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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 27/2006
Özgür Gündem
vom 02.07.2006
Bedrohte Personen
In Tunceli haben sich Mehmet
Ali Orgun und Imam Kara beschwert, dass sie von der Polizei verfolgt und
bedroht werden. Mehmet Ali Orgun sagte dazu: “Vor einem Monat merkte ich,
dass ich verfolgt werde. Dieses weiße Auto hielt am 27. Juni gegen
23.30 Uhr beim Direktorat für Meteorologie neben mir. Der Fahrer forderte
mich auf, stehen zu bleiben und gleichzeitig stiegen vier maskierte Männer
aus dem Auto aus. Sie hielten ein Gewehr in meine Richtung. Als ein Auto
aus der Gegenrichtung kam, sind sie wieder eingestiegen und in Richtung
Gefängnis gefahren. Am nächsten Morgen erhielt ich einen Anruf
gegen 11 Uhr. Die Person forderte mich auf, die Stadt zu verlassen, weil
sie mich sonst töten würden.” Am gleichen Tag soll zwei Mal auch
die Familie angerufen worden sein.
Imam Kara berichtete, dass
Beamte der Anti-Terror-Abteilung ihn ständig bedrohten. Er sei am
15. Februar verhaftet worden und 3 Monate im Gefängnis gewesen. Damals
habe man ihn aufgefordert, eine Bombe in seinem Besitz der Polizei zu überlassen.
Falls ich das nicht tue, würden sie eine Bombe in meiner Wohnung deponieren
und mich im Gefängnis schmoren lassen.” Man habe ihn auch aufgefordert,
als Spitzel zu arbeiten, was er aber abgelehnt habe.
Özgür Gündem
vom 03.07.2006
“Fabrizierte” Beweise
Emine Ötün gab
bekannt, dass sie einen Polizeibeamten überraschte, als er eine Bombe
in ihrer Wohnung deponieren wollte. Sie habe gewusst, dass solche Dinge
häufig vorkommen, und als die Polizei ihre Wohnung durchsuchen wollte,
habe sie gleich die Nachbarn hinzu gerufen. Als ein Mitglied eines Spezialteams
eine Bombe aus seiner Tasche nahm und verstecken wollte, habe sie sich
auf ihn geworfen und geschrieen. Der Mann sei ganz verwirrt gewesen und
habe nur gesagt “behaltet die Bombe” bevor sich die Polizisten entfernten.
Izzet Belge, der DTP Vorsitzende für Sirnak, sagte, dass in letzter
Zeit neun Personen verhaftet wurden, weil angeblich Waffen und Bomben gefunden
worden sein sollen. Unter den 9 Personen sei auch sein Stellvertreter Abdülkadir
Inedi.
Özgür Gündem
vom 02.07.2006
Leichen nicht identifiziert
In der Kreisstadt Silopi
wurden zwei Gräber geöffnet, um festzustellen, ob es sich bei
den Leichen um Edip Aksoy und Orhan Cingöz handeln könne, die
nach den Angaben des Überläufers Abdülkadir Aygan (am 30.
Juni 2005 in Özgür Gündem) am 7. Juni 1995 in der Polizeihaft
umgebracht wurden. Der DNA Test ergab, dass es sich nicht um diese beiden
Personen handele. Der IHD Vorsitzende von Diyarbakir, Selahattin Demirtas,
beschwerte sich, dass seinerzeit die Staatsanwaltschaft keine geordneten
Notizen zu Beerdigungen auf dem Friedhof für Personen ohne Angehörigen
gemacht wurden und noch viele Opfer von extra-legalen Hinrichtungen auf
dem Friedhof liegen könnten.
Nachrichtenagentur ANF vom
03.07.2006
Strafaktion der HPG
In der Stadt Hamamlar in
der Provinz Bingöl wurde Osman Koca ermordet. Nach Angaben der HPG
war dies eine Strafe dafür, dass er im Juni 2005 die Militanten Mehmet
Bayar, Tekin Saybak, Ahmet Okur und Senar Gülükanli verraten
hat.
Cumhuriyet vom 04.07.2006
Bürgermeister angeklagt
Hüseyin Kalkan, Bürgermeister
von Batman (DTP) wurde angeklagt, weil er in Interviews mit Roj TV und
lokalen Zeitungen die PKK gelobt und die Kampagne, Abdullah Öcalan
als politischen Willen anzuerkennen, unterstützt habe.
Nachrichtenagentur DIHA vom
04.07.2006
Bombenangriff
Auf das Haus von Hayrettin
Sönmez im Dorf Savascilar in der Provinz Mus wurde am 3. Juli ein
Bombenanschlag verübt. Die Explosion verursachte Sachschaden.
Das Dorf war im Jahr 1993 evakuiert worden. Die Dorfbewohner kamen 2004
in das Dorf zurück. Berichten zufolge hat Hayrettin Sönmez einen
Antrag nach dem Gesetz über Entschädigung für Schäden
durch Terror und den Kampf gegen den Terror gestellt. Am 2. Juli kamen
Mitglieder der Kommission in das Dorf, um zu prüfen, ob er von dem
Gesetz Gebrauch machen kann. Die Beamten sollen das Dorf verlassen haben,
ohne das Verfahren abzuschließen, nachdem Sönmez gesagt hatte,
dass das Dorf von Soldaten geräumt und verbrannt worden sei.
Radikal vom 05.07.2006
Noam Chomsky angeklagt
Die Staatsanwaltschaft in
Istanbul hat Noam Chomsky und Edward S. Herman wegen ihres Buches “Manufacturing
Consent. The Political Economy of the Mass Media (1988)” angeklagt. Mit
ihnen sind der Besitzer des Verlages Aram und die Herausgeber Amer Faruk
Kurhan und Lütfi Taylan Tosun wegen Beleidigung des Türkentums,
der Republik und des Parlaments (Artikel 301 TStG) und Aufstachelung zum
Rassenhass (Artikel 216 TStG) angeklagt.
Cumhuriyet vom 06.07.2006
Weibliche Häftlinge
verprügelt
Der Hilfsverein für
Gefangene TUYAB hat am 5. Juli eine Pressekonferenz in Istanbul gehalten
und Vorwürfe erhoben, dass die Frauen, die aufgrund der Schließung
der geschlossenen Haftanstalt in Ankara in das L-Typ Gefängnis von
Sincan verlegt wurden, dabei geschlagen wurden. Nilüfer Sahin, Figen
Cagri und Necla Comak hatten sich zu einer Leibesvisitation splitternackt
ausziehen müssen und seien dann in Einzelzellen gesteckt worden. Den
Gefangenen seien Anträge auf ärztliche Behandlung und Anwaltsbesuche
abgelehnt worden.
Atilim vom 06.07.2006
Bombenattentate
Die bewaffneten Kräfte
der Armen und Unterdrückten (FESK) hat sich zu den Bombenattentaten
am 4. Juli auf die AKP Kreisorganisation in Kartal-Istanbul und auf den
Verein der pensionierten Offiziere in Izmir bekannt. Die Bombenanschläge
wurden als Protest gegen das Anti-Terror Gesetz und die Gefängnisse
vom Typ F bezeichnet.
Özgür Gündem
vom 07.07.2006
Verfahren gegen IHD Adana
Das Amtsgericht in Adana
hat 6 der 7 Vorstandsmitglieder des IHD in Adana vom Vorwurf des Lobens
einer Straftat und eines Straftäters freigesprochen. Das Verfahren
war eröffnet worden, weil auf einer Aktion zum Weltfriedenstag am
1. September 2005 Parolen für Abdullah Öcalan gerufen worden
sein sollen. Der ehemalige Vorsitzende der Zweigstelle Adana, Sabri Kahraman,
wurde zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten Haft und einer Geldstrafe
von 416 YTL verurteilt.
Weitere Meldungen (DTF)
Bia (Netzwerk) vom 04.07.2006
Kinder auf der Anklagebank
Das Zentrum zur Anwendung
der Strafprozessordnung in der Anwaltskammer Diyarbakir hat Zahlen zu Angeklagten
in der Stadt herausgegeben. Von den 10.193 Personen, die zwischen dem 1.
Januar und 30. November 2005 einem Haftrichter vorgeführt wurden,
waren 2.197 minderjährig. Dem Koordinatoren des Zentrums, Baris Yavuz,
zufolge hat die Fluchtbewegung und Armut darauf einen großen Einfluss.
Herr Yavuz gab des weiteren bekannt, dass die Anwaltskammer für 7.215
der 10.193 Personen einen Anwalt zur Verfügung gestellt habe.
Radikal vom 09.07.2006
Flucht als Grund für
Straffälligkeit
Im Auftrag des Ministerpräsidiums
haben Dr. Rüstem Erkan von der soziologischen Fakultät und Yüksel
Erdogu von der Psychologischen Fakultät der Universität Dicle
(Diyarbakir) eine Untersuchung unter Kindern im Alter von 12-16 Jahren
in Diyarbakir durchgeführt. Sie kamen dabei zu dem Resultat, dass
die Fluchtbewegung nicht mehr allein in die Cukurova-Region (Adana-Mersin)
und die westlichen Metropolen geht, sondern auch die Städte im Fluchtgebiet
erfasst hat. Von den straffällig gewordenen Kindern waren 90% in den
letzten 10 Jahren mit ihren Eltern nach Diyarbakir gekommen. Bei den nicht
straffällig gewordenen Kindern waren 84% der Familien keiner Fluchtbewegung
ausgesetzt. Viele der Flüchtlingsfamilien haben viele Kinder, was
zu einer Tendenz von Arbeit auf der Straße führt. Neben der
Flucht aufgrund der Terror-Atmosphäre kommt auch Flucht wegen des
Staudamms GAP hinzu. Von den straffälligen Kindern haben 60% keinen
Grundschulabschluss und 26% haben gar keine Schule besucht, sind also Analphabeten.
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