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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 05/2006
BIA (Netzwerk) vom 27.01.2006
Verfahren gegen Menschenrechtler
Gegen den Vorsitzenden der
Zweigstelle Bingöl des IHD, Ridvan Kizgin, wurde ein Verfahren wegen
einer Presseerklärung eröffnet. Der Vorwurf lautet auf "Aufstachelung
der Bevölkerung zum Begehen eines Verbrechens". Das Verfahren wird
am 14. Februar vor dem Amtsgericht in Bingöl beginnen.
Milliyet vom 28.01.2006
Entführter Polizist
freigelassen
Hakan Aci, der Polizist,
der von der HPG am 9. Oktober 2005 auf der Strecke zwischen Idil (Sirnak)
und Midyat (Mardin) von Militanten der HPG entführt worden war, wurde
am 27. Januar im Nordirak freigelassen. Er wurde von einer 8-köpfigen
Delegation, darunter die stellvertretende Vorsitzende des IHD, Kiraz Bicici,
der stellvertretende Vorsitzende von Mazlum Der, Seyhmus Ülek, und
der Vertreter des IHD im Südosten, Mehdi Perincek, in Empfang genommen
und in die Türkei gebracht.
Radikal vom 28.01.2006
Bombenexplosion in Malatya
Am 27. Januar kam es im
Gebäude des Gouverneurs von Malatya im 2. Stock zu einer Explosion.
Die Lärmbombe verursachte materiellen Schaden.
Nachrichtenagentur ANF vom
28.01.2006
Dorfbewohner getötet
Am 27. Januar wurde Celal
Sarihan in der Nähe des Dorfes Üzengil (Mesar) im Kreis Dogubeyazit
(Agri) von Soldaten getötet, als er die Grenze zum Iran überqueren
wollte.
Radikal vom 31.01.2006
Bürgermeister verurteilt
Der Bürgermeister von
Cizre, Aydin Bucak wurde zu einer Geldstrafe von 9.000 YTL verurteilt,
weil er in einer Botschaft zum Opferfest Abdullah Öcalan als den politischen
Willen der Kurden bezeichnet hatte. Die Strafe wurde wegen Propaganda für
eine illegale Organisation verhängt.
Radikal vom 31.01.2006
Überfall auf Verein
in Adana
Am 30. Januar wurde ein
Bombenanschlag auf den türkisch-amerikanischen Verein in Adana verübt.
Dort explodierte gegen 15.30 Uhr eine Bombe im Erdgeschoss. Dadurch wurden
Fatma Irem Erol (14), Naime Erdogan (23) und Zeynep Erdogan (24), die einen
Englisch-Kurs besuchten, und der Mitarbeiter Halil Isik (50) verletzt.
Radikal vom 31.01.2006
Überfall auf Nakschibendi
Führer
Scheich Süleyman Bagdu,
Führer der Nakschibendi Sekte wurde am 30. Januar in Batman getötet.
Gegen 15.15 Uhr sollen unerkannte Personen sein Auto an der Umgehungsstraße
von Batman nach Siirt mit automatischen Waffen beschossen haben. Dabei
wurden Süleyman Bagdu, der Fahrer Serif Kaplan und die Beifahrer Abdüllatif
Engin, Mustafa Milmez und Adil Karabas verletzt. Bagdu und Engin erlagen
ihren Verletzungen im Krankenhaus. Der Polizeichef von Batman, Arif Öksüz,
behauptete, dass der Überfall keinen politischen Hintergrund habe.
Der Scheich hat am Schwarzen und am Marmara-Meer ca. 200 Anhänger.
TIHV vom 31.01.2006
Verfahren gegen Mitarbeiter
in Adana
Vor der 11. Kammer des Amtsgerichts
Adana ging das Verfahren gegen den Vertreter der Menschenrechtsstiftung
der Türkei in Adana, Mustafa Cinkilic, und den Mitarbeiter Mehmet
Antmen heute weiter. Das Gericht beschloss, die Akte des Verfahrens wegen
Misshandlung an Sükrü Borav beizuziehen. Das Verfahren wurde
auf den 11. Mai vertagt.
Atilim vom 03.02.2006
Ex-Gefangener bedroht
Hasan Cepe, der im Todesfasten
am Wernicke-Korsakoff Syndrom erkrankt war, hat im Büro des Menschenrechtsvereins
eine Pressekonferenz abgehalten. Dort schilderte er, dass Mitte Januar
sich ihm jemand, der sich als Reporter der Zeitung "Vakit" ausgab, auf
der Istiklal Allee genähert und ihn nach den Leitern der TIKB gefragt
habe. Als er nicht darauf geantwortet habe, sei er mit den Worten "du wirst
schon sehen, was du davon hast" bedroht worden. Die gleiche Person habe
er am Abend in einem Polizeiauto gesehen. Am 31. Januar seien zwei Zivilbeamte
in das Kunsthaus Yapi gekommen. Sie hätten versucht, ihn auszufragen,
und ihm dabei mit ihren Waffen gedroht.
Özgür Gündem
vom 03.02.2006
Drohungen in Dogubeyazit
Yilmaz Yasmin, der im Kreis
Dogubeyazit (Agri) lebt, gab an, von Mitarbeitern des Geheimdienstes der
Gendarmerie bedroht worden zu sein. Sie seien am 31. Januar in einem weißen
Kleinbus gekommen und ein Mann mit einer Militärmütze habe
mit seinem Vater diskutiert. Er habe auch nach ihm gefragt, so dass er
hinunter ging und fragte, was sie von ihm wollten. Sie hätten sich
als Beauftragte der Gendarmerie vorgestellt, aber sein Vater habe gesagt,
dass er wisse, dass sie vom Geheimdienst seien, und er keine Angst vor
ihnen habe. Danach sei er (Yilmaz Yasmin) in den Kleinbus gebracht worden.
Dort habe man ihm gesagt, dass er sich entweder mit ihnen anfreunde oder
es würde ihm schlecht gehen. Im Kleinbus seien Gewehre und Kalaschnikows
gewesen. Er habe ihnen aber entgegnet, dass er kein Spitzel sein würde,
und sei aus dem Auto ausgestiegen.
Hürriyet vom 03.02.2006
Bürgermeister vor
Gericht
Das Landgericht in Diyarbakir
hat das Verfahren gegen 24 Angeklagte, darunter die ehemaligen Bürgermeister
von Diyarbakir (Feridun Celik), Siirt (Selim Özalp) und Bingöl
(Feyzullah Karaaslan) beendet. Ihnen war vorgeworfen worden, mit dem PKK
Funktionär Murat Karayilan gesprochen und einen Teil des Geldes von
den Stadtverwaltungen der PKK zur Verfügung gestellt zu haben. Etliche
der Angeklagten, darunter die Bürgermeister von Batman, Siirt und
Bingöl, wurden freigesprochen. Zu Feridun Celik und 13 weiteren Angeklagten
entschied das Gericht auf Verjährung, während Sadullah Özdemir,
Mustafa Yildiz, Mehmet Maksut und Ramazan Tekin zu je 7,5 Jahren Haft verurteilt
wurden. Der Überläufer Abdülkadir Güzel erhielt eine
Strafe von 25 Monaten Haft.
BIA (Netzwerk) vom 03.02.2006
Politiker verurteilt
Fehmi Sarac, der Vorsitzende
der DTP in der Provinz Mus, wurde vom Amtsgericht Mus zu einer Freiheitsstrafe
von 1 Jahr verurteilt, weil er Abdullah Öcalan "werter Öcalan"
genannt hatte.
Weitere Meldungen (DTF)
Bia (Unabhängiges Kommunikationsnetzwerk)
vom 03.02.2006
Jahresbericht des Überwachungsbüros
Medien
Nachdem das Überwachungsbüro
Medien im vergangenen Jahr 3 Quartalsberichte zur Situation der Medien
in der Türkei herausgegeben hatte, wurde nun der Jahresbericht veröffentlicht.
In dem 39-seitigen Bericht werden Informationen zu 200 Verfahren und 319
Journalisten wiedergegeben. Demnach wurden 2005 insgesamt 29 Journalisten
unter dem Artikel 301 neues TStG angeklagt und 8 von ihnen verurteilt.
Ein neuer Vorwurf gegen Journalisten ist der Eingriff in laufende Verfahren.
Darunter wurden 17 Journalisten angeklagt. Unter dem Artikel 216 neues
(312 altes) TStG wurden 15 Journalisten wegen Aufstachelung zu Hass und
Feindschaft angeklagt. In einem Verfahren kam es erneut zu einer Verurteilung,
wobei anstelle der zuvor verhängten Freiheitsstrafe nun eine Geldstrafe
verhängt wurde. Weitere Anklagen gegen Journalisten wurden nach dem
Anti-Terror Gesetz (12), Beleidigung von Atatürk (4) und Nachrichten
über die Mafia (5) eröffnet.
Im Jahre 2005 kamen 6 Journalisten
in U-Haft. Von ihnen wurde Birol Duru nach 4,5 Monaten entlassen. Die anderen
Journalisten wurden zusammen mit 3 Kollegen, die im Jahre 2004 verhaftet
worden waren, ebenfalls aus der Haft entlassen. Neben dem Chefredakteur
der Zeitschrift "Isci-Köyü", Memik Horuz, befindet sich noch
der Chefredakteur der Lokalzeitung "Mavi" und "Kurt", Cengiz Dogan, in
Nusaybin in Haft.
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