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Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 06/2005
Özgür Gündem
vom 05.02.2005
Prügel in Bingöl
Aus Bingöl wurde berichtet,
dass die Polizei Hakan Göçücü, Abdullah Gözkaman
und Ibrahim Gündüz verprügelte und Ahmet Göçücü
mit der Waffe verletzte. Hakan Göçüçü erzählte,
was am 2. Februar passierte: "Ich hielt einen der Polizisten für meinen
Freund und habe ihn zu mir gerufen, mich danach aber gleich entschuldigt.
Trotzdem wurde ich beleidigt und geschlagen. Mein Cousin Ahmet Göcücü
und seine Freunde waren hinzu gekommen. Sie wurden auch von den Polizisten
angegriffen. Einer der Beamten schoss erst auf den Boden und dann in den
Fuß meines Cousins. Da bin ich zu dem Polizisten hin und habe ihm
einen Fausthieb versetzt. Die Zahl der Polizisten war auf 5-6 angewachsen
und ich wurde unter Schlägen festgenommen." Auf der Wache sei er weiter
geschlagen worden und Ibrahim Gündüz, der Ahmet Göçücü
ins Krankenhaus bringen wolle, sei ebenfalls geschlagen worden. Er sei
später in das Krankenhaus der Universität Firat wegen der Schusswunden
an Fuß und Hüfte behandelt worden.
Özgür Gündem
vom 05.02.2005
Festnahmen und Misshandlung
in Siirt
Die Zahl der Verhaftungen
im Zusammenhang mit der Beerdigung von Sibel Sartik und Nergiz Özer,
die am 19. Januar in der Nähe des Dorfes Toptepe (Sirnak) erschossen
worden waren und in Siirt beigesetzt werden sollten, hat sich auf 27 erhöht.
Namentlich genannt wurden Ibrahim Kiliçarslan, Emine Oguz, Mustafa
Gündüz, Tevfik Kaçar, Yusuf Kaplan, Teymen Yilmaz, Tahir
Çetin, Ata Tasçi, Musa Kaçar, Süleyman Tas, Sibel
Ete, Fadil Tasçi, Yusuf Akin, Ahmet Ilhan, Hayrettin Akcan, Hakan
Can, Adil Ceyhan, Fehmi Elçin, Abdullah Inan, Abdulkerim Ekinci,
Murat Yildirim, Emin Aksu, Ömer Ete, Muhlis Ete, Ali Kaçar,
Mehmet Beyan und Adil Esen. Einer der vorläufig festgenommenen Personen,
Metin Beydogan sagte, dass sie auf dem Polizeipräsidium in Siirt misshandelt
wurden. Im Falle einer Aussageverweigerung wurde ihnen vom Staatsanwalt
angedroht, dass sie in U-Haft kämen.
Özgür Gündem
vom 07.02.2005
Prügel in Yüksekova
Mukaddes Çaglar von
der DEHAP gab an, am 5. Februar von der Polizei in Yüksekova (Hakkari)
geschlagen worden zu sein. Bei einer Straßenkontrolle habe sie verlangt,
dass eine weibliche Beamtin ihre Handtasche durchsuchen solle. Daraufhin
hätten die Polizisten sie an den Haaren gefasst, aus dem Kleinbus
gezerrt und sie verprügelt. Gleichzeitig seien Hunde auf sie losgelassen
worden. Die Hunde hätten sie über den Boden gezogen. Mit den
Worten, dass die Polizei schon wisse, was sie treibe, wurde ihr angedroht,
beim nächsten Mal umgebracht zu werden. Danach sei sie auf das Polizeipräsidium
gebracht worden. Dort habe man sich für die Kollegen entschuldigt,
aber sie habe es abgelehnt, den Vorfall auf sich beruhen zu lassen.
Hürriyet vom 08.02.2005
Verfassungsgericht gegen
Parteienverbot
Das Amtsblatt hat am 7.
Februar die Entscheidung des Verfassungsgerichts gegen die Verbotsanträge
gegen 7 politische Parteien veröffentlich. In der Entscheidung wurde
darauf verwiesen, dass das Gericht in einem Urteil vom 22.07.2003 den Artikel
105 des Parteiengesetzes als verfassungswidrig eingestuft hatte. Dem Gesetzgeber
sei eine Frist von einem Jahr gegeben worden, um entsprechende Änderungen
vorzunehmen. In dieser Zeit seien aber keine Änderungen vorgenommen
worden, so dass die Anträge auf das Verbot der Sozialistischen Arbeiterpartei
der Türkei (TSP), Gerichtigkeitspartei (AP), der Gerichtigkeitspartei
der Türkei (TAP), der Großen Gerichtigkeitspartei (BAP), der
Partei der Behinderten und Glücklichen der Türkei (TÖMP),
der Revolutionären Sozialistischen Arbeiterpartei (DSIP) und der Hauptstrassenpartei
(AYP) hinfällig sei.
Özgür Gündem
vom 10.02.2005
Anwalt freigesprochen
Die 3. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir hat den Anwalt Mehmet Zülfü Dündar von dem Vorwurf
der Verletzung seiner Dienstpflicht freigesprochen. Er hatte als Anwalt
der am 23. April 2003 im Kreis Hani (Diyarbakir) festgenommenen B. Dokuz
(15) und M. Okçu (14) die Vorwürfe des Beschmierens mit Kot
und Zurschaustellung öffentlich gemacht. Die Staatsanwaltschaft in
Hani hatte jedoch die Ermittlungen wegen Folter an den Kindern eingestellt.
Özgür Gündem
vom 11.02.2005
Prügel in Siirt
Am 10. Februar hielten Mitglieder
der Initiative Friedensmütter eine Pressekonferenz beim IHD Diyarbakir
ab. Dort berichteten sie, dass ihnen am 6. Februar die Einreise nach Siirt
verweigert wurde. Schon 20 Kilometer vor dem Ort seien sie an einer Gendarmeriestation
angehalten worden. Die Diskussion habe zu einem Handgemenge geführt,
bei dem 4 Mitglieder verletzt worden seien.
Weitere Meldungen (DTF)
Milliyet vom 06.02.2005
Folternder Offizier aus
der Armee entlassen
Der Feldwebel Ali Metin,
einer von 3 Angehörigen der Gendarmerie, die wegen des Todes durch
Folter von Salih Karaaslan (37), der am 18.03.1999 in Silopi (Sirnak) festgenommen
worden war, zu jeweils 5 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt worden waren,
wurde nun aus der Armee entlassen. Allerdings war der Feldwebel kurz bevor
das Urteil rechtskräftig wurde, in Pension gegangen.
Özgür Politika
vom 07.02.2005, Radikal vom 08.02.2005, Jahresbericht der TIHV 1992
Nach 12 Jahren verhaftet
6 von 8 verurteilten Dorfschützern
wurden mehr als 12 Jahre nach ihrer Tat in Haft genommen. Von den Verurteilten
wurden Abbas Tas, Rahmi Kaçmaz, Mehdi Özbey, Halit Aktar, Seyhmus
Seyda ve Ethem Seyhan ins Gefängnis gebracht wurden, Tevkif Akbay
wird gesucht und Tacettin Sakan ist gestorben. Sie werden beschuldigt,
am 20. April 1992 im Kreis Midyat zwei Minibusse angehalten und 8 Insassen
absichtlich getötet und vier weitere schwer verletzt zu haben. Der
Staatsanwalt von Mardin hatte den Vorfall untersucht, Anklage wegen Mordes
gegen die Dorfschützer erhoben und die Festnahme von 10 Dorfschützern
veranlasst. Zwei weitere Dorfschützer, darunter der Dorfschützerchef,
wurden mit Haftbefehl gesucht. Augenzeugenberichte und ballistische Untersuchungen
ergaben, dass die Dorfbewohner von den Dorfschützern erschossen worden
waren. Die Ausnahmezustandsbehörden behaupteten jedoch, dass die PKK
den Überfall ausgeführt habe. Aus „Sicherheitsgründen“ wurde
das Verfahren an das Strafgericht in Denizli verlegt. Die Dorfschützer
wurden nach 7 Monaten U-Haft während des weiterlaufenden Verfahren
auf freien Fuß gesetzt und am 20. Oktober 2000 „mangels Beweisen“
freigesprochen. Nachdem jedoch der Kassationshof am 7. Oktober 2003 den
Freispruch aufgehoben hatte, wurden 8 Dorfschützer mittlerweile verurteilt.
Die Zeitung Özgür Politika hatte am 20. November 2004 berichtet,
dass die verurteilten Dorfschützer trotz der gegen sie verhängten
lebenslangen Haftstrafe nicht in Haft genommen worden waren und weiterhin
ihren Dienst als Dorfschützer fortsetzten.
Hürriyet vom 08.02.2005
Die Reformen erfolgten
nur zum Schein
Der Vorstand des Konsultativrates
für Menschenrechte, der durch seinen Minderheitenbericht bekannt und
zum Gegenstand von Kritik geworden war, ist gestern zurückgetreten...
Der Vorsitzende des Rates Prof. Dr. Ibrahim Kaboglu beschuldigte die Regierung
und erklärte, die Reformen seien auf Anforderung aus Europa erfolgt:
„Dies sind keine Reformen, die man sich zu eigen gemacht hat.“ In der gestrigen
Pressekonferenz gab Kaboglu an, der Rücktritt sei erfolgt, weil „ihre
Arbeit behindert“ worden sei... “Wir haben Beschlüsse gefasst, uns
wurde widersprochen, wir machten Vorschläge, wir erregten Ärger…
Wir schrieben Berichte, die Legislative beschimpfte uns, die Justiz ermittelte
gegen uns, die Exekutive löste uns auf. Wir wurden nicht aufgelöst,
weil wir unsere Aufgabe nicht erfüllt hätten, sondern, weil wir
sie erfüllt haben.“
Özgür Politika
vom 11.02.2005
Mord durch Überläufer
und Dorfschützer?
Der in Dortmund lebende
Abdulrezak Kizgin hat Vorwürfe erhoben, dass sein Onkel Abdullah Sürger
im Kreis Cizre (Sirnak) von Überläufern und Dorfschützern
getötet wurde und nicht das Opfer einer Auseinandersetzung zwischen
Sippen wurde. Am 16.01.2005 sei sein Onkel ins Stadtzentrum gegangen. Die
Überläufer und Dorfschützer Murat Tekman, Sirvan Tekman
hätten ihm und seiner Gruppe den Weg abgeschnitten. Dann hätten
sie auf die Gruppe um seinen Onkel geschossen und ihn dabei tödlich
verletzt. Hasan Sürger sei verletzt worden.
Özgür Politika
vom 12.02.2005
Jahresbericht von Mazlum
Der
Der Vorsitzende des Menschenrechtsvereins
Mazlum Der, Ayhan Bilgen, hat den Bericht seines Vereins zu Menschenrechtsverletzungen
im Jahre 2004 herausgegeben. Er bedauerte dabei, dass etliche Verfahren
gegen Folterer vor der Verjährung stünden. Er wies ebenfalls
auf das andauernde Verbot des Kopftuches hin. An Zahlen nannte Herr Bilgen:
218 Mordopfer durch unerkannte Täter, 35 Tote durch extra-legale Hinrichtungen
und Folter, 275 Fälle von Folter und Misshandlung, 4 Todesfälle
in Polizeihaft, 11 Dörfer wurden entvölkert. 31 Publikationen
wurden verboten und 82 Journalisten festgenommen.
Bianet (www.bianet.org, unabhängiges
Komunikationsnetzwerk) vom 11.02.2005
Zwei Angriffe auf protestantische
Kirche in Izmit
Dr. Ömer Faruk Gergerlioglu,
Vorsitzende von Mazlum Der in Kocaeli, protestierte gegen Angriffe unerkannter
Personen auf die protestantische Kirche in Izmit. Die Kirche sei im Abstand
von einer Woche zwei Mal mit Steinen beworfen worden. Dies verstoße
gegen die Religions- und Gewissensfreiheit.
Hürriyet vom 09.02.2005
Niemand sagt es, deshalb
sage ich es
Orhan Pamuk hat in einem
Interview, das in dem Kulturmagazin “Das Magazin” des Schweizer Tagesspiegels
erschien, geäußert, dass es notwendig sei, langsam über
schlimme Ereignisse in der Türkei zu sprechen. Jeder müsse dies
tun. 30 Tausend Kurden seien getötet worden. Und eine Millionen Armenier.
Und niemand habe den Mut, dies über die Zunge zu bringen. Deshalb
mache er es. Und deshalb werde er gehasst.
Am 11.02.2005 schrieb der
Kolumnist Fatih Altayli in Hürriyet, er suche als türkischer
Bürger einen Weg, ein Gerichtsverfahren gegen Orhan Pamuk zu veranlassen.
Am 13.02.2005 kamen von
den Idealistenvereinen (Grauen Wölfen) solche Worte „Der Verräter
muss zum Schweigen gebracht werden“.
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