Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 43/2005
Milliyet vom 26.10.2005
Verfahren wegen Todesschüssen
in Kiziltepe
Vor dem Landgericht in Eskisehir
ging am 24. Oktober das Verfahren wegen der Erschießung von Ahmet
Kaymaz und seinem Sohn Ugur Kaymaz am 21. November 2004 in Kiziltepe (Mardin)
weiter. Für die Nebenklage sollen 30 Anwälte nicht in die Stadt
gelassen worden sein. Deswegen verließen die anderen Anwälte
den Sitzungssaal. Die angeklagten Polizeibeamten Mehmet Karaca, Yasafettin
Acikgöz, Seydi Ahmet Döngel und Salih Ayaz, die sich wegen Erschießung
durch einen nicht zu ermittelnden Täter unter Überschreitung
der Notwehr zu verantworten haben und nicht in U-Haft sind, waren zu der
Verhandlung erschienen. Der Anwalt der Polizeibeamten behauptete, dass
es Fotos gebe, aus denen hervorgehe, dass die Getöteten in Wirklichkeit
Terroristen seien. Der Sohn Ugur Kaymaz sei zwischen 15 und 16 Jahren alt
gewesen, aber um die Stimmung anzuheizen, würden immer Fotos von ihm
aus der Grundschule veröffentlicht. Sowohl der Vater als auch der
Sohn hätten geschossen, wobei aus der Waffe des Vaters 8 und aus der
Waffe des Sohnes 3 Kugeln abgefeuert wurden. Das Verfahren wurde auf den
19. Dezember vertagt. Schon am 23. Oktober hatte der Polizeichef von Eskisehir
verlauten lassen, dass nur 100 Beobachter als Zuhörer zugelassen würden
und die anderen Personen nicht nach Eskisehir hinein gelassen würden.
Özgür Gündem
vom 26.10.2005
Tod im Gefängnis
Im Gefängnis Kiriklar
vom Typ F (Izmir) soll sich der Gefangene Serdar Ari am 24. Oktober durch
Selbstverbrennung getötet haben. Der Anwalt Bahattin Özdemir
sagte, dass der Tote keine Spuren eines Brandes aufgewiesen habe und die
Todesursache mit "Rauch und Versagen der Atmung" angegeben wurde. Der IHD
äußerte den Verdacht, dass in der Zelle Feuer ausgebrochen oder
gelegt wurde und die Gefängnisleitung nicht rechtzeitig eingriff.
Mahir Ertugrul Zevkliler und Tahsin Mertin, die als Angehörige der
Union der islamischen Vereine und Gemeinden im Gefängnis Kiriklar
einsitzen, sollen sich seit 3 Monaten im Todesfasten befinden.
Sesonline vom 26.10.2005
Haftbefehl gegen Eren
Keskin
Die 3. Kammer des Amtsgerichts
Kartal verhandelte am 25. Oktober gegen die Anwältin Eren Keskin,
Vorsitzende des IHD Istanbul. Gegen sie war am 12. Oktober 2004 ein Haftbefehl
in Abwesenheit erteilt worden, da sie an den Verhandlungen nicht teilgenommen
hatte. Das Gericht beschloss nun Strafanzeige gegen die Beamten zu stellen,
die sie nicht vorgeführt hatten. Das Verfahren steht im Zusammenhang
mit einer Rede am 16. März 2002 auf einer Tagung der Union der Alewitischen
Frauen in Köln.
Radikal vom 26.10.2005
Journalist freigesprochen
Die 12. Kammer des Amtsgerichts
Ankara sprach am 24. Oktober den Journalisten Rahmi Yildirim frei, der
auf einer Internetseite mit dem Titel "Die Pfiffigen sind die mit dem Schwert"
veröffentlicht hatte. In seinem Plädoyer sagte der Staatsanwalt,
dass der Artikel im Rahmen von Kritik geblieben sei und nicht als Beleidigung
bewertet werden dürfe. Das Gericht folgte seinem Antrag und sprach
den Journalisten vom Vorwurf eines Vergehens nach Artikel 301 neues TSG
frei.
Özgür Gündem
vom 26.10.2005
Politiker wegen Rede
auf Kurdisch verurteilt
Der Kassationsgerichtshof
hat die Strafe gegen den Funktionär der DEHAP im Kreis Hinis (Erzurum),
Vahdettin Yusufoglu bestätigt. Er war vom Amtsgericht in Hinis zu
einer Haftstrafe von 6 Monaten verurteilt worden, weil er auf einem Kongress
seiner Partei am 14. Oktober 2002 Kurdisch gesprochen hatte.
Özgür Gündem
vom 26.10.2005
Minenexplosion
Celal Sahur (16) wurde schwer
verletzt, als er am 22. Oktober in der Nähe des Dorfes Tepe im Kreis
Cizre (Sirnak) auf eine Mine trat.
Evrensel vom 27.10.2005
Prügel in Ordu
Sabri Varol und Cihangir
Kilic sollen in der Nacht vom 14. Oktober von Polizeibeamten in Ordu verprügelt
worden sein. Sabri Varol berichtete, dass die beiden Freunde sich schon
verabschiedet hatten, als die Beamten auf sie zukamen und ohne Grund zu
schlagen begannen. Die Schläge hätten im Auto angedauert, wobei
die Polizisten nicht auf den Hinweis reagierten, dass Sabri Varol herzkrank
sei. Er sei dann auch in Ohnmacht gefallen und auf der Wache sei er mit
Wasser wieder zu Bewusstsein gekommen. Die Polizisten hätten sie aber
weiter geschlagen. Gegen Mitternacht hätten sie sich dann entschlossen,
ihn ins Krankenhaus zu fahren. Um ihr Verhalten zu rechtfertigen, hätten
sie Geldstrafen von 50 YTL wegen "Belästigung der Umgebung" ausgestellt.
TIHV vom 27.10.2005
Bücher von Besikci
Die 11. Kammer des Landgerichts
in Ankara hat sich mit der Aufhebung der Anordnungen auf Konfiszierung
von 15 Bücher des Soziologen Ismail Besikci beschäftigt. Der
Staatsanwalt vertrat die Meinung, dass der Kassationsgerichtshof die Anordnungen
aus Verfahrensgründen aufgehoben habe und durch die Verhandlung nun
der Verfahrensfehler behoben sei. Der Verteidiger von Besikci, Levent Kanat,
vertrat die Meinung, dass der Entscheid des Kassationsgerichtshofs aus
grundsätzlichen Erwägungen erfolgt sei und beantragte Aufhebung
der Anordnungen. Das Gericht wird seine Entscheidung am 22. November verkünden.
Milliyet vom 27.10.2005
Verfahren wegen "Werter
Öcalan"
Die Staatsanwaltschaft in
Mus hat den Vorsitzenden des Gefangenenhilfsvereins TUHAY-DER in Mus, Ali
Karagüzel, nach Artikel 215 neues TStG wegen "Lobens einer Straftat
oder einer verurteilten Person" angeklagt, da er in einer Presseerklärung
vom 10. Oktober den Ausdruck "werter Öcalan" verwendet hatte,
Özgür Gündem
vom 27.10.2005
Strafe wegen "w" und
"q"
Das Friedensgericht in Siirt
hat 20 Personen, darunter die IHD Vorsitzende Vetha Aydin und mehrere Gewerkschaftler
zu einer Geldstrafe von je 100 YTL verurteilt, weil auf dem Gelände,
wo die Newrozfeiern im Jahre 2004 abgehalten wurden, die Buchstaben "q"
und "w" (Kurdische Zeichen in lateinischer Schrift) auf Plakaten verwendet
worden waren.
Milliyet vom 27.10.2005
Verfahren gegen Hizb-ut
Tahrir
Die Staatsanwaltschaft in
Ankara hat 24 Personen wegen einer Protestaktion gegen Ministerpräsidenten
Recep Tayyip Erdogan in Ankara am 9. September angeklagt. Das Verfahren
wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation wird vor der 11. Kammer
des Landgerichts Ankara durchgeführt werden, während das Verfahren
wegen "Widerstandes gegen die Staatsgewalt" vor der 13. Kammer des Amtsgerichts
in Ankara durchgeführt werden wird.
Milliyet vom 28.10.2005
Folterverfahren in Corum
Die Staatsanwaltschaft in
Corum hat 7 Soldaten von der Kommandantur der Gendarmerie wegen Folter
an Melek Serin im Jahre 2003 angeklagt. Sie war von Polizeibeamten den
Unteroffizieren Bayram Ilkbahar und Selahattin Köse von der Gendarmeriestation
Seydim übergeben worden. Nach ihrer Freilassung waren Spuren von Folter
festgestellt worden. In den Ermittlungen berichteten beide Unteroffiziere,
dass die Verhöre von "Personen mit technischen Informationen" durchgeführt
würden. Diese Personen seien ihnen nicht bekannt, da sie ihre wirklichen
Namen nicht verwendeten. Daraufhin klagte der Staatsanwalt 7 Soldaten von
der zentralen Gendarmeriewache in Corum an.
|