Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Woche 01/2005
Milliyet/Radikal/Özgür
Gündem vom 01.-03.01.2005
Extra-legale Hinrichtungen
von Kiziltepe
Das Verfahren im Zusammenhang
mit der Erschießung von Ahmet Kaymaz und seinem Sohn Ugur Kaymaz
am 21. November 2004 wird am 12. Februar vor der 2. Kammer des Landgerichts
in Mardin beginnen. Anträge auf Inhaftierung der angeklagten Polizeibeamten
wurden abgelehnt. Milliyet berichtete, dass Halil Ibrahim Öztürk,
der vermeintliche Überläufer, dessen Aussage zur Überwachung
der Wohnung der Familie Kaymaz geführt haben soll, erst am 22. November
in Gaziantep festgenommen wurde.
Milliyet vom 03.01.2005
Prügel in Trabzon
Hakan Er, der am 31.12.2004
in Trabzon unter dem Verdacht eines kriminellen Deliktes festgenommen wurde,
hat der Polizei vorgeworfen, ihn auf der Wache im Stadtzentrum so stark
geschlagen zu haben, dass seine Nase mit 3 Nähten versorgt werden
musste.
Özgür Gündem
vom 03.01.2005
Minenopfer angeklagt
Bei einer Minenexplosion
in der Nähe des Dorfes Yaylak im Kreis Kulp (Diyarbakir) wurde Selahattin
Gündüz (55) am 16. November schwer verletzt. Er verlor dabei
ein Auge. Am 21. November wurde er inhaftiert und später wegen Mitgliedschaft
in Hizbullah und Besitzes von Explosiva angeklagt. Das Verfahren begann
am 29. Dezember vor der 5. Kammer des Landgerichts Diyarbakir. Gündüz
sagte aus, dass es zur Explosion der Mine kam, als er den Weg vor seinem
Haus verbreitern wollte. Sein Anwalt Serhat Eren sagte, dass das Verfahren
aufgrund falscher Anschuldigungen des Gendarmeriekommandanten und der Dorfschützer
eröffnet wurde.
Milliyet vom 03.01.2005
Flüchtlinge ertrunken
Am 2. Januar sank ein Boot,
mit dem Flüchtlinge versuchten, von Ayvalik (Provinz Balikesir) zur
Insel Lesbos zu gelangen. Der Bootsbesitzer kam dabei ums Leben und zwei
Flüchtlinge werden vermisst. Die anderen 12 Flüchtlinge sollen
aus dem Iran, Somalia und Mauretanien sein.
Sabah vom 06.01.2005
Folterverfahren in Istanbul
Die Staatsanwaltschaft in
Fatih hat 7 Polizeibeamte wegen Folter an 6 Studenten im Mai 2002
eröffnet. Die Studenten waren im Zusammenhang mit der Ermordung des
Mädchens Yasemin Durgun im März 2001 festgenommen worden. In
dem Verfahren werden sich auch 3 Ärzte des Krankenhauses in Haseki
wegen Ausstellung falscher Atteste verantworten müssen.
Özgür Gündem
vom 07.01.2005
Gefangener verstorben
Seyfettin Cagman, der im
Januar 2004 vom Iran an die Türkei ausgeliefert worden war, ist am
6. Januar im Numune Krankenhaus von Ankara verstorben. Er war als Angehöriger
von Kongra-Gel im F-Typ Gefängnis von Sincan inhaftiert, bevor er
wegen Darmkrebs vor 3 Monaten ins Krankenhaus verlegt wurde.
Weitere Meldungen (DTF)
Özgür Politika
vom 02.01.2005
Bilanz der HPG
Das Pressezentrum der Volksverteidigungskräfte
(HPG) hat eine Bilanz zum Krieg im Jahre 2004 herausgegeben. So sollen
bei 264 militärischen Operationen 473 Soldaten und Offiziere und 97
HPG getötet worden sein. Unter den Dorfschützern soll es nur
11 Opfer gegeben haben. Vom 1. Januar bis zum 1. Juni (Aufkündigung
des Waffenstillstands) habe es 51 militärische Operationen gegeben
(3 davon von der iranischen Armee). In diesem Zeitraum sei es zu 37 Vergeltungsakten
gekommen. Die türkische Armee habe dabei 62 Verluste erlitten. Unter
den Guerillas waren 31 Opfer zu verzeichnen. Der Krieg sei nun auf der
Stufe angelangt, auf dem er vor der Erklärung des Waffenstillstands
im Jahre 1998 war, hieß es in der Erklärung. Im Vergleich zum
Jahre 2003 wurde gesagt, dass es trotz der Waffenruhe ca. 100 Verluste
in den Reihen der Guerillas gab.
Hürriyet vom 04.01.2005
Auslassungen bei der
Begründung des neuen Strafgesetzes
Die Begründung des
am 1. April 2005 in Kraft tretenden Strafgesetzes (StGB) wurde den EU-Vertretungen
retuschiert zugesandt. In der Broschüre, die das Justizministerium
dem Generalsekretariat der EU-Kommission und der Delegation der Kommission
in der Türkei zusandte, war klammheimlich ein umstrittener Abschnitt
aus der Begründung des Artikel 305 gestrichen worden. In der amtlichen
Begründung wird als Beispiel für "Handlungen gegen nationale
Interessen" die Behauptung aufgeführt, dass im ersten Weltkrieg
die Armenier zu Opfern eines Völkermords wurden oder die türkischen
Soldaten aus Zypern abgezogen werden mussten. Die "Feinabstimmung" war
in den letzten Tagen Gegenstand von Artikeln in der in Istanbul erscheinenden
und an armenisch-stämmige Landsleute gerichteten Zeitung AGOS.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 04.01.2005
Bericht aus Bingöl
Die Zweigstelle des IHD
in Bingöl hat einen Bericht zum Jahre 2004 herausgebracht. Es soll
in dem letzten Jahr zu 131 Verletzungen des Rechtes auf Sicherheit und
Leben gekommen sein. Im Einzelnen wurden gezählt: 9 Menschen, die
bei Gefechten das Leben verloren; 2 Menschen, die bei Minen- oder anderen
Explosionen ihr Leben verloren. An zweifelhaften Toden und Selbstmorden
gab es 13 und 29 Menschen haben sich wegen Folter und Misshandlung beschwert.
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