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Übersetzungen aus den Tagesberichten der TIHV
Woche 21/2006

Özgür Gündem/Radikal vom 22-22.05.2006
Todesschüsse in Tunceli
In der Nacht des 18 Mai erschossen Soldaten Hüseyin Aslan in der Nähe des Dorfes Kuzluca im Kreis Pülümür in der Provinz Tunceli. Wie verlautete, hatte Hüseyin Aslan auf wilde Tiere geschossen. Die Soldaten hatten die Schüsse gehört und, da sie über eine Ortsverlagerung von Guerillas nach Erzincan informiert worden waren, legten sie sich in einen Hinterhalt. Sie sahen dann drei Personen mit Jagdgewehren auf sie zukommen und eröffneten das Feuer. Hüseyin Aslan starb und Mehmet Kocak wurde verletzt. Die Begleiter Imam Inanli und Ismet Inanli wurden unverletzt festgenommen. Nach Aussage von Mehmet Kocak sollen die Schüsse von Hüseyin Aslan auf einen Busch und die Schüsse auf die Gruppe fast zeitgleich erfolgt sein.

Hürriyet/Radikal vom 19.-23.05.2006
Attentat auf Richter
Im Zusammenhang mit den Schüssen des Anwalts Alparslan Aslan auf die Richter und Richterinnen des obersten Verwaltungsgerichts am 17. Mai wurden 11 Personen festgenommen. Am 18. Mai wurden in Ankara Mehmet Atmaca (22), Sinan Berberoglu (50), Saim Özmen (38) und Nusret Aras festgenommen. In Istanbul wurden die Anwälte Fethullah Kaya und Yusuf Yilmaz sowie eine weitere Person festgenommen. Radikal berichtete am 20. Mai, dass Alparslan Aslan zusammen mit Osman Yildirim, Ismail Sahir und Tekin Irsi zum Gericht gekommen sei, aber die anderen Personen Probleme beim Zutritt hatten, weil sie keine Anwälte waren. Sie sollen nach der Festnahme von Aslan ihre Waffen in ein Auto gepackt und geflüchtet sein. Osman Yildirim wurde am 18. Mai in Nevsehir, Ismail Sagir am 19. Mai in Istanbul und Tekin Irsi wurde am 20. Mai festgenommen. Später wurden sie nach Ankara gebracht. Aus Kreisen der Polizei verlautete, dass sie die Bombenattentate auf die Zeitung "Cumhuriyet" gestanden haben. Laut Milliyet sollen sie das gegen Bezahlung und nicht als Angehörige einer illegalen Organisation gemacht haben. Der Hauptmann Muzaffer Tekin, der unter der Militärdiktatur (1980) aus der Armee entlassen wurde und der wegen des Anschlags auf Akin Birdal verurteilte Semih Tufan Günaltay sollen ebenfalls mit der Sache in Verbindung stehen. Muzaffer Tekin wurde am 20. Mai aus dem Krankenhaus in Acibadem (Istanbul) heraus festgenommen. Dort war er mit einem Messerstich direkt unter dem Herzen eingeliefert worden.
Alparslan Aslan und 8 Personen wurden am 21. Mai einem Staatsanwalt vorgeführt. Er ordnete die Entlassung von fünf Personen an. Ein Haftrichter ordnete Untersuchungshaft für Aslan, Yildirim, Sagir und Irsi an. Ihnen werden gewaltsamer Umsturzversuch, Mord und Bombenattentate zur Last gelegt. Aslan soll bezüglich des 3. Bombenattentates auf Cumhuriyet gesagt haben, dass dies ein Reflex gegen eine Karikatur gewesen sei, bei der ein Schwein ein Kopftuch getragen habe. Er selber habe die Bombe geworfen. Sagir und ein Erhan Timuroglu seien dabei gewesen. Den Angriff auf die Richter hingegen habe er im Alleingang gemacht. Er habe die Gesichter der Richter aus der Zeitungsmeldung von "Vakit" gekannt. Er habe erst auf den Vorsitzenden Richter geschossen und dann auf zwei Richter, die das Urteil zum Verbot von Kopftüchern unterschrieben hatten. Zwei unbeteiligte Richter seien ebenfalls verletzt worden.
Alparslan Aslan verneinte jede Verbindung zum Hauptmann Tekin. Ismail Sagir soll zu den Bombenattentaten auf Cumhuriyet gesagt haben, dass er die zweite Bombe war in der Hoffnung, dafür Geld zu erhalten. Tekin Irsi soll sich zum Wurf der ersten Handgranate bekannt haben. Er habe den Zünder aber nicht betätigt, damit niemand zu Schaden komme. Erhan Timuroglu stellte sich am 21. Mai der Polizei in Kartal (Istanbul).
Radikal vom 26.05.2006
Erhan Timuroglu kam am 25. Mai in U-Haft. Er soll seine Beteiligung am Bombenattentat auf Cumhuriyet gestanden haben. Zum Überfall auf die Richter soll er gesagt haben, dass der Vorsitzende Richter der 2. Kammer, Mustafa Birden in seinem Auto ermordet werden sollte, Alparslan Aslan aber das Auto nicht identifizieren konnte.

Cumhuriyet/Radikal vom 22./23.05.2006
Vorfälle in Bagyurdu
In der Stadt Bagyurdu im Kreis Kemalpasa (Izmir) waren kurdische Landsleute gezwungen, die Stadt nach den Vorfällen vom 19. Mai zu verlassen. An diesem Tag hatte eine Gruppe von Transporteuren aus Bitlis erst eine Diskussion mit Ordnungshütern, die unter Beteiligung anderer zu einer handfesten Schlägerei wurde. Auch Waffen wurden eingesetzt und 13 Personen wurden verletzt. Dazu gehörte auch der 2. Vorsitzende des Idealistenvereins in Bagyurdu, Sami Özdemir. Er erlag seinen Verletzungen am 21. Mai. Die Nachricht seines Todes führte zu einer Demonstration von Rechtsradikalen in der Stadt. Sie griffen die Häuser von Kurden an. Unter dem Schutz von Gendarmen mussten die Familien Albayrak und Candan (aus Bitlis) die Stadt verlassen. Weitere 8 Familien verließen die Stadt, nachdem die Übergriffe am 22. Mai anhielten. Unter den festgenommenen 17 Personen wurden Bircan Candan, Sefa Saglik, Mehmet Can Egemen und Oguz Özer am 22. Mai in U-Haft genommen. Bei ihnen soll es sich um Kurden handeln.

Atilim-Cumhuriyet-Evrensel-Özgür Gündem vom 19.-23.05.2006
Verfahren wegen "werter Öcalan"
Die 2. Kammer des Strafgerichts in Van hat Adil Kotay, der einem Gefangenenhilfsverein in Van vorsteht, am 23. Mai freigesprochen. Er war wegen einer Presseerklärung vom 10.10.2005 angeklagt worden, weil er darin Abdullah Öcalan als "verehrten Öcalan" erwähnt hatte. Wegen des gleichen Vorwurfs (Lob einer Straftat und eines Täter, Artikel 215 TStG) verurteilte ein Gericht in Hakkari Gülistan Koc und Emine Akboga zu je einem Monat Haft.

Radikal-Özgür Gündem vom 19.-23.05.2006
Minenexplosion
Am 22. Mai fuhr ein Militärfahrzeug auf eine Mine in der Nähe der Kreisstadt Lice (Diyarbakir). Dabei kam der Unteroffizier Mustafa Kale ums Leben und ein Soldat wurde verletzt. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich am gleichen Tag in der Nähe der Stadt Ilicalar (Bingöl). Hier wurde ein Soldat verletzt.

Özgür Gündem vom 25.05.2006
Verbot von Kurdisch bei Gesprächen mit Gefangenen
Politische Gefangene in Burdur, Sivas und Buca (Izmir) haben sich beschwert, dass sie bei Telefonaten mit ihren Angehörigen nicht Kurdisch sprechen dürfen. Sadiye Yilmaz sagte, dass sie mit ihrer Tochter in Buca immer Kurdisch gesprochen habe, das Telefonat am 11. Mai aber vom Wärter beendet wurde, da es in Kurdisch geführt wurde. Am 18. Mai habe man ihr nicht erlaubt, ihre Tochter zu sprechen.

Milliyet/Özgür Gündem vom 25.06.2006
Repressalien gegen DTP
Dogan Erbas, der Vorsitzende der DTP für die Provinz Istanbul, hat sich beschwert, dass die Liste der Vorstandsmitglieder für Kücükcekmece vom Staatsanwalt am Kassationsgerichtshof an den Geheimdienst MIT weiter geleitet wurde. Das sei ein Verstoß gegen das Parteiengesetz und die Verfassung.

Hürriyet vom 25.05.2006
Politiker inhaftiert
Hamit Ergin, Bürgermeister in der Kreisstadt Hazro (Diyarbakir) wurde am 22. Mai ins Gefängnis gesteckt, um eine 6-monatige Haftstrafe zu verbüßen. Die Strafe hatte er erhalten, weil er in der Zeit des Wahlkampfes 2002 eine Fahne der DEHAP im Fenster seines Hauses aufgehängt hatte.

Radikal vom 26.05.2006
Gewerkschafter und Menschenrechtler freigesprochen
Die 7. Kammer des Amtsgericht Ankara hat Alaattin Dincer, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Egitim-Sen, und Yüksel Mutlu vom IHD freigesprochen. Sie hatten bei einem Besuch der Friedensmütter bei der Gewerkschaft am 12. Juli 2004 davon gesprochen, dass sie den Wunsch der Frauen nach Frieden unterstützen. Dies sei in den Augen des Gerichts nichts Kriminelles.

1. Halbjahr 2003
1. Halbjahr 2004
1. Halbjahr 2005
1. Halbjahr 2006
2. Halbjahr 2003
2. Halbjahr 2004
2. Halbjahr 2005
2. Halbjahr 2006

 
 
 
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