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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 01/2006
Özgür Gündem
vom 31.12.2005
Anwalt angeklagt
Die Staatsanwaltschaft in
Beyoglu hat den Anwalt Hasip Kaplan wegen Aufstachelung zu Rassenhass nach
Artikel 216/1 und 218 neues TStG angeklagt. Grund ist sein Auftritt im
Fernsehsender Flash TV am 30. Mai.
Milliyet vom 30.12.2005
Verfahren gegen Politiker
Die Staatsanwaltschaft in
Ankara hat 12 Funktionäre der DTP, darunter der ehemalige Vorsitzende
der DEHAP, Tuncer Bakirhan wegen Mitgliedschaft in und Unterstützung
der PKK angeklagt. Als Beweise wurden Reden bei der Auflösung der
DEHAP zugunsten der Mitgliedschaft in der DTP und Parolen, die bei Kundgebungen
gerufen wurden, genannt.
Atilim vom 30.12.2005
Bombenanschläge
in Großstädten
Die Bewaffneten Kräfte
der Armen und Unterdrückten (FESK) hat die Verantwortung für
Bombenanschläge in Istanbul, Ankara, Bursa und Izmir übernommen.
Sie führten zu Materialschaden und sollen aus Protest gegen die Operation
gegen die Gefängnisse vom 19. Dezember 2000 erfolgt sein. Am 26. Dezember
erfolgte ein Bombenanschlag auf das Landsratsamt in Bahcelievler (Istanbul),
am 28. Dezember auf das Polizeipräsidium in Altindag (Ankara), das
Büro der AKP in Bursa und die Polizeistation Altindag (Izmir).
DIHA vom 29.12.2005
Mord an Hikmet Fidan
Die 4. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir verhandelte am 28. Dezember gegen Firat Karahan, Mustafa Kemal
Ok, Veysi Akgönül und Zeki Peker im Zusammenhang mit den ehemaligen
stellvertretenden Vorsitzenden der HADEP, Hikmet Fidan am 6 Juli in Diyarbakir.
Mustafa Kemal Ok sagte, dass er Hikmet Fidan auf einer Versammlung mit
Eyüp Kargeci, Osman Öcalan und Nizamettin Tas im Nordirak kennen
gelernt habe. Karageci habe ihn nach dem Vorfall angerufen und gefordert,
dass er die PKK für den Mord verantwortlich mache. Der Angeklagte
Firat Karahan erhob Foltervorwürfe. Er warf dem Staatsanwalt Muammer
Özcan vor, ihn nicht über seine Rechte belehrt zu haben und ihm
mit 36 Jahren Haft gedroht zu haben, wenn er seine Aussage nicht unterschreibe.
Sowohl Veysi Akgönül als auch Firat Karahan lehnten die Protokolle
der Identifizierung von Serkan Sitilay als dem vermeintlichen Mörder
ab.
Tarik Fidan, der Sohn von
Hikmet Fidan, nahm als Nebenkläger teil. Er sagte, dass ein Mehmet
Ören, sowie Murat Karayilan und Zübeyir Aydar seinen Vater telefonisch
bedroht hätten. Am Ende der Verhandlung wurde Mustafa Kemal Ok aus
der Haft entlassen. Firat Karahan und Veysi Akgönül blieben in
U-Haft.
Radikal vom 03.01.2006
IHD'ler und Delegationsmitglieder
angeklagt
Die Mitglieder der Delegation,
die den im Juli 2005 von der HPG entführten Soldaten Coskun Kirandi
in Empfang nahmen, wurden nun wegen Propaganda für eine terroristische
Organisation angeklagt. Der Delegation hatten angehört: Selahattin
Demirtas (Vorsitzender des IHD in Diyarbakir), Mihdi Perincek (Vorsitzender
des IHD in der Region), Ferhat Tunc (Sänger), Alaaddin Erdogan (DEHAP),
Özgür Sölyemez (Stadtparlament Tunceli), Umur Hozatli (Özgür
Gündem), Ferit Demir (DHA), Haydar Toprak (AA), Kadir Özbek (DIHA),
Rüstü Demirkaya (DIHA).
Özgür Gündem
vom 06.01.2006
Politiker entführt
und bedroht
Mehmet Cevat Ince, der dem
Vorstand der DTP in Kreis Gaziosmanpasa (Istanbul) angehört, hat Vorwürfe
erhoben, dass er am 31. Dezember von Polizisten entführt und mit dem
Tode bedroht wurde. Zwei Personen hätten ihn angegriffen, ihm Handschellen
angelegt und ihn in ein Auto gezerrt. Ihm seien die Augen verbunden worden
und man habe ihn an einen ihm unbekannten Platz gebracht. Die Personen,
die sich als Polizisten vorstellten, hätten ihm gesagt, dass der Staat
ihm 12 Jahre Haft auferlegt habe, er stattdessen aber 12 Kugeln verdiene.
Er sei dann in der Nähe des Polizeipräsidiums Istanbuls wieder
freigelassen worden.
ANF (Nachrichtenagentur Firat)
vom 06.01.2006
Verfahren wegen Newroz
Die 6. Kammer des Amtsgerichts
Mersin hat am 4. Januar das Veranstaltungskomitee der Newrozfeier im Jahre
2005 zu einer Haftstrafe von 9 Monaten und einer Geldstrafe von 489 YTL
verurteilt. Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil
erging, weil auf der Feier Parolen für eine terroristische Organisation
gerufen und unerlaubte Spruchbänder enthüllt worden sein sollen.
Angeklagt waren die DEHAP Funktionäre Fahrettin Teker, Ömer Serin,
Halil Yüce, Mehmet Varol, Hüseyin Sakar und Sanai Say?n.
Radikal vom 06.01.2006
Verfügungen aufgehoben
Das Justizministerium hat
alle Verfügungen, die vor dem 31. Dezember 2005 erlassen wurden, aufgehoben,
da es dafür Regelungen durch die im Rahmen der Anpassung an die EU
erlassenen Gesetze gebe. Es wurden gleichzeitig 97 Verfügungen verabschiedet,
die mit dem neuen Strafgesetz und der Strafprozessordnung übereinstimmen
sollen.
Weitere Meldungen (DTF)
Bia (Netzwerk) vom 03.01.2006
Mazlum Der: 12 Opfer
von Sittenmorden
Der Menschenrechtsverein
Mazlum Der hat eine Bilanz zu Menschenrechtsverletzungen im Jahre 2005
herausgegeben und dabei auf 12 Opfer in 9 Fällen von "Ehren"- oder
Sittenmorden hingewiesen. Erdem Özbek machte darauf aufmerksam, dass
es in den Stämmen im Osten einen eigenen Ehrenkodex gebe und einige
Morde nicht nur auf verletzte Sexualmoral zurückzuführen seien.
Bia (Netzwerk) vom 03.01.2006
Neue Verfügungen
des Justizministeriums
Nachdem der Justizminister
Cemil Cicek alle Verfügungen aufgehoben hatte, die bis zum 31.12.2005
erlassen worden waren, folgen nun neue Erlasse. Nach einer Meldung von
NTV trägt einer dieser Erlasse den Titel "Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen
bei Ermittlungen". In diesem Erlass wird auf das Recht der Individualbeschwerde
hingewiesen. Die Türkei sei aufgrund von Mängel bei den Ermittlungen
der Staatsanwaltschaft zu hohen Abfindungen verurteilt worden. Es bestehe
aber die Möglichkeit, diese Gelder von den fehlerhaft vorgehenden
Beamten einzufordern. In einem Erlass zu "Unaufgeklärte Fälle
und Morde" wird ebenfalls auf unzureichende Ermittlungen der Staatsanwaltschaften
hingewiesen, die im Falle, dass die Türkei zur Zahlung von Abfindungen
verurteilt werde, dazu führen könne, dass der jeweilige Staatsanwalt
die Entschädigung zu zahlen habe.
Bia (Netzwerk) vom 05.01.2006
Mustafa Sönmez:
Die Medien im Jahre 2005
Es gibt in der Türkei
260 Fernsehsender, von denen 16 landesweit, 15 regional und 229 örtlich
ausstrahlen (53 über Kabel). Von den 1.200 Radiosendern strahlen 30
landesweit, 108 regional und 1.062 örtlich aus. Landesweit werden
32 Zeitungen und 85 Zeitschriften vertrieben. Der Verkauf der Publikationen
nimmt dabei nur einen geringen Anteil bei den Einnahmen ein (ca. 20%),
denn die Medien verdienen ihr Geld vorwiegend durch Reklame. Es gab z.B.
im Jahre 2001 bei einem Rückgang im Wirtschaftswachstum um 9,5% einen
Rückgang bei den Ausgaben für Reklame um 49% auf 536 Millionen
Dollar. Bei einem Wachstum von 9,9% im Jahre 2004 stiegen die Ausgaben
für Reklame um 42% auf 1,27 Milliarden Dollar. Im Jahre 2005 betrug
das Wachstum 5% und die Ausgaben für Reklame stiegen um 32% auf 1,67
Milliarden Dollar.
Im weltweiten Vergleich
liegen die Ausgaben für Reklame pro Kopf der Bevölkerung in der
Türkei bei 19 Euro. In der EU werden 190 Euro pro Person ausgegeben,
während es in den USA 479 Euro pro Kopf der Bevölkerung sind.
Der komplette Artikel kann
auf der website bagimsizssosyalbilimciler.org gefunden werden.
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