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Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 08/2005
Cumhuriyet vom 22.02.2005
Verfahren gegen die Lehrergewerkschaft
Die 2. Kammer des Arbeitsgerichts
Ankara hat zum 2. Mal den Antrag auf Verbot der Lehrergewerkschaft Egitim-Sen
abgelehnt. Der Gouverneur von Ankara hatte den Antrag gestellt, weil im
Artikel 2 der Satzung das Recht auf Unterricht in der Muttersprache gefordert
wurde und dies seiner Meinung nach dem Artikel 42 der Verfassung widerspreche,
demzufolge ausschließlich Türkisch als Muttersprache vermittelt
werden soll. Das Arbeitsgericht in Ankara hatte den Antrag zum ersten Mal
am 15. September 2004 abgelehnt, aber die 9 Rechtskammer des Kassationsgerichtshofs
hatte das Urteil aufgehoben.
Özgür Gündem
vom 23.02.2005
Politiker verurteilt
Die 2. Kammer des Landgerichts
in Erzurum hat Erdal Özakcil, ehemaliger Vorsitzender der DEHAP zu
einer Haftstrafe von 3 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde wegen einer
Pressemitteilung aus dem Jahre 2003 verhängt. Darin soll Propaganda
für eine illegale Organisation gemacht worden sein.
Milliyet vom 24.02.2005
Öffentlichkeit bei
Verfahren vor Militärgerichten
Am 23. Februar kam es in
einem Verfahren vor dem Militärgericht des Generalstabs zu einer Neuheit.
Es wurden auch ohne Akkreditierung Vertreter der Fernsehstation Samanyolu
und Kanal 7, sowie der Zeitungen Vakit, Yeni Safak und Tercüman zugelassen.
Zuvor hatte sich Nazli Ilicak an das Verteidigungsministerium gewandt und
um Klärung gebeten. In der Antwort des Minister Vecdi Ygönül
wurde die Teilnahme der Medien nur für Fälle ausgeschlossen,
in denen das Gericht auf gesetzlicher Grundlage eine Teilnahme untersagt
habe.
Evrensel vom 24.02.2005
U-Haft für Mitglieder
der Friedensgruppe
Sohbet Sen, Imam Canpolat
und Ali Sükran Aktas, Mitglied der von Abdullah Öcalan in die
Türkei gerufenen Friedensgruppe, die am 22. Februar beim Versuch,
mit Mitgliedern des Parlaments zu sprechen, festgenommen worden waren,
wurden am 23. Februar in U-Haft genommen.
Weitere Meldungen (DTF)
Özgür Politika
23.02.2004
Geld für Rückkehrer
ging ans Militär
Mit dem Geld, das der Gouverneur
in Tunceli für Rückkehrer (in die zerstörten Dörfer)
erhielt, wurden u.a. die Miete für den Landeplatz eines Hubschraubers
bezahlt (35,5 Milliarden TL) und zwei Laptops gekauft, die in der psychologischen
Kriegsführung eingesetzt werden. Der Gouverneur erhielt in den Jahren
2003 und 2004 einen Gesamtbetrag von 1,9 Billionen TL zur Finanzierung
des Projekts Rückkehr in die Dörfer. Die Fehlverwendung wurde
von Ibrahim Halil Ates, Salih Gündogan und Özgür Söylemez,
die dem Parlament der Provinz als Angeordnete der SHP angehören, aufgedeckt.
Demzufolge sollen 11 Fertighäuser für nichtbedürftige Personen
erstellt worden sein. Die Abgeordneten wandten sich an das Innenministerium,
das wiederum Informationen vom Gouverneur verlangte. Der Gouverneur Mustafa
Erkal behauptete in einem Schreiben vom 15.12.2004, dass die Gelder ordnungsgemäß
verwendet worden seien. Er verwies dabei auf eine Entscheidung des Provinzparlaments,
in dem die CHP die Mehrheit stellt.
Özgür Politika
vom 25.02.2004
Massengrab bei Gendarmeriestation
Der aus Urfa stammende Mustafa
Bayram, der seinen Militärdienst in der Provinz Bingöl ableistete,
hat Vorwürfe erhoben, dass im Garten der Gendarmeriestation Yedisu
4 Guerillas verscharrt seien, die bei einer Operation im April 2000 gefasst,
dann erschossen und gemeinsam begraben wurden. Mustafa Bayram war im Alter
von 16 Jahren 1995 nach Deutschland gekommen und hatte einen Asylantrag
gestellt. Er wurde 1998 abgeschoben. Nach eigenen Angaben wurde er am Flughafen
Atatürk (Istanbul) festgenommen und unter Folter verhört. Aufgrund
eines Schlages auf den Kopf soll ihn die Polizei einen Monat festgehalten
und in dieser Zeit für seine Behandlung gesorgt haben. Dann wurde
er freigelassen. Im 4. Quartal des Jahres 1999 wurde er zum Militärdienst
eingezogen. Er gab an, dass er in der Provinz Tokat 3 Monate lang in Kontr-Guerilla
Taktiken ausgebildet wurde. Seine Ausbilder seien Ali Ciftci, Mehmet Zorlu
und Mehmet Gültekin gewesen. Zuerst sei er nach Elsekirt (Agri) geschickt
worden uns später auf die Gendarmeriestation Yedisu (Bingöl)
gekommen. Dort sei er 8 Monate lang bei Operationen eingesetzt worden.
Im April sei es bei Yayladere
zu einem Gefecht gekommen, bei dem 1 Guerilla getötet und 4 lebend
festgenommen wurden. Sie seien auf die Wache gebracht, verhört und
dann vor den Augen der Soldaten auf Befehl des Kommandanten Nevzat Kutlu
und seines Stellvertreters Levent Adisönmez erschossen worden. Ältere
Soldaten sollen ihm berichtet haben, dass es im Osten der Station noch
weitere Massengräber gebe. Dies sei allerdings Militärzone, die
von Minen umgeben ist, so dass niemand Zutritt erhalte. Der IHD Vorsitzende
in Bingöl, Ridvan Kizgin, bestätigte gegenüber der Zeitung,
dass dem Verein zu Ohren gekommen sei, dass es dort Massengräber geben
solle. Es habe sich aber noch niemand konkret mit einer Beschwerde gemeldet.
Radikal vom 26.02.2005
Bilanz des Präsidiums
für Menschenrechte
Das Präsidium für
Menschenrechte, das dem Ministerpräsidium angeschlossen ist, hat bekannt
gegeben, dass sich im letzten 1.638 Personen an das Präsidium sowie
die Menschenrechtsräte in den Provinzen und Kreisstädten wegen
Verletzung ihrer Menschenrechte gewandt haben. Die meisten Beschwerden
haben sich auf Folter und Misshandlung, faire Gerichtsverfahren und das
Recht auf Leben bezogen.
Radikal vom 26.02.2005
Murat Celikkan: War Ugur
Kaymaz ein Terrorist?
Am 21. November wurde der
12-jährige Ugur Kaymaz und sein Vater Ahmet Kaymaz bei einer Operation
gegen Mitglieder einer illegalen Organisation in Kiziltepe (Mardin) erschossen.
Gegen vier Polizisten wurde ein Verfahren unter dem Vorwurf der Tötung
durch Überschreiten der Grenze der Notwehr eingeleitet (Strafe zwei
bis sechs Jahre Haft). Gegen die Mutter Makbule Kaymaz wurde ein Verfahren
wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation eröffnet (Strafmaß:
15 Jahre Haft).
Vater und Sohn Kaymaz sollen
angeblich bewaffnet gewesen sein. Die Vertreter der Nebenklage sind der
Überzeugung, dass diese Waffe, die bei einem Überfall auf die
Polizeistation Yenisehir in Mardin am 7. August benutzt worden sein soll,
am Tatort zurückgelassen wurde. Nach der 1. Verhandlung gegen die
Polizisten, die nicht zur Verhandlung erschienen waren, weil sie an andere
Orte versetzt wurden, sagte die Verteidigung, dass es viele Kinder unter
den Terroristen auf dieser Welt gebe und Ugur Kaymaz schon Bartwuchs und
Haare unter den Achselhöhlen gehabt habe. Macht ihn das zum Terroristen,
dessen Tod gerechtfertigt ist?
Radikal vom 26.02.2005
Fast 100.000 Kinder im
letzten Jahr festgenommen
Der Sprecher der obersten
Polizeidirektion, Ramazan Er, hat Zahlen zur Kinderkriminalität vorgelegt.
Demnach kamen 98.912 Personen im Alter zwischen 0-18 Jahren auf Polizeiwachen
und 39.548 wurden der Staatsanwaltschaft übergeben. Ramazan Er sagte
des weiteren, dass 417 Kinder unter 10 Jahren auf der Straße lebten.
Im Alter zwischen 10 und 18 Jahre gebe es 2.031 Kinder auf der Straße.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 25.02.2005
Bakutz bleibt in Haft
Die österreichische
Staatsangehörige Sandra Bakutz, die bei ihrer Einreise in die Türkei
am 10. Februar festgenommen und dann in das M-Typ Gefängnis von Gebze
eingewiesen wurde, wird nach dem Haftprüfungstermin am 24. Februar
weiter in Haft bleiben. Ihr Anwalt Taylan Tanay vom Büro der Volksjustiz
sagte, dass es außer eine Zeitungsmeldung keine Beweise gegen seine
Mandantin gebe. In dem Artikel werde Sandra Bakutz beschuldigt, im November
2000 bei einer Rede des Außenministers Ismail Cem im Europaparlament
zwei Milianten Zugang zu dem Gebäude verschafft zu haben. Die Ermittlungen,
die ursprünglich bei der Staatsanwaltschaft des SSG Ankara geführt
wurden, seien noch nicht abgeschlossen und hätten nach Meinung des
Anwalt zwischenzeitlich eingestellt werden müssen. Unterdessen haben
das TAYAD Komitee in Belgien und die Zeitung "Junge Welt" eine Kampagane
zur Freilassung von Sandra Bakutz begonnen.
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