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Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 09/2005
Özgür Gündem
vom 28.02.2005
Verfahren gegen schießende
Polizisten
Gegen die 5 Polizeibeamten
Mevlüt Z., Murat S., Nihat K., Ömer Y. und Dursun Ç. Wurde
ein Verfahren eröffnet, weil sie bei den Newroz-Feierlichkeiten 2003
in Adana den Jugendlichen Cemil Aktas mit Schüssen verletzt hatten.
In dem Verfahren, das am 14. März vor der 3. Kammer des Landgerichts
in Adana beginnt, werden sich die Polizisten wegen lebensgefährlicher
Körperverletzung aufgrund von Unachtsamkeit verantworten müssen.
Özgür Gündem
vom 27.02.2005
Verfahren gegen Folterer
Die Staatsanwaltschaft in
Istanbul hat die Polizisten M.K. und M.B. wegen Folter an Sezai Karakus
angeklagt. Dieser war am 28. September 2004 als vermeintliches Mitglied
von Kongra-Gel in Istanbul festgenommen worden und hatte später (am
22. November 2004) im F-Typ Gefängnis von Tekirdag Selbstmord begangen.
Das Verfahren beginnt am 22. März vor der 5. Kammer des Landgerichts
Istanbul.
Özgür Gündem
vom 27.02.2005
IHD Bericht zur Erschießung
in Mersin
Am 26. Februar hat der IHD
seinen Bericht zur Erschießung von Ümit Gönültas bei
einer Demonstration für Abdullah Öcalan am 15. Februar in Mersin
herausgegeben. Der Verein stellte fest, dass es keine Anzeichen dafür
gebe, dass von Seiten der Demonstranten geschossen wurde. Es wurde kritisiert,
dass bei den Ermittlungen keine Augenzeugen vernommen wurden. Es sei auch
unklar, ob es von der Demonstration Videoaufzeichnungen der Polizei gebe.
Der IHD sprach mit einem der Augenzeugen, Mehmet Suretli. Er berichtete,
dass er eine Gruppe demonstrierender Jugendlicher gesehen habe. Kurz darauf
sei ein Panzer der Polizei vorgefahren und er habe ein paar Schüsse
gehört. Danach hätten Leute gerufen "er wurde getroffen", "er
wurde getroffen". Die Person mit den Einschüssen sei dann vor seine
Wohnung gebracht worden. Freunde hätten versucht, ihn fort zu bringen,
aber Polizisten hätten gerufen "sie wollen fliehen, schnappt sie euch".
Er habe aber nicht gesehen, wer auf das Opfer geschossen habe.
Evrensel vom 27.02.2005
Angriff auf das EMEP
Büro
Gegen 13 Uhr kam es am 26.
Februar zu einem Angriff auf das zentrale Büro der Partei EMEP in
Ankara. Eine bewaffnete Person schoss einmal, nachdem sich die Tür
geöffnet hatte. Cem Gurbetoglu (23) vom Vorstand der Jugendabteilung
wurde am Bein verletzt. Es gelang den Anwesenden nicht, den Angreifer zu
stellen.
Zaman vom 03.03.2005
Journalist inhaftiert
Sami Cebecei von der Zeitung
"Yeni Asya" wurde am 2. März in Ankara verhaftet. Gegen ihn soll eine
20-monatige Strafe, die er aufgrund eines Artikels nach dem Erdbeben vom
17. August 1999 erhalten hatte, bestätigt worden sein, obwohl er nach
den Änderungen des § 312 TSG das Recht auf eine erneute Verhandlung
gehabt hätte.
Am Folgetage meldete Milliyet
seine Freilassung. Ihm war anscheinend weder das Urteil zugestellt worden,
noch hatte er eine Aufforderung erhalten, seine Haftstrafe anzutreten.
TIHV vom 03.03.2005
Freispruch für Autor
Die 2. Kammer des Amtsgerichts
Ankara hat Dr. Fikret Baskaya wegen seines Buches "Schriften gegen die
Strömung" freigesprochen. Der Freispruch gilt auch für die Verleger
Özden Bayram und Ismet Erdogan vom Verlag Maki. Das Gericht befand,
dass die Aussagen des Buches im Rahmen des Rechtes auf Kritik geblieben
seien.
Radikal vom 03.03.2005
Flüchtling erfroren
In der Nähe des Dorfes
Ücgözler im Kreis Caldiran (Van) wurde die Leiche eines Iraners
gefunden, der vermutlich bei dem Versuch, illegal in die Türkei zu
gelangen, erfroren ist. Seine Personalien konnten nicht festgestellt werden.
Özgür Gündem
vom 04.03.2005
Vorwürfe von Misshandlungen
Von den in verschiedenen
Dörfern des Kreises Özalp (Van) am 1. März festgenommenen
28 Personen wurden Nevzat Genç, Seydi Olgun, Sevket Egriboy, Kasim
Egriboy und Nurettin Altinok am 2. März wieder freigelassen. Nevzat
Genç berichtete, Soldaten der Gendarmerie sie geschlagen hätten.
Özgür Gündem
vom 04.03.2005
Tote bei Kampfhandlungen
Laut Erklärung der
HPG wurden ein Offizier, 3 Soldaten und ein Dorfschützer bei einem
Gefecht auf dem Berg Gabar bei Sirnak getötet.
Weitere Meldungen (DTF)
Hürriyet vom 28.02.2005
22 neue Gefängnisse
in 4 Jahren
Justizminister Cemil Cicek
antwortete auf eine parlamentarische Anfrage des CHP Abgeordneten für
Konya, dass in den letzten Jahren 22 neue Gefängnisse gebaut wurden,
von denen 11 vom Typ F sind.
Radikal vom 02.03.2005
Remzi Kartal aus der
Haft entlassen
Heute hat das Oberlandesgericht
Bamberg den Haftbefehl gegen Remzi Kartal, den st. Vorsitzenden von PKK/Kongra-Gel,
der am 22. Januar aufgrund eines Auslieferungsgesuches der Türkei
inhaftiert worden war, wieder aufgehoben.
Özgür Politika
vom 02.03.2005
Guerillakämpfer
soll nach Festnahme erschossen worden sein
Nach Informationen der HPG
soll der Guerillakämpfer Yilmaz Bulut, der im Verlauf einer Operation
des türkischen Militärs im ländlichen Gebiet von Mardin
(Bagok), die am 23. Februar begann, verletzt festgenommen worden war, nach
der Festnahme erschossen worden sein.
Özgür Politika
vom 02.03.2005
Vom Opfer zum Angeklagten
Am 6. Dezember 2003 verurteilte
das Militärgericht in Isparta Gökhan Bicer, der seinen Militärdienstes
in der Provinz Denizli ableistete, wegen Befehlsverweigerung und tätlichem
Angriff auf einen Vorgesetzten zu 6 Monaten und 20 Tagen Haft. Er hat dagegen
Revision eingelegt. Seiner Schilderung zufolge sollte er beim Militär
gezwungen werden, mit einem Schild um den Hals, auf dem "Ich bin ein Verräter"
stand, umher zu gehen und eine Tasche mit Steinen durch die Militäranlage
zu schleppen. Der Unteroffizier Güray G. habe ihn grundlos geschlagen.
Er sei mit dem Tode bedroht worden und habe sich nur mit Mühe vor
einer Menge von Personen retten können, die ihn verprügeln wollten.
Was er getan habe, sei lediglich aus Notwehr erfolgt. Unterdessen wohnt
Gökhan Bicer wieder in Diyarbakir.
Özgür Politika
vom 02.03.2005
Minenbericht 2004
Die Gruppe zum Verbot von
Landminen hat ihren Bericht für das Jahr 2004 herausgegeben. Für
die Türkei wird gesagt, dass derzeit noch 921.000 Landminen verlegt
seien und die Armee über weitere knapp 3 Millionen Landminen verfüge.
Im Jahre 2004 seien durch die Explosion von Landminen 56 Personen getötet
worden, darunter 16 Kinder. Die meisten Minen sind laut Außenministerium
in den Provinzen Urfa, Antep und Ardahan verlegt. Die meisten Minen sind
vom Typ M14 und M15. Nach der Vereinbarung von Ottowa ist die Türkei
verpflichtet, ihren Minenbestand innerhalb von 4 Jahren zu vernichten (davon
ist 1 Jahr vergangen) und innerhalb von 10 Jahren hat sie die im Land verlegten
Minen zu räumen.
Bianet (Unabhängiges
Kommunikationsnetzwerk) vom 02.03.2005
Anwalt Aygün antwortet
dem Gouverneur
Der Gouverneur von Tunceli,
Mustafa Erkal, hatte dem Journalisten Celal Baslangic (Radikal) ein Schreiben
zukommen lassen, in dem er auf Vorwürfe des ehemaligen Vorsitzenden
der Anwaltskammer Tunceli, Hüseyin Aygün, einging (siehe Radikal
vom 02.03.). Dazu stellte Herr Aygün nun fest:
1.Die Bedrohungen durch
den Kommandanten der Division am 10. November 2004 haben die anwesenden
28 Dorfvorsteher an die Öffentlichkeit gebracht.
2.Die Schüsse auf Sirin
Yildirim in Mazgirt sind Gegenstand von staatsanwaltlichen Ermittlungen.
3.Die Amtsenthebung von
Dorfvorsteher erfolgte nicht offiziell (s. dazu den IHD Bericht vom 5 Januar
2005).
4.Die Lehrer Hasan Hayri
Kilic und Aziz Avin wurden zunächst vom Gouverneur entlassen und sind
nach 2 Monaten wieder an ihre Stellen zurückgekehrt.
5.Die Drohungen gegen mich
können durch etliche Kollegen und Kolleginnen bezeugt werden. Der
Gouverneur selber habe die angeblichen Dokumente gegen den Anwalt, die
als Erpressung benutzt wurden, am 14. Februar 2005 der Staatsanwaltschaft
übergeben.
Bianet (Unabhängiges
Kommunikationsnetzwerk) vom 03.03.2005
Polizei foltert und der
Staat zahlt
Die Anwaltskammer Diyarbakir
hat eine Anfrage an das Innenministerium gerichtet und daraufhin erfahren,
dass in den Jahren 2001-2004 die Kosten für die Verteidigung von 36
Polizeibeamten, die wegen Folter oder Misshandlung angeklagt waren, 19.000
YTL (ca. 10.000 Euro) betrugen und diese Kosten vom Staat übernommen
wurden. Die 36 Beamten sollen in 10 Verfahren angeklagt gewesen sein und
die Zahl der Verteidiger habe ebenfalls 10 betragen. Die Antwort auf die
Anfrage vom 17. Dezember 2004, die im Rahmen des Formblattes auf Information
erfolgt war, kam innerhalb von 20 Tagen. Der Anwalt Vedat Gülec, der
innerhalb des Projektes ‚Recht für Alle’ den Teil zur Verhinderung
der Folter leitet, sagte dazu, dass seit 1985 die gesetzliche Grundlage
dafür bestehe, dass der Staat die Kosten der Verteidigung von Polizisten
übernimmt, die wegen Folter angeklagt sind.
Özgür Politika
vom 05.03.2005
Zahlen zu Menschenrechtsverletzungen
widersprüchlich
Der Vorsitzende des IHD,
Yusuf Alatas hat Bedenken gegen die Zahlen des Vorsitzenden für Menschenrechte
im Innenministerium, Vahit Bucak, geäußert, weil mit der Zahl
von 847 Beschwerden an diese Institution nicht die Gesamtzahl der Menschenrechtsverletzungen
in der Türkei wiedergegeben werde. Dabei seien allein beim IHD in
Diyarbakir mehr als 7.000 Beschwerden eingegangen. Allein die Beschwerden
wegen Folter hätten im letzten Jahr 4.265 betragen. Des weiteren seien
254 Todesfälle und 588 Verletzungen notiert worden. Gegen 183 Personen
seien Ermittlungen wegen Meinungsäußerungen angestrengt. Alatas
bedauerte, dass die Zahl der Beschwerden an insgesamt 931 Räte für
Menschenrechte, die in Provinz- und Kreisstädten existierten, auf
einem so niedrigen Stand seien. Das zeige, dass die Bevölkerung kein
Vertrauen in diese Institutionen habe.
Bianet (Unabhängiges
Kommunikationsnetzwerk) vom 04.03.2005
IHD kümmert sich
um Vorwürfe von Misshandlung
Von den Dorfbewohnern, die
am 1. März in Dörfern des Kreises Özalp (Van) festgenommen
wurden, haben sich 27 an den IHD in Van gewandt. Der Vorsitzende der Zweigstelle,
Zeki Yüksel, gab bekannt, dass von den Festgenommenen 5 nach einem
Tag Haft freigelassen wurden. Weitere 5 Personen seien nach einem weiteren
Tag freigekommen, ohne einem Staatsanwalt vorgeführt zu werden. Nach
3 Tage seien 6 von ihnen in U-Haft genommen worden. Weitere 5 befänden
sich noch in Polizeihaft. Unter den erhobenen Vorwürfen zählte
Yüksel folgende Dinge auf: die Dorfbewohner seien sowohl brutalen
Schlägen als auch psychologischem Druck ausgesetzt gewesen. Ein Verdächtiger,
der sein Recht auf Aussageverweigerung in Anspruch nehmen wollte, sei an
die Heizung gefesselt worden, wo er einen Tag lang stehen musste. Des weiteren
seien die Verdächtigen nicht bei der Gerichtsmedizin sondern auf der
Wache untersucht worden. Als Beweismittel sei auf abgehörte Telefonate
der Dorfbewohner verwiesen worden, die sie als Schmuggler angeblich mit
Personen im Iran geführt haben sollen. Die Beschuldigten hätten
aber verneint, derlei Telefonate geführt zu haben. Zeki Yüksel
wird die Dorfbewohner als Anwalt vertreten.
Bianet (Unabhängiges
Kommunikationsnetzwerk) vom 04.03.2005
Sexuelle Folter dauert
an
Das Büro für Rechtshilfe
bei sexueller Misshandlung und Vergewaltigung in der Polizeihaft hat einen
Bericht über seine 9-jährige Arbeit herausgegeben. In dieser
Zeit haben sich 211 Frauen mit der Bitte um Hilfe an sie gewandt. 15 der
Frauen, die von Uniformierten vergewaltigt wurden, seien im Alter zwischen
10 und 18 Jahren gewesen. Insgesamt nähmen die Polizisten mit 163
Personen die vordere Stelle bei den Tätern ein, gefolgt von 44 Soldaten,
10 Gefängniswärtern und 9 Dorfschützern. Unter den Geschädigten
seien 167 Kurdinnen, 26 Türkinnen und 4 Rumäninnen.
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