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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 25/2005
Özgür Gündem
vom 18.06.2005
Todesschüsse an
der Grenze
Osman Yumusak, der mit Orhan
Deniz zusammen war, als diesen Soldaten an der Grenze zum Iran im Kreis
Baskale (Van) am 16. Juni erschossen, berichtete über den Vorfall:
"Wir waren ca. 200 Meter vom Dorf entfernt, als Soldaten uns anhielten.
Ohne Warnung schossen sie aus naher Entfernung. Im gleichen Augenblick
schrie Orhan, dass er getroffen worden sei. Ich sah seine Verletzung am
Bein. Wir wollten ihn ins Dorf bringen, aber das haben die Soldaten nicht
erlaubt. Ich habe die Dorfbewohner informiert und später erfahren,
dass Orhan verstorben war." Der Cousin von Orhan Deniz, Riza Adiyaman,
sagte, dass sie nach der Festnahme seines Sohnes Ilyas mehrfach bedroht
worden seien. Der Unteroffizier Hüsamettin habe seinen Sohn in der
Haft geschlagen und er habe deshalb Anzeige erstattet. Wegen der Anzeige
habe der Kommandant der Station Gelenler ihm gesagt, dass sie dafür
Rache nehmen und eine Person aus der Familie umbringen würden.
Radikal vom 17.06.2005
Entschädigung für
Veli Sacilik
Das Verwaltungsgericht in
Antalya hat Veli Sacilik, dem bei der Operation im Gefängnis von Burdur
am 5. Juli 2000 ein Arm abgerissen wurde, eine Entschädigung von 100.000
YTL als materielle und 50.000 YTL als ideelle Entschädigung zuerkannt.
Radikal vom 21.06.2005
Metin Kaplan erhält
lebenslänglich
Die 14. Kammer des Landgerichts
Istanbul sprach am 20. Juni das Urteil im Verfahren gegen Metin Kaplan,
dem Führer der Union von Islamischen Vereinen und Gemeinden, der aus
Deutschland ausgeliefert worden war. Er wurde nach § 146/1 des alten
TStG zu einer verschärften lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Özgür Gündem/Hürriyet
vom 20.05.2005
Operation gegen MKP
Der Gouverneur von Tunceli
hat über die Operation im Tal Mercan im Kreis Ovacik gegen die Maoistische
Kommunistische Partei (MKP) berichtet. Bei der Operation soll ein Soldat
verletzt worden sein. Des weiteren wurde die Festnahme von 3 Militanten
(lebend) gemeldet. Unter den Toten sollen die Mitglieder des Zentralkomitees
Ali Riza Savur (Sabur), Aydin Hambayat, Caner Cangöz und die Mitglieder
Alaattin Ates, Çagdas Can, Gülnaz Yildiz, Ökkes Karaoglu,
Binali Güler, Okan Ünsal, Berna Ünsal, Ibrahim Akdeniz,
Cemal Çakmak, Taylan Yildiz, Ahmet Tektas (Bektas), Dursun Turgut,
Kenan Çakici und Ersin Kantar sein. Über die Situation des
Generalsekretärs Zeynel Durmaz sowie zu Hüseyin Balkir, Cengiz
Korkmaz, Mustafa Erkan und Handan Yesil war bislang nichts zu erfahren.
Milliyet vom 22.06.2005
Vorfall bei Beerdigung
Bei der Beerdigung der PKK
Militanten Mehmet Bozan Sahin und Cevher Isnaz, die am 16. Juni bei einem
Gefecht umgekommen waren, kam es zu Vorfällen. Die Staatsanwaltschaft
in Van hatte die Beerdigung auf dem Friedhof Seyrantepe am 19. Juni durchführen
lassen, ohne die Familien zu benachrichtigen. Als die Familien davon
erfuhren, beantragten sie eine Exhumierung und die Übergabe der Leichen.
Der Vorsitzende der DEHAP in Van, Abdurrahman Dogar stellte einen entsprechenden
Antrag beim Staatsanwalt. Erlaubnis wurde erteilt und die Familie trafen
Vorbereitungen, um Sahin in Adana und Isnaz in Bostanici (Van) beizusetzen.
Am 21. Juni trafen sich 300 Personen vor dem Büro der DEHAP und wollten
einen Protestmarsch nach Bostanici antreten. Die Zahl der Teilnehmer stieg
auf 3.000, denen aber das Betreten von Bostanici verwehrt wurde. Es kam
zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten, bei
denen Steine und Stöcke zum Einsatz kamen. Die Polizei erschoss Fahrettin
Inanç (19). Der Polizist Mustafa Kaya und die Demonstranten Rahmi
Aslan, Bahattin Aslan, Menal Ipek, Gülan Bilek und Ekrem Aydin wurden
verletzt. Viele Demonstranten wurden festgenommen.
Özgür Gündem
vom 23.06.2005
Strafaktion der PKK
In einer Erklärung
der HPG wurde die Bestrafung (mit dem Tode) von Atilla Kanda bekannt gegeben.
Er soll als Mitglied der JITEM für den Tod der Militanten Ahmet Yusuf
und Kawa Teyyar am 17. Mai im Dorf Serindere des Kreises Yüksekova
(Hakkari) verantwortlich gewesen sein. Die Erklärung machte keine
Angaben dazu, wann und wo die Hinrichtung erfolgte.
Özgür Gündem
vom 23.05.2006
Situation des KDV'lers
Mehmet Tarhan
Der KDV'ler Mehmet Tarhan
hat seinen Hungerstreik gegen Misshandlungen nach seiner Verhaftung am
21. Juni beendet.
Özgür Gündem
vom 23.05.2005
Anwälte vor Gericht
Die 14. Kammer des Landgerichts
Istanbul hat den Anwälten von Abdullah Öcalan, Okan Yildiz, Bekir
Kaya, Devrim Baris Baran und Firat Aydinkaya auf die Dauer von 1 Jahr untersagt,
für ihren Mandanten tätig zu werden. Der Beschluss wurde ebenso
wie zuvor eine Entscheidung der 9. Kammer zu 8 Anwälten mit dem Artikel
151/3 der neuen StPO begründet.
Bia (Unabhängiges Kommunikationsnetzwerk)
vom 23.06.2005
Journalisten vor Gericht
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
in Istanbul führte das Verfahren wegen Artikels in der Zeitschrift
"Schreibt in Europa und in der Türkei" vom April 2002 weiter. Emin
Karaca und Dogan Özgüden wird die Beleidigung der Armee zur Last
gelegt. Der Staatsanwalt forderte eine Bestrafung von Emin Karaca nach
dem Artikel 301/2 des neuen TSG, Freispruch für den Chefredakteur
Mehmet Emin Sert und beantragte die Abtrennung des Verfahrens gegen Dogan
Özgüden, der in Belgien lebt.
Radikal/Özgür Gündem
vom 23.06.2005
Minenexplosionen
Ein Militärfahrzeug
fuhr am 22. Juni im Kreis Taslicay (Agri) auf eine Mine. Die Soldaten Idris
Candan und Mehmet Ali Arslan wurden getötet. Ein Unteroffizier und
5 Soldaten wurden verletzt. Bei einem ähnlichen Vorfall in der Nähe
von Sirnak wurde der Soldat Nevzat Arçil getötet und zwei Soldaten
verletzt. Im Kreis Pervari (Siirt) wurden zwei Unteroffiziere und ein Soldat
bei einer Minenexplosion verletzt.
Anm.: Zum Vorfall bei Sirnak
meldet Bia (Unabhängiges Kommunikationsnetzwerk), dass der Soldat
selber aus Batman stammt; mithin Kurde war.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 21.06.2005
Menschenrechtler angegriffen
Der Protestmarsch von Angehörigen
des Menschenrechtsvereins IHD in Elazig als Teil der landesweiten Kampagne
"Die Mütter sollen nicht mehr weinen – wir wollen Frieden" wurde von
"Idealisten" gestört. Die Menschenrechtler waren vom Busbahnhof bis
zur Post marschiert und hatten dabei Parolen gerufen. Vor der Post hielt
die stellvertretende Vorsitzende des IHD, Reyhan Yalcindag eine Rede, in
der sie von dem Trauma sprach, das durch den 15-jährigen Krieg hervorgerufen
wurde. Da erschien eine Person mit einer türkischen Flagge und schrie,
dass die Demonstranten nichts zu getöteten Soldaten sagten und die
Terroristen verteidigten. Die Polizei entfernte die Person und die Menschenrechtler
wollten erneut auf der Straße Gazi marschieren, als eine Gruppe sich
ihnen entgegen stellte, die das Zeichen des Grauen Wolfes machte. Sie schrien
"Märtyrer sterben nicht, das Land wird nicht geteilt" und bewarfen
die Demonstranten mit Steinen. Die Polizei holte einen Bus der Stadtverwaltung,
mit dem sie die Menschenrechtler aus der Stadt brachte.
Özgür Politika
vom 23.06.2005
Flüchtlinge im Hungerstreik
In Van befinden sich ca.
80 Flüchtlinge kurdischer Herkunft seit 20 Tagen im Hungerstreik.
Sie waren im Jahre 2001 erst in den Irak und noch im selben Jahr in die
Türkei geflohen. Der UNHCR soll sie als Flüchtlinge anerkannt
haben, wodurch sie das Recht haben in einen Drittstaat auszureisen. Das
soll in der Regel in 6 Monaten erfolgen, aber die Flüchtlinge in Van
gaben an, dass sie seit einem Jahr auf die Akzeptanz durch einen Drittstaat
warten. Insgesamt sollen 200 Flüchtlinge in der gleichen Lage sein.
Kemal Janelipur beschwerte sich auch darüber, dass er die monatliche
Zuwendung von 110 Dollar nur 6 Monate lang erhalten habe. Wenn sie sich
dauerhaft in der Türkei aufhalten müssten, dann solle man ihnen
Unterkunft und Arbeit verschaffen.
Özgür Politika
vom 23.06.2005
ai setzt sich für
kurdische Flüchtlinge ein
Die griechische Linke setzt
sich zusammen mit amnesty international (ai) für die Anerkennung von
zwei Kurden als politische Flüchtlinge ein. Zülküf Murat
Bora und Yusuf Temiz befinden sich im Hungerstreik und mussten wegen ihres
Gesundheitszustandes in ein Krankenhaus in Thessaloniki eingewiesen werden.
Sie waren im Mai nach Griechenland geflohen. Temiz soll 10 Jahre im Gefängnis
gesessen haben. Bahoz wiederum soll schon zwei Mal in Griechenland erfolglos
um Asyl ersucht haben (1995 und 2002).
Bia (Unabhängiges Komunikationsnetzwerk)
vom 24.06.2005
Menschenrechtler als
Zielscheibe
Die Anwaltskammer in Tunceli
hat Strafanzeige gegen unbekannt gestellt, weil an der Stelle, wo ein Auto
durch eine Mine zerstört wurde, Zettel angebracht wurden, auf denen
stand "Zu fliegenden Vögeln gebt ihr Erklärungen raus, wo seid
ihr Menschenrechtler?" Der Anwalt Hüseyin Aygün sagte, dass gegen
6.30 Uhr das Taxi von Ali Akbayir auf eine Mine fuhr und er durch die Explosion
ein Auge verloren habe. Er und andere seien um 11.30 Uhr zum Ort des Vorfalls
gegangen und hätten danach den Staatsanwalt von den Zetteln in Kenntnis
setzten. Der Staatsanwalt habe sodann die Zettel entfernen lassen.
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