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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 18/2006
Cumhuriyet, Radikal vom 03.05.2006
Ereignisse von Semdinli
Am 2. Mai führte das
Amtsgericht 1. Instanz in Semdinli auf Anordnung der 3. Kammer des Landgerichtes
in Van, das das Verfahren im Zusammenhang mit der Bombe auf den Buchladen
und die Ereignisse danach am 9. November 2005 im Kreis Semdinli in der
Provinz Hakkari durchführt, Ermittlungen am Tatort durch und hörte
Zeugen an. Die Ermittlungen dauerten 9 Stunden und 35 Personen machten
Aussagen. Weitere Zeugen werden während der Gerichtsverhandlung am
4. Mai gehört. Inzwischen gab am 2. Mai der Hohe Rat der Richter und
Staatsanwälte sein begründetes Urteil gegen den Staatsanwalt
von Van Ferhat Sarikaya, der aus seinem Beruf entlassen wurde, bekannt.
Im begründeten Urteil heisst es wie folgt: „Ohne die Gesetze zu berücksichtigen
sammelte er Beweismittel Personen betreffend, gegen die er keine Ermittlungen
durchführen darf. Er versuchte die Aussagen einiger Leute als Beweismittel
für eine Straftat darzustellen. Er machte Veröffentlichungen,
die dazu führten, dass die Sicherheitskräfte als Angreifer bei
den Vorfällen gesehen werden. Er setzte diese Veröffentlichungen
in die Anklageschrift, ohne zu bedenken, dass diese als Propagandamaterial
von den Unterstützern der terroristischen Organisation benutzt werden
würde. Er war in die Politik involviert und hatte Kontakte mit der
Parlamentarischen Untersuchungskommission. Staatsanwalt Sarikaya hat die
Grenzen seiner Autorität überschritten und verletzte das Vertrauen
zwischen der Justiz und anderen konstitutionellen Institutionen.
Radikal vom 05.05.2006
Am 4. Mai begann an der
3. Kammer des Landgerichtes von Van das Gerichtsverfahren gegen die
Unteroffiziere Ali Kaya und Ozcan Ildeniz und den PKK-Überläufer
Veysel Ates im Zusammenhang mit den Ereignissen von Semdinli. Metin Dikeç
nahm an der Verhandlung an Stelle von Ferhat Sarikaya, der aus seinem Beruf
entlassen wurde, als Staatsanwalt teil. Außer den Angeklagten waren
die Angehörigen von Mehmet Zahir Korkmaz, der bei dem Vorfall starb,
und Seferi Yilmaz bei der Verhandlung anwesend. Von den 330 Anwälten,
die als Nebenkläger auftraten, durften nur 25 den Gerichtssaal betreten,
weil er zu klein war. Der Vorsitzende der Parlamentarischen Menschenrechtskommission
Mehmet Elkatmis, die CHP-Abegordneten Esat Canan und Mesut Deger und Vertreter
von Amnesty International waren unter den Zuschauern. Der Vorsitzende Richter
Olhan Kaya las zu Beginn der Verhandlung die 15-seitige Zusammenfassung
der 100-seitigen Anklageschrift. Rechtsanwalt Sezgin Tanrikulu, Vorsitzender
der Anwaltskammer von Diyarbakir, kritisierte die Zusammenfassung aus verfahrensrechtlichen
Gründen und forderte, dass die gesamte Anklageschrift gelesen wird.
Kaya musste den größten Teil der Anklageschrift lesen, er übersprang
einige Teile. Kaya verwarnte und drohte Rechtsanwalt Hasip Kaplan mit Rauswurf,
als Kaplan sprechen wollte, um einen Satz für das Protokoll zu verfassen
(„Die Sache, die das Gericht nicht machen möchte, ist nach den Regelungen
der Verfassung und des EGfMR eine Notwendigkeit für ein faires Verfahren“).
Auf die Verwarnung von Kaya hin sagte Kaplan: „Bitte schreiben Sie, was
ich gesagt habe, und dann entlassen Sie mich aus dem Saal.“ Ilhan Kaya
musste aufgrund der Diskussionen den Teil der Anklage mit den Schlussfolgerungen
lesen. Kaplan fand dies nicht ausreichend und sagte: „Nach dem Gesetz liest
der Staatsanwalt die Anklage. Hier übernimmt der Vorsitzende Richter
die Rolle des Staatsanwaltes... Ich einem so wichtigen Verfahren darf niemand
verfahrensrechtliche Fehler machen. Das ist nach dem EGfMR eine Verletzung.“
Rechtsanwalt Bayram Bahri
Belen, der als Nebenkläger auftrat, reagierte auf die Äußerungen
Ilhan Kayas, als dieser Beschlüsse über den Ablauf der Verhandlung
machte. Kaya hatte gesagt, dass die Anwälte eine Schau zum Vorteil
der PKK machen. Belen sagte, dass bisher kein Rechtsanwalt beschuldigt
worden sei wie jetzt in diesem Verfahren. Die Anwälte, die die Nebenklage
vertraten, forderten, dass Kaya von dem Verfahren entbunden wird, weil
er nicht neutral sei. Vedat Gülsen, ein Anwalt der Angeklagten, behauptete,
dass die Anwälte der Nebenklage das Verfahren politisieren wollten.
Trotz der Kritik, die etwa zwei Stunden andauerte, las das Gericht nicht
die Teile der Anklage, die die Behauptungen über den Kommandeur der
Landstreitkräfte Yasar Büyükanit und die Gendarmerie-Kommandeure
der Region enthielten. Ali Kaya, der am Nachmittag seine Aussage machte,
sagte: „Die PKK führt diese Art von Aktionen durch und behauptet und
sagt später „sie wurden von JITEM durchgeführt“. Es gibt keine
kriminelle Vereinigung. Wenn wir den Bombenanschlag durchgeführt hätten,
wäre das Ergebnis nicht dieses. Wenn der Staat solche Aktionen durchführen
würde, außergerichtliche Hinrichtungen durchführen würde,
würden diejenigen Leute, die bei den Nevruz-Feiern mit Postern des
Vorsitzenden der separatistischen Organisation in ihren Händen tanzen,
und die Unterstützer der separatistischen Organisation behaupten die
Eigentümer der türkischen Fahne zu sein, mehr als wir. Sie würden
die Fahne als T-Shirt tragen. Sie würden alle wie Partisanen des Staates
sein.“ Kaya berichtete, dass er geschlagen wurde und die Tasche, das Gewehr
und das Notizbuch in seinem Auto während der Ereignisse gestohlen
wurden. Kaya sagte, dass er sogar von den Leuten in dem Büro der AKP
mit Steinen beworfen wurde, und behauptete, dass eine Provokation gegen
den Staat organisiert wurde. Die Aussage von Kaya führte im Saal zu
Reaktionen. Das Verfahren wurde auf den 5. Mai vertagt, weil die Verhandlung
wegen der langen Verteidigungsrede von Ali Kaya nicht abgeschlossen wurde.
ANF, Özgür Gündem
vom 03.05.2006
Verfahren gegen Rechtsanwälte
Der Staatsanwalt von Siverek
(Provinz Diyarbakir) leitete unter der Beschuldigung des „passiven Widerstands
gegen diensttuende Beamte“ ein Verfahren gegen die Rechtsanwälte Tahir
Elci und Meral Danis ein. In der Anklageschrift heisst es, dass Elçi
und Bestas, die am 5. November 2004 zum Hochsicherheitsgefängnis vom
D-Typ in Diyarbakir gingen, um ihre zwei Klienten zu besuchen, „die Beamten
1,5 Stunden lang daran gehindert haben, ihren Dienst zu tun“, als ihnen
gesagt wurde, dass „kollektive Besuche nicht erlaubt würden“. Das
nach Artikel 265 TStG eingeleitete Verfahren wird am Landgericht Nummer
265 in Diyarbakir durchgeführt werden. Tahir Elci äußerte
zu dem Verfahren Folgendes: „Ich wollte meine beiden Klienten sehen, die
wegen einer gewöhnlichen Straftat angeklagt sind und sich in dem gleichen
Raum befinden. Das wurde jedoch nicht erlaubt. Ich wollte den Grund der
Behinderung erfahren und schrieb einen Antrag. Dies haben sie auch nicht
akzeptiert. Ich reichte deshalb eine förmliche Beschwerde ein. Sie
haben dieses Verfahren eingeleitet, um meine Beschwerde zu blockieren.
Es gab keine Bestimmung, die kollektive Besuche regelt. Außerdem
haben wir nicht versucht, sie daran zu hindern, ihren Dienst zu tun. Wir
wollten nur erfahren, warum wir daran gehindert wurden, unsere Klienten
zu sehen, indem wir einen Antrag stellten.“
ANF, Özgür Gündem
vom 03.05.2006
Anwalt festgenommen
Irfan Dündar, Anwalt
von Abdullah Öcalan, wurde am 1. Mai in Diyarbakir festgenommen, wohin
er wegen einer Gerichtsverhandlung gefahren war. Dündar wurde am 2.
Mai von der 5. Kammer des Landgerichtes Diyarbakir freigelassen.
Cumhuriyet vom 03.05.2006
Demonstration behindert
Die Mitarbeiter von Kürt-Der
in Diyarbakir Ibrahim Güçlü, Sedat Ogur und Zeynel Abidin
Özalp wurden am 2. Mai festgenommen, als sie eine Pressekonferenz
im Zusammenhang mit dem Transfer von Militär-Truppen an die Grenze
im Südosten abhalten wollten. Der Verein war vom Amtsgericht 1. Instanz
Nr. 2 im April geschlossen worden, da jedoch die Rechtsmittel noch
nicht vollständig abgeschlossen sind, setzt der Verein seine Aktivitäten
teilweise fort.
Peyma Kurd vom 05.05.2006
(Meldung des DTF)
Der Anwalt der drei Festgenommenen,
Sebahattin Korkmaz, erklärte, der Gerichtsbeschluß gegen die
drei sei schon vor deren Verhaftung vorbereitet worden. Sie hätten
24 Stunden in der Ant-Terror-Abteilung verbracht, bevor sie dem Richter
vorgeführt worden seien, der ihre Verhaftung bestätigt hätte.
Korkmaz habe weiter erklärt, dass in der Gerichtsbegründung davon
die Rede gewesen sei, dass die drei PKK-Mitglieder seien, obwohl jedem
bekannt sei, dass sie seit Jahren in Opposition zur PKK stehen. Korkmaz
erklärte, er wolle binnen einer Woche Widerspruch gegen den Gerichtsbeschluß
enlegen
ANF, Star vom 03.05.2006
Mai-Feierlichkeiten
In Antalya wurden 15 Personen
und in Elazig 11 Personen am 2. Mai in U-Haft genommen, die während
der Feiern zum 1. Mai festgenommen worden waren. 34 Personen, die festgenommen
worden waren als sie eine Demonstration am Taksim-Platz in Istanbul durchführen
wollten, wurden freigelassen.
Özgür Gündem
vom 03.05.2006
Verfahren gegen Mitarbeiter
und Mitglieder der DTP
Am 28. April begann an der
7. Kammer des Landgerichts Adana ein Verfahren gegen 232 Personen (86 in
U-Haft) wegen einer Pressekonferenz, die am 16. Februar vor dem Büro
der DTP in Adana gehalten wurde im Zusammenhang mit dem Jahrestag, an dem
Abdullah Öcalan in die Türkei gebracht wurde. 22 Angeklagte sagten
während der Verhandlung aus. Das Gericht vertagte die Verhandlung
auf den 7. Juni.
Star vom 03.05.2006
Verhaftungen in Istanbul
Turgut K., Erol I., Murat
Ö., Eylem M., Özgür E. und Ulvi Y., die unter den 10 Personen
waren, die in Istanbul unter der Beschuldigung „Mitglieder von TKP-ML/TIKKO
zu sein“, festgenommen worden waren, wurden am 2. Mai in U-Haft genommen.
ANF vom 03.05.2006
Kampfhandlungen im Südosten
Laut einer Bekanntmachung
der HPG starben 4 Soldaten am 29. April bei einem Angriff auf die Gendarmeriestation
von Kocaköy nahe Diyarbakir. 3 weitere Soldaten starben am 30. April
bei Kampfhandlungen in den Gabar-Bergen nahe Sirnak und 4 Soldaten starben
bei Bombenexplosionen in der Region. Die HPG behauptete auch,
dass 3 Soldaten am 1. Mai bei einer Kampfhandlung in den Cudi-Bergen starben
und ein Soldat beim Treten auf eine Mine starb.
Halkin Sesi vom 04.05.2006
Todesfasten im Gefängnis
Laut einer Bekanntmachung
der DHKP-C, begannen Sevgi Saymaz im Gefängnis von Usak, Kamil Karatas
im F-Typ-Gefängnis von Sincan und Mustafa Tosun im F-Typ-Gefängnis
Nr. 2 in Tekirdag am 1. Mai als „13. Todesfasten-Gruppe” ein Todesfasten.
Radikal vom 04.05.2006
Bombenanschläge
5 Soldaten, 11 Kinder und
2 andere Personen wurden am 3. Mai in Hakkari bei einem Bombenanschlag
verletzt. Berichten zufolge explodierte eine Bombe, als ein Minibus des
Militärs, der Kinder von Angehörigen des Militärs transportierte,
und ein Militärfahrzeug vorbeifuhren.
Bianet vom 04.05.2006
Demonstration behindert
Am 3. Mai löste die
Polizei gewaltsam eine Demonstration von Arbeitern und Studenten in der
Istanbul-Universität auf. Die Demonstranten, Studenten, Mitglieder
des Lehrkörpers und von Gewerkschaften protestierten gegen die Privatisierung
der Mensa der Universität. Die Polizei setzte Tränengas und Knüppel
ein. 6 Personen wurden festgenommen und viele wurden verletzt.
Özgür Gündem
vom 04.05.2006
Festnahmen und Verhaftungen
Ali Bozan, Vorsitzender
der DTP Chair von Mersin, wurde am 3. Mai verhaftet mit der Beschuldigung
“Mitglied einer illegalen Organisation zu sein” und “Propaganda für
eine illegale Organisation“ gemacht zu haben. Ali Bozan war am 2. Mai festgenommen,
aber wieder freigelassen worden. Nach Einspruch des Staatsanwaltes wurde
er verhaftet. Am 3. Mai wurden in dem Büro der DTP, dem Gebäude
der Stadtverwaltung und in den Häusern des Bürgermeisters Faik
Dursun und von Vorstandsmitgliedern der DTP im Kreis Beytüssebap in
der Provinz Hakkari Hakkari Razzien durchgeführt. Es konnte keine
Information über Festnahmen erlangt werden. Resat Kaymaz, DTP-Vorstandsmitglied
in Kiziltepe (Mardin), wurde festgenommen.
www.haberoku.net vom
05.05.2006 (Meldung des DTF)
Der Chefbuchhalter der Stadtverwaltung
von Beyytüssebap Meran Ataman, B.K and A.B., die im Dorf Çiglica
leben, wurden bei Hausdurchsuchungen im Kreis Beyytüssebap der Provinz
Sirnak am 3. Mai festgenommen. Berichten zufolge wurden Ataman und B.K.
freigelassen und das Verfahren gegen sie wird ohne U-Haft durchgeführt.
Laut offizieller Bekanntgabe wurde bei der Durchsuchung des Büros
von Ataman 20 automatische Gewehre und Dynamit gefunden; Haschisch und
Handgranaten wurden im Garten des Hauses von B.K. gefunden. A.B. und H.B.
wurden Berichten zufolge im Zusammenhang mit einem Brief festgenommen,
der aus Nordirak von einer HPG-Militanten geschickt wurde.
Özgür Gündem
vom 05.05.2006
Verfahren gegen Demonstranten
Am 5. Mai urteilte das Amtsgericht
in Hakkari bei der ersten Verhandlung im Verfahren gegen die Vorsitzende
des Menschenrechtsvereins (IHD) in Hakkari, Hatice Demir, den Geschäftsführer
der DTP in Hakkari Nezaket Öztunç, die ehemalige DEHAP-
Angestellten Zübeyde Bor und den Geschäftsführer der DEHAP
in Hakkari Gülistan Koç. Das Gericht verurteilte die Angeklagten
zu jeweils einem Monat Haft und einer Geldbuße von 600 YTL
im Zusammenhang mit einer Presseerklärung im September 2004, in der
gegen die Haftbedingungen und Militäroperationen protestiert wurde.
Weitere Meldungen (DTF):
ISKU, Quelle Özgür
Gündem vom 03.05.2006
Militär erkennt
EuMRGh-Urteil nicht an
Der militärische Kassationsgerichtshof
hat im Fall von Mehmet Tarhan, der den Militärdienst und eine Sonderbehandlung
als Homosexueller ablehnt, ein endgültiges Urteil gesprochen. Demnach
muss Tarhan seinen Militärdienst ableisten. Weiterhin urteilte das
Gericht, die Urteile des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
seien nicht bindet und bei Homosexualität handele es sich um eine
„fortgeschrittene psychosexuelle Störung“.
ISKU, Quelle ANF vom 03.05.2006
HPG-Bilanz für April
Die Volksverteidigungskräfte
haben eine Bilanz der Militäroperationen der türkischen und iranischen
Armeen im Monat April veröffentlicht. Demnach haben 35 Operationen
stattgefunden. 77 Soldaten der türkischen und zehn Soldaten der iranischen
Armee sowie 14 GuerillakämpferInnen haben ihr Leben verloren. Die
Guerilla habe 22 Aktionen durchgeführt.
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