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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzung aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 26/2005
Özgür Gündem
vom 24./25.06.2005
Vorfälle in Van
Bahattin Aslan, der bei
der Beerdigung von Fahrettin Inanc, den Soldaten in Van erschossen hatten,
verletzt wurde, hat Vorwürfe erhoben, dass ein Offizier in ihm Krankenhaus
unter Druck setzte, eine Falschaussage zu machen. Der Offizier habe ihn
am 22. Juni in den Keller des Krankenhauses gebracht und ihn aufgefordert,
eine Aussage zu unterschreiben, dass nicht auf ihn geschossen wurde. In
der Menge hätten Leute mit einer Kalaschnikow geschossen. Diese Aussage
habe er aber nicht gemacht, denn Soldaten hätten auf ihn mit Gewehren
vom Typ M16 geschossen. Der Vorsitzende des IHD in Van, Zeki Yüksel,
gab als Todesursache von Fahrettin Inanc einen Einschuss von hinten an,
der die Lunge zerstörte. Menaf Ipek und Rahmi Aslan, die bei der Beerdigung
ebenfalls verletzt wurden, sollen aus dem Krankenhaus entlassen aber danach
festgenommen worden sein. Als Vorwurf wurde Propaganda für eine illegale
Organisation angegeben.
Özgür Gündem
vom 24.06.2005
Soldaten verprügeln
Dorfbewohner
Am 20. Juni führten
Soldaten eine Operation im Kreis Yüksekova (Hakkari) durch. Auf der
Hochweide Mirgezer trafen sie auf 6 Schäfer. Einer von ihnen, Sait
Milas, berichtete über das Ereignis: "Als wir aufwachten, waren wir
von Soldaten umstellt. Sie schossen auf unsere Füße und schlugen
uns mit der Behauptung, dass wir die PKK unterstützten. Dann ließen
sie von Erol, Abidin und Bülent ab und begannen, mich zu foltern.
Angeblich gebe es 8 Guerilla in der Gegend und ich sei ihr Anführer.
Sie haben mir die Nase gebrochen, aber der Arzt auf der Gendarmeriestation
hat mir kein Attest gegeben."
Özgür Gündem
vom 24.06.2005
Waren die getöteten
MKP Militanten unbewaffnet?
Unter den 17 Mitglieder
der Maoistischen Kommunistischen Partei (MKP), die im Mercan Tal im Kreis
Ovacik (Tunceli) ermordet wurden, sollen einige gewesen sein, die aus gesundheitlichen
Gründen gar keine Waffe tragen konnten. Hidir Cangöz, der Bruder
des getöteten Cafer Cangöz sagte, dass sein 48-jähriger
Bruder wegen der Operationen gegen die Gefängnisse vom 19. Dezember
2000 in den Hungerstreik getreten sei und aufgrund seines Gesundheitszustandes
gar keine Waffe habe tragen könne. Als er seinen Bruder während
des Hungerstreiks im Gefängnis besucht habe, habe er auch Aydin Hanbayat,
Berna Ünsal, Ökkes Karaoglu und Cemal Cakmak gesehen. Von Berna
Ünsal wisse er, dass sie kaum gehen könne, d.h. sie könne
nur kurze Strecken gehen und müsse sich dann ausruhen. Cemal Cakmak
sei bei der Operation am 19. Dezember 2000 schwer verletzt worden und habe
ein Auge durch einen Schuss verloren.
Özgür Gündem
vom 26.06.2005
Menschenrechtler und
Journalist vor Gericht
Gegen Ridvan Kizgin, Vorsitzender
des IHD in Bingöl, und gegen 3 Journalisten wurde ein Verfahren wegen
einer Presseerklärung vom 24. September 2004 zu Waldbränden eröffnet.
Ridvan Kizgin und Sami Tam, der Direktor der Nachrichtenagentur Dicle haben
sich wegen "Anzeige einer nicht vorhandenen Straftat" (ehemals Artikel
283 TStG) und die Journalisten Serdar Altan und Birol Duru, die als Überschrift
schrieben "Soldaten vernichten die Wälder", müssen sich wegen
Beleidigung der Armee (ehemals Artikel 159 TStG) verantworten. Das Verfahren
wird am 13. Juli vor dem Amtsgericht in Bingöl beginnen.
Milliyet vom 28.06.2005
Flüchtlinge ertrunken
Ein Boot, mit dem Flüchtlinge
von Dikili (Provinz Izmir) nach Lesbos gebracht werden sollten, kenterte.
Zwei Personen aus Tunesien ertranken. Die Küstenwache rettete 15 Menschen
aus Mauretanien, 5 Tunesier und einen Palästinenser.
Evrensel vom 28.06.2005
Minenexplosion
Fesih Dursun (14) wurde
schwer verletzt, als er am 21. Juni in der Nähe des Dorfes Esnemez
im Kreis Dogubeyazit (Agri) auf eine Mine trat. Ali Akbayir, der Fahrer
eines PKWs, das am 24. Juni in der Nähe des Dorfes Batman (Tunceli)
auf eine Mine fuhr, wurde schwer verletzt.
Özgür Gündem
vom 29.06.2005
Prügel bei der Gendarmerie
Yunus Demir (67) aus dem
Dorf Bezirhane (Agri) gab an, auf der Gendarmeriewache des Dorfes verprügelt
worden zu sein. Er sei wegen eines Disputes über Landbesitz zur Wache
gerufen worden. Der Kommandant der Wache, von dem er nur den Vornamen als
Ismail kenne, habe ihn angefahren, warum er fremdes Land besetze. Dagegen
habe er sich verwahrt und gesagt, dass alles auf offiziellen Wegen verlaufe.
Daraufhin habe der Kommandant ihm einen Schlag aufs Auge versetzt und die
anderen aufgefordert, den "Hurensohn" ebenfalls zu schlagen. Von der Gegenpartei
aus dem Nachbardorf Karaseyh hätten ihn sodann Zeki Kaya, Mustafa
Kaya, Abdullah Kaya und M. Emin Kaya ebenfalls geschlagen.
Bia (Unabhängiges Kommunikationsnetzwerk)
vom 29.06.2005
Journalist vor Gericht
Gegen den Herausgeber und
Chefredakteur der Lokalzeitung "Demokrat Iskenderun", Ersen Korkmaz wurde
ein Verfahren wegen eines Artikels zum 1. Mai eröffnet. Er wurde wegen
Staatsbeleidigung nach dem Artikel 301 des neuen TStG angeklagt. Das Verfahren
beginnt am 22. Juli vor der 2. Kammer des Amtsgerichts Iskenderun.
Birgün vom 29.06.2005
Menschenrechtler und
Journalist vor Gericht
Wegen einer Presseerklärung
zur Vergewaltigung eines taubstummen Mädchen durch den Sohn eines
Dorfschützers musste sich der IHD Vorsitzende in Bingöl, Ridvan
Kizgin zusammen mit den Journalisten Rojda Kizgin (Dicle), Adil Önal
(Dogan), Sehmus Cakan (Dogan) und Vedat Büyüksahin, Chefredakteur
der Lokalzeitung Ab-i Hayat vor der 2. Kammer des Amtsgerichts in Bingöl
verantworten. Das Verfahren war eröffnet worden, weil Ridvan Kizgin
und die Journalisten eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 YTL nicht
rechtzeitig gezahlt hatten. Diese Entschädigung war durch ein Gericht
aufgrund der Beschwerde des Vaters des Beschuldigten festgesetzt worden.
Özgür Gündem
vom 01.07.2005
Geständnisse eines
Überläufers
Özgür Gündem
begann mit der Publikation der Geständnisse von Abdülkadir Aygan,
der von der PKK zur Gegenseite überlief und zum Mitarbeiter von JITEM
wurde. Er macht in seinen Geständnissen detaillierte Angaben zur Ermordung
von Edip Aksoy und Orhan Cingöz am 7. Juni 1995. Im entsprechenden
Jahresbericht der TIHV werden die Personen als "Verschwunden" aufgeführt.
Aygan nannte auch Einzelheiten zum Tod von Fetih Yildirim, der im Januar
1994 "verschwunden" war. Nach der ersten Publikation von Geständnissen
des Abdülkadir Aygan im März 2004 war im April die Leiche des
am 10. Juni 1994 ermordeten Murat Aslan gefunden worden.
Weitere Meldungen (DTF)
Özgür Politika
vom 26.06.2005
Große Toleranz
für Folter
Aus Anlass des Internationalen
Solidaritätstages mit Folteropfern am 26. Juni hat der IHD einen Bericht
veröffentlicht. Demnach sind dem IHD im Jahr 2004 843 Fälle von
Folter und Misshandlung bekannt geworden. In den ersten drei Monaten des
Jahres 2005 verweist der Menschenrechtsverein auf 448 Fälle von Folter,
Misshandlung und Erniedrigung. Die Vorsitzende des IHD Istanbul, Eren Keskin,
bezeichnete Folter als Maßnahme staatlicher Politik: „In der Vergangenheit
wurden Methoden angewendet, die Spuren hinterlassen. In letzter Zeit werden
jedoch Methoden angewendet, die weniger Spuren hinterlassen. Dabei handelt
es sich beispielsweise um das Zerren an Haaren, um das Bespritzen der Geschlechtsorgane
mit einem Hochdruckschlauch und die Androhung von Vergewaltigung. Daher
kann auf keinen Fall davon gesprochen werden, dass es in der Türkei
keine Folter mehr gibt. Der Begriff „Null Toleranz der Folter“ ist in der
Türkei inhaltlich leer.“
Keskin kritisierte weiterhin,
dass die Dokumentation von Folterfällen in der Türkei nur Gültigkeit
habe, wenn sie von offiziellen Sachverständigen ausgehe.
Innerhalb des Projekte "Gerechtigkeit
für alle" hat die Anwaltskammer Diyarbakir ein Seminar über Folter
in der Türkei und dessen soziale Auffassungsformen veranstalte. Die
Dozentin Dr. Melek Göregenli stellte das Ergebnis einer Untersuchung
in Diyarbakir und Izmir vor. Von den 713 in Diyarbakir befragten Personen
habe die Mehrheit sich über Gewalt durch die Polizei beschwert, während
es in Izmir vor allem die Eltern waren, von denen Gewalt ausging. Dort
haben 7% der Befragten die Forderung nach Folter von PKK'lern unterstützt.
Özgür Politika
vom 29.06.2005
Jahresbericht der TIHV
In Izmir wurde der Jahresbericht
2004 der Menschenrechtsstiftung TIHV vorgestellt. Folter habe entgegen
offiziellen Versprechungen nicht abgenommen. Während sich im
Jahre 2003 insgesamt 925 Personen an die Stiftung für eine kostenlose
Behandlung von Beschwerden, die durch Folter entstanden waren, wandten,
waren es im Jahre 2004 insgesamt 922 Personen. Allein in Istanbul wurden
348 Anträge gestellt. Unter den Antragstellern gaben 15% an, aus unpolitischen
Gründen gefoltert worden zu sein, während 84% politische Gründe
angaben. Die Zeiten der Folter haben sich geändert. 80% der Folterfälle
geschahen zwischen 8 und 18 Uhr. Als Ort der Folter gaben 56% an, auf der
Straße oder einem offenen Feld gefoltert worden zu. 20% sagten, dass
Folter auf dem Polizeipräsidium geschah, während 12% als Ort
eine Polizeiwache nannten.
Özgür Politika
vom 01.07.2005
Kriegsbilanz im Juni:
169 Tote
Nach Angaben der Volksverteidigungskräfte
(HPG) wurden bei Gefechten im Juni 141 Armeeangehörige und zehn GuerillakämpferInnen
getötet. Eine Person wurde bei einer Beerdigung erschossen. Bei einer
Operation gegen die MKP in Tunceli verloren 17 MKP-Mitglieder ihr Leben.
Wie das HPG-Hauptquartier in der Erklärung mitteilt, seien 44 Operationen
durchgeführt worden, bei denen es zu 33 Gefechten gekommen sei. Die
HPG habe 24 Angriffe ausgeführt.
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