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Thema: Menschenrechte
in der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 18/2005
Özgür Gündem
vom 02.05.2005
Folter in Istanbul
Derya Orman, die zuvor über
Folter auf der Polizeistation Bostanci berichtet hatte, hielt am 30. April
erneut eine Pressekonferenz im IHD Istanbul ab. Sie beschwerte sich darüber,
dass die Polizei sie belästige und seit ihrer Beschwerde überwache.
Seyhan Geylani Sondas sprach ebenfalls auf der Pressekonferenz. Sie sei
seinerzeit festgenommen worden, obwohl sie sich nur nach den Schwestern
erkundigen wollte. Sie sei dann ebenfalls geschlagen worden. Als Kontakt
habe sie ihre Arbeitsstelle genannt. Die Beamten hätten mit dem Arbeitgeber
gesprochen und sie sei vor drei Tagen entlassen worden.
Milliyet vom 01.05.2005
Ermittlungen zu Operation
im Gefängnis Burdur eingestellt
Die Ermittlungen gegen 415
Soldaten der Gendarmerie, die an der Operation im Gefängnis Burdur
vom 5. Juli 2000 beteiligt waren, wurden eingestellt. In der Begründung
hieß es, dass die Gefangenen einen passiven Widerstand (Weigerung,
Aussagen vor Gericht zu machen) in einen aktiven Widerstand verwandelten.
Es sei lediglich ein Loch in die Wand geschlagen worden und der Arm von
Veli Sacilik sei aufgrund seiner aggressiven Tendenz abgerissen. Der Vorwurf
der Vergewaltigung von Azime Arzu Torun sei nicht durch Gutachten zu erhärten
und die Beschwerde, dass andere weibliche Gefangene von den Soldaten belästigt
worden seien, sei abstrakt geblieben.
TIHV vom 02.05.2005
KDV'ler vor Gericht
Der Prozess gegen den Kriegsdienstverweigerer
Mehmet Tarhan begann vor dem Militärgericht Sivas am 28. April. Die
Verhandlung wurden auf den 26. Mai vertagt. Mehmet Tarhan bleibt weiter
in Sivas, Türkei, inhaftiert. Er war am 8. April diesen Jahres festgenommen
und zwangsweise zum Militär rekrutiert worden.
Nach Ende der Verhandlung
wurde ein weiterer Kriegsdienstverweigerer, Sahin Özbay, verhaftet.
Er hatte seine Kriegsdienstverweigerung am 4. Oktober 2004 öffentlich
erklärt. Das türkische Militär ließ ihn mit der Auflage,
sich beim Kreiswehrersatzamt zu melden, noch am Abend wieder frei.
Am 26. Mai sollen zehn Soldaten
als Zeugen zu dem Vorwurf angehört werden, dass Tarhan sich des "Ungehorsams
vor versammelter Mannschaft" nach Artikel 88 des Türkischen Militärstrafgesetzbuches
schuldig gemacht habe. Darauf steht eine Gefängnisstrafe zwischen
3 Monaten und 5 Jahren.
Das DTF hat die ausführlichere
Darstellung von Connection e.V. für diese Meldung verwendet.
Weitere Informationen unter
http://www.Connection-eV.de/Tuerkei/tarhan.html
Milliyet vom 29.04.2005
Minenexplosion
In der Nähe des Dorfes
Güzeldere im Kreis Cukurca, Hakkari wurde Alihan Ölmez (20) schwer
verletzt, als er auf eine Mine trat.
Radikal vom 01.05.2005
Bombe im Touristenort
Der Bombenexperte Yasar
Aykac starb am 30. April bei dem Versuch, eine Bombe, die auf einer öffentlichen
Toilette im Touristenort Kusadasi deponiert worden war, zu entschärfen.
Die Polizisten Murat Yavuz, Murat Bilgi, Ismail Dogan Atli und Isa Soydan
wurden verletzt. Die Organisation "Freiheitsfalken von Kurdistan" übernahm
die Verantwortung.
Milliyet/Özgür
Gündem vom 03.05.2005
Todesschüsse in Özalp
Am 1. Mai erschossen Soldaten
Cetin Kum in der Nähe des Dorfes Yukari Tulgali (Turgay) im Kreis
Özalp (Van). Er habe Schmuggel mit Treibstoff aus dem Iran betrieben
und sei der Aufforderung anzuhalten, nicht nachgekommen, hieß es.
Nach dem Vorfall gab der Vorsitzende des IHD in Van, Zeki Yüksel,
eine Stellungnahme ab. Cetin Kum sei durch eine Kugel, die aus großer
Nähe abgefeuert wurde, ins Herz getroffen worden. Der Autopsiebericht
habe entsprechende Spuren um die Wunde aufgeführt. Zeki Yüksel
fügte hinzu, dass der Begleiter von Cetin Kum, A. Kum (17) von Soldaten
verprügelt worden sei.
Cumhuriyet vom 03.05.2005
Verfahren wegen Newroz
in Mersin
Am 2. Mai begann das Verfahren
gegen die Jugendlichen, die an Newroz die türkische Fahne in Mersin
in Brand gesteckt haben sollen. Die 2. Kammer des Amtsgerichts in Mersin
ließ weder Angehörige, noch die Presse oder ausländische
Beobachter (die niederländische und norwegische Botschaft waren vertreten)
in den Gerichtssaal, weil es sich bei den Angeklagten um Minderjährige
handelte. Am Ende der Verhandlung wurden V.S., C.S., F.B., S.T. und E.V.
aus der Haft entlassen. M.A. war schon vor der Verhandlung entlassen worden.
Die Anklageschrift wirf C.S. (12), M.A. (12), F.B. (13) und V.S. (14) die
Beleidigung der türkische Fahne (§ 145 TSG), das Loben einer
Straftat (§ 312 TSG), unerlaubte Demonstration und Widerstand gegen
die Staatsgewalt vor. S.S. (16) und E.B. (17) haben sich wegen Verstoßes
gegen § 312 TSG und unerlaubte Demonstration zu verantworten.
Milliyet vom 04.05.2005
Flüchtling ertrunken?
Am 3 Mai sank ein Boot,
das Flüchtlinge von Aliaga (Izmir) nach Griechenland bringen wollte.
Der Kapitän und 18 Flüchtlinge konnten sich retten. Eine Person
aus Somalia wird vermisst.
Özgür Gündem
vom 04.05.2005
Überläufer
festgenommen
Der PKK Überläufer
Adil Timurtas, der für JITEM gearbeitet und mehrere Morde im Südosten
der Türkei begangen haben soll, wurde in Istanbul gefasst. Er soll
bei dem Versuch, vom Vorsitzenden der DEHAP im Kreis Bagcilar, Lezgin Bingöl,
Geld zu erpressen zusammen mit 7 weiteren Personen, eine davon ausländischer
Herkunft festgenommen worden sein. In einem Verfahren vor der 3. Kammer
des Landgerichts Diyarbakir ist Timurtas zusammen mit Recep Tiril, dem
syrisch-stämmigen Haci Hasan, der Papiere auf den Namen Ibrahim Babat
mit sich führte, den JITEM Mitarbeitern Mehmet Zahir Karadeniz, Lokman
Gündüz und dem Dorfschützer Faysal Sanli nach § 450/4
TSG angeklagt sein. Darauf steht eine lebenslange Haftstrafe.
Evrensel/Özgür
Gündem vom 06.05.2005
Überläufer
freigelassen
Die bei dem Erpressungsversuch
festgenommenen Adil Timurtas, Erdal Atalay, Abdulvahap Demir und Abuzer
Gün wurden am 5. Mai freigelassen. Der Staatsanwalt hatte U-Haft beantragt
und ihnen die Bildung einer kriminellen Bande, sowie Verschaffung eines
Vorteils durch Einschüchterung vorgeworfen. Das Amtsgericht in Fatih
aber ordnete die Freilassung an, da die Vorwürfe nicht erwiesen seien.
Der Anwalt von Lezgin Bingöl, Asya Ülker sagte, dass er von der
Polizei daran gehindert wurde, Akteneinsicht zu erhalten. Asya Ülker
sagte weiter, dass Adil Timurtas im Besitz von zwei Ausweisen von der Kommandantur
der Sonderkräfte gewesen sei und die Kommandantur der Gendarmerie
als übergeordnete Dienststelle vermerkt war.
Weitere Meldungen (DTF)
Radikal vom 01.05.2005
Bekir Ceylan wieder auf
seinem Posten
Der ehemalige Vorsitzende
des IHD in Balikesir, Dr. Bekir Ceylan, war als Beamter in der psychiatrischen
Abteilung des Staatskrankenhauses entlassen worden, weil er eine Umfrage
der Zeitschrift "Kurtulus" im Jahre 1997 zu Fragen, ob es in der Türkei
Folter gebe und die Kurden unterdrückt werden, ausgefüllt hatte.
Er hatte sich danach wieder auf seinen Posten geklagt, aber das Gesundheitsministerium
war in Revision gegangen. Am 26.11.2004 ordnete dann das oberste Verwaltungsgericht
die Entlassung an. Dr. Bekir Ceylan eröffnete ein neues Verfahren
vor dem Oberverwaltungsgericht in Bursa, was nun entschied, dass selbst
bei falschen Angaben in der Umfrage die Antworten nur die Wiedergabe von
Ansichten sein.
Radikal vom 01.05.2005
4.340 Anträge zum
Reuegesetz
Der Innenminister Abdülkadir
Aksu hat die Gesamtzahl der Anträge nach dem Reuegesetz (Gesetz zur
Integration in die Gesellschaft, mit der Nummer 4959, das im August 2003
in Kraft trat) mit 4.340 beziffert. Von diesen Anträgen wurden 2.980
aus den Gefängnissen gestellt, 1.360 Personen haben sich gestellt.
Die Zahl der Angehörigen von "separatistischen Organisationen" wurde
mit 1.935 angegeben, bei 1.975 Personen handelt es sich Organisationen
"mit religiösen Motiven" und 430 Personen sollen linken Organisationen
angehören.
Radikal vom 04.05.2005
Bilanz zum unerklärten
Krieg
Innenminister Abdülkadir
Aksu hat eine Anfrage des unabhängigen Abgeordneten von Istanbul,
Emin Sirin, beantwortet. Demnach wurden zwischen dem 1. Januar 2003 und
31. März 2005 insgesamt 861 PKK'ler unschädlich gemacht; 218
wurden tot, 2 verletzt und 311 unverletzt festgenommen und 330 PKK'ler
haben sich gestellt. Es sollen 2.651 Angehörige von Terrororganisationen
einen Antrag auf Anwendung des Reuegesetzes gestellt haben und 1.233 von
ihnen seien freigelassen worden.
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