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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzung aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 35/2005
Özgür Gündem
vom 28.08.2005
Autopsiebericht zu Mord
in Tunceli
Der Autopsiebericht für
den Vater des führenden HPG-Mitgliedes Süleyman Sahin, Hasan
Sahin (68), der am 3 August in der Nähe des Dorfes Aktuluk (Tunceli)
ermordet worden war, wurde am 27. August bekannt gegeben. Nach der Autopsie
wurde Hasan Sahin durch ein Jagdgewehr getötet. Sein Körper soll
keine Spuren zusätzlicher Gewaltanwendung gezeigt haben. Murat Polat,
Vorsitzender der DEHAP in Tunceli sagte, dass JITEM auch mit einem Jagdgewehr
Morde begehen könne und nicht nur mit einer Kalaschnikow oder M-16.
Hasan Sahin sei seit 30 Jahren in Deutschland gewesen und habe vor Ort
keine Feinde gehabt.
Özgür Gündem/Radikal/Yeni
Safak vom 26-29.08.2005
Vorfall in Macka
Der HPG-Militante Sinan
Gencer, der am 21. August in der Kreisstadt Macka (Trabzon) festgenommen
wurde, kam am 25. August in U-Haft. Der bei dem Vorfall getötete HPG-Militante
syrischer Herkunft soll den Namen Mesut Isa gehabt haben. Ein 3. HPG-Militanter,
der zunächst fliehen konnte, wurde am 27. August festgenommen. Er
soll den Decknamen "Cektar" haben.
Özgür Gündem
vom 27.08.2005
Iran liefert HPG Militante
aus
Am 25. August hat der Iran
die vermeintlichen HPG-Militanten Muhsin Özdemir, Muzaffer Kizartici
und Seyfettin Oral an die Türkei ausgeliefert. Sie kamen am 26. August
in U-Haft.
Hürriyet/Özgür
Gündem/Radikal vom 27.-29.08.2005
Gespannte Lage im Kreis
Besiri
In der Nähe des Dorfes
Tepecik im Kreis Besiri (Batman) kamen bei Gefechten, die am 25. August
begannen, 6 Militante der HPG ums Leben (darunter eine Frau). Die Namen
wurden später mit Cennet Dirlik (w), Fuat Becene, Ali Ekber Kalsen,
Yusuf Avdoyan, Ridvan Karakus, Abbas Emani und Kawa Kobani angegeben. Am
27. August wollte eine Menge von 2.000 Personen zum Ort des Vorfalls marschieren.
Die Sicherheitskräfte versuchten sie daran zu hindern, aber erst durch
die Vermittlung der Bürgermeister von Kurtalan und Gercüs konnte
die Demonstration gestoppt werden. Am 28. August wollten wiederum Leute
zum Krankenhaus in Batman marschieren, wo die Getöteten aufgebahrt
waren. Die schnelle Eingreiftruppe intervenierte. Hasan Is wurde dabei
durch Schüsse getötet. Ingesamt 25 Personen, 5 davon Sicherheitsbeamte
wurden bei dem Vorfall verletzt. 15 Personen wurden festgenommen.
Özgür Politika
vom 30.08.2005
Die HPG behauptete, dass
sieben Militante und ein Zivilist umgekommen seien. Auf der anderen Seite
seien aber auch 12 Soldaten getötet worden. Ein Militant aus dem Iran
soll zunächst festgenommen und verhört worden sein. Am Tag darauf
sei er erschossen worden und seine Leiche habe man zu den anderen Militanten
gebracht.
Özgür Politika
vom 31.08.2005
Das Polizeipräsidium
in Batman hat behauptet, dass Hasan Is von Militanten getötet wurde,
bevor die Demonstration begann. Er sei aus einer Entfernung von 5-10cm
erschossen worden, so dass die in großer Entfernung postierten Sicherheitskräfte
für die Ermordung nicht in Frage kämen. Der Anwalt der Familie,
Ferhat Bayindir sagte, dass Hasan Is durch eine Kugel getötet wurde,
die am rechten Ohr eingetreten und am linken Ohr wieder ausgetreten sei.
Abdulselam Yildiz wiederum sagte, dass er mit Hasan Is zusammen war, als
auf sie geschossen wurde und Hasan Is plötzlich zu Boden fiel. Sie
hätten ihn mit einem Krankenwagen fortbringen wollen, aber zwei Zivilbeamte
hätten das verhindert, d.h. sie hätten sich um den Leichnam gekümmert.
Bia (Netzwerk) vom 30.08.2005
(eingefügt vom DTF)
Der Anwalt der Familie,
Ferhat Baydemir, wies ferner darauf hin, dass auf den Einspruch der Familie
eine 2. Autopsie in Diyarbakir gegen 12 Uhr am Folgetag gemacht wurde.
Entgegen der Behauptung im Autopsiebericht in Batman, in dem der Todeszeitpunkt
auf 14-16 Uhr geschätzt wurde, habe der Bericht in Diyarbakir den
Tod auf einen Zeitpunkt geschätzt, der 12-18 Stunden vor der Untersuchung
liege. Das, so der Anwalt, stimme mit dem Zeitpunkt des Vorfalles (zwischen
18-19 Uhr) überein.
Radikal vom 02.09.2005
Vorfall in Bursa
Am 1. September kam es in
Bursa zu einer Bombenexplosion, bei der Bülent Akcicek getötet
wurde. Nach offizieller Darstellung sei er ein Mitglied der Selef-Gruppe
mit Verbindung zu El Kaida gewesen, der die Bombe in einer U-Bahnstation
oder einem Polizeigebäude zünden wollte. Sie sei aber vorzeitig
explodiert.
Weitere Meldungen (DTF)
Özgür Politika
vom 31.08.2005
Keine grüne Karte
für Mitglieder der DEHAP
Über den AKP Bürgermeister
der Stadt Yesilalan (Barman) im Kreis Savur (Mardin), Serhan Yildirim,
gab es Beschwerden, dass er mittellosen Mitgliedern der DEHAP die Ausstellung
von Grünen Karten verweigert. Dazu soll er die Gendarmeriestation
Pinardere beeinflusst haben. Davut Karatas, Vater von 12 Kindern, sagte
dazu, dass 4 Anträge innerhalb der letzten 6 Monate abgelehnt wurden.
Er sei in den letzten 10 Jahren mehrfach festgenommen und seine Gesundheit
habe darunter gelitten. Er könne sich aber nicht behandeln lassen,
weil er keine Grüne Karte habe. Als er sich nach dem Grund erkundigen
wollte, sei er nicht einmal in die Gendarmeriestation gekommen. Man habe
ihm aber gesagt, dass "Terroristen keine Grüne Karte bekommen".
Zilfinur Aydin ist allein erziehende Mutter von 12 Kindern. Sie beschwerte
sich darüber, dass ihre Akte auf der Gendarmeriestation verschwand
und ein neuer Antrag von ihr nach 4 Monaten immer noch nicht bearbeitet
sei. Der Vorsitzende der DEHAP für die Provinz Mardin, Cemal Veske
sagte, dass die Praxis gegen seine Partei und seine Mitglieder gerichtet
sei und der Bürgermeister Serhan Yildirim hinter diesen Machenschaften
stehe.
Bia (Netzwerk) vom 31.08.2005
Ragip Duran: Falle für
Mehmed Uzun, Manipulationen und mehr
Im Fall von Mehmed Uzun
(ein in Schweden lebender kurdischer Schriftsteller, von dem behauptet
wurde, er habe vor Kurzem die Türkei aufgrund von Drohungen seitens
der PKK wieder verlassen, DTF) sollte man sich die Akteure anschauen. Da
ist die Zeitschrift "Aksiyon", die durch Meldungen aus Kreisen eines Fethullah
Gülen (einflussreicher Islamist, DTF) und den ihm innerhalb der Sicherheitskräfte
nahestehenden Quellen bekannt wurde. Nachrichten im Bereich der Kurdenfrage
werden nicht recherchiert. Dieser Zeitschrift zufolge gibt es eine Liste
von 250 kurdischen Persönlichkeiten, die die PKK ermorden will und
auf der auch der Name von Hikmet Fidan steht (er wurde am 6. Juli in Diyarbakir
ermordet, DTF). Niemand aber hat die Liste gesehen.
Dennoch wurde die Meldung
zur Titelstory in "Hürriyet". Der Reporter Dogan Hizlan, der Mehmed
Uzun interviewt haben soll, wandte sich nur gegen die in der Redaktion
verfasste Schlagzeile und bekräftigte, dass Mehmed Uzun den Inhalt
bestätigt habe.
Die PKK selber spielt eine
unrühmliche Rolle in der Geschichte. Zum Mord an Hikmet Fidan sagte
einer ihrer Verantwortlichen, dass es ein "Patriot" gemacht haben könne.
Wichtig aber ist, dass der Mord an Hikmet Fidan von den staatlichen Stellen
bis heute nicht aufgeklärt wurde und dass niemand aus den Medien dazu
Recherchen angestellt hat.
Schließlich aber spielt
auch Mehmed Uzun eine fragliche Rolle, denn in seiner etwas mehr als 6
Seiten umfassenden Erklärung an AFP benutzt er dehnbare und teilweise
widersprüchliche Angaben, z.B. zum Punkt der "Bedrohung durch die
PKK". Niedergelassen hat er sich in der Türkei nie, allerdings ein
Haus gekauft, wo er bleiben kann, wenn er in die Türkei kommt. Nur
dass er plötzlich vor Drohungen der PKK geflohen ist, darf angezweifelt
werden.
Özgür Politika
vom 01.09.2005
Zweifelhafter Tod eines
kurdischen Soldaten
Osman Gültekin, der
seinen Militärdienst auf der Gendarmeriestation des Dorfes Kizilaya
im Kreis Bucak (Burdur) ableistete, soll 70 Tage vor seiner Entlassung
am 28. August Selbstmord begangen haben. Er soll sich mit einem Gewehr
durch den Kiefer geschossen haben, wobei die Kugel in Höhe der Augen
austrat. Osman Gültekin wurde gestern in seiner Heimat Diyarbakir
beigesetzt. Sein Vater Mehmet Gültekin glaubt nicht an Selbstmord.
Sein Sohn habe ihn 24 Stunden vor seinem Tode von einer ihm unbekannten
Nummer aus angerufen und ihn um Hilfe gebeten. "Rette mich," sagte er,
"sonst werden sie mich erschießen oder ich werde sie erschließen."
Das Gespräch sei dann plötzlich abgebrochen. Unmittelbar danach
habe er Kontakt mit dem Kommandanten der Station aufgenommen, der ihm versichert
habe, dass alles in Ordnung sei und sein Sohn auf Wache sei. Nach dem Tod
aber habe sich niemand mit ihnen abgeben wollen und die angeblichen Zeugen
seien durch die Anwesenheit von Vorgesetzten eingeschüchtert gewesen.
Der Vater berichtete weiter, dass sein Sohn sich einmal geweigert habe,
Aufsicht in einem Gefängnis zu übernehmen und deshalb strafversetzt
wurde. An der neuen Dienststelle habe man seinen Sohn auch nicht in Ruhe
gelassen. Des weiteren verwies Mehmet Gültekin auf Widersprüche
in den Aussagen. Ein Zeuge meinte, dass der Selbstmord bei dem Spiel russisches
Roulette passiert sei, während ein anderer es als einen Unfall beim
Beladen der Waffe darstellte. Außerdem soll der Vorfall gegen 15.10
Uhr passiert sein, während die Einlieferung ins Leichenschauhaus mit
14.30 Uhr notiert wurde.
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