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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV)
Woche 42/2005
Milliyet vom 14.10.2005
Todesschüsse in
Istanbul
Am 13. Oktober erschoss
ein Polizist Ugur Özkonak in Kadiköy (Istanbul). Der Polizist
soll ihn beim Diebstahl aus einem Auto beobachtet haben und aufgefordert
haben sich zu stellen. Es wurde zudem behauptet, dass Ugur Özkonak
an Schizophrenie leidet.
Özgür Gündem
vom 16.10.2005
Verurteilungen in Verfahren
wegen Forderung nach muttersprachlichem Unterricht
Die 11. Kammer des Landgerichts
Ankara hat 4 Studenten, die sich im Jahre 2001 an der Kampagne für
muttersprachlichen Unterricht an der Universität Hacettepe beteiligt
hatten, am 14. Oktober verurteilt. Nihat Avci und Veli Ay wurden als Mitglieder
einer bewaffneten Organisation zu 6 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt,
Hüseyin Bilgin und Haydar Karaca erhielten wegen Unterstützung
der Organisation eine Strafe von 45 Monaten Haft.
Özgür Gündem
vom 15.10.2005
Mord an Flüchtlingen?
Einwohner des Dorfes Bektas
berichteten, dass eine Gruppe von 5 Flüchtlingen aus Mauretanien ein
Boot in der Kreisstadt Ayvacik (Canakkale) mieteten, um damit zur Insel
Lesbos (Griechenland) zu gelangen. Nach 5 Stunden Fahrt sollen sie von
der griechischen Küstenwache entdeckt worden sein. An Bord der Küstenwache
sollen weitere 11 Flüchtlinge gewesen sein, die in Richtung Türkei
gebracht wurden. Dabei sollen die Flüchtlinge so fürchterlich
geschlagen worden sein, dass zwei von ihnen einen Schädelbruch hatten.
Gegen 6 Uhr morgens am 13. Oktober sollen sie dann ins Wasser geworfen
worden sein. Die Überlebenden wurden von Fischern in das Dorf gebracht.
Özgür Gündem
vom 15.10.2005
Minenexplosion
Am 14. Oktober wurde Servet
Erdogan (15) verletzt, als er in der Nähe des Dorfes Ciftlik im Kreis
Dogubeyazit (Agri) auf eine Mine trat. Der Unteroffizier Erbu Serpan starb
am 14. Oktober, als er in der Nähe des Dorfes Ziyaret im Kreis Lice
(Diyarbakir) auf eine Mine trat.
Özgür Gündem
vom 18.10.2005
Folter an Dorfschützer
Der Dorfschützer Ali
Erol aus dem Dorf Gecitli (Peyanis) bei Hakkari hat der Polizei vorgeworfen,
ihn am 12. Oktober entführt und gefoltert zu haben. Gegen Abend habe
er sich auf den Weg nach Hakkari gemacht und sei am Kontrollposten des
Weilers Merzan angehalten worden. Zivilbeamte hätten ihn in einen
Kleinbus gesteckt, da er eine Aussage machen solle. Die anderen Fahrgäste
benachrichtigten die DEHAP in Hakkari. Der Anwalt Zeydin Kaya erkundigte
sich beim Polizeipräsidium und der Kommandantur der Gendarmerie, erhielt
aber als Auskunft, dass Ali Erol nicht festgenommen worden sei. Nachdem
sich auch Abgeordnete eingesetzt hatten, wurde Ali Erol am Abend in der
Nähe des Weilers Merzan freigelassen. Ali Erol stellte Strafanzeige,
in der er u.a. sagte: "Im Auto musste ich mich auf den Boden legen und
mir wurden die Augen verbunden. Wir waren ca. 20 Minuten unterwegs, als
ich aus dem Fahrzeug geholt wurde. Aufgrund des Gestanks mag es die Mülldeponie
gewesen sein. Dort wurden mir die Namen von vielen Dorfbewohnern genannt
und ich wurde beschuldigt, der PKK anzugehören, während die anderen
Unterstützer seien. Ich lehnte das ab und wurde permanent geschlagen.
Ich wurde mit einem harten Gegenstand auf den Kopf gehauen. Zwei Mal wurde
hinter mir geschossen. Wenn die Telefonate nicht gewesen wären, hätten
sie mich wohl umgebracht. Mir wurde gedroht, nichts über den Vorfall
zu sagen." Der Staatsanwalt schickte Ali Erol zu einem Arzt, der Brüche
und Spuren von Schlägen feststellte und Arbeitsunfähigkeit über
22 Tage bescheinigte.
Bia (Netzwerk) vom 18.10.2005
Journalist verurteilt
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
Bagcilar hat Cemil Tokpinar, Journalist in der Zeitung Yeni Asya zu einer
Strafe von einem Jahr Haft nach Artikel 216 neues TSG (312 altes TSG) verurteilt.
In einem Artikel hatte er das Erdbeben vom 17. August 1999 als Warnung
Gottes bezeichnet. Sein Anwalt Ömer Faruk Ünsal sagte, dass Cemil
Tokpinar wegen dieses Artikels im Jahre 2001 vom SSG Istanbul zu 20 Monaten
Haft verurteilt worden war, die 8. Kammer des Kassationsgerichtshof am
29. April 2004 das Urteil aber aufgehoben habe, weil sich der Artikel im
Bereich von Kritik bewegt habe. Die Haftstrafe wurde in eine Geldstrafe
von 7.300 YTL verwandelt.
Özgür Gündem
vom 19.10.2005
Prügel in Istanbul
Erol Sert, der als Sicherheitsbeamter
in einem Einkaufszentrum in Sisli (Istanbul) arbeitet, hat den Beamten
auf der Polizeistation Feriköy vorgeworfen, ihn schwer verprügelt
zu haben, weil er sich weigerte, das von ihnen verlangte Geld zu geben.
Sie hätten schon einmal von ihm 30 YTL kassiert und dieses Mal 40
YTL als Benzingeld verlangt. Als er sich weigerte, hätten sie ihm
einen Strafzettel über 45 YTL, da er unerlaubt Parkgebühren kassiere.
Er habe ihnen gesagt, dass er den Kunden lediglich beim Einparken helfe.
Daraufhin sei er von den Polizisten auf offener Straße verprügelt
worden. Einer der Beamten habe sich als Izzet aus Canakkale vorgestellt
und gesagt, dass er sich seinen Namen notiert habe, denn sie wüssten,
dass er aus dem Osten kommt (Kurde ist). Dabei habe er seinen Kopf gegen
die Scheibe eines Autos gestoßen. Schließlich sei er von 10
Beamten gleichzeitig angegriffen und ins Gesicht geschlagen worden. Am
Boden liegend habe er Fußtritte in den Rücken erhalten und ihm
seien Handschellen angelegt worden. Erst im Krankenhaus sei er zu sich
gekommen. Die Beamten hätten verhindert, dass ihm eine Kopie des Berichtes
gegeben wurde.
Milliyet vom 19.10.2005
Journalist verurteilt
Das Amtsgericht in Datca
hat den Journalisten Sinan Kara zu einer Haftstrafe von 9 Monaten und einer
Geldstrafe von 514 YTL verurteilt, da er in dem Buch "Schwarzbuch von Sinan"
den Landrat von Datca beleidigt haben soll. Die Journalistin Gülten
Aydin von der Tageszeitung "Hürriyet" erhielt eine Geldstrafe von
784 TYL, weil sie über das Buch berichtet hatte.
Weitere Meldungen (DTF)
Bia (Netzwerk) vom 19.10.2005
Bilanz des IHD Bingöl
Die Zweigstelle des IHD
in Bingöl hat eine Bilanz für die Zeit nach 2001 herausgegeben.
Bis zum Jahre 2005 sollen demnach 209 Ermittlungsverfahren gegen den Verein
und seine Mitglieder eröffnet worden sein. Allein gegen den Vorsitzenden
wurden 86 Verfahren eröffnet. Die meisten Ermittlungen wurden jedoch
eingestellt.
Im gleichen Zeitraum dokumentierte
der Verein 2.354 Menschenrechtsverletzungen. In keinem dieser Fälle
wurde deshalb ein Staatsbeamter angeklagt. Erst in der letzten Woche stellte
die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Überfall
auf das Büro des IHD in Bingöl am 3. Juli ein. Kizgin sagte,
dass die Situation zwischen 2001 und 2003 schlimmer war, da seither Presseerklärungen
nicht mehr als das Verteilen von Flugblättern angesehen werden kann.
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