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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 13/2006
Nachrichtenagentur DIHA vom
24.03.2006
Politiker verurteilt
Die 1. Kammer des Amtsgerichts
Ceyhan hat Tuncer Bakirhan, ehemaliger Vorsitzender der aufgelösten
DEHAP, zu einer Freiheitsstrafe von 1 Monat verurteilt. Grund war eine
Rede am 16. November 2003. Die Bestrafung erfolgte nach Artikel 312/1 altes
TStG. Die Haftstrafe wurde in eine Geldstrafe von 600 YTL umgewandelt.
Özgür Gündem
vom 24.03.2006
Festnahmen in Van
Bei einer Polizeioperation
wurden in der Nacht vom 23. März Metin Özlü und Hamdullah
Kumru in Van festgenommen. Die Wohnungsinhaberin Perihan Özlü
wandte sich an den IHD und berichtete, dass ihr Mann Irfan Özlü
im Jahre 1990 unter Folter ermordet worden sei. Da einer ihrer Söhne
sich der Guerilla angeschlossen habe, werde ihre Wohnung ständig überfallen.
Ihr werde vorgeworfen, Terroristen, die aus den Kandil-Bergen kommen, Unterschlupf
zu gewähren.
Özgür Gündem
vom 27.03.2006
Minenexplosion
Serdar Dönmez starb,
als er in der Nähe des Dorfes Saritas (Tunceli) auf eine Mine trat.
Özgür Gündem/Radikal
vom 26./27.03.2006
Gefecht in der Region
Senyayla
Am 24. und 25. März
gab es in der Region Senyayla zwischen den Provinzen Mus, Bingöl und
Diyarbakir zu einem Gefecht, bei dem 14 Militante der HPG ums Leben kamen.
Die HPG behauptete, dass dabei chemische Waffen eingesetzt wurden. Die
Namen der Getöteten wurden mit Kenan Demir, Resit Ahmet, Bülent
Tanisik, Idris Sinet, Abdullah Rükün, Kemal Tahazade, Hamet Guli,
Muzaffer Pehlivan, Fatih Çetin, Mahmut Güler, Arman Katurani,
Adnan Mahmut, Hüseyin Kizil und Kawa Ibrahim angegeben. Die Erklärung
der HPG (auf Deutsch) und persönliche Angaben zu den Getöteten
befinden sich unter: http://www.hpg-online.com/ger/news/news_41.html.
Radikal vom 29.03.2006
Die Ereignisse von Semdinli
Die parlamentarische Untersuchungskommission
zu den Vorfällen von Semdinli hat sich nach Van begeben. Zuvor besuchten
der AKP Abgeordnete Sükrü Önder und der CHP Abgeordnete
Sirri Özbek den Überläufer Veysel Ates im Gefängnis
von Bitlis. Mit den inhaftierten Unteroffizieren mussten sich die Abgeordneten
in einem Raum des Gerichtsgebäudes in Van unterhalten. Ali Kaya und
Özcan Ildeniz sollen gesagt haben, dass sie den Besitzer des Buchladens
beobachteten, aber mit der Bombenexplosion nichts zu tun hätten. Nach
Abschluss der Untersuchung der Staatssekretäre gegen den Staatsanwalt
Ferhat Sarikaya haben sie empfohlen, ihn in 2 Fällen disziplinarisch
zu belangen, da er Dinge in die Anklageschrift schrieb, die dort nicht
angebracht seien.
Radikal vom 31.03.2006
Die Kommission unterhielt
sich mit Kamil Yasar, dem Bruder von Yusuf Yasar, der am 12. August 2005
ermordet worden war. Kamil Yasar will der Kommission berichtet haben,
dass es zum Tode seines Bruders zwei widersprüchliche Erklärungen
des Gouverneurs gebe. Dabei könnten viele bezeugen, dass er im Stadtzentrum
entführt und erschossen wurde. Sein Name sei auch im Kalender von
Ali Kaya aufgetaucht, so dass er vermute, dass dieser Unteroffizier und
seine Helfer ihn auf dem Gewissen hätten.
Özgür Gündem
vom 29.03.2006
Todesschüsse an
der Grenze
In der Nacht vom 27. März
erschossen Soldaten den iranischen Staatsangehörigen Nebim Bozari
in der Nähe des Dorfes Kizilca, im Kreis Baskale (Van). Er soll Schmuggel
mit Treibstoff betrieben haben und aus der Nähe erschossen worden
sein. Es wurde eine Autopsie im Staatskrankenhaus von Baskale durchgeführt,
bevor die Familie den Leichnam in der Iran brachte.
Özgür Gündem
vom 27.03.2006
Freispruch für Schüsse
Die 3. Kammer des Landgerichts
in Adana hat die Polizisten Mevlüt Zengin, Murat Sahin, Nihat Kiliç,
Ömer Yakar und Dursun Çakir wegen der Körperverletzung
des Demonstranten Cemil Aktas bei den Newrozfeiern in Adana im Jahre 2004
freigesprochen, da sie in Notwehr gehandelt hätten. Der Anwalt von
Cemil Aktas, Tugay Berk, beschwerte sich, dass das Gericht den Vorwürfen,
dass auf seinen Mandanten aus der gleichen Waffe geschossen wurde, die
Siyar Perincek tötete, nicht nachgegangen sein.
Milliyet vom 29.03.2006
Folter beim Militär
Die Staatsanwaltschaft in
Igdir hat die Soldaten F.D. und A.D. wegen Folter am Soldaten H.G. angeklagt.
Dieser sei wegen Erkrankung spät aus dem Urlaub zu seiner Einheit
in Dogubeyazit (Agri) zurückgekehrt und habe deshalb eine Strafe von
13 Tagen Haft erhalten. Im Gefängnis sollen ihn F.D. und A.D. mit
einem Polizeiknüppel vergewaltigt haben. Nach seiner Haftentlassung
habe H.G. einen Selbstmordversuch gemacht.
Özgür Gündem
vom 29.03.2006
Polizisten verurteilt
Die 3. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir hat die Polizeibeamten Ismail Hacialioglu und Murat Yasaroglu
zu einer Strafe von drei Monaten Haft verurteilt, weil sie im Juli 2004
Sait Isikli, der die Festnahme seiner Bruders verhindert wollte, geschlagen
hatten. Die Strafe wurde auf 2 Monate und 15 Tage Haft reduziert. Die Polizeibeamten
Hamza Bilgin und Yücel Yüksel wurden freigesprochen.
Özgür Gündem
vom 29.03.2006
Leiche gefunden
Die Leiche von Hayrettin
Sar wurde am 26 März in der Nähe des Dorfes Sinanli gefunden.
Er hatte vor einigen Tagen seine Wohnung in Bismil (Diyarbakir) verlassen
und galt seitdem als "verschwunden". Er soll in HADEP und DEHAP aktiv gewesen
sein und an die zwei Jahre im Gefängnis von Batman wegen Mitgliedschaft
in der PKK eingesessen haben.
Özgür Gündem
vom 29.03.2006
Beisetzung der HPG Militanten
Von den HPG Militanten,
die in der Region Senyayla getötet worden waren, wurden einige in
Diyarbakir, Adana und Batman beigesetzt. Für Kenan Demir fand eine
Gedenkfeier in der Stadt Gökcebag (Siirt) statt. Dabei wurde Muhlis
Ete (16) von Soldaten angeschossen, als er eine PKK Flagge hissen wollte.
In Diyarbakir wurden bei den Beerdigungen von vier Militanten zwei Journalisten,
10 Polizisten und viele Demonstranten verletzt. Die Polizei setzte Gasbomben
ein, um einen Marsch der Trauergemeinde ins Stadtzentrum zu verhindern.
Den ganzen Tag hielten Demonstrationen an, bei dem es zu Sachschaden kam.
23 Personen sollen festgenommen worden sein.
Özgür Gündem
vom 30.03.2006
Die Vorfälle dauerten
am 29. März an. Die Sicherheitskräfte schossen auf die Menge
und töteten 3 Menschen. An die hundert Polizisten sollen durch Steine
der Demonstranten verletzt worden sein. Tarik Akkaya und Mehmet Isikci
wurden im Stadtteil Bagcilar getötet. Dort wurde Abdullah Duran (9),
der die Ereignisse vom Balkon seines Hauses verfolgte, von der Polizei
erschossen. Viele Verletzte kamen ins Krankenhaus und mindestens zwei von
ihnen sollen schwer verletzt sein. Bei einer Demonstration in Ümraniye
(Istanbul) kam der Demonstrant Hüseyin Demir (24) ums Leben. Er soll
einem Herzinfarkt erlegen sein.
Cumhuriyet/Özgür
Gündem/Radikal vom 31.03.2006
Bei der Beerdigung der 3
Demonstranten (Abdullah Duran (9), Tarik Akkaya (22) und Mehmet Isikçi
(19) kam es in Diyarbakir erneut zu Auseinandersetzungen. Die Polizei schoss
auf die Demonstranten und erschoss ein 6-jähriges Kind sowie einen
Jugendlichen. Der Jugendliche soll mit Vornamen Serhat (Ferhat) heißen.
Am 30. März kam es auch in Batman zu Auseinandersetzungen. Die Polizei
setzte Gasbomben und Wasserwerfer ein. Unterdessen soll gegen 48 Demonstranten
in Diyarbakir Haftbefehl erlassen worden sein. Bei dem in Istanbul verstorbenen
Demonstranten solle es nicht um Hüseyin Demir, sondern den asthma-kranken
Vahdettin Toprak handeln, der aufgrund der Gasbomben ums Leben kam.
Bia (Netzwerk) vom 31.03.2006
In Batman erschossen die
uniformierten Kräfte Fatih Tekin (3).
Radikal vom 01.04.2006
Der Name des in Diyarbakir
getöteten Kindes wurde mit Enes Ata (6) und der Name des Jugendlichen
mit Mehmet Akbulut (18) angegeben. Vergleiche auch: http://www.mopo.de/2006/20060331/deutschland-welt/politik/tuerkei_toedliche_gewalt_in_istanbul_und_kurdengebieten.html
Zusatz vom DTF
Unter der Adresse http://www.sabah.com.tr/2006/03/31/yaz08-40-122.html
befindet sich ein Artikel
von Erdal Safak aus der Tageszeitung "Sabah" vom 31.03.2006.
Herr Safak zitiert aus einer Stellungnahme von Sait Cürükkaya.
Diese ist in der kurdischen Sprache zu finden unter
http://www.rizgari.com/modules.php?name=News&file=article&sid=3730
Hier Auszüge aus dem
Artikel von Erdal Safak:
Der ehemalige PKK'ler Sait
Cürükkaya kennt die kurdischen Kreise sehr gut. Als einer der
das Gebiet kennt, in dem es zu dem Gefecht mit 14 getöteten PKK'lern
kam, kommt er zu folgenden Schlüssen:
- Das als Südliches
Mus bezeichnete Gebiet gehört seit 1993 nicht mehr zu den Stützpunkten
der PKK.
- Im Winter liegt der Schnee
dort 2-3 Meter hoch, so dass sich kein PKK Team versteckt halten kann.
In dieser Jahreszeit dort eine PKK Einheit zu schicken, kann nur ihre Vernichtung
bedeuten.
- Es passiert zum ersten
Mal, dass gleich am Folgetage die Fotos und Lebensläufe der 14 Organisationsmitglieder
veröffentlicht werden. Einheiten, die in ein Gefecht ziehen, haben
keine technischen Geräte wie Handys dabei. Es hätten sich auch
2-3 Personen vorher trennen und retten können.
- Es ging darum, über
die Angehörigen die Massen aufzuwiegeln, die sich zum Jahrestag der
Festnahme von Öcalan nicht an den von der DTP organisierten Demonstrationen
beteiligt hatte.
Der Vorsitzende der DTP
in Siirt, Murat Avci, rief die Bevölkerung auf, die Läden geschlossen
zu halten und die Kinder nicht zur Schule zu schicken. Dies stand auch
in einem von der PKK in Batman verteilten Flugblatt. Was soll zum Verhalten
von Osman Baydemir, Bürgermeister von Diyarbakir, gesagt werden? Er
küsste einen maskierten Militanten und sagte unter der PKK Fahne in
Kurdisch "Ich beglückwünsche Euch für Euren Mut".
TIHV vom 31.03.2006
Folterprozess in Izmir
Die 2. Strafkammer des Landgerichts
Izmir hat den Polizeioffizier Bülent Uzun zu einer Haftstrafe von
2 Jahren verurteilt. Er soll Gökhan Ulusar, der am 4. Juni 2001 festgenommen
worden war, gefoltert haben. Die nach Artikel 243 altes TStG verhängte
Strafe wurde nicht zu Bewährung ausgesetzt.
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