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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzung aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 29/2005
Özgür Gündem
vom 16.07.2005
Exhumierung von "Verschwundenen"
Aufgrund der Schilderungen
des Überläufers Abdülkadir Aygan wurde am 14. Juli ein Grab
in Silopi geöffnet, in dem die Arbeiter des Friedhofs die Leichen
von Edip Aksoy und Orhan Cingöz vermuteten. Nach Schilderung von Aygan
waren beide Personen 1995 ermordet worden. Allerdings wurden in dem Grab
die Überreste von 4 und nicht nur 2 Personen gefunden. Die Knochen
wurden für einen DNA Test an die Gerichtsmedizin geschickt. Selahattin
Demirtas, Vorsitzender des IHD in Diyarbakir sagte, dass die Arbeiter des
Friedhofs unsicher waren, weil seinerzeit viele Leichen von angeblichen
Militanten als Personen ohne Angehörige begraben wurden. Sollte der
DNA Test negativ ausgehen, so würden sie die Öffnung weiterer
Gräber beantragen.
Cumhuriyet vom 17.07.2005
Vorfall in Kusadasi
Bei einer Explosion in einem
Kleinbus wurden am 16. Juli 5 Personen getötet und 13 Personen verletzt.
Der Vorfall ereignete sich in dem Touristenort Kusadasi (Provinz Aydin).
Die Namen der Getöteten sind: Eda Okyay, Deniz Tutum, Ufuk Yücedemir
(30), Helen Pallhall und Tana Whalen. Verletzt wurden: der Fahrer Cemal
Uçar, sein Sohn Ibrahim Uçar, Toli Pulshol, Steven Stables,
Adam Brown, Nilgün Yüksel Bozyaka, Muhlis Yasa, Sen Pucher, Akif
Çalli, Sedat Özçelik, Dogan Ikilik, Serkan Tetik und
eine Person mit Namen Michael. Die HPG ließ verlauten, dass sie nichts
mit dem Vorfall zu tun habe und die Freiheitsfalken von Kurdistan, die
sich zum Anschlag bekannten, in keiner Verbindung zu ihnen stünden.
Radikal vom 20.07.2005
Minenexplosion
Am 19. Juli fuhr ein Militärfahrzeug
in der Nähe des Dorfes Cigli im Kreis Cukurca (Hakkari) auf eine Mine.
Die Offiziere Haluk Denli (Haluk Beydili), Tuna Kara und die Soldaten Erkut
Yilmaz und Bülent Yilmaz starben. Vier Personen wurden verletzt.
Özgür Gündem
vom 21.07.2005
Verfahren wegen Todesschüssen
Vor dem Landgericht Eskisehir
begann das Verfahren gegen die Polizisten Mehmet Karaca, Yasafettin Açiksöz,
Seydi Ahmet Döngel und Salih Ayaz im Zusammenhang mit der Erschießung
von Ahmet Kaymaz und seinem Sohn Ugur Kaymaz am 21. November 2004 in Kiziltepe
(Mardin). Vor dem Gericht griffen Rechtsradikale Vertreter von DEHAP, EMEP,
ÖDP und SHP an, die den Prozess beobachten wollten. Bei der Auseinandersetzung
wurden 5 Personen, darunter ein Polizist verletzt. Die Nebenklage kritisierte
die Verlegung des Verfahrens nach Eskisehir. Dazu habe es keine Sicherheitsgründe
gegeben und der Beschluss des Justizministeriums diene lediglich der Verhinderung
der Wahrheitsfindung. Das Verfahren wurde auf den 24. Oktober vertagt.
Milliyet vom 22.07.2005
Dorfbewohner entführt
In der Nähe des Dorfes
Ortayol im Kreis Baskale (Van) wurden die Schäfer Sinan Gürbüz
(16) und Hakan Abi (18) entführt. Für den Vorfall wird die PKK
verantwortlich gemacht.
Weitere Meldungen (DTF)
Özgür Politika
vom 17.07.2005
Göc-Der: Gesetz
zur Entschädigung von Terror hat versagt
Der stellvertretende Vorsitzende
des Hilfsvereins für Migranten, Göc-Der, Ilyas Erdem, hat das
Gesetz Nr. 5233 zur Abfindung von Schäden, die durch den Terror oder
den Kampf gegen den Terror entstanden sind, kritisiert. Die Frist für
Anträge läuft am 24. Juli aus. Göc-Der forderte eine Fristverlängerung.
Erdem sagte weiter, dass von den 3,5 Millionen Menschen, die aus 4.000
Dörfern und Weilern vertrieben wurden, lediglich 80.000 einen Antrag
gestellt haben und nur 2% von ihnen einen positiven Entscheid erhielten.
Özgür Politika
vom 19.07.2005
Ermittlungen zum Tode
von Andrea Wolff eingestellt
Die Staatsanwaltschaft in
Frankfurt hat nach einer Nachricht im Focus die Ermittlungen zum Tode von
Andrea Wolff eingestellt. Sie war als PKK Kämpferin am 22. Oktober
1998 in einer Operation der türkischen Armee im Kreis Catak (Van)
getötet worden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt begründete die
Einstellung der Ermittlungen mit mangelnder Zusammenarbeit der türkischen
Behörden, die den Fall als interne Angelegenheit bezeichneten.
Radikal vom 20.07.2005
Rede des stellvertretenden
Generalstabschefs
General Ilker Basbug, stellvertretender
Vorsitzender des Generalstabs, hat Vertretern der Medien ein Briefing gegeben.
Für einen grenzüberschreitenden Einsatz gegen die PKK berief
er sich auf Artikel 51 der UN Charta (Notwehr). Er behauptete ferner, dass
die USA beschlossen habe, die Führungsriege der PKK festzusetzen.
Nach der Verhaftung des PKK-Führers Öcalan sei die Zahl der Terroristen
in der Türkei stark zurückgegangen, habe sich aber im letzten
Jahr wieder auf 1800-1900 gesteigert. Hinzu kämen 3.300-3.700 Terroristen
in den Nachbarstaaten Irak (ca. 3.000), Iran und Syrien. An die 600-650
Terroristen sollen sich im Kandil-Gebirge aufhalten. Die meisten Aktionen
der Organisation werden durch Explosiva und Minen gemacht (50%). Ein Viertel
der Aktionen sei Beschuss aus großer Entfernung. Die Organisation
habe 175 Aktionen mit Explosiva und Minen durchgeführt; 140 konnten
verhindert werden. Von den 105 Gefallenen und 37 zivilen Opfern seien die
meisten durch Minenexplosionen umgekommen. Basbug forderte zur Bekämpfung
des Terrorismus weitere Maßnahmen, wie eine Revision des Anti-Terror
Gesetzes nach westlichem Vorbild (Großbritannien). Nachdem Med-TV
mit Sendungen aus Frankreich erfolgreich geschlossen wurde, gehe es nun
darum Roj-TV mit Sendungen aus Dänemark, Mitglied der EU und NATO,
zu unterbinden.
Özgür Politika
vom 21.07.2005
Freispruch für "werter
Öcalan"
Die 5. Kammer des Amtsgerichts
Mersin hat Metin Nas freigesprochen. Er hatte auf einer Veranstaltung vom
"werten Öcalan" gesprochen und sollte damit eine Straftat gelobt haben,
was nach § 312 /1 altes TStG untersagt ist. Das Gericht ordnete den
Freispruch unter Hinweis auf Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention
an.
Özgür Politika
vom 23.07.2005
Politiker freigesprochen
Tuncer Bakirhan, der Vorsitzende
der DEHAP, und Bedri Firat, Kandidat bei den Wahlen vom November 2002,
wurden von der 2. Kammer des Landgerichts in Erzurum freigesprochen. Sie
waren wegen einer Wahlrede zunächst nach § 312 /2 (Aufstachelung
zu Rassenhass) zu je 10 Monaten Haft verurteilt worden. Die 8. Kammer des
Kassationsgerichtshofs hatte das Urteil aufgehoben.
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