubeyazit (Agri) am 6. Juli eine Bombe beim Schafe hüten
fand und diese explodierte.
Özgür Gündem
vom 14.07.2006
Bombenexplosion
Am 13. Juli wurde auf der
Straße zwischen den Dörfern Bölükyazi und Icgecit
(Bitlis) eine Bombe fern gezündet. Dabei kamen die Unteroffiziere
Hakan Toydemir, Hayrettin Karabiyik und die Soldaten Ramazan Okur, Nurdogan
Zorgün und Erdal Kavalli ums Leben. Der Unteroffizier Osman Kaya und
die Soldaten Ahmet Salkim, Imdat Çelik und Orhan Çetinkaya
wurden verletzt.
Özgür Gündem
vom 15.07.2006
Gefangene angegriffen
Am 7. Juli wurden die wegen
PKK-Mitgliedschaft angeklagten Gefangenen Erdal Özdogan, Hüseyin
Yasar und Murat Ipek von ca. 10 Gefangenen, die wegen Drogenhandel angeklagt
gewesen sein sollen, im Wartesaal des Landgerichts Besiktas angegriffen
und brutal geschlagen. Die politischen Angeklagten sollen in Handschellen
gewesen sein, während die anderen Angeklagten keine Handschellen trugen.
Die Soldaten, die die Gefangenen begleiteten, sollen nicht eingegriffen
haben.
Hürriyet vom 18.07.2006
Bürgermeister verurteilt
Das Amtsgericht in Silopi
hat den Bürgermeister von Silopi (Sirnak), Muhsin Konur (DTP), und
das Mitglied des Stadtparlaments Nuri Tokay zu einer Haftstrafe von je
1 Monat verurteilt. Die Haftstrafen wurden in Geldstrafen von je 300 YTL
verwandelt. Die Angeklagten sollen durch die Bereitstellung eines Krankenwagens
für den Transport der Leiche eines HPG Militanten der Organisation
geholfen haben.
Milliyet/Özgür
Gündem vom 19.06.2006
Friedensmütter verurteilt
Die 4. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir hat 24 Frauen, die sich am 22. Februar an einem Sitzstreik aus
Protest gegen die Haftbedingungen von Abdullah Öcalan beteiligt hatten,
zu einer Strafe von 10 Monaten Haft wegen Propaganda für eine illegale
Organisation verurteilt. Die Namen der Frauen im Alter zwischen 40 und
75 Jahren sind: Muhsine Burakmak, Emine Özsoy, Emine Özbek, Hilmiye
Aslan, Sevkiye Demir, Aysel Burakmak, Esma Aydemir, Sebiha Tamris, Sirini
Unat, Halime Topus, Fikriye Tanrikulu, Hasina Güler, Hanim Yasar,
Hayriye Dogan, Remziye Ates, Lütfiye Zengin, Saci Dahan, Ayse Aslan,
Ayse Kaya, Meryem Güçlü, Hatun Avci, Remziye Erenci, Safiye
Dün und Türkan Çelik.
Radikal vom 18.07.2006
Staatspräsident
ratifiziert Anti-Terror-Gesetz
Der am 29. Juni im Parlament
verabschiedete Entwurf von Änderungen am Anti-Terror-Gesetz wurde
am 17. Juli von Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer bestätigt.
Gleichzeitig wurde bekannt, dass er bestimmte Artikel an das Verfassungsgericht
weiterleiten wird, um sie überprüfen zu lassen. Es könnte
sich dabei um die Kompetenz des Waffeneinsatzes der Sicherheitskräfte,
die Einstellungen von Publikationen und Beschränkungen der Verteidigung
handeln.
Özgür Gündem
vom 21.07.2006
Drohungen gegen Menschenrechtler
Ayhan Bilgen, der Vorsitzende
von Mazlum Der, gab bekannt, dass er von der Türkischen Rachebrigade
(TIT) bedroht werde. Die meisten Drohungen erhalte er per e-mail, es seien
aber auch Briefe dabei, die mit TIT, bzw. Abdullah Catli (beim Unfall in
Susurluk umgekommener Mörder) unterzeichnet seien.
Atilim vom 21.07.2006
Gewerkschafter aus der
Haft entlassen
Das Amtsgericht in Tuzla
hat die Gewerkschafter Cem Dinc und Kamber Saygili (Limter-Is) nach der
Verhandlung vom 20. Juli aus der Haft entlassen. Sie waren nach einer Aktion
am 11. Juni verhaftet und wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt
worden. Die nächste Verhandlung findet am 19. August statt.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 10.07.2006
Bücher werden weiterhin
konfisziert
In den Jahren 2000 bis 2005
wurden 284 Bücher in der Türkei verboten und konfisziert. Aufgrund
der so genannten Harmonisierungsgesetze wurden die Verbote lediglich in
47 Fällen aufgehoben.
Radikal vom 11.07.2006
In 2 Jahren 129 Ermittlungsverfahren
gegen Baydemir
Gegen den Bürgermeister
von Diyarbakir, Osman Baydemir, wurden innerhalb von 2 Jahren 129 Ermittlungsverfahren
eröffnet. Davon endeten 47 in Entscheidungen gegen eine Strafverfolgung.
Freisprüche gab es bislang in 15 Verfahren vor dem Amtsgericht, 6
Verfahren vor dem Landgericht und 6 Verfahren vor den ehemals als SSG bekannten
Gerichten. Derzeit sind 12 Verfahren vor einem Amtsgericht, zwei Verfahren
vor einem Friedensgericht und drei Verfahren vor den ehemals SSG genannten
Gerichten anhängig.
Bia (Netzwerk) vom 11.07.2006
67 Personen wegen Schriften
angeklagt
Die Initiative Bia2 hat
einen 12-seitigen Bericht über die Medien für das 2. Quartal
des Jahres 2006 heraus gebracht. Darin sind 56 Verfahren mit 67 Angeklagten
aufgeführt. Die Anklagen fußen auf Artikel 288 (Einfluss auf
ein laufendes Verfahren), Artikel 301 (Beleidigung), Artikel 318 (Entfremden
vom Militärdienst) und Artikel 216 (Aufstachelung zu Rassenhass) TStG.
In den letzten 3 Monaten gab es Überfälle auf 9 Journalisten
und 1 Verlag. Neben Memik Horuz (Zeitschrift "Isci-Köylü) befanden
sich Evrim Dengiz, Nesrin Yazar und Rüstü Demirkaya (alle von
der Agentur DIHA) in Haft.
ANF (Agentur Firat) vom 11.07.2006
Schläge im Gefängnis
Kürkcüler (Adana)
Leyla Güner hat sich
beim IHD in Adana beschwert, dass ihr Sohn Ibrahim Güner und sein
Freund Baki Koyun unter dem Vorwand fliehen zu wollen von Wärtern
im Gefängnis Kürkcüler vom Typ F (Adana) geschlagen wurden.
Am 10. Juli sei sie zu Besuch gewesen und habe die blauen Flecken gesehen,
die ihr Sohn sich vor 5 Tagen zugezogen hatte. Leyla Güner sagte des
weiteren, dass der Kiefer so schwer verletzt sei, dass ihr Sohn nicht essen
könne. Dennoch würde er weder in der Krankenstation des Gefängnisses
noch außerhalb behandelt.
Bia (Netzwerk) vom 19.07.2006
Journalist erneut verurteilt
In der gestrigen Verhandlung
hat das Amtsgericht in Datca den Journalisten Musa Agacik (Tageszeitung
"Star") zu 3 Monaten Haft verurteilt. Er hatte den wegen eines Konflikts
mit dem Landrat von Datca verurteilten Sinan Kara gefragt, ob er es richtig
finde, den "lokalen Zwergvertretern des großen Staates allein die
Stirn zu bieten, wenn andere Journalisten es nur aufs Geldverdienen abgesehen
haben". Darin sah das Gericht einen Verstoß gegen Artikel 482 in
Verbindung mit Artikel 273 neues TStG (Erniedrigung eines Staatsvertreters).
Die Haftstrafe wurde in eine Geldstrafe von 732 YTL verwandelt und zur
Bewährung ausgesetzt. Das ursprüngliche Urteil war vom Kassationsgerichtshof
mit der Begründung aufgehoben worden, dass die neuen Gesetze zu berücksichtigen
seien.
ANF vom 21.07.2006
Die Türkei hat 24
Mal grenzüberschreitende Operationen durchgeführt
In Ankara wird derzeitig
intensiv über eine Militäroperation auf irakisches Gebiet nachgedacht.
Das war vor einem Jahr schon einmal der Fall, als Ministerpräsident
Erdogan am 14. Juli sagte, dass die Türkei eine grenzüberschreitende
Operation durchführen könne. Seit 1983 hat die Türkei insgesamt
24 grenzüberschreitende Operationen durchgeführt. Damals wurde
ein Abkommen mit Bagdad über die Sicherung der Grenze unterschrieben,
was die Türkei zu Operationen bis 10 Kilometer auf irakisches Gebiet
berechtigte. Am 25. Mai 1983 erfolgte dann die erste Militäroperation.
Im Oktober 1984 erfolgte eine 2. Operation und am 12.08.1986 kam es zur
3. Operation. Zwischen 1988 und 1991 gab es keine Operationen. Dafür
wurden 1991 gleich 3 Operationen durchgeführt. Im Oktober 1992 kam
es zur 9. Operation, an der 15.000 Soldaten beteiligt waren und die aus
der Luft unterstützt wurde. Die größte Operation begann
am 28. Januar 1994. An der Operation (14) vom März 1995 waren 35.000
Soldaten beteiligt. Die Armee stieß bis 60 Kilometer auf irakisches
Gebiet vor. Ebenso viel Soldaten waren an der Operation (20) vom Mai 1997
beteiligt. Die Armee blieb den Sommer über auf irakischem Gebiet.
Im Jahre 1999 fand die bislang letzte grenzüberschreitende Operation
statt.
ANF (Agentur Firat) vom 20.07.2006
Lebenslänglich für
Hamili Yildirim
Die 3. Kammer des Landgerichts
Malatya hat Hamili Yildirim zu einer erschwerten lebenslangen Haft nach
Artikel 125 altes TStG verurteilt. Syrien hatte das führende PKK-Mitglied
am 24. August 2004 an die Türkei übergeben.
Turkish Daily News vom 15.07.2006
Die Türkei schadet
sich selbst (Mehmet Ali Birand)
Kommissionen haben begonnen
denjenigen Leuten, die während des Kampfes gegen die PKK aus ihren
Dörfern gezwungen wurden, sehr lächerliche Summen anzubieten.
Wenn es so weitergeht, werden neue Verfahren beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof
(EGMR) eingereicht und Hunderte Millionen Entschädigung gefordert.
Während des Kampfes
gegen die PKK wurden etwa 4000 Dörfer verschiedener Größe
evakuiert. Inzwischen sind einige, die ihre Häuser verloren haben,
vor den EGMR gegangen und haben Entschädigungen gefordert. Hierauf
hat die Türkei reagiert und ein Gesetz zur Einrichtung von Kommissionen
erlassen, so dass diejenigen, denen von dem EGMR hohe Entschädigungen
zugestanden werden würden, eine inländische Möglichkeit
haben, ihre Probleme vorzutragen.
Unglücklicherweise
hat die Kommission in Mardin alle enttäuscht. Die Haltung der
Kommission sei Zeugen zufolge gewesen: „Warum sollen wir Leuten, die die
PKK unterstützt haben, Entschädigungen zahlen.“ Entschädigungen
zwischen 1000 und 8000 YTL lässt den Betroffenen keine andere Möglichkeit
als vor dem EGMR Gerechtigkeit zu finden.
ANF (Agentur Firat) vom 20.07.2006
Entschädigungen
wegen "Terror"
Aus Batman wurde gemeldet,
dass bisher 11.000 Personen einen Antrag auf Entschädigung nach dem
Gesetz zur Abfindung von Schäden durch Terror und die Terrorbekämpfung
gestellt haben. Die eingesetzte Kommission hat in 1.000 Fällen entschieden
und 600 Menschen Entschädigungen von mehr als 6 Millionen YTL zugebilligt.
Im Todesfall beträgt die Entschädigung 15.000 YTL, bei dauerhaften
Gesundheitsschäden 5.000 YTL. Bei Sachbeschädigungen wird auch
auf Abfindung erkannt.
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