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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 12/2006
Radikal vom 18.03.2006
Folterverfahren in Istanbul
Vor der 6. Kammer des Landgerichts
Istanbul begann am 17. März ein Verfahren gegen 9 Polizisten, denen
Folter an sieben Personen, die im Zusammenhang mit Demonstrationen beim
NATO-Gipfel im Juni 2004 festgenommen worden waren, vorgeworfen wird. Der
Geschädigte Melih Arslan sagte, dass ein Beamter unter den Angeklagten
ihn beschimpft habe. Die eigentlichen Folterer aber seien nicht unter den
Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Strafe nach Artikel 94
des neuen TStG.
Milliyet/Radikal vom 21.03.2006
Vorfall von Semdinli
Der Generalstab hat keine
Erlaubnis erteilt, dass gegen den Kommandanten des Heeres, General Yasar
Büyükanit, ermittelt wird. In der Verlautbarung wurde die Anklageschrift
als wertloses Dokument jenseits von Rechtsprinzipien bezeichnet. Der Staatsanwalt
Ferhat Sarikaya habe dadurch die Absicht verfolgt, den Kampf der Armee
gegen den Terror zu schwächen. Unter Berufung auf einen Brief eines
Abdülrezzak Ucarer habe der Staatsanwalt auch fälschlicherweise
die Offiziere mit Bestechung und Schmuggel in Verbindung gebracht. Der
Brief sei eine Fälschung, in der nicht einmal die Unterschrift korrekt
sei. Unterdessen sind zwei Staatssekretäre nach Van gefahren und haben
die Aussage des Staatsanwaltes aufgenommen.
Milliyet/Radikal/Sabah
vom 24.03.2006
Der Vorsitzende der Intelligenzabteilung
im obersten Polizeidirektorat, Sabri Uzun, wurde aus dem Amt entlassen.
Er soll der Untersuchungskommission zu den Vorfällen in Semdinli gesagt
haben, dass die Gendarmerie für die Ereignisse verantwortlich sei.
Auf die Frage eines Abgeordneten hatte er gesagt: "Ein Schloss taugt nichts,
wenn der Einbrecher im Haus ist."
ANF/Radikal/Özgür
Gündem vom 21.03.2006
Newroz-Feierlichkeiten
In der Nacht vom 19. März
kam es im Stadtteil Bagcilar-Göztepe (Istanbul) zu einer Auseinandersetzung
zwischen Jugendlichen, die mit Feuer das Newrozfest begingen, und der Polizei.
Dabei wurde Esref Kulac (19) schwer verletzt. In Urfa wurden 8 minderjährige
Demonstranten, die am 19. März mit weiteren 19 Personen festgenommen
worden waren, freigelassen.
Presse vom 22.03.2006
In den meisten Orten sind
die Newrozfeiern friedlich verlaufen. In Diyarbakir kam es zu einer kurzen
Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei, die die von
ihr errichteten Barrikaden nicht entfernen wollte. Dabei wurden 9 Personen
verletzt. Danach wurden die Barrikaden beseitigt. Nach der Verlautbarung
der obersten Polizeidirektion in Ankara wurden in den letzten 4 Tagen bei
Newrozfeiern in 45 Provinzen insgesamt 77 Personen festgenommen.
Bia vom 22.03.2006
Journalisten zu Geldbuße
verurteilt
Die Oberstaatsanwaltschaft
von Bagcilar hat den Journalisten Ismail Saymaz, den Chefredakteur von
Radikal, Hasan Cakkalkurt, und den Herausgeber Ismet Berkan zu einer Geldbuße
von 20.000 YTL verurteilt. Sie sollen mit dem Artikel "Vorwürfe von
Folter an einem 11-jährigen Kind" vom 23. Februar in ein laufendes
Verfahren eingegriffen haben. Falls die Geldbuße nicht in 10 Tage
gezahlt wird, werden die Journalisten vor Gericht gestellt.
Özgür Gündem/ANF
vom 24.03.2006
Politiker verhaftet
Am 23. März wurde der
Vorsitzende der DTP in Batman, Celi Imret unter dem Vorwurf, der Mitgliedschaft
in einer illegalen Organisation in U-Haft genommen. Der Provinzvorsitzende
der DTP in Maras, Yusuf Adigüzel, wurde in U-Haft genommen, weil er
in einem Fernsehprogramm von Roj TV vom verehrten Öcalan gesprochen
hatte. In Hakkari wurde der ehemalige Vorsitzende der aufgelösten
DEHAP, Sabahattin Suvagci, unter dem Vorwurf der Unterstützung einer
illegalen Organisation verhaftet. Es kam danach vor dem Gerichtsgebäude
und in andern Teilen der Stadt zu Demonstrationen, bei denen viele Personen
verletzt und 21 Personen festgenommen wurden.
Weitere Meldungen (DTF)
Bia vom 20.03.2006
Mehmet Desde als Organisationsmitglied
verurteilt
Am 16. März hat die
8. Kammer des Landgerichts Izmir den deutschen Staatsbürger Mehmet
Desde, Maksut Karadag, Hüseyin Habip Taskin, Serafettin Parmak und
Mehmet Bakir zu 30 Monaten Haft und Geldstrafen von je 1.666 YTL verurteilt.
Sie sollen der Bolschewistischen Partei – Nordkurdistan/Türkei angehören.
Als Unterstützer der Partei wurden Metin Özgünay, Ömer
Güner und Ergun Yildirm zu je 10 Monaten Haft und einer Geldstrafe
von 833 YTL verurteilt. Das Ausreiseverbot gegen Mehmet Desde und Mehmet
Bakir wurde "bis zur Rechtskraft des Urteils" verlängert. Der Staatsanwalt
hatte Freispruch für alle Angeklagten gefordert. Das Verfahren wurde
vom IHD, TIHV, Pro Asyl, der Gewerkschaft Verdi und dem deutschen Konsul
in Izmir beobachtet.
ANF vom 20.03.2006
Zweifelhafter Selbstmord
eines Soldaten
Der aus Adiyaman stammende
Sami Göksu soll sich in seiner Einheit in Trabzon aus unbekannten
Gründen mit einem Strick das Leben genommen haben.
Hürriyet vom 25.03.2006
Forderungen der Polizei
an das neue Anti-Terror Gesetz
Der Polizeichef von Istanbul,
Celalettin Cerrah, hat Forderungen der Polizei für ein neues Anti-Terror-Gesetz
(ATG) aufgestellt. Demnach soll die Polizeihaft wieder vier Tage betragen
und bis auf 15 Tage angehoben werden. Es solle eine Datenbank mit DNA Tests
von allen Bürgern erstellt werden. An jedem Ort solle eines der Landgerichte
(Gerichte für Zuchthausstrafen) nur für Vergehen gegen das ATG
zuständig sein. In den ersten vier Tagen soll der Zugang zu einem
Anwalt eingeschränkt sein. Ermittlungen sollen von den uniformierten
Kräften geführt werden. Vergehen gegen das ATG sollen von Amnestien
ausgeschlossen werden.
Ismail Caliskan, der Sprecher
der obersten Polizeidirektion sagte, dass die Kompetenzen der Polizei in
Bezug auf die Bekämpfung des Terrorismus unzureichend seien, und unterstützte
die Forderung des Istanbuler Polizeichefs nach einer Verlängerung
der Polizeihaft auf 15 Tage. DNA Tests sollten aufbewahrt werden, auch
wenn die Person freigesprochen werde.
Anmerkungen zum Gerichtswesen
in der Türkei:
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