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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 17/2006
Özgür Gündem
vom 24.04.2006
Geisteskrank nach Polizistenprügel
Der Jugendliche Salih Aslan
soll aufgrund der schweren Schläge, die er bei den Newrozfeiern in
Adana von Polizisten erhielt, seinen "Verstand verloren" haben. Er wird
in der Nervenklinik von Adana behandelt. Sein Vater Kasim Aslan berichtete,
dass sein Sohn Salih bei den Feiern im Stadtteil Sakirpasa am 21. März
von Polizisten so schwer verprügelt wurde, dass er sein rechtes Auge
verlor. Nun habe er auch noch den "Verstand verloren".
Özgür Gündem
vom 22.04.2006
Foltervorwürfe aus
Silopi
Der Zeitungsverteiler von
Özgür Gündem, Ali Celik, der bei den Demonstrationen nach
der Ermordung von 14 HPG-Militanten am 24. und 25. März im Kreis Silopi
(Sirnak) verhaftet worden war, soll nach Angaben seines Vaters Yusuf Celik
gefoltert worden sein. Yusuf Celik gab an, dass er seinen Sohn am 17. April
im Gefängnis von Silopi besuchte. Ihm seien gewaltsam die Haare und
der Schnauzbart abrasiert worden. Bei der Festnahme habe die Polizei ihm
angeboten, für sie als Spitzel zu arbeiten, und er sei auch gefoltert
worden.
Özgür Gündem
vom 23.04.2006
Foltervorwürfe aus
dem Gefängnis
Sevgül Balci, die Mutter
von Hakan Balci, der als Wehrpflichtiger an einer Demonstration für
Abdullah Öcalan teilgenommen haben soll und am 13. April verhaftet
worden war, wandte sich an den Hilfsverein für Gefangene (THYD-DER).
Sie berichtete von einem Telefonat mit ihrem Sohn, der im Militärgefängnis
Mamak (Ankara) festgehalten wird. Er habe ihr berichtet, dass er eine ganze
Nacht lang mit Stöcken verprügelt wurde, und flehte seine Mutter
an, ihn aus dem Gefängnis zu holen, da er sich nicht mehr aufrecht
halten könne. Ursprünglich war Hakan Balci in das F-Typ Gefängnis
in Sincan eingewiesen worden, später aber in das Militärgefängnis
verlegt worden.
Radikal vom 25.04.2006
Anklage wegen Demonstration
in Diyarbakir
Die Staatsanwaltschaft in
Diyarbakir hat 105 Personen, darunter 80 Minderjährige wegen der Vorfälle
vom 28. März im Zusammenhang mit der Beisetzung von HPG-Militanten
angeklagt. Ihnen wird Beschädigung öffentlichen Eigentums, Aufhetzung
zum Aufstand und Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation zur Last
gelegt. Das Verfahren gegen die Minderjährigen soll vor einem Jugendgericht
stattfinden. Der Anwalt Baris Yavuz, der die Rechtshilfe der Anwaltskammer
Diyarbakir koordiniert, sagte, dass zuvor schon 36 Jugendliche angeklagt
wurden. Das Jugendgericht habe es jedoch abgelehnt, das Verfahren durchzuführen
und nun werde das Jugendgericht in Ankara entscheiden, welches Gericht
zuständig ist.
Zaman vom 27.04.2006
Die Gesamtzahl der Angeklagten
wurde mit 360 angegeben.
Radikal vom 24.04.2006
(von der TIHV nicht aufgegriffen)
Die Zahl der inhaftierten
Kinder stieg auf 60. Sie werden in einem Nebengebäude des E-Typ Gefängnisses
von Diyarbakir gehalten. Das Zentrum für Kinderrechte bei der Anwaltskammer
Diyarbakir setzt sich für die Kinder ein und hat angekündigt,
den EGfMR anzurufen, falls die Kinder nicht bald freigelassen werden und
ihrer Schulpflicht nachkommen können. Nach Auskunft des Zentrum halten
sich derzeit weitere 55 Kinder im Gefängnis auf. Nach Schätzungen
des Zentrums wurden bei den Vorfällen zwischen dem 28. März und
dem 1. April 202 Kinder festgenommen und 95% von ihnen wurden gefoltert
oder misshandelt. Anfangs waren 91 Kinder in U-Haft genommen worden. Von
ihnen kamen 34 auf Einspruch von Anwälten wieder frei.
Bia (Netzwerk) vom 26.04.2006
(nicht von TIHV aufgegriffen)
Heute wurden weitere 9 Kinder
aus der Haft entlassen. Am Tag zuvor waren 5 auf freien Fuß gekommen.
Derzeit befinden sich noch 46 Kinder in Haft. Insgesamt sollen nach den
Vorfällen 450 Personen in U-Haft genommen worden sein.
ANF-Atilim-Radikal vom 22.-24.042006
Bombenanschläge
Durch die Explosion in einem
Müllbehälter im Stadtteil Yesilyurt in Izmir kam es am 21. April
zu Materialschaden. In einer Erklärung bekannten sich die Bewaffneten
Kräfte der Armen und Unterdrückten (FESK) zu dem Anschlag, der
einem Militärfahrzeug gegolten habe und zur Verletzung eines Mitarbeiters
von JITEM geführt habe. Am 22. April wurde ein Bombenanschlag auf
einen Kiosk in Batman verübt, an dem Zigaretten und Alkohol verkauft
werden. Es kam zu Materialschaden. Am 23. April kam es im Kreis Manavgat
(Antalya) zu einer Explosion, die Materialschaden verursachte.
Özgür Gündem
vom 26.04.2006
Druck im Gefängnis
Die mit Aktivitäten
für die PKK beschuldigten Gefangenen in den F-Typ Gefängnissen
von Tekirdag (1 und 2) haben eine Erklärung herausgegeben, in der
sie die Diszplinarstrafen gegen sie als "dauerhaftes Verbot von Besuchen"
bezeichnen. 112 Gefangenen soll ein Verbot von Briefen und Faxen über
einen Zeitraum von 6 Monaten, 82 Gefangenen ein Verbot über 9 Monate
und 9 Gefangenen ein Verbot über ein Jahr auferlegt worden sein.
Radikal vom 26.04.2006
Strafe wegen Deklaration
Die 4. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir hat Murat Atac, Murat Demez und Tülay Öner, StudentInnen
an der Süleyman Demirel Universität in Isparta, zu einer Haftstrafe
von 7,5 Jahren verurteilt. Die Strafe wurde unter Artikel 314/2 neues TStG
verhängt. Der Artikel stellt die Mitgliedschaft in einer bewaffneten
Organisation unter Strafe. Die Studenten hatten Unterschriften unter eine
Deklaration gesammelt, mit der die Unterzeichnenden Abdullah Öcalan
als ihren "politischen Willen" akzeptierten. In vergleichbaren Verfahren
waren Strafen wegen Lobens eines Kriminellen und einer Straftat verhängt
worden.
Özgür Gündem
vom 26.04.2006
Urteil in Hizbullah Verfahren
Die 5. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir hat am 25. April das Urteil in einem Prozess gegen vier Personen
gesprochen, die im Zusammenhang mit der Ermordung von sechs Personen, darunter
dem Generalsekretär der medizinischen Fakultät an der Universität
Dicle, Ibrahim Sari angeklagt waren. Das Gericht verhängte lebenslange
Haftstrafen nach Artikel 146/1 altes TStG gegen Mehmet Emin Can, Mehmet
Yildiz, Feysel Gürses und Muhammed Ömer Faruk Aydin.
Özgür Gündem
vom 28.04.2006
Weiteres Opfer im Todesfasten
Fatma Koyupinar, die nach
ihrer Haftentlassung am 10. März das Todesfasten in einem Haus in
Sisli (Istanbul) fortgeführt hatte, verstarb in der Nacht zum 27.
April. Sie hatte ihre Aktion am 9. Mai 2005 begonnen. Im gleichen Haus
setzt der Anwalt Behic Asci sein Todesfasten fort.
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