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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 24/2005
Özgür Gündem
vom 11.06.2005
Folter in Bingöl
Bei einer Razzia auf den
Weiler Burmatas des Dorfes Hasanova im Kreis Karliova, Bingöl, sollen
Soldaten am 9. Juni wahllos in die Gegend geschossen und die Bewohner geschlagen
haben. Einer von ihnen, Aziz Biçer sagte: " Es waren ungefähr
200 Mann, darunter auch Dorfschützer aus dem Dorf Çirik. Sie
suchten angeblich nach 7 Guerillas, die sich bei uns versteckt halten sollten.
Als wir sagten, dass sich niemand bei uns aufhalte, schlugen sie uns mit
Gewehrkolben und beleidigten uns. Einige der Frauen zogen sie an den Haaren
über den Boden." Unter den Geschlagenen waren Celalettin Mert (70),
Nebahat Mert, Naima Sayek, Songül Mert, Belkise Biçer, Zübeyde
Mert, Aziz Mert, Atik Mert, Yakup Mert, Özal Sayek und Ismet Sayek.
Außerdem sollen die Soldaten viele Schafe erschossen haben. Auf eine
Beschwerde hin soll der Landrat Erkan Çapar gesagt haben, dass den
Dorfbewohnern ganz Recht geschehen sei, denn sie hätten die Zelte,
die sie nach dem Erdbeben erhielten, an die Guerilla weiter gegeben.
Cumhuriyet vom 11.06.2005
Journalist vor Gericht
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
in Gaziantep verurteilte den Journalisten Halil Eyüpoglu zu 3 Monaten
und 3 Tagen Gefängnis wegen eines Artikels vom 14. April 2004 über
den Premierminister Recep Tayyip Erdogan. Die Haftstrafe wurde in eine
Geldstrafe von 1.431 YTL umgewandelt. Der Artikel war in der lokalen Zeitung
"Zafer" erschienen. Zuvor war der Journalist schon zu einer Entschädigung
an den Premierminister in Höhe von 3.000 YTL verurteilt worden.
Milliyet vom 11.06.2005
Journalist vor Gericht
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
in Bagcilar (Istanbul) sprach am 9. Juni Urteile in verschiedenen Prozessen
gegen Journalisten. Der Chefredakteur von "Milliyet", Eren Güvener
und der Journalist Tolga Sardan wurden vom Vorwurf der Beeinflussung der
Justiz freigesprochen. Die Anklage hatte einen Artikel über die Verbindung
zwischen der Mafia und dem Geheimdienst beanstandet. Ähnliche Artikel
in "Radikal" vom 20. August 2004 und "Posta" vom 12. Oktober 2004 führten
ebenfalls zu Freisprüchen.
Özgür Gündem
vom 12.06.2005
Minenexplosion
Der Dorfschützer Semsettin
Kilic wurde schwer verletzt, als er im Kreis Beytüssebap (Sirnak)
am 10. Juni auf eine Mine trat. Seine Kollegen verprügelten den Journalisten
Emin Bal, als dieser Fotos vom Verletzten machen wollte, und zerstörten
seine Kamera.
Cumhuriyet vom 14.06.2005
Journalist vor Gericht
Die 14. Kammer des Landgerichts
in Istanbul verurteilte den Journalisten Selahattin Aydar von der Tageszeitung
"Milli Gazete" zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten. In seinem Artikel
"Wir sollten uns der Kinder annehmen", der am 11. September 2001 erschienen
war, sah das Gericht einen Verstoß gegen den alten § 312 TStG.
Dieses Verfahren hatte zu einer Entscheidung der Kammerversammlung des
Kassationshofes mit 14:13 Stimmen gegen eine Verurteilung geführt.
Nun hat sich die Kammerversammlung erneut mit dem Urteil auseinander zu
setzen.
Özgür Gündem
vom 14.06.2005
Minenexplosion
Am 13. Juni wurde M.D. (26)
verletzt, als er die Grenze nach Syrien über ein Minenfeld passieren
wollte. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Berges Darmik im
Kreis Kilis.
Radikal vom 15.06.2005
Minenexplosion
Am 14. Juni fuhr ein Fahrzeug
des landwirtschaftlichen Dienstes in der Nähe des Dorfes Kemerli (Sirnak)
auf eine Mine. Mehmet Güner (55) und M. Emin Ceylan (48) wurden durch
die Explosion getötet.
Özgür Gündem
vom 17.06.2005
Todesschüsse an
der Grenze
Am 16. Juni erschossen Soldaten
Orhan Deniz, der im Kreis Baskale (Van) die Grenze zum Iran passieren wollte.
Er soll der Aufforderung, stehen zu bleiben, nicht nachgekommen sein.
Özgür Gündem
vom 17.06.2005
Anwälte erhalten
Berufsverbot
Die 9. Kammer des Landgerichts
Istanbul hat die Anwälte und Anwältinnen von Abdullah Öcalan,
Aysel Tugluk, Irfan Dündar, Ahmet Avsar, Dogan Erbas, Hatice Korkut,
Aydin Oruç, Mahmut Sakar und Türkan Aslan ein vorläufiges
Berufsverbot auferlegt. Die Entscheidung soll nach Artikel 151/3 des neuen
Strafgesetzes ergangen sein. Ursprünglich waren die Anwälte nach
Artikel 7/2 des Anti-Terror Gesetzes angeklagt worden.
Radikal vom 17.06.2005
Demonstranten freigesprochen
Die 14. Kammer des Amtsgerichts
Istanbul hat 56 TeilnehmerInnen an der Demonstration vom 6. März in
Sarachane (Istanbul) freigesprochen. Das Verfahren gegen die Polizeibeamten,
die unverhältnismäßige Gewalt angewendet haben sollen,
ist noch nicht eröffnet worden.
Milliyet vom 17.06.2005
Verfahren gegen PKK'ler
Die 5. Kammer des Landgerichts
in Diyarbakir führte am 15. Juni das Verfahren gegen die PKK Mitglieder
Gülistan Tekin, Ismail Akyol, Songül Oguz und Nusret Bayindir
fort. Sie waren der Türkei von der Demokratischen Partei von Irakisch-Kurdistan
übergeben worden. Das Gericht ordnete die Freilassung von Songül
Oguz und Nusret Bayindir aufgrund der Bestimmungen zur Reue im neuen Strafgesetz
an.
Weitere Meldungen (DTF)
Özgür Politika
vom 15.06.2005
In der Türkei gibt
es 6.215 Flüchtlinge
Die Rechtsberaterin des
UNHCR in der Türkei, Isil Tokcan, sprach auf einer gemeinsamen Veranstaltung
der Anwaltskammer Ankara, dem UNHCR und der türkischen Sektion von
amnesty international. Sie gab an, dass sich in der Türkei 6.215 Asylbewerber
und Flüchtlinge aufhalten und dass jedes Jahr an die 100.000 Flüchtlinge
durch die Türkei reisen. Von denjenigen, die einen Antrag auf Anerkennung
als Flüchtling beim UNHCR stellen, seien 60% aus dem Iran und 20%
aus dem Irak. Im letzten Jahr habe der UNHCR insgesamt 2.292 in dritten
Ländern unterbringen können.
Bia (Netzwerk) vom 16.06.2005
Interne Flüchtlinge
Ahmet Kalpak, der Vorsitzende
der Zweigstelle Diyarbakir von Flüchtlingshilfsverein Göc-Der
und der Anwalt Ruhsen Dogan von TOHAV haben sich zum Problem der "Vertriebenen"
geäußert. Sie befürchteten, dass die erneuten Kampfhandlungen
wieder zu einer Migration im Lande führen könne. Ahmet Kalpak
sagte, dass unter den Anträgen der letzten Zeit viele seien, die unter
Druck gesetzt wurden, das Amt eines Dorfschützers anzunehmen. In einer
Untersuchung der Universität Hacettepe wird ausgeführt, dass
in den Jahren 1995-2000 insgesamt 6,7 Millionen Menschen in der Türkei
ihre angestammte Heimat verlassen haben. Die Mehrheit (57%) habe sich in
größeren Städten niedergelassen. Göc-Der bezifferte
die Zahl der Anträge, die der Verein für Geschädigte "durch
Terror und den Kampf gegen Terror" stellte, auf 282. Ahmet Kalpak wies
auch auf die psychologischen Folgen der "Vertriebenen" hin, die nicht so
leicht zu kompensieren sind. Ruhsen Dogan bemängelte, dass die Kommissionen
zur Feststellung der Schäden an den Gouverneur gebunden seien und
daher keine freien Entscheidungen fällen könnten.
Radikal vom 18.06.2005
Neue Verordnung für
Gefängnisse
Das Justizministerium hat
auf der Grundlage der Strafprozessordnung und dem Gesetz zum Strafvollzug
Verordnungen zu a) Besuch von Gefangenen; b) Erlaubte Gegenstände
in der Haft und c) Zentren zur Beobachtung und Klassifizierung herausgegeben.
Einige der Neuerungen sind:
Gefangene, die zu erschwerten
lebenslanger Haft verurteilt wurden, dürfen nur von unmittelbar Verwandten
(keine Onkel und Tanten) besucht werden. Die Gespräche müssen
in Türkisch geführt werden. Wenn Gefangener oder Besucher kein
Türkisch können, werden Gespräche zugelassen, aber aufgezeichnet.
Delikte werden nach international, auf Personen gerichtet, auf sexuelle
Unantastbarkeit gerichtet, gegen die Gesellschaft und gegen Nation und
Staat unterschieden. Personen mit anderer sexueller Orientierung werden
gesondert bewertet. Unter den Gefangenen wird nach Leiter einer Organisationen,
aktiven Mitgliedern, aus der Organisation ausgetreten und neutral unterschieden.
Gefangene werden 2 Monate in Einzelzellen unter Beobachtung gehalten, um
eine Klassifizierung vorzunehmen. In dieser Zeit ist Kontakt zu Mithäftlingen
untersagt. Frauen dürfen ein Schminkset haben und einen Vogel besitzen.
Die Gefangenen zahlen den Strom, nicht nur für Licht.
Özgür Politika
vom 18.06.2005
Mehmet Tarhan wird zwangsernährt
Die Anwältin des Kriegsdienstverweigerers
Mehmet Tarhan, Suna Coskun, gab bekannt, dass ihr im Hungerstreik befindliche
Mandant gegen seinen Willen zwangsernährt wird. Das Militärgericht
in Sivas habe in der Verhandlung am 9. Juni zwar die Freilassung in diesem
Verfahren angeordnet, aber gleichzeitig seine Überstellung an seine
Einheit angeordnet. Am 13. Juni habe das Militärgericht dann erneut
einen Haftbefehl ausgestellt und dabei seine Einweisung in das Militärkrankenhaus
von Sivas verfügt. Dort habe er zuerst eine Art Zucker mit dem Namen
Dekstroz erhalten sollen und später sei ihm gegen seinen Willen ein
Serum mit dem Namen Izotonic verabreicht worden.
Radikal vom 19.06.2005
Schlag gegen die MKP:
17 Tote
Die Sicherheitskräfte
haben in der Provinz Tunceli eine große Operation gegen die Maoistische
Kommunistische Partei-Volksbefreiungsarmee (MKP-HKO) geführt und bislang
17 Angehörige getötet. Sie hatten einen Hinweis auf den 2. Kongress
der Partei im Tal Mercan erhalten. Bei einem ersten Überfall wurden
9 Personen getötet. Im Verlauf der Operation, an der auch Hubschrauber
beteiligt waren, wurden weitere 8 Militante getötet. Drei Personen
sollen lebend festgenommen worden sein. Wie verlautete, waren insgesamt
30 Personen versammelt. Die Überlebenden sollen immer noch in Gefechte
mit den Sicherheitskräften verwickelt sein. Zu den beschlagnahmten
Waffen gehören 17 Gewehre (10 Kalaschnikow und 4 Gewehre G-3) und
4 Kilogramm an Explosiva.
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