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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Woche 52/2004
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 18.12.2004
Zeitung konfisziert
Die Lokalzeitung "Ararat'in
Sesi", die im Kreis Dogubeyazit (Agri) herausgebracht wird, wurde konfisziert,
weil ein Foto von Abdullah Öcalan abgedruckt war. Betroffen war die
Ausgabe vom 9. Dezember. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft wurde
mit § 312 TSG begründet.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 19.12.2004
Journalist mehrfach festgenommen
Berichte über den Journalisten
Mustafa Benli, der als Chefredakteur der Zeitschrift "Hedef" seit 1998
in Haft war, sprechen davon, dass er nach seiner vorzeitigen Haftentlassung
aufgrund des neuen Strafgesetzes drei Mal wieder in Polizeihaft genommen
wurde. Im Verlauf des Todesfastens war er am Wernicke-Korsakoff-Syndrom
erkrankt. Im Dezember wurde er nun wegen des geringeren Strafmaßes
im neuen Strafgesetz aus dem Gefängnis vom Typ F in Edirne freigelassen.
Beim Verlassen des Gefängnisses wurde er gleich in Polizeihaft genommen,
aber nach ein paar Stunden wieder freigelassen. Er ging nach Corum, wo
er am 7. Dezember erneut festgenommen wurde. Erst nachdem klar wurde, dass
auf ihn die Änderungen des § 312 TSG anzuwenden sind, wurde er
freigelassen. Am 8. Dezember wurde Mustafa Benli erneut festgenommen, dieses
Mal, weil er im Verfahren wegen der Operation in der geschlossenen Haftanstalt
von Ankara noch keine Aussage gemacht hatte. Nach 8 Stunden kam er wieder
auf freien Fuß.
Cumhuriyet vom 22.12.2004
Massengrab bei Kulp
Die AKP Abgeordneten Cavit
Torun und Hakan Tasci und der CHP Abgeordnete Mesut Deger, die im Auftrag
der parlamentarischen Menschenrechtskommission die Vorführung eines
Massengrabes im Kreis Kulp (Diyarbakir) untersucht haben, gaben ihren Bericht
bekannt. Darin sagten sie u.a.: "Es konnte nicht festgestellt, dass die
nach der Festnahme verschwundenen Personen etwas mit der PKK zu tun hatten.
In den offiziellen Berichten wird dies auch nicht behauptet. Die Staatsanwaltschaft
in Kulp hat nicht die nötige Vorsicht walten lassen. Sie hat die Dorfbewohner
aufgefordert, ihr Knochen und Kleidungsstücke zu bringen. Sie wurden
dann in Säcke gepackt und erst danach ging der Staatsanwalt mit der
nationalen Presse zum Tatort. Aus den Unterlagen, die vom Europäischen
Menschenrechtsgerichtshof stammen, geht hervor, dass die Operation unter
General Yavuz Ertürk durchgeführt wurde… Obwohl die Betroffenen
entschädigt wurden, halten wir es zur Linderung ihrer Schmerzen für
erforderlich, dass gegen die Verantwortlichen ein Verfahren durchgeführt
wird. Bei der Untersuchung durch die Gerichtsmedizin sollte sich herausstellen,
um wen es sich bei den Getöteten handelt. Wir sind zu der Überzeugung
gekommen, dass diese Personen zur Zeit der Operation gegen Semdin Sakik
ums Leben kamen.
Özgür Gündem
vom 22.12.2004
Verfahren gegen Folterer
Die Staatsanwaltschaft in
Van hat die Polizeibeamten Ahmet Yildirim und Oguz Sahan wegen Misshandlung
des Kindes Tacettin Kurt, den sie am 22. September in Van festgenommen
hatten, angeklagt. Das Verfahren wird am 10. Februar 2005 beginnen. Der
Anwalt Murat Timur teilte unterdessen mit, dass Polizeibeamte die Familie
am 18. November aufsuchten und den Vater Sahabettin Kurt und Tacettin Kurt
bedrohten, damit sie ihre Anzeige zurückziehen.
Özgür Gündem
vom 22.12.2004
Gefangener verprügelt
Deniz Bakir, der am 10.
Dezember bei einer Demonstration gegen das neue Strafvollzugsgesetz in
Ankara festgenommen wurde und danach in U-Haft kam, soll im F-Typ Gefängnis
von Sincan von Wärtern verprügelt worden sein. Seine Schwester
Derya Seker sagte nach einem Besuch, dass er blaue Flecken am Körper
hatte. Er habe ihr berichtet, dass er am 13. Dezember mit 2 weiteren Gefangenen
aus seiner Zelle geholt und an einen ihm unbekannten Ort gebracht worden
war. Dort hätten die Wärter ihn bis in die Morgenstunden verprügelt.
Einer der Wärter habe gesagt, dass er seine Krankheit nur vortäusche
und sie ihn jetzt richtig krank machen würden.
TIHV vom 23.12.2004
Folterer freigesprochen
Die 7. Kammer des Landgerichts
Izmir hat am 22. Dezember die Polizeibeamten Muhtesem Cavusoglu, Mesut
Angi, Alim Ercetin und Hürriyet Gündüz vom Vorwurf der Folter
am deutschen Staatsbürger Mehmet Desde, der im Juli 2002 vier Tage
in Polizeihaft war, freigesprochen. Der Freispruch erfolgte aus Mangel
an Beweisen. Das Gericht hielt es trotz Gutachten der Ärztekammer
Izmir und der Ege-Universität nicht für erwiesen, dass Mehmet
Desde gefoltert worden war.
Weitere Meldungen (DTF)
Hürriyet vom 20.12.2004
Neue Projekte für
Rückkehr in die Dörfer
Nach dem Vorschlag der EU,
neue Projekte für eine Beschleunigung der Rückkehr in die Dörfer
zu entwickeln, hat der Petitionsausschuss im Parlament der Regierung eine
Reihe von Vorschlägen gemacht. Zunächst einmal solle das Budget
für das Rückkehrerprojekt aufgestockt werden. Im Jahre 2004 waren
dem Projekt 6,4 Trillionen TL zugeordnet worden. Nach Angaben des Innenministeriums
sollen durch den Terror in der Gesamttürkei 930 Dörfer und 2.018
Weiler entvölkert sein. In 12 Provinzen wurden dadurch 353.000 Menschen
heimatlos. Von ihnen waren am 30. November 2004 insgesamt 128.085 Menschen
zurück gekehrt.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 20.12.2004
Solidarität mit
Kriegsdienstverweigerer
Der IHD Istanbul hat eine
Kampagne für Halil Savda begonnen. Er hatte am 12. Dezember seine
Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen (KDV) erklärt.
Auf der Internet-Seite des Kriegsgegner wurden zu ihm folgende Angaben
gemacht: In der Verhandlung vor dem Militärgericht in Corlu hat Halil
Savda am 16. Dezember erklärt, dass er ein KDV'ler sei. Er werde eine
detaillierte Aussage nach einem Gespräch mit seinem Anwalt machen.
Er wurde wegen Befehlsverweigerung in das Militärgefängnis von
Corlu eingewiesen. Dort sitzt er mit seinem Trainingsanzug in einer Einzelle."
In einem Brief vom 20.12.2004
hatte Halil Savda erklärt: "Ich bin 1974 in einem Dorf im Kreis Cizre
(Sirnak) geboren worden. Im Jahre 1993 war ich einen Monat lang in Polizeihaft
und bin schwer gefoltert worden. Ich wurde als Unterstützer der PKK
verurteilt und im Jahre 1996 entlassen. Im Mai 1996 wurde ich eingezogen.
Nach der Grundausbildung bin ich nicht wieder zurück gekehrt. Im November
1997 wurde ich in Mersin als Mitglied der PKK festgenommen und vom SSG
Adana zu 15 Jahren Haft verurteilt. Durch das neue Strafgesetz kam ich
am 18.11.2004 auf freien Fuß. Am gleichen Tag wurde ich in Handschellen
zur Gendarmeriestation Sehitkamil (Provinz Antep) gebracht und als Fahnenflüchtiger
6 Tage in Haft gehalten. Es gab kein Bett, nur eine Bank und Militär-Decken.
Ich durfte meine Familie nicht benachrichtigen. Am 25.11. wurde ich nach
Tekirdag gebracht und am nächsten Tag dem Militär-Staatsanwalt
vorgeführt. Ich habe kurz gesagt, dass ich KDV'ler bin. 8 Tage lang
war ich in Isolationshaft in einem Militärgefängnis. In der Kaserne
Besiktepe habe ich meine Verweigerung mit der Folter im Jahre 1993 und
meiner humanistischen und freiheitlichen Grundhaltung begründet. Ich
habe auf Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention hingewiesen.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 23.12.2004
Offener Brief an den
Generalstab
Der Anwalt Hüseyin
Aygün hat in einem offenen Brief an den Generalstab auf "Verschwundene"
in der Provinz Tunceli hingewiesen und um Aufklärung gebeten. Er erinnerte
dabei an den Bericht der Kommission im Parlament, die für das "Verschwinden"
von 11 Dorfbewohner im Kreis Kulp (Diyarbakir) ein Kommando aus Bolu verantwortlich
macht. Dieses Kommando sei im Jahre 1994 in der Provinz Tunceli aktiv gewesen.
Bei einer Operation im Weiler Mirik, Dorf Gökcek, das zum Zentralkreis
von Tunceli gehört, sind am 23. und 24. September 1994 sieben Mitglieder
der Familien Isik und Serin "verschwunden". Insgesamt seien im Jahre 1994
in der Provinz Tunceli 16 Menschen "verschwunden".
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 23.12.2004
Journalist kommt in Haft
Yasar Camyar (33), der ehemalige
Chefredakteur der Zeitschrift "Alinterimiz" hatte nach der Ableistung seines
Militärdienstes (November 2004) Hochzeitspläne geschmiedet und
ging deshalb zum Standesamt in Kadiköy (Istanbul). Dort wurde er verhaftet,
damit er eine Reststrafe verbüßt. Vermutlich hatte das Amtsgericht
Sisli die Geldstrafen, die gegen ihn wegen Verstoßes gegen Artikel
7/2 ATG verhängt worden waren, in eine Haftstrafe umgewandelt.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 24.12.2004
Erneut Freispruch für
Autor
Hasan Basri Aydin, der Autor
des Buches "Briefe an Gott", der wegen Beleidigung des Staates angeklagt
und freigesprochen worden war, ist heute am Amtsgericht Istanbul wegen
seines Buches "Briefe an Gott - 2" erneut freigesprochen worden. Ursache
der Anklage waren jeweils seine Worte, die er als Vorsitzender der HADEP
in Bakirköy, gesagt hatte.
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