Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 50/2005
Evrensel vom 10.12.2005
Folter in Hakkari
Giyasettin Demir und Nedim
Demir, die in der Stadt Gecitli der Provinz Hakkari am 8. Dezember von
Soldaten festgenommen worden waren, haben Foltervorwürfe erhoben.
Die Soldaten kamen zum Haus von Ali Demir, der die Gendarmerie wegen ungesetzlicher
Beschlagnahme seines Landes verklagt hatte. Da sie Ali Demir nicht antrafen,
nahmen sie seine Söhne mit. Sie wurden aus der Stadt gebracht und
ein Feldwebel beschuldigte sie mit vorgehaltener Waffe, sie verklagt zu
haben. Er fragte die Brüder, ob sie den Ali Kaya kennen würden,
der an dem Angriff auf den Buchladen Umut in Semdinli beteiligt war. Er
sei ein Patriot und hätte nicht verhaftet werden sollen. Nach einem
Verhör von 3 Stunden wurden die Brüder wieder freigelassen. Sie
beschwerten sich beim IHD in Hakkari.
Bia (Netzwerk) vom 12.12.2005
Verfahren gegen Peiniger
von Mehmet Tarhan
Suna Coskun, die Anwältin
des Kriegsdienstverweigerers Mehmet Tarhan, gab bekannt, dass gegen den
ehemaligen Direktor des Militärgefängnisses in Sivas Erhan Nar,
den Unteroffizier Mustafa Selvi und die Gefangenen Ertan Mertoglu und Hakki
Dincer ein Verfahren wegen des Übergriffes auf Mehmet Tarhan im Mai
dieses Jahren eröffnet. Die Soldaten wurden wegen einer Verletzung
ihrer Dienstaufsicht und die Gefangenen mit "Plünderung" beschuldigt.
Das Verfahren soll am 29. Dezember vor dem Militärgericht beginnen.
Radikal vom 10.12.2005
Bombenattentate
In der Nacht zum 9. Dezember
kam es in Batman und Silopi (Provinz Sirnak) zu Bombenattentaten. In Batman
verursachte die Bombe Sachschaden am Direktorat für nationale Erziehung.
In Silopi explodierten 2 Bomben. Eine davon verursachte Sachschaden an
15 Geschäften im Stadtteil Dörtyol. Die 2. Bombe explodierte
in der Nähe des Staatskrankenhauses. Dabei wurde Veybi Yildiz leicht
verletzt. Die HPG erklärte, dass sie für die Attentate nicht
verantwortlich sei.
Atilim vom 10.12.2005
MLKP übernimmt Verantwortung
für Bombenanschläge
Die Marxistisch-Leninistische
Kommunistische Partei (MLKP) hat die Verantwortung für Bombenattentate
in Gebze (Provinz Kocaeli) am 4. Dezember, in Antep am 7. Dezember und
im Stadtteil Bagcilar von Istanbul am 10. Dezember übernommen.
ANF (Nachrichtenagentur Firat)
vom 12.12.2005
KDP übergibt HPG
Militante
Am 11. November soll die
Demokratische Partei von Kurdistan (KDP) die Militanten der HPG, Faysal
Demir, Nuri Turan, Zeyni Simsek und Hamdiye Demir der Türkei übergeben
haben.
Bia (Netzwerk) vom 13.12.2005
Journalisten vor Gericht
Die 2. Kammer des Amtsgericht
Sisli (Istanbul) hat den Besitzer der Zeitung Agos, Sarkis Seropyan und
den Chefredakteur Hrant Dink vom Vorwurf eines unerlaubten Eingriffs in
ein laufendes Verfahren freigesprochen. Im Urteil von 9. Dezember kam das
Gericht zu dem Schluss, dass die Berichte über das Verfahren gegen
Hrant Dink wegen seiner Artikelserie zur armenischen Identität objektiv
verfasst wurden.
ANF (Nachrichtenagentur Firat)
vom 13.12.2005
Politiker verhaftet
Sabahattin Suvagci, bis
zu ihrer Auflösung Vorsitzender der DEHAP in der Provinz Hakkari,
wurde am 12. Dezember verhaftet. Grund soll ein Interview im Fernsehsender
Roj TV sein.
ANF vom 14.12.2005
Nach Widerspruch der Anwälte
wurde S. Suvagci noch am gleichen Tag aus der Haft entlassen.
Bia (Netzwerk) vom 15.12.2005
Vorwurf der Vergewaltigung
in Polizeihaft
Am 14. Dezember hielt Fatma
Yildirim vom Verein der Familien von revolutionären Gefangenen (DETAD),
eine Pressekonferenz im Büro des IHD Istanbul ab. Sie berichtete,
dass Sevda Aydin, die im Kunstzentrum Ekin im Stadtteil Ikitelli (Istanbul)
arbeitet, am 12. Dezember von 3 Zivilbeamten entführt wurde.
Die Entführer hätten ihr einen Sack über den Kopf gezogen
und sie sei mit einem Medikament bewusstlos gemacht worden. Als sie wieder
zu sich gekommen sei, habe sie gemerkt, dass sie vergewaltigt worden war.
Sie sei gegen 21 Uhr im Stadtteil Cobancesme aus dem Auto geworfen worden.
Cumhuriyet vom 15.12.2005
Todesstrafe endgültig
abgeschafft
Die Türkei hat das
Protokoll 13 zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ratifiziert.
Der entsprechende Beschluss des Kabinetts wurde am 13. Dezember im Amtsblatt
veröffentlicht. Das Protokoll schafft die Todesstrafe auch in Kriegszeiten
ab.
Radikal vom 15.12.2005
Polizisten vor Gericht
Die Staatsanwaltschaft in
Istanbul hat 54 Polizisten im Zusammenhang mit der Demonstration auf dem
Platz Beyazit am 6. März (aus Anlass des Weltfrauenstages) wegen Körperverletzung
unter Überschreitung ihres Rechts auf Gewaltanwendung angeklagt. Das
Verfahren wird vor einem Amtsgericht durchgeführt werden. Das Verfahren
gegen 56 Demonstrantinnen hatte am 15. Juni vor der 14. Kammer des Amtsgerichts
in Istanbul mit einem Freispruch geendet.
Bia (Netzwerk) vom 15.12.2005
Journalisten vor Gericht
Die 2. Kammer des Amtsgericht
Beyoglu hat am 14. Dezember in 2 Verfahren gegen die in Türkisch und
Kurdisch erscheinende Wochenzeitschrift "Dema Nu" auf Strafe entschieden.
Wie der Anwalt Erhan Aslaner mitteilte, ging es im 1. Verfahren um einen
Artikel von Kemal Burkay vom 15.03.2002 mit der Überschrift "Es ist
komisch, die Generäle anzuklagen". Hierfür wurde der ehemalige
Chefredakteur Mehmet Aslan zu einer Strafe von 5 Monaten Haft nach Artikel
159 altes TStG verurteilt. Die Strafe wurde in eine Geldstrafe von 900
YTL umgewandelt. Wegen eines Artikels mit der Überschrift "405 Soldaten
vergewaltigten eine Frau. Wartet das Volk im Irak auf diese Soldaten?",
der am 01.11.2003 veröffentlicht wurde, erhielt der jetzige Chefredakteur
Aydogan Inal nach dem gleichen Artikel eine Strafe von 5 Monaten Haft,
die in eine Geldstrafe von 1.350 YTL verwandet und zur Bewährung ausgesetzt
wurde.
Bia (Netzwerk)/TIHV vom 15.12.2005
Kassationsgerichtshof
hebt Urteil gegen Politiker auf
Der Kassationsgerichtshof
hat das Urteil des Amtsgerichts in Halfeti (Urfa) gegen die ehemalige stellvertretende
Vorsitzende der DEHAP, Handan Caglayan und den ehemaligen Vorsitzenden
der DEHAP in der Provinz Urfa, Ahmet Dagtekin unter Verweis auf das neue
Strafrecht aufgehoben. Sie waren zu 6 bzw. 7 Monaten Haft verurteilt worden,
weil sie auf einer Wahlveranstaltung vor dem 23. März 2004 Kurdisch
gesprochen hatten.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 17.12.2005
Verteidigerrechte erweitert
Das oberste Verwaltungsgericht
(Danistay) hat eine Bestimmung aus der am 1. Juni 2005 in Kraft getretenen
Verordnung zum Ergreifen, Festnehmen und Verhören aufgehoben. Der
Artikel 22 hatte der Verteidigung vor dem Beginn des Hauptverfahrens die
Einsicht in die Ermittlungsakte nur mit Erlaubnis der Staatsanwaltschaft
gestattet.
Connection e.V., Pressemitteilung
vom 16.12.2005
Militärgericht verwirft
Vorschlag der Berufungsinstanz
Weiter 4 Jahre Haft für
Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan
Gestern, am 15. Dezember
2005, verwarf das Militärgericht in Sivas die Empfehlung der Berufungsinstanz
des Militärs. In der Berufungsentscheidung war dem örtlichen
Gericht der Vorschlag unterbereitet worden, prüfen zu lassen, ob Mehmet
Tarhan nicht wegen seiner Homosexualität auszumustern sei. Da er sich
einer solchen Untersuchung verweigert, war befürchtet worden, dass
Mehmet Tarhan durch eine Zwangsuntersuchung erneut misshandelt werden könnte.
Das Militärgericht
in Sivas hielt nun an dem am 10. August 2005 verkündeten Urteil von
vier Jahren Haft wegen zweimaligem „Ungehorsam vor versammelter Mannschaft“
fest. Die Verteidigung kündigte an, Berufung einzulegen. Es ist noch
offen, wann über die Berufung entschieden werden wird...
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