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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 36/2005
Özgür Gündem
vom 04.09.2005
Dorfschützer gefoltert
Die Dorfschützer Fikret
Korkmaz, Süleyman Korkmaz, Ismail Korkmaz, Mehmet Korkmaz und Taha
Korkmaz, die sich weigerten an einer Operation im Kreis Cukurca (Hakkari),
die am 1. September beginnen sollte, teilzunehmen, haben sich beim IHD
in Hakkari über den Kommandanten der zentralen Gendarmeriestation,
Muzaffer B. beschwert. Er soll sie gefoltert haben.
Milliyet/Özgür
Gündem vom 03./04.09.2005
Demonstrationen für
Öcalan
Die für den 4. September
in der Kreisstadt Gemlik (Bursa) geplante Kundgebung als Protest gegen
die Situation von Abdullah Öcalan wurde vom Gouverneur in Bursa verboten.
Die Busse, die sich aus allen Teilen des Landes am 1. und 2. September
auf den Weg machten, wurden häufig angehalten und durchsucht. Teilweise
wurden sie an der Weiterfahrt gehindert. In Istanbul soll eine Firma, die
150 Busse zur Verfügung stellen wollte, die Vereinbarung mit der DEHAP
einseitig gekündigt haben, nachdem ein Schreiben des Innenministeriums
eintraf. In Istanbul kam es an verschiedenen Orten zu Auseinandersetzungen
zwischen den Gruppen, die nach Gemlik fahren wollten, und der Polizei.
Mehr als 100 Personen wurden festgenommen. An einem Ort wurde ein Bus in
Brand gesteckt und in Caglayan wurde ein Molotowcocktail in eine Bank geworfen.
Im Kreis Bozüyük (Eskisehir) wurde ein Bus von Rechtsradikalen
angegriffen. Die 41 Insassen, 5 Angreifer und 8 Sicherheitsbeamte wurden
verletzt. Im Kreis Iznik (Bursa) griffen Rechtsradikale fünf Personen
an, nachdem es dort zur Festnahme von 14 Personen gekommen war.
Milliyet/Özgür
Gündem/Radikal vom 06.09.2005
Am 5. September dauerten
die Vorfälle an. In Van hinderte die Polizei eine Gruppe von Rückkehrern
daran, eine öffentliche Pressekonferenz abzuhalten. Aus der Gruppe
wurden Steine geworfen. In der Auseinandersetzung wurden 10 Personen, darunter
3 Polizisten verletzt. Die Polizei nahm 80 Leute fest. Auch in Mersin und
Diyarbakir kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Rückkehrern und
der Polizei.
Özgür Gündem/Radikal
vom 07.09.2005
Die Vorfälle dauerten
am 6. September an. In Siirt behinderte die Polizei die Rückkehrer.
Abdullah Aydan wurde mit einer Schusswaffe verletzt und verstarb im Krankenhaus.
Ein Augenzeuge berichtete, dass ein Polizeijeep mit Steinen beworfen wurde.
Dieser fuhr weg, aber kurz bevor er abbog, soll ein Offizier mit einer
automatischen Waffe in die Menge geschossen haben. Abdullah Aydan sei von
einer Kugel getroffen worden. Bei den Vorfällen wurden 17 Personen
verletzt, darunter 1 Polizist. 93 Personen wurden festgenommen. Der am
5. September in Van verletzt Selahattin Urgan soll kaum noch Überlebenschancen
haben. Der Gouverneur von Istanbul gab an, dass 145 Personen festgenommen
und davon 9 in U-Haft kamen.
Cumhuriyet/Özgür
Gündem vom 07.09.2005
Vorfall in Düzce
Im Dorf Karatavuk, das zum
Kreis Akcakoca (Düzce) gehört, kam es zu Auseinandersetzungen
unter den Arbeitern, die zum Ernten der Pistazien gekommen waren. Der aus
Beytüssebap (Sirnak) stammende Abdulrezak Özdemir wurde dabei
tödlich verletzt. Der Dorfvorsteher sagte, dass der Vorfall entstand,
weil die Arbeiter aus dem Südosten Parolen für die PKK riefen.
Özgür Gündem wiederum machte Rechtsradikale für den
Angriff verantwortlich.
Cumhuriyet vom 09.09.2005
Tod eines Flüchtlings
Im Kreis Ercis (Van) ist
ein Flüchtling aus Pakistan ums Leben gekommen. Die Polizei hatte
einen Hinweis erhalten, dass in einem kleinen Lastwagen, der verlassen
vor der Kreisstadt stand, Personen seien, die illegal das Land betreten
hätten. Sie fanden auf der verschlossenen Fläche 47 Personen
vor, die dort seit 3 Tagen gefangen waren. Ein namentlich nicht genannter
Flüchtling verstarb im Krankenhaus.
Radikal vom 06.09.2005
Murat Yetkin: Wird eine
türkisch-kurdische Auseinandersetzung provoziert?
Nach offiziellen Angaben
wurden zwischen August 1984, als die PKK ihre Angriffe begann, bis zum
Oktober 2001, als die Aktionen eingestellt wurden, 6.044 Sicherheitsbeamte
getötet. Im gleichen Zeitraum wurden 6.112 unbewaffnete Personen getötet.
Die Zahl der bei Gefechten getöteten PKK Militanten wird auf 21.374
beziffert. Trotz der Särge, die in allen Teilen der Türkei ankamen,
hat die PKK es nicht vermocht, einen Konflikt zwischen den türkischen
Bürgern kurdischer Herkunft und den anderen Bürger herauf zu
beschwören. Es kam zu keiner ethnischen Auseinandersetzung. Einer
der wichtigsten Gründe dafür ist, dass sich die PKK allen Behauptungen
zum Trotz nicht als alleiniger legitimer Vertreter der Kurden durchsetzen
konnte. Selbst als die PKK sich mit 20.000 bewaffneten Mitgliedern rühmte,
konnte das Außenministerium entgegen halten, dass die Zahl der kurdisch-stämmigen
Dorfschützer über 70.000 liege. Den größten Anteil
am Ausbleiben eines ethnischen Konflikts aber hat das Volk.
Heute aber sehen wir uns
einem anderen Bild gegenüber. Diejenigen, die sagen, dass die Kurdenfrage
nicht gelöst werden kann, wenn der PKK Führer, der auf der Insel
Imrali festgehalten wird, damit er einen Großteil seines Lebens im
Gefängnis verbringen kann, nicht freigelassen wird – das sind die
PKK'ler und ihre legale Fortführung, die Mitglieder der DEHAP – wollten
in Gemlik eine Demonstration machen. Das hat die Polizei verhindert. Ein
Teil der Gehinderten lieferte sich in Istanbul und anderen Städten
Gefechte (es kann von spontaner Reaktion keine Rede sein, denn die Vorbereitung
von Molotowcocktails braucht Zeit).
In einigen Städten
kam es dann wirklich zu Vorfällen, von denen der wichtigste im Kreis
Bozüyük (Eskisehir) passierte. Die Bevölkerung, die den
Jahrestag der Befreiung von der Besetzung durch die griechische Armee feierte,
griff die Busse derjenigen an, die mit Postern von Öcalan und Siegeszeichen
über die Hauptstraße kamen. Die Verletzten wurden von der Polizei
und Gendarmerie aus der Stadt gebracht.
Danach gab es viele Aufrufe
zur Besonnenheit, aber die reale Gefahr einer Auseinandersetzung wurde
durch die Rede vom BBP Vorsitzenden Muhsin Yazicioglu in Sivas deutlich.
Er sagte, dass wenn die Sicherheitskräfte nicht das Erforderliche
unternehmen, die Nation das Recht auf Eingriff hat. Man sollte die Worte
eines Mannes, der zu Zeiten des Militärputsches selber bewaffnet war,
erst nehmen. Ich denke, dass die PKK und ihre Anhänger diese Rede
gefreut hat.
Die Demonstration von Hizbut
Tahrir zur Einführung des Kalifats wird als Anheizung der Spannung
vor dem Beginn der Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU am 3.
Oktober bewertet. Die Gefahr, die aber wirklich den Verlust von Leben und
Zerstörung bedeuten könnte, geht von der PKK aus. Auf die Entwicklungen
wird in Ankara mit einer ungewöhnliche Stille reagiert. Wenn das nur
mit dem 3. Oktober zusammenhängt, dann mag das in Ordnung sein.
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