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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Wochenberichten der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV)
Woche 41/2005
Radikal vom 12.10.2005
Todesschüsse in
Izmir
Am 11. Oktober wollte die
Polizei in Izmir ein gestohlenes Auto im Stadtteil Bornova anhalten. Die
Insassen konnten jedoch fliehen, wobei sie den Polizeibeamten Kurtulus
Karabacak so heftig anfuhren, dass er noch am Tatort starb. Das Fahrzeug
wurde später im Stadtteil Yesilova gefunden. Als Fahrer machte die
Polizei Emin Yamanli aus und warteten auf ihn in der Nähe seiner Wohnung.
Bei seiner Rückkehr soll er die Polizisten bemerkt und versucht haben
zu fliehen. Auf die Aufforderung, stehen zu bleiben, soll er mit Schüssen
aus seiner Pistole reagiert haben. Ein Polizist traf ihn dann tödlich.
Im Zusammenhang mit dem Vorfall wurden 3 Personen festgenommen.
Özgür Gündem
vom 08.10.2005
Geständnis im Folterprozess
Im Prozess gegen 4 Polizeibeamte,
die für den Tod durch Folter an Birtan Altinbas (in Ankara am 16.
Januar 1991) verantwortlich sein sollen, haben die Polizeibeamten Süleyman
Sinkil und Ahmet Bastan ein Geständnis abgelegt und beteuert, dass
die anderen Beamten keine Schuld am Tode des Studenten treffe. Sie beantragten
die Vernehmung des damaligen Polizeichefs von Ankara, seines Stellvertreters
und des Leiters der politischen Abteilung. Die Verhandlung vor 2. Kammer
des Landgerichts Ankara wurde auf den 10. November vertagt.
Sabah vom 12.10.2005
Kein Einwand gegen Schwulenverein
Die republikanische Staatsanwaltschaft
in Ankara hat es abgelehnt, ein Verfahren gegen den Verein Kaos zu kultureller
Recherche und Solidarität mit Schwulen und Lesben mit dem Ziel eines
Verbotes zu eröffnen. Der Gouverneur von Ankara hatte einen solchen
Antrag mit der Begründung gestellt, dass die Gründung eines solchen
Vereins gegen die allgemeine Moral und das Recht sei. Demgegenüber
stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass weder im Namen noch in der Satzung
des Vereins ein Verstoß gegen die allgemeine Moral zu sehen sei,
denn die Wörter "schwul" (der Verein benutzt dazu das aus der englischen
Sprache übernommene Wort "gay", DTF) und "lesbisch" würden sowohl
im Alltag als auch in wissenschaftlichen Diskussionen benutzt.
Özgür Gündem
vom 12.10.2005
DEHAP unter Druck
Am 10. Oktober führte
die Polizei in Izmir eine Razzia im zentralen Büro der DEHAP und im
Büro für den Bezirk Konak durch. Dabei wurden Mehmet Taras und
Mahmut Celik festgenommen. Die Durchsuchungen der Büros sollen im
Zusammenhang mit der Demonstration für Abdullah Öcalan am 4.
September im Kreis Gemlik (Bursa) stehen.
Resit Yardimci, Funktionär
der DEHAP in Urfa, wurde zu einer Strafe von 6 Monaten Haft und 1.640 YTL
verurteilt, weil er auf einem Kongress der Partei am 11. Juni 2003 Kurdisch
gesprochen und damit gegen das Parteiengesetz verstoßen haben soll.
Das Amtsgericht in Urfa setzte beide Strafen zur Bewährung aus.
Milliyet/Sabah vom 12.10.2005
Minen- und Bombenexplosionen
Am 9. Oktober fuhr ein Kleinbus
zwischen den Dörfern Seydibey und Akcagül im Kreis Muradiye (Van)
auf eine Mine. Dabei wurden der Fahrer Seyfettin Avun sowie Okan Avun (13),
Gökhan Avun (13), Ümit Avun (9), Seyfettin Balkiz (10), Ferdi
(Nedim) Balkiz und Erhan Eren (15) verletzt. Seyfettin Balkiz verstarb
am folgenden Tage im Krankenhaus. Am 10. Oktober trat Hizbullah Kavak (43)
in der Nähe des Dorfes Gedikbasi im Kreis Baskale (Van) auf eine Mine
und wurde verletzt. Am gleichen Tag trat Okan Sarihan (11) in der Nähe
des Dorfes Telceker im Kreis Dogubeyazit (Agri) auf eine Mine und wurde
schwer verletzt. Im Kreis Yayladere (Bingöl) fuhr ein Militärfahrzeug
am 10. Oktober auf eine Mine. Drei Soldaten wurden verletzt. Die HPG wiederum
behauptete, dass sie einen Angriff auf das Fahrzeug durchführten und
zwei Soldaten töteten. Des weiteren wurde am 9. Oktober der Polizist
Hakan Acil von der HPG zwischen den Kreisen Idil (Sirnak) und Midyat (Mardin)
entführt.
Atilim vom 14.10.2005
Student als Spitzel angeworben
Am 12. Oktober sprach der
Student Musa Caglayan auf einer Pressekonferenz des IHD in Ankara. Er sei
zunächst von 2 Beamten, die sich Metin und Sahin nannten, zu Hause
angerufen worden und aufgefordert worden, Informationen zur Universität
zu geben. Als er das ablehnte, sei ihm gedroht worden, dass ihm und seiner
Familie Schlimmes geschehen werde. Sollte er jedoch akzeptieren, so würde
er 500 YTL im Monat erhalten. Am 10. Oktober habe der Polizist Sahin wieder
angerufen und ihn gedrängt, ein Treffen für den 11. Oktober zu
akzeptieren. Bei diesem Treffen in einer Nebenstraße in der Nähe
des Kizilay-Platzes habe er deutlich gemacht, dass er auf keine der Forderungen
eingehen werde. Er sei beim Fortgehen dann aber wieder von den Beamten
bedroht worden.
Özgür Gündem
vom 14.10.2005
Politiker verurteilt
Der ehemalige stellvertretende
Vorsitzende der DEHAP in Adana, Hasan Beliren wurde zu einer Haftstrafe
von 1 Jahr verurteilt, weil er in einer Rede am 8. September 2004 vom "verehrten
Öcalan" gesprochen hatte. Das Urteil an der 2. Kammer des Amtsgerichts
in Adana soll schon im September ergangen sein, wurde aber erst jetzt zugestellt.
Das Urteil beruht auf Artikel 215 neues TStG, womit das Loben einer Straftat
und Aufstachelung der Bevölkerung gegen die Gesetze unter Strafe gestellt
wird.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 15.10.2005
Ermittlungen wegen Überfall
auf IHD eingestellt
Die Staatsanwaltschaft in
Bingöl hat die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Überfall
auf das Büro der Zweigstelle des IHD am 3. Juli eingestellt. Seinerzeit
hatten Unbekannte die Tür aufgebrochen und die Einrichtung zerstört.
Zwei Tage vor dem Überfall hatte der Verein der Familien von Gefallenen
Flugblätter verteilt, die nach Meinung des IHD zu einer solche Tat
aufstachelten.
Der Staatsanwalt Müslüm
Canpolat stellte die Ermittlungen mit folgender Begründung ein: a)
die Polizei kann nicht alle Straftaten verhindern; b) die Flugblätter
hatten einen kritischen Inhalt und waren kein Aufruf zu einer Straftat;
c) der Überfall auf einen Zug, bei dem 5 Sicherheitsbeamte ums Leben
kamen, könnte der Auslöser gewesen sein; d) wie im Austrittsschreiben
von Adalet Agaoglu zum Ausdruck kommt, haben weite Teile der Bevölkerung
den Eindruck, dass der IHD Terrororganisationen verteidigt.
Radikal vom 15.10.2005
Freispruch im Folterverfahren
Am 14. Oktober ging vor
der 2. Kammer des Landgerichts in Diyarbakir ein Verfahren gegen 5 Polizeibeamte
zu Ende, denen zur Last gelegt worden war, 4 Personen, die im Zusammenhang
mit der Schließung ihrer Läden aus Protest gegen das Ergreifen
von Abdullah Öcalan festgenommen worden waren, gefoltert zu haben.
Der Staatsanwalt forderte Freispruch, weil die Beweisaufnahme nicht genügend
Beweise zu der Art der Folter erbracht habe. Das Gericht folgte dem Antrag
und sprach den Hauptkommissar Bekir Ilker Uyan und die Polizeibeamten Haluk
Bayram Deniz, Hüseyin Demir, Lütfü Aydogu und Musa Güven
frei.
Bia (Netzwerk) vom 14.10.2005
Jugendliche in Ordu misshandelt
Am 2. Oktober wurden bei
einem Konzert aus Anlass der Eröffnung eines Einkaufszentrums in Ordu
einige Jugendliche festgenommen. Die Eltern haben nun Strafanzeige gegen
die Polizisten auf der zentralen Wache gestellt und dazu Berichte des Staatskrankenhauses
vorgelegt, in denen von blauen Flecken und Schnittwunden die Rede ist.
Der Jugendliche E.B. berichtete, dass nach einem Unfall mit einem Motorrad
nicht der Fahrer, sondern er und seine Freunde festgenommen wurden. Schon
im Polizeiauto seien sie geschlagen worden. Sie seien in einem Raum festgehalten
worden, wo 8 Polizeibeamte sie angriffen. Er sei dann in einen anderen
Raum gebracht und splitternackt ausgezogen worden. Man habe ihm gedroht,
ihn im nackten Zustand zu fotografieren. Außerdem seien ihm die Hoden
gequetscht worden. M.K. berichtete, dass er in den 2. Stock gebracht und
ausgezogen wurde. Er sei geschlagen worden und ein Polizist haben seine
Hoden gequetscht. Dann sei er wieder angezogen und in einen anderen Raum
gebracht worden. Die Jugendlichen wurden unter Drohungen, sich nicht zu
beschweren, später freigelassen.
Bia (Netzwerk) vom 14.10.2005
Verfahren wegen Nachricht
über Folterprozess
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
Istanbul begann mit einem Verfahren gegen den Journalisten Alper Turgut,
den Besitzer der Tageszeitung "Cumhuriyet", Ilhan Selcuk und den Chefredakteur
der Zeitung Mehmet Sucu, weil sie die ihnen aufgrund einer Nachricht über
einen Folterprozess auferlegten 60.000 YTL nicht gezahlt hatten. Die Strafe
war nach Artikel 19/2 des Pressegesetzes erfolgt, weil die Nachricht einen
unerlaubten Eingriff in ein schwebendes Verfahren darstelle. Der Journalist
hatte in der Meldung darauf verwiesen, dass trotz eines medizinischen Attestes
einer Universität 3 Polizeibeamte freigesprochen worden waren. Ahmet
Turan, Müslüm Turfan und Dincer Erduvan waren 1998 festgenommen
worden und hatten nach der Haft Atteste über 3-5 Tage Arbeitsunfähigkeit
erhalten. Dennoch hatte das Verfahren gegen die Folterer am 30. September
2004 mit Freispruch geendet.
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