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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 14/2006
Hürriyet-Milliyet-Radikal-Özgür
Gündem vom 01.-05.04.2006
Gewalt bei Demonstrationen
Die Vorfälle, die bei
der Beerdigung von HPG Militanten in Diyarbakir am 28. März begannen,
weiteten sich auf andere Städte aus. Durch Schüsse der Polizei
auf Demonstranten wurden 13 Menschen in Diyarbakir und den umliegenden
Provinz- und Kreisstädten getötet. Durch die Gewalt der Demonstranten
oder Angriffe der Freiheitsfalken von Kurdistan kamen vier Personen ums
Leben. Am 29. März kamen in Diyarbakir Tarik Akkaya, Mehmet Isikci
und Abdullah Duran ums Leben. Am 30, März starben Enes Ata (6) und
Mehmet Eryilmaz (25). Am gleichen Tag starb in Ümraniye (Istanbul)
Vahdettin Toprak. Der am 28. März in Diyarbakir verletzte Mehmet Akbulut
(18) starb am 31. März im Krankenhaus. Am 3. April starben Halit Sögüt
(78), Emre Fidan (19) und Mahsun Mirzak (17), die bei den Vorfällen
schwer verletzt worden waren. Der Anwalt Cengiz Analay sagte, dass Mahsun
Mirzak durch Schüsse aus großer Nähe vor der Polizeistation
10. April getötet wurde. Am 31. März kam es in den Kreisstädten
Ergani und Bismil (Diyarbakir) zu Verletzten. In Batman schoss die Polizei
am gleichen Tag auf Demonstranten und traf Fatih Tekin (3), der in einem
Park spielte. Er starb im Krankenhaus. Am 1. April wurde Ahmet Arac in
Kiziltepe (Mardin) getötet. Am Folgetag starb dort Mehmet Siddik Önder
(21) und viele Personen wurden verletzt.
In Batman wurde Ayhan Karabulut,
der Provinzvorsitzende der DTP am 1. April in U-Haft genommen. Die Verhaftung
erfolgte wegen einer Rede im Fernsehsender Roj TV. Karabulut wurde noch
am gleichen Tag wieder freigelassen, aber nach einem Widerspruch erging
gegen ihn Haftbefehl in Abwesenheit.
Hürriyet/Radikal vom
01.-03.04.2006
Opfer von Vergeltung
Am 31. März explodierte
eine Bombe in einem Müllbehälter im Stadtteil Mocamustafapasa.
Salim Isci (50) starb und mindestens 16 Personen wurden verletzt, drei
davon schwer. Die Freiheitsfalken von Kurdistan (TAK) übernahmen die
Verantwortung. Am 2. April warf eine Gruppe von Demonstranten Molotow-Cocktails
auf einen Bus in Esenler (Istanbul). Der Fahrer versuchte sich vor den
Demonstranten in Sicherheit zu bringen und der Bus überfuhr eine Haltestelle
bevor er einen LKW rammte. Bei dem Vorfall kamen Zülbiye Karasu (62)
und die Schwestern Sinem und Sibel Özkan ums Leben.
Özgür Gündem
vom 04.-06.04.2006
Foltervorwürfe in
Diyarbakir
Die Anwaltskammer Diyarbakir
hielt mit dem Vorsitzenden Sezgin Tanrikulu und den Vorstandsmitgliedern
Meral Danis und Tahir Elci eine Pressekonferenz ab. Tahir Elci sagte, dass
die Anwaltskammer in 543 Fällen Anfragen auf Rechtsbeistand erhielt.
Unter ihnen seien 199 Personen unter 18 Jahren alt gewesen. Haftbefehle
seien gegen 91 Minderjährige und 278 Erwachsene ergangen. Viele der
Verdächtigen hätten von Misshandlungen und Beleidigungen auf
dem Wege zur den Polizeistationen und in Polizeihaft berichtet. Zudem seien
viele der Minderjährigen nicht registriert worden und nach Misshandlungen
wieder freigelassen worden.
Der Anwalt Cengiz Analay
machte Angaben zur Behandlung von Kindern. Viele seien mit eiskaltem Wasser
abgespritzt worden, hätten sich auf Beton legen müssen und seien
verprügelt worden. Einige der Jugendlichen berichteten: M.F. (15)
"Am 28. März verließ ich mit meiner Mutter das Haus, um einen
Verwandten abzuholen. Dort standen Polizisten mit Schlagstöcken. Noch
bevor ich wusste, was mir geschah, war ich festgenommen. Ich wurde geschlagen
und mit eiskaltem Wasser abgespritzt. Dabei habe ich mit der Sache gar
nichts zu tun. Ich besuche das Gymnasium." M.C. (14) "Gegen 16 Uhr war
ich am 28. März auf dem Weg nach Hause. Im Stadtteil Hantepek fasste
mich die Polizei. In der Ferne konnte ich eine Menge sehen, die Steine
auf die Polizisten warf. Ich wurde mit Schlägen und Tritten misshandelt.
Auf der Polizeiwache im Zentrum haben sie mich ausgezogen und mit eiskaltem
Wasser abgespritzt. Ich wurde mit Schlagstöcken verprügelt."
L.K. (14) "Ich kam gegen 18.30 Uhr aus dem Zusatzunterricht. Dort war eine
Menge, die Steine auf die Polizisten warf. Eine Polizistin half mir, der
Menge aus dem Weg zu gehen, aber in einer Seitenstraße haben mich
Beamte der schnellen Eingreiftruppe gefasst. Unter Schlägen wurde
ich auf die Wache in der Stadtmitte gebracht. Dort schlugen sie mich und
spritzten mich mit eiskaltem Wasser ab. Meine Hände wurde mit einem
Band gefesselt. Ich blutete aus dem Mund. Später brachten sie uns
zur Kinderabteilung. Auch dort haben sie uns geschlagen und uns als Köter
von Apo beleidigt." R.K. (16) "Am 28. März gegen 17 Uhr steckte eine
Menge in der Nähe unserer Wohnung eine Bank in Brand und fügten
auch anderen Gebäuden Schäden zu. Die Polizei versuchte einzugreifen.
Ich habe mich in eine Bank gerettet, aber dort kamen Polizisten hinein
und haben mich und andere unter Schlägen heraus geholt. Auf der Polizeistation
in der Stadtmitte wurden wie geschlagen, ausgezogen und mit eiskaltem Wasser
abgespritzt. Ein Beamter schrie, dass sie mich ausziehen sollten, weil
er mich bumsen wolle. Später wurden wir zur Kinderabteilung gebracht,
wo ich mit nackten Füßen auf die Toilette gehen musste. H.H.
(17) "Ich war am 28. März gegen 19 Uhr auf dem Weg nach Hause im Stadtteil
Iskenderpasa. Ich hörte, dass auf der Straße etwas los war,
aber ein Polizist meinte, ich könne ruhig gehen. Dann hat er mich
festgenommen. Auf der Polizeiwache in der Stadtmitte wurde ich ausgezogen,
mit eiskaltem Wasser abgespritzt und mit Schlagstöcken geschlagen.
Auf der Kinderabteilung wurden wir geschlagen."
Özgür Gündem/Radikal
vom 03.-06.04.2006
Bombenexplosionen
Am 1. April ging eine Bombe
vor dem Polizeipräsidium der Polizei in die Luft. Es kam zu Materialschaden.
Zu dem Anschlag bekannte sich die MLKP. Am 5. April explodierte eine Bombe
in dem Gebäude mit Büros der AKP im Stadtteil Esenyurt (Istanbul).
Zwei Personen wurden verletzt. Am gleichen Tag explodierte eine Bombe in
einem Müllcontainer in Antalya. Es kam zu Materialschaden.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 06.04.2006
Murat Yetkin: Kurdische
Szenarien
Bevor ich zu den Szenarien
(Denkspielen) in der kurdischen Frage komme, sollte festgestellt werden,
dass der Spielraum einer Trennung zwischen der DTP und der PKK immer enger
wird. Dabei kann nicht mehr nach dem Vorbild der IRA und Sinn Fein von
einem militärischen und einem politischen Flügel gesprochen werden.
Die DTP wird immer mehr zu einer Frontorganisation der PKK, die weit weniger
Selbständigkeit beansprucht als ihre Vorgängerorganisation, die
DEHAP.
Die momentanen Ereignisse
werden sehr unterschiedlich erklärt. Nach dem ersten Modell ist die
PKK stärker als je zuvor. Das zeige sich daran, dass nicht einmal
die USA ihre Lager im Nordirak auflösen kann. Zudem habe sie durch
die Reformen in der Türkei mehr Möglichkeiten für Propaganda
erhalten. Mit den Unsicherheiten im Nordirak sei die Atmosphäre für
einen Aufstand in der Türkei günstig.
Die andere These besagt
genau das Gegenteil. Die PKK sei geschwächt und werde von den Entwicklungen
im Irak und der Türkei negativ beeinflusst. Sie könne zwar Arbeitslose
und Massen ohne Hoffnung auf die Straße bringen, habe aber nicht
mehr die politische und militärische Kraft von früher. Es gehe
ihr darum, Frauen und Kinder zu Opfern zu machen und dadurch in Europa
Propaganda zu betreiben.
Hinter den Kulissen wird
ein anderes Szenario hoch gehandelt. Demnach sind die USA und Israel über
den Kontakt der Türkei zur HAMAS enttäuscht. Als Beweis wird
angeführt, dass die DTP die Aufforderung von Erdogan, die PKK als
Terroristen einzustufen, mit seinem Kontakt zur HAMAS beantwortete. Die
USA wiederum zeigen ihre Reaktion durch das, was im Irak gemacht oder eben
nicht gemacht wird.
Radikal vom 06.04.2006
Anwaltskammern stellen
Ultimatum
Özdemir Özok,
der Vorsitzende der Union der Anwaltskammer der Türkei, hat der Regierung
eine Frist bis zum 9. Mai gegeben, um die Kassen der Anwaltskammern wieder
aufzufüllen, damit sie der Verpflichtung Rechtsbeistand zu gewähren,
nachkommen können. Aufgrund der am 1. Juni 2005 eingeführten
Anwaltspflicht (bei bestimmten Vergehen) seien die Kosten auf das Vierfache
gestiegen. Das Geld sei nun aufgebraucht und 17.000 Anwälte würden
seit 3 Monaten auf ihre Bezahlung warten. Wenn die geforderten 150 Millionen
YTL nicht bis zum 9. Mai eingetroffen seien, würden die Anwälte
keinen kostenlosen Rechtsbeistand mehr leisten, sagte Özok.
Radikal vom 07.04.2006
Journalistin angeklagt
Die Staatsanwaltschaft von
Istanbul hat die Journalistin Perihan Magden nach Artikel 318 neues TStG
wegen Entfremdung der Bevölkerung vom Militärdienst angeklagt.
Sie hatte in einer Zeitschrift das Recht auf Kriegsdienstverweigerung als
ein Menschenrecht dargestellt und in ihrer Aussage beim Staatsanwalt den
Militärdienst von 15 Monaten als zu lange bezeichnet. Zudem hatte
sie behauptet, dass nicht jedermann verpflichtet werden solle, Militärdienst
zu leisten.
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