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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 31/2005
Özgür Gündem
vom 30.07.2005
Menschenrechtler bestraft
Dem Vorsitzenden der Zweigstelle
Bingöl des IHD, Ridvan Kizgin, wurde eine Strafe von 1.112 YTL auferlegt,
weil er in einem Schreiben an den Gouverneur und das Innenminsterium den
Namen von Bingöl in der kurdischen Form Cewlik geschrieben hatte.
Die Strafe soll nach Artikel 31 und 32 des Vereinsgesetzes erfolgt sein.
Dort wird Vereinen vorgeschrieben, ihren Schriftverkehr in der türkischen
Sprache zu führen. Herr Kizgin verwies darauf, dass der Briefkopf
des Vereins in Englisch, Türkisch und Kurdisch verfasst sei und er
sich an das Verwaltungsgericht in Elazig wenden wird, damit die Strafe
aufgehoben wird.
Özgür Gündem
vom 31.07.2005
Politiker verurteilt
Das Amtsgericht in Siirt
hat sein Urteil wegen einer Demonstration in Siirt am 9. Oktober 2004 verkündet.
Unter den 22 Angeklagten befanden sich auch Funktionäre der DEHAP.
Von ihnen wurden Mahmut Yildiz, Muhyettin Timurlenk, Ridvan Oguz, Gürü
Toprak und Halit Tasci zu je 6 Monaten Haft verurteilt, weil sie Parolen
für eine illegale Organisation gerufen haben sollen. Die Strafe von
Mahmut Yildiz wurde zur Bewährung ausgesetzt, während die Strafe
der anderen 5 Personen in eine Geldstrafe von je 1.980 YTL verwandelt wurde.
Die anderen 16 Angeklagten wurden freigesprochen.
Özgür Gündem/Radikal
vom 01.08.2005
Vorfall in Diyarbakir
Ein Polizist, der vor dem
Gebäude des Landrates in Kocaköy (Diyarbakir) Wache hielt, soll
am 30. Juli auf 3 Dorfschützer geschossen haben, die er für PKK
Militante hielt. Der Dorfschützer Murat Ücgül kam dabei
ums Leben, Yilmaz Kaya wurde schwer verletzt. Der 3. Dorfschützer
Mehmet Kaya konnte fortrennen. Die offizielle Verlautbarung beschrieb den
Vorfall als einen Angriff von PKK'lern.
Bia (Netzwerk) vom 02.08.2005
Verleger angeklagt
Gegen Ragip Zarakolu, Besitzer
des Verlages Belge, wurde Anklage wegen der Übersetzung des Buches
"Erlebnisse eines armenischen Doktors – Das Izmir-Tagebuch von Garabet
Haceryan" von Prof. Dr. Dora Sakayan erhoben. Die Anklage fußt auf
Artikel 301 neues TStG (159 altes TStG). Das Verfahren wird am 21. September
vor der 2. Kammer des Amtsgerichts in Istanbul beginnen.
Radikal vom 02.08.2005
Entführter Bürgermeister
freigelassen
Der am 27. Juli von PKK-Militanten
entführte Bürgermeister der Kreisstadt Yayladere (Bingöl),
Hasim Akyürek (AKP) wurde in der Nähe der Hochweide Sündüs
am 1. August freigelassen.
Özgür Gündem
vom 04.08.2005
Ermordung in Tunceli
In Tunceli wurde Hasan Sahin,
Vater von Süleyman Sahin (Bawer), Mitglied des Kommandantenrates der
HPG, von Unbekannten ermordet. Hasan Sahin, der aus Deutschland nach Meytan/Aktuluk
zu Besuch gekommen war, wurde mit sieben Schüssen, davon ein Schuß
in den Kopf und sechs Schüssen in die Brust, aufgefunden. Er lebte
seit etwa 30 Jahren in Deutschland. Für eine Autopsie wird die Leiche
zur Gerichtsmedizin in Malatya gebracht werden. Laut dem Vorsitzender der
DEHAP in Tunceli, Murat Polat, sei der Mord das Werk von JITEM, dem militärischen
Geheimdienst. Der untersuchende Staatsanwalt habe den Mord als die Tat
von „Profis“ bezeichnet. Sie hätten keinerlei Spuren wie Patronenhülsen
hinterlassen.
TIHV vom 04.08.2005
Druck in den Gefängnissen
Die aus Protest gegen das
neue Strafgesetz und die neue Strafprozessordnung in den Hungerstreik getretenen
Gefangenen im F-Typ Gefängnis 1 von Tekirdag wurden am 31. Juli in
die F-Typ Gefängnisse von Bolu und Gefängnis 2 von Tekirdag verlegt.
Dabei sollen sie nach Auskunft von TAYAD auf den Rücken an den Armen
gefesselt worden sein und es soll ihnen nicht erlaubt worden sein, persönliche
Gegenstände mitzunehmen. Die Gefangenen Sinan Yildirim, Cemal Agirman
und Ali Ercan Gökoglu sollen verletzt sein. Im F-Typ Gefängnis
2 von Tekirdag sollen die Gefangenen in Isolation gehalten werden, und
weil sie Parolen riefen, sollen sie am Abend des 31. Juli verprügelt
worden sein. Die Namen der ins Gefängnis 2 verlegten Häftlinge
sind: Mehmet Kulaksiz, Nurettin Erenler, Erdal Koç, Aslan Bahar,
Hüseyin Özen und Taylan Aydogdu, die Namen der Gefangenen, die
in das F-Typ-Gefängnis in Bolu verlegt wurden sind Kenan Günyel,
Ali Ercan Gökoglu, Serdar Karaçelik, Tekin Tangün, Mustafa
Tosun, Cemal Agirman, Kaan Kurtulus, Bülent Kemal Yildirim, Inan Gök,
Baris Ates, Celal Yayla, Ercan Kutlu, Sinan Yildirim, Osman Nuri Ocakli,
Ali Koca und Baysal Demirkan. Angehörige der Gefangenen gaben des
weiteren bekannt, dass den Gefangenen im F-Typ Gefängnis Sincan ein
10-tägiges Verbot des Briefeschreiben und ein 3-monatiges Verbot des
Telefonierens und freien Besuches auferlegt wurde.
Milliyet vom 04.08.2005
Dorfbewohner entführt
Hasan Baturay aus dem Dorf
Karakas im Kreis Aricak (Elazig) wurde am Morgen des 2. August von unbekannten
Personen entführt. Es soll sich dabei um PKK-Militante gehandelt haben.
Hürriyet vom 05.08.2005
Bombenexplosion in Istanbul
In der Nacht vom 3. August
explodierte eine Bombe in einem Müllcontainer in Pendik (Istanbul).
Dadurch wurden die in in einem Auto vorbeifahrenden Eda Muslu und ihre
Mutter Hatice Muslu getötet. Can Muslu, Umut Müftahi, Seyit Eksi
und Emine Eksi wurden verletzt. Nach Auskunft der Polizeidirektion Istanbul
soll es sich um eine C-4 Bombe handeln, die von PKK-Militanten gelegt wurde.
Milliyet vom 05.08.2005
Soldat freigelassen
Der am 11. Juli bei einer
Verkehrskontrolle der PKK auf der Strecke zwischen Tunceli und Erzincan
entführte Soldat Coskun Kirandi wurde am 4. August freigelassen. Die
Delegation von Vertretern des IHD, der DEHAP und dem Künstler Ferhat
Tunc hatte Tunceli am 3. August verlassen und war in die Nähe des
Dorfes Gülec gegangen. Dort nahmen sie den Soldaten in Empfang. Sie
wurden danach von Soldaten der Gendarmerie nach Tunceli begleitet. Zusammen
mit den sie begleitenden Journalisten wurden sie dann einer Befragung unterzogen.
Pressemitteilung Connection
e.V. vom 04.08.2005
KDV'ler bleibt in Haft
Die Urteilsverkündung
gegen den türkischen Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan, der sich
heute wegen zweimaliger Befehlsverweigerung vor dem Militärgericht
in Sivas verantworten musste, ist auf den 10. August vertagt worden. Mehmet
Tarhan erklärte heute vor Gericht: "Auch ohne bewaffnete Auseinandersetzung
verbreitet das Militär Strukturen, die Gewalt hervorbringen. Ich habe
mich für ein Leben ohne jede Gewalt entschieden und erkläre hier
noch einmal: Ich werde keine Befehle ausführen! Ich fordere die sofortige
Aufhebung meiner Freiheitsbeschränkung!"
Weitere Meldungen des DTF
Bia (Netzwerk) vom 02.08.2005
Entschädigungen
in 6 Monaten bei 540.000 YTL
In Verfahren vor dem EMRG
wurde die Türkei im vergangenen Jahr zur Zahlung von 224.000 YTL verurteilt.
In den ersten 6 Monaten dieses Jahres hat die Summe schon 540.000 YTL (ca.
300.000 Euro) erreicht. Davon wurden dem Vorsitzenden der Sozialistischen
Partei, Dogu Perincek 16.790 Euro zuerkannt; der Zeitung Emek gar 29.500
Euro. Für die Witwe des auf Zypern ermordeten Journalisten Kutlu Adali
erkannte das Gericht in Strassburg auf 95.000 Euro Entschädigung.
Özgür Politika
vom 04.08.2005
Verfahrensvorschriften
für Dorfschützer geheim
Der CHP-Abgeordnete für
Diyarbakir, Mesut Deger, hat eine parlamentarische Anfrage an den Justizminister
Cemil Cicek gerichtet und ihn nach der Verabschiedung von geheimen Durchführungsverordnungen
gefragt. Der Minister antwortete darauf, dass es nach Artikel 1 des Gesetzes
3011 geheime Vorschriften gebe, deren Veröffentlichung bedenklich
seien. Was die Ernennung von Dorfschützern, deren Aufgabengebiete
anbetreffe, so sei die Veröffentlichung dieser Information bedenklich.
Daher sei diese Vorschrift auch nicht im Amtsblatt veröffentlicht
worden.
Bia (Netzwerk) vom 04.08.2005
Haft für Journalisten
auch im Jahre 2005
Die Verhaftungen von Journalisten
scheint abgenommen zu haben. Im letzten Jahr wurden 29 Journalisten und
25 Mitarbeiter von Zeitschriften festgenommen. Gegen 9 Journalisten wurde
Untersuchungs- oder Strafhaft angeordnet. Memik Horuz von der Zeitschrift
Isci-Köylü befindet sich seit 4 Jahren in Haft und wartet auf
eine neue Verhandlung nach dem neuen Strafgesetz. Hakan Albayrak von der
Zeitung "Milli Gazete" wurde am 13. November 2004 entlassen, nachdem er
eine 15-monatige Haftstrafe verbüßt hatte. Sandra Bakutz wurde
am 1. Verhandlungstag ihres Verfahrens wegen Mitgliedschaft in der DHKP-C
am 30. März dieses Jahres entlassen.
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