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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 33/2005
Özgür Gündem
vom 14.08.2005
Prügel in Tarsus
Der im Kreis Tarsus (Mersin)
lebende Mehmet Ali Satir (20) gab an, dass vor ca. 2 Wochen zivil gekleidete
Polizeibeamte ihn zuerst an einer Bushaltestelle verprügelten und
dann mit auf die Polizeidirektion nahmen. Dort sei er weitere 2 Stunden
lang geschlagen worden. Im Staatskrankenhaus von Tarsus sei ihm kein Attest
ausgestellt worden, und als er nach seiner Freilassung erneut zur Untersuchung
ging, sei er von Polizisten behindert worden. Erst auf Anordnung eines
Staatsanwaltes konnte er eine Untersuchung machen lassen, bei der eine
Schnittwunde am Kopf, Blutungen am Ohr und Gehirnerschütterung festgestellt
wurden.
Özgür Gündem
vom 13.08.2005
Journalist und Menschenrechtler
kommen in U-Haft
Birol Duru, Reporter für
die Agentur DIHA, und Daim Acik, Mitglied des IHD, die am 10. August im
Kreis Yedisu von Bingöl festgenommen worden waren, kamen am 11. August
in Untersuchungshaft. Kemal Okuyucu wiederum wurde freigelassen. Birol
Duru soll in das Dorf Dinarbey gefahren sein, um den Vorwurf zu untersuchen,
dass der lokale Gendarmeriekommandant zusammen mit Dorfbewohnern den Anbau
von Haschisch betreibe. Birol Duru wurde mit den anderen 2 Personen festgenommen,
weil sich in seiner Tasche eine Kassette mit Propagandamaterial der PKK
befunden haben soll.
Cumhuriyet/Hürriyet/Milliyet
vom 13./14.08.2005
Bombenanschläge
Am 12. August explodierte
eine Autobombe ca. 50 Meter vom Polizeigebäude in Mersin entfernt.
Dabei starb Sehmus Sari und Cihan Sari wurde verletzt. Nach offizieller
Verlautbarung sollen sie einen Anschlag auf das Polizeigebäude vorbereitet
haben. Bei der Explosion einer Bombe in einem Müllcontainer in der
Kreisstadt Alanya (Antalya) wurde am 12. August eine Person leicht verletzt.
Am 13. August explodierte eine Bombe auf der Strecke von Alacakaya nach
Elazig, als dort der Gouverneur Kadir Kocdemir vorbeifuhr. Es gab Sachschaden
an den Autos. Bei der Explosion einer Bombe am Eingang eines Einkaufszentrums
in Bakirköy (Istanbul) wurde Nursen Cinar (w) leicht verletzt.
Evrensel vom 16.08.2005
Prügel in Istanbul
Der Taxifahrer M. Resit
Teke hat sich bei der Staatsanwaltschaft in Gaziosmanpasa (Istanbul) über
Prügel von Zivilbeamten beschwert. Er sei am 13. August von 5 Personen
angehalten worden, die ihn nach einem Mehmet aus Mus fragten. Nachdem er
gesagt habe, dass er ihn kenne, sagten die Männer, dass der Mehmet
seinen Haushalt auf einen LKW laden und verschwinden solle. Herr Teke verwehrte
sich gegen das Fluchen und wurde dafür auf den Kopf geschlagen. Danach
sollen die Polizisten ihn aus dem Auto gezerrt und willkürlich geschlagen
haben. Auf dem Gesundheitsamt in Arnavutköy sei ihm kein Attest ausgestellt
worden und im Krankenhaus Haseki sei nach einer Überweisung von der
Polizeiwache (auf Anordnung der Staatsanwaltschaft) gefragt worden. Die
Polizeistation habe sich aber geweigert, so dass er seine Verletzungen
nicht attestiert bekam.
Zaman vom 16.08.2005
Entführung eines
Soldaten
Das Amtsgericht in Tunceli
hat die Veröffentlichung von Bildmaterial, das bei der Freilassung
des entführten Soldaten Coskun Kirandi gemacht wurde, verboten. Es
handele sich um Beweismaterial, das in der Presse nicht verwendet werden
dürfe.
Özgür Gündem
vom 17.08.2005
Extra-legale Hinrichtung
in Hakkari?
Zu dem am 12. August in
der Nähe des Dorfes Kavakli (Provinz Hakkari) ermordeten Yusuf Yasar
wurden Vorwürfe laut, dass er nach seiner Festnahme aus geringer Entfernung
erschossen wurde. Offiziell war der Tod als der Versuch von 3 PKK Militanten,
eine Mine zu verlegen, gemeldet worden. Der Getötete habe Aufforderungen
zum Stehenbleiben nicht beachtet und sei in einem Gefecht ums Leben gekommen.
Der Bruder des Opfers, Kamil Yasar, wies den Vorwurf der PKK Mitgliedschaft
von sich. Sein Bruder habe sich im Alter von 40 Jahren nicht plötzlich
der PKK angeschlossen. Am Abend des Vorfalls sei er bis 20 Uhr mit Freunden
in der Stadt gewesen. Es sei undenkbar, dass er danach eine Mine an einem
60 Kilometer entfernten Ort anbringen wollte. Naif Kayacan, der dem Provinzparlament
für die SHP angehört, sagte aus, dass Yusuf Yasar, dessen Onkel
Isa Sakar und er bis 19 Uhr zusammen waren. Dann habe sich erst der Onkel
verabschiedet, weil er eine Wasserleitung im Dorf reparieren wollte. Yusuf
Yasar habe gesagt, dass er bald nachkomme und sich 10 Minuten später
ebenfalls verabschiedet. Die Vorsitzende des IHD in Hakkari, Necibe Günes
kommentierte, dass bei Militanten allein die Identifizierung zwei Tage
dauere, während in diesem Fall die Familie schon vor der Autopsie
informiert wurde, was klar mache, dass die Person bekannt war. Im Autopsiebericht
werden 20 Einschüsse erwähnt, die Yusuf Yasar in den Kopf und
die Brust trafen. Bei der Leiche sollen sich eine Schaufel, zwei Spaten
und in einiger Entfernung Explosiva vom Typ C4 befunden haben. Die Leiche
wurde in ziviler Kleidung vorgefunden.
Özgür Gündem
vom 17.08.2005
Todesschüsse in
Özalp (Van)
In der Nähe des Dorfes
Yukari Tulgalli (Turgay) im Kreis Özalp (Van) erschossen Soldaten
am 15. August Ersin Karabulut (17). Sie sollen ihn anschließend in
das Staatskrankenhaus von Özalp gebracht haben.
Özgür Gündem
vom 18.08.2005
Die Anwälte Taner Polat
und Cüneyt Canis haben als Vertreter des IHD in Van zusammen mit Ömer
Isik den Vorfall untersucht. Nachdem sie mit Zeugen gesprochen hatten,
berichteten sie, dass Ersin Karabulut zusammen mit seinem Verwandten Cengiz
Karabulut gegen 19.30 Uhr aufgebrochen sei, um nach verlorenen Schafen
zu suchen. Sie seien etwas 100 Meter auseinander gewesen, als Schüsse
fielen. Andere Dorfbewohner kamen hinzu. Die Soldaten sagten, dass sie
in die Luft geschossen hätten und eine Person Richtung Dorf geflohen
sei. Ein Soldat habe ihnen aber vertraulich gesagt, dass der Kommandant
auf Ersin geschossen habe. Er habe noch gelebt und sei über den Boden
geschleift und einen Abhang von 5 Metern hinunter geworfen worden. Er sei
dann auf dem Weg zum Krankenhaus gestorben. Cengiz Karabulut sagte ferner,
dass er keine Aufforderung zum Anhalten gehört habe. Der Dorfvorsteher
Abdullah Akgül sagte, dass in 2 Jahren 6 Dorfbewohner von Soldaten
erschossen worden seien.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 17.08.2005
DEHAP löst sich
auf
Die Diskussionen um die
Kurdenfrage, die mit dem Empfang der Intellektuellen durch Premierminister
Recep Tayyip Erdogan und seinem Besuch in Diyarbakir begann, hat Bewegung
an der "kurdischen Front" verursacht. Die Demokratische Volkspartei (DEHAP)
hat beschlossen sich der Demokratischen Gesellschaftsbewegung (DTH), die
von Leyla Zana, Hatip Dicle und Orhan Dogan nach der Entlassung aus dem
Gefängnis ins Leben gerufen wurde, anzuschließen. Auf der Zusammenkunft
des Parteiparlaments mit den Vorsitzenden in den Provinzen sagte der Vorsitzende
Tuncer Bakirhan, dass eine neue Phase mit der veränderten Haltung
der Regierung und des Generalstabs eingetreten sei. Dabei sei deutlich
geworden, dass die Frage nicht durch Leugnung und Vernichtung zu lösen
sei, sondern nur mit den wirklichen Ansprechpartnern. Dabei nannte als
Ansprechpartner die demokratische kurdische Bewegung.
Bia (Netzwerk) vom 17.08.2005
Entschädigung wegen
Terror
Innenminister Abdülkadir
Aksu beantwortete eine Anfrage des CHP Abgeordneten für Diyarbakir,
Mesut Dogan zum Gesetz 5233 zur Abfindung von Schäden durch den Terror
oder den Kampf gegen den Terror. Demnach haben 5.239 Personen einen Antrag
gestellt, der in 1.190 Fällen positiv beschieden wurden. 4.049 Anträge
wurden abgelehnt. Der Gesetzesentwurf zu einer Fristverlängerung über
den 17. Juli hinaus, sei im Parlament noch nicht debattiert worden, da
die Sommerferien dazwischen kamen.
Bia (Netzwerk) vom 18.08.2005
Jurist wird angeklagt,
Kommandant nicht
Die Staatsanwaltschaft in
Tunceli hat die Ermittlungen gegen den Kommandanten der Gendarmerie in
Tunceli, Namik Dursun, wegen Bedrohung des Anwaltes Hüseyin Aygün
eingestellt. Demgegenüber muss Hüseyin Aygün heute auf Veranlassung
der Staatsanwaltschaft in Malatya eine Aussage wegen des Berichtes über
Menschenrechte in der Provinz Tunceli im Januar 2005 machen. Die Ermittlungen
gegen den Kommandanten wurden mit der Begründung eingestellt, dass
die angeblichen Äußerungen nicht die Elemente von Beleidigung
in Abwesenheit enthielten. Zudem müsse es 3 Zeugen für eine solche
Aussage geben. Der Kommandant hatte dem Anwalt in einem Telefonat mitgeteilt,
Material in der Hand zu haben, mit dem er Verfahren gegen ihn eröffnen
könne, die ihn 2 Jahre lang beschäftigen würden. Dies sei
nicht als Bedrohung aufzufassen, meinte die Staatsanwaltschaft in Tunceli.
Unterdessen gehen die 2 Verfahren gegen Hüseyin Aygün, der seine
Vorwürfe in der lokalen Zeitung "Munzur Haber" veröffentlicht
hatte, vor dem Amtsgericht in Elazig weiter.
Bia (Netzwerk) vom 18.08.2005
Beschwerden beim Präsidium
für Menschenrechte
Das Präsidium für
Menschenrechte hat im Monat Juni 168 Beschwerden verzeichnet. 5 davon haben
sich auf Meinungsfreiheit bezogen und 2 auf freie Kommunikation. Die meisten
Beschwerden (19) seien im Zusammenhang mit den Rechten von Kranken gestellt
worden. Unter den Provinzen nehme Konya mit der Anzahl von 20 Beschwerden
die führende Stellung ein. Die Formulare für Beschwerden gibt
es bei den 81 Räten für Menschenrechte in den Provinzen, 850
Räten für Menschenrechte in den Kreisstädten oder auf der
Internetseite des Ministerpräsidenten. Im Jahre 2004 hatte es insgesamt
847 Beschwerden gegeben.
Radikal vom 20.08.2005
PKK deklariert einen
aktionslosen Monat
Die belgische Regierung
hat eine Pressekonferenz von Kongra-Gel verboten, weil der Vorsitzende
Zübeyir Aydar, der dort sprechen sollte, "mit Terrorismus in Verbindung
stehe". Zivile Beamte erklärten den Journalisten, die zum Pressezentrum
gekommen waren, dass die PKK und Kongra-Gel auf einer Liste der terroristischen
Organisationen seien. Wäre Aydar nach Brüssel gekommen, so wäre
er festgenommen und an die Schweiz überstellt worden. Dort hat er
den Status eines politischen Flüchtlings. Nach dem Verbot der Pressekonferenz
wurde die Erklärung des aktionsfreien Monats (20. August-20. September)
über die belgische Internetseite von Kongra-Gel verbreitet.
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