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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV)
Woche 28/2005
Cumhuriyet/Özgür
Gündem vom 09./10.07.2005
Repressalien in den Gefängnissen
Die Union der Angehörigen
von Gefangenen (TUYAB) hat auf einer Pressekonferenz die Verschlechterung
der Haftbedingungen beklagt. Besonders in den Gefängnissen vom Typ
F soll es zu willkürlichen Strafen wie Besuchsverbot, Verweigerung
von medizinischer Behandlung und Schlägen gegen die Gefangenen kommen.
Hanzey Güldogan, der Bruder von Aysel Güldogan, die im F-Typ
Gefängnis von Gebze einsitzt, hat Spuren von Schlägen gesehen
und Strafanzeige gestellt. Filiz Gükokuer, die im gleichen Gefängnis
einsitze, sei an Blutkrebs erkrankt. Da sie sich aber gegen die Leibesvisitation
wehrte, sei sie nicht zum Krankenhaus gebracht worden. Mit Inkrafttreten
des neuen Strafgesetzes seien die zu lebenslanger Haft verurteilten Personen
in Einzelzellen gelegt worden. Seza Mis Horuz schilderte, dass Menderes
Leyla und Ali Baba Ari auf dem Transport vom F-Typ Gefängnis in Tekirdag
zum Krankenhaus geschlagen worden. Zeynel Firik und Ali Sahin sei Medizin
verschrieben worden, die aber von der Gefängnisleitung verweigert
wurde. Nach Beschwerde beim Justizministerium wurde ihnen die Medizin zugesagt,
aber dieses Mal wollte die Verwaltung, dass sie selber zahlen. Bahar Ertürk
berichtete, dass ihr Bruder Kemal Ertürk, der an Diabetes und hohem
Blutdruck leidet, nicht behandelt werde.
Unterdessen wurde bekannt,
dass insgesamt 121 Briefe, die der politische Gefangene Murat Eser aus
dem Gefängnis in Elbistan geschrieben hatte, nicht weiter geleitet
wurden. Das teilte der Vater Hüseyin Eser mit, der seinen Sohn am
17. Mai besuchte.
Hürriyet vom 09.07.2005
Verfahren wegen Todesschüssen
Die 1. Kammer des Landgerichts
in Istanbul sprach den Polizisten Mehmet Yildiz vom Vorwurf frei, am 22.
Mai 2004 in Kumkapi Burak Yilmaz ermordet zu haben. Er habe seine Dienstpflicht
nicht verletzt und sei nach Artikel 24/1 neues TStG freizusprechen. Der
Angeklagte Asir Kurnaz wurde wegen unerlaubtem Waffenbesitz, Körperverletzung
und versuchtem Mord an dem Polizeibeamten Mehmet Yildiz zu 4 Jahren, 5
Monaten und 10 Tagen Haft verurteilt. Am 22. Mai 2004 hatte Asir Kurnaz
zunächst Haluk Önal mit seiner Waffe verletzt. Als er zu flüchten
versuchte, eröffnete der Polizeibeamte Mehmet Yildiz das Feuer auf
ihn. Bei dem Schusswechsel war Burak Yilmaz, der Begleiter von Asir Kurnaz,
getötet worden.
Bia (Unabhängiges Kommunikationsnetzwerk)
vom 07.07.2005
Journalist vor Gericht
Haci Bogatekin der Besitzer
der Regionalzeitung "Gerger Firat" wurde vom Amtsgericht Gerge wegen seines
Artikel mit dem Titel "Faschistischer Staat", der im August 2004 erschienen
war, freigesprochen. Das gleiche Gericht verurteilte ihn aber zu einer
Geldstrafe von 1.000 YTL, da er der Staatsanwaltschaft nicht binnen 30
Tagen über die Art der Publikation unterrichtet hatte.
Radikal vom 11.07.2005
Vorfall in Cesme
Durch eine Bombe, die in
einem Abfallbehälter in Cesme am 10. Juli explodierte, wurden 22 Menschen,
darunter ein Engländer, ein Russe und ein Ungar verletzt. Unter ihnen
soll Ali Celikli schwer verletzt sein.
Özgür Politika
vom 12.07.2005
Die Tak (Freiheitsfalken
von Kurdistan) hat die Verantwortung für das Bombenattentat übernommen.
Die Namen der Verletzten sind Ali Çelikli, der Brite John Willoghby,
der Russe Aleksander Daniluk, Idris Utal, Bendi Yildiz, Yilmaz Arikan,
Ramazan Mert, Merve Kiliç, Akin Demir, Ali Ziya Gökmen, Günnur
Irkilir, Sait Kocalevent, Sükrü Yorulmaz, Ilker Ersan, Havva
Deniz, Sahabettin Özgü, Ismail Demirkol, Ece Demirkol.
Cumhuriyet vom 10.07.2005
Minenexplosion in Sirnak
Am 9. Juli fuhr ein Kleintransporter
in der Nähe von Sirnak auf eine Mine. Dabei wurden Kasim Anik, Ahmet
Tatar, Ismail Tatar, Abdülkerim Tatar, Idris Gerez, Sait Gerez und
Agit Gerez verletzt.
Cumhuriyet/Radikal/Özgür
Gündem vom 10./11.07.2005
Gefechte im Südosten
Der Innenminister Abdülkadir
Aksu sagte als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage, dass im Jahre
2004 insgesamt 99 PKK Militante getötet wurden und sich 130 Militante
stellten. Bis zum Mai dieses Jahres seien 65 Militante getötet worden,
43 wurden gefasst und 41 stellten sich. Bei einer Minenexplosion in der
Nähe der Stadt Derecik im Kreis Semdinli (Hakkari) starben die Soldaten
Mehmet Çamci, Ender Alber un Ibrahim Boybey. Die in dem Fahrzeug
befindlichen Soldaten Adem Sahan, Cengiz Aydin, Hüseyin Torun, Nefi
Yetitiren, Abdülaziz Çaliskan, Cem Öztürk, Abdullah
Gezgin, Baris Gökbaslar, Bestavi Veziroglu, Cemal Sahin, Mehmet Engin,
Zeynel Özdemir und drei weitere Soldaten wurden verletzt.
TIHV vom 12.07.2005
Menschenrechtler vor
Gericht
Am 11. Juli begann das Verfahren
gegen den Vertreter der TIHV in Adana, Mustafa Cinkilic und den Arzt Mehmet
Antmen vor der 11. Kammer des Amtsgerichts in Adana. Ihnen wird vorgeworfen,
Schuldbeweise verheimlicht zu haben. Das Verfahren wurde auf den 4. Oktober
vertagt. Zu dem Verfahren war es gekommen, weil der ehemalige Gefangene
Sükrü Boyav, die Fotokopie eines internen Schreibens der TIHV
(an einen ehrenamtlichen Mitarbeiter) zu einer Beschwerde gegen die Leitung
des Gefängnisses in Adana vom Typ E und die Wärter beigefügt
hatte. Daraufhin war der Arzt Mehmet Antmen als Beschäftigter der
TIHV am 16. September 2004 festgenommen worden. Bei seiner Vernehmung war
Mustafa Cinkilic als Anwalt anwesend. Beide gaben zu Protokoll, dass das
Original des Schreibens nur auf Anweisung der Zentrale in Ankara herausgegeben
werden könne. Dies wurde als Weigerung interpretiert Beweise in einem
Strafverfahren zu verheimlichen.
Özgür Gündem
vom 12.07.2005
Folter in Tunceli
Bülent Yilmaz (30)
hat sich beschwert, von Mitarbeitern bei JITEM entführt und gefoltert
worden zu sein. Er sei am 10. Juli in ein weißes Auto gezerrt worden
und im Wagen gleich beschimpft und geschlagen worden. Er habe den Beamten
den Ort seiner Freunde zeigen sollen, sonst werde er getötet und in
den Fluss Munzur geworfen. Als Reaktion auf seine Bemerkung, dass er nichts
wisse, sei er mit Gewehrkolben geschlagen worden. An der Gabelung der Flüsse
Munzur und Mercan sei er aus dem Wagen geholt und ihm sei eine Schneemaske
übergezogen worden. Dann sei er anderen Personen übergeben worden,
die ihn ebenfalls schlugen. Die Schläge hätten bis 4 Uhr in der
Frühe angedauert. Im Auto sei eine der Personen mit Kommissar angeredet
worden. Ihm sei aufgegeben worden, sich an dem Ort, wo sie ihn absetzten,
anderthalb Stunden lang ruhig zu verharren. Sonst würde er von Soldaten
erschossen. Später sei er dann in das Dorf Puglucayir gelangt und
von dort habe er seine Freunde anrufen können.
Radikal vom 13.07.2005
Journalisten vor Gericht
Die Staatsanwaltschaft in
Istanbul hat den Journalisten Ilhan Tasci und die Funktionäre der
Zeitung "Cumhuriyet" Ilhan Selcuk, Ibrahim Yildiz und Mehmet Temocin Sucu
wegen eines Artikels über die Ermittlungen im Falle der in Kiziltepe
(Mardin) erschossenen Ahmet Kaymaz und seinem Sohn Ugur Kaymaz. Sie sollen
mit dem Artikel vom 1. Januar in ein laufendes Verfahren eingegriffen haben,
da sie noch bevor die Anklageschrift im Prozess verlesen wurde, diese als
widersprüchlich kritisiert hätten. Das Verfahren nach Artikel
19/1-2 des Pressegesetzes wird vor der 2. Kammer des Amtsgerichts Istanbul
durchgeführt werden.
Bia (Unabhängiges Kommunikationsnetzwerk)
vom 13.07.2005
Verfahren gegen Anwalt
und Journalisten
Am 11. Juli ging das Verfahren
gegen den Anwalt Hüseyin Aygün und die Journalisten Irfan Ucar
und Hasan Bayar (von Özgür Gündem) weiter, die im Zusammenhang
mit der Beschwerde von Hüseyin Aygün, vom Kommandanten der Gendarmerie
in Tunceli bedroht worden zu sein, wegen Beleidigung angeklagt worden waren.
Es wurde beschlossen, das Verfahren mit einem anderen Verfahren, einer
Pressekonferenz im IHD Elazig zum gleichen Thema, zusammenzulegen. Das
Verfahren wird vor der 2. Kammer des Amtsgerichts in Elazig geführt.
Özgür Gündem
vom 13.07.2005
Politiker verurteilt
Das Amtsgericht in Cermik
verurteilte die Vorstandsmitglieder der HADEP in Cermik (Provinz Diyarbakir),
Ali Yerlikaya’nin, Ahmet Karakoç, Haci Akbulut, Mehmet Emin Taskiran,
Abdulkerim Yaman und Mehmet Demirkol zu einer Geldstrafe von je 1.089 YTL.
Das Urteil wurde nach Artikel 81/c des Parteiengesetzes gefällt, weil
auf dem Kongress der Partei am 1. Juni 2002 kurdische Musik gespielt und
Parolen gerufen wurden.
TIHV vom 13.07.2005
Mehmet Tarhan bleibt
in Haft
Am 12. Juli ging das Verfahren
gegen den Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan vor dem Militärgericht
in Sivas weiter. Inzwischen gibt es zwei Verfahren wegen Befehlsverweigerung,
die zusammengelegt wurden. Ein Antrag auf Haftentlassung wurde abgelehnt.
Das Verfahren wird am 4. August fortgeführt.
Cumhuriyet vom 13.07.2005
Flüchtlinge ertrunken
Ein Boot, mit dem Flüchtlinge
von Aliaga (Provinz Izmir) nach Lesbos gelangen wollten, kenterte. Dabei
starben drei Personen aus Somalia. 22 Flüchtlinge aus Somalia, Palästina
und Mauretanien überlebten.
Özgür Gündem
vom 14.07.2005
Menschenrechtler vor
Gericht
Die 4. Kammer des Amtsgerichts
in Kiziltepe (Mardin) begann am 13. Juli das Verfahren gegen Mihdi Perincek,
der Vertreter des Menschenrechtsvereins IHD für den Südosten,
und Selahattin Demirtas, dem Vorsitzenden der Zweigstelle Diyarbakir. Sie
sind im Zusammenhang mit einem Bericht zur Ermordung von Ahmet Kaymaz und
Ugur Kaymaz am 21. November 2004 in Kiziltepe angeklagt. Das Verfahren
wurde auf den 21. Oktober vertagt. Nach der Verhandlung sagte Selahattin
Demirtas, dass nur 2 der 5 Personen, die den Bericht verfassten, angeklagt
worden seien und das nach dem Pressegesetz, so als hätten sie etwas
publiziert, was andere vorbereitet hätten. Zudem fehlten in der Akte
die Erklärungen des Pressesprechers der obersten Polizeidirektion,
Ramazan Er, aus denen die eigentlichen Absichten hinter dem Verfahren hervorgingen.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 15.07.2005
Murat Yetkin: Sorge in
Ankara
Vertreter der Sicherheitskräfte
schätzen, dass in den letzten 3-4 Monaten zwischen 1.600 und 2.000
Militante der PKK vom Irak in die Türkei gekommen sind. Insgesamt
soll die Zahl der Militanten in der Türkei und im Irak 5000-5.400
betragen. Dies sind junge Leute, die keinen Grundschulabschluss haben und
zum großen Teil nach der Verhaftung von Öcalan in dem von den
USA besetzten Kandil-Gebirge zu Militanten ausgebildet wurden. In der letzten
Zeit gehört zur Ausbildung auch der Umgang mit Minen und Bomben...
Ein Regierungsvertreter
sagte zur Aussage der USA, dass sie keine Handlungsfreiheit gegen die PKK
habe, dass es nicht nur darum gehe, die Armee gegen die Militanten ins
Feld zu schicken. Die Aufenthaltsorte der führenden Köpfe seien
bekannt und einige könnten in Spezialeinsätzen gefasst werden.
Man könne auch den Geldfluss von Schwesterstädten an Stadtverwaltungen
und von dort ins Kandil-Gebirge oder von zweifelhaften Hilfsorganisationen
verfolgen und unterbinden. Dies sei eine Hilfe, die vom Geheimdienst geleistet
werden könne...
Ankara ist besorgt, dass
die USA, die überall auf der Welt Offensiven gegen den Terror startet,
anscheinend eine Grenze zieht, wenn es um den Kampf gegen Terror in der
Türkei geht. Deshalb sagte Erdogan gestern auch, dass es notfalls
zu einer Operation über die Grenze kommen könne.
Özgür Politika
vom 15.07.2005
Friedensgruppe für
nicht überreichten Brief bestraft
Die 11. Kammer des Landgerichts
in Ankara hat die Mitglieder der Friedensgruppe, die den Abgeordneten der
CHP am 22. Februar einen Brief übergeben wollten, aber nicht vorgelassen
wurden, zu einer Strafe von 20 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 3.766
YTL verurteilt. Die Strafe wurde nach Artikel 7 des ATG wegen Propaganda
für Gewalt und Terror und eine terroristische Vereinigung verhängt.
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