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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 46/2005
Özgür Gündem
vom 12.11.2005
Druck auf Dorfbewohner
Nach Beschwerden aus dem
Dorf Erenkaya im Kreis Eruh (Siirt) haben sich 4 Delegierte des IHD mit
den Bewohnern unterhalten. Demnach soll es am 29. Oktober zu einem Angriff
auf die dortige Gendarmeriestation gekommen sein. Danach habe die Gendarmerie
alle Männer zur Wache gebracht und alle Häuser durchsucht. Die
Männer hätten sich hinhocken und ihre Hände hinter dem Kopf
verschränken müssen. In dieser Position hätten sie anderthalb
Stunden verharren müssen, bevor ihre Personalien aufgenommen wurden.
Von den 45 Personen seien lediglich 15 verhört worden. Der Dorfvorsteher
Nurettin Yildiz sei verprügelt worden und dann nach Eruh gebracht
worden. Seit dem Überfall soll es den Dorfbewohnern nicht gestattet
sein, ihr Vieh zu weiden. Zwei Tage lang hätten sie keinen Strom gehabt
und die Telefone seien abgschaltet gewesen.
Radikal vom 14.11.2005
Selbstmord eines Hochschulbediensteten
Enver Arplai, Generalsekretär
der Universität 100 Jahre in Van, der am 11. Juli unter dem Vorwurf
der Veruntreuung ins Gefängnis kam, aber gegen den bislang kein Prozess
stattfand, hat sich am 13. November auf der Toilette des Gefängnisses
erhängt. Der am 14. Oktober verhaftete Rektor der Universität,
Prof. Yücel Aydin, der im gleichen Raum mit ihm war, wurde wegen eines
Herzleidens ins Krankenhaus eingeliefert.
Radikal-Özgür Gündem
vom 11.-13.11.2005
Bombenexplosionen
Am 10. November explodierte
eine Bombe in Van und am 11. November explodierte eine Bombe in Silopi
(Sirnak) in dem Auto des Oberstaatsanwalts Talip Demirezen. Es kam in beiden
Fällen zu Sachschaden. In Istanbul wurde am 10. November ein Bombenanschlag
auf die Polizeistation in Fatih und auf eine Gendarmeriestation in Büyükcekmece
verübt. Niemand wurde verletzt. Am 12. November detonierten drei Bomben
in Bankfilialen in den Stadtteilen Bornova, Karsiyaka und Kemeralti von
Izmir. Am 12. November wurde ein Molotow-Cocktail in das Büro der
TKP in Samsun geworfen.
Halkin Sesi vom 15.11.2005
Extra-legale Hinrichtung?
Bei der Person, die in der
Nähe des Dorfes Cicekli (Tunceli) am 9. November Informationen zufolge
ums Leben kam, als sie versuchte, eine Mine zu "pflanzen", soll es sich
um den DEHAP Funktionär Kamer Özel handeln. In der Nachricht
der Internet-Seite Halkin Sesi wurde mitgeteilt, dass es keine Grube gegeben
habe, die bei einer Explosion entstehen würde. Der DEHAP Vorsitzende
in Tunceli, Murat Polat, sagte, dass das Telefon ihres Freundes in den
Händen der JITEM sei. Von dort erhielten sie sms-Nachrichten.
ANF vom 16.11.2005
Auf einer Pressekonferenz
sagte Murat Polat des weiteren: "Unser Freund war am 9. November gegen
18 Uhr auf einem Traktor unterwegs vom Dorf Baldan nach Tunceli. Mit diesem
Mittel kann er nicht um 21 Uhr beim Dorf Cicekli gewesen sein. Hätte
er sein Leben beim Setzen einer Mine verloren, so hätte er vor allem
an Händen und Beinen verletzt sein müssen. Das war aber nicht
so. Es soll sogar sein Fingerabdruck genommen worden sein. Die HPG hat
verlauten lassen, dass am fraglichen Tag dort keine Aktion war und es sich
um einen Zivilisten handeln muss. Noch am 10. November habe Atilla Aslan
die Nummer von Kamer Özel angerufen und auch ein Freizeichen erhalten.
Von diesem Telefon sei Songül Atas am 13. November angerufen worden,
so dass sich die Frage stelle, wer im Besitz dieses Telefons sei.
Hürriyet vom 16.11.2005
Minenexplosion
In der Nähe des Dorfes
Kocdagi im Kreis Baskale (Van) fuhr am 14. November ein Militärfahrzeug
auf eine Mine. Dabei wurden der Gefreite Ramazan Kurumeydan und die Soldaten
Mustafa Demir und Ferhat Ekici getötet.
Weitere Meldungen (DTF)
Bia (Netzwerk) vom 15.11.2005
Strafe für Friedensdemo
Am 11. April 2003 kamen
ca. 80 Studenten vor dem Menschenrechtsverein (IHD) in Izmir zusammen,
um gegen den Krieg im Irak zu protestieren. Die 4-mal stärkere präsente
Polizei forderte die Studenten auf, auseinander zu gehen und setzte Gasbomben
und Schlagstöcke ein. Eine Gruppe der Studenten flüchtete in
das Büro der AKP. Obwohl ihnen freies Geleit zugesichert worden war,
wurden sie beim Verlassen des Gebäudes festgenommen. Sie wurden anschließend
nicht nur wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz zu Demonstrationen
und Kundgebungen angeklagt, aber das jetzige Urteil geht auf diesen Vorwurf
zurück.
Die Studenten stellten Strafanzeige
wegen Misshandlung durch die Polizei. Die Ermittlungen wurden erst eingestellt,
aber nach einem Widerspruch kam es doch zu einem Verfahren, das noch andauert.
Den Studenten aber wurde
(ohne Beschwerde der AKP) Sachbeschädigung und Aufstachelung zum Rassenhass
vorgeworfen (Artikel 312 altes TSG). Diese Verfahren dauern noch an.
Wegen des Verstoßes
gegen das Gesetz 2911 zu Demonstrationen und Kundgebungen verurteilte die
7. Kammer des Landgerichts Izmir am 14. November 2005 2 Studenten zu 3
Jahren Haft und 20 Studenten zu 20 Monaten Haft. Die Strafen von 14 Studenten
der letzten Gruppe wurden zur Bewährung ausgesetzt.
Bia (Netzwerk) vom 17.11.2005
Journalist der Turkish
Daily News verurteilt
Die 9. Kammer des Kassationsgerichtshofs
hat die 20-monatige Haftstrafe gegen Burak Bekdil wegen Beleidigung der
Justiz bestätigt. Am 27.08.2001 hatte er einen ironischen Artikel
mit dem Titel "Die gesetzlich Unberührbaren" (Turkey's de jure untouchables)
veröffentlicht und darin den Satz verwendet "Wenn ein durchschnittlicher
Türke so naiv ist, den türkischen Gerichten und Richtern zu vertrauen,
ein faires Verfahren zu haben, so ist die Wahrscheinlichkeit wohl eins
zu einer Million". Die 2. Kammer des Landgerichts Ankara hatte ihn deswegen
im Mai 2002 zu 20 Monaten Haft verurteilt und diese Strafe zur Bewährung
ausgesetzt. Sollte Bekdil bis Juli 2007 in einer mindestens so erheblichen
Sache verurteilt werden, dann wird er auch diese Strafe verbüßen
müssen.
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