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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Woche 51/2004
Evrensel vom 13.12.2004
Verfahren gegen Folterer
Die Staatsanwaltschaft in
Ankara hat gegen 6 Polizisten wegen Misshandlung der Jugendlichen Kemal
Yaratilmis, H. Yaratilmis und Emre Camci im Mai auf der Polizeistation
Anafartalar ein Verfahren eröffnet. Die Beamten Sahir Uzun, Mehmet
Özcan, Kenan Aydin, Ümmet Dogan, Ugur Sen und Yusuf Akbas sind
nach § 245 TSG angeklagt. Das Verfahren wird am 23. Dezember vor der
6. Kammer des Amtsgerichts Ankara beginnen. In einem anderen Verfahren
vor der 16. Kammer sind die Jugendlichen wegen Schlägen gegen die
Polizisten angeklagt.
Cumhuriyet vom 13.12.2004
Bombenexplosion
Kazim Gelici starb am 12.
Dezember, als eine Bombe, die er auf einem Feld in der Nähe des Dorfes
Akinsu im Kreis Semdinli (Hakkari) gefunden hatte, explodierte.
Hürriyet vom 14.12.2004
Folterverfahren
Die 3. Kammer des Landgerichts
Diyarbakir sprach am 13. Dezember die Polizeibeamten Hüseyin Demir
und Haluk Bayram Deniz vom Vorwurf der Folter an Veli Tosun im Jahre 1999
frei. Ein weiteres Verfahren soll gegen den Gefängnisdirektor und
5 Soldaten anhängig sein. Sie sollen Veli Tosun bei der Einweisung
ins Gefängnis verprügelt haben.
Zu der Zeit, als sie angeklagt
wurden, erhielten sie eine Belohnung für "erfolgreiche Arbeit" in
Höhe von 43 bzw. 24 Monatsgehältern.
Özgür Gündem
vom 14.12.2004
Entführung und Folter
in Istanbul
Ömer Ulu, ein Mitglied
der Sozialistischen Plattform der Unterdrückten (ESP) hielt eine Pressekonferenz
in den Räumen des Menschenrechtsvereins (IHD) in Istanbul am 11. Dezember.
Er berichtete, dass er von Personen mit Schneemasken entführt wurde.
Es sei klar gewesen, dass es sich um Polizisten gehandelt habe. Sie hätten
ein weisses Auto ohne Kennzeichen gefahren und hätten ihn mit der
Waffe an der Schläfe verhört und gefoltert. Nach ca. 2,5 Stunden
sei er in der Nähe der E-5 wieder ausgesetzt worden.
Cumhuriyet vom 14.12.2004
Neues Gesetz verabschiedet
Am 13. Dezember verabschiedete
das Parlament das neue Gesetz zum Vollzug von Strafen und Maßnahmen.
Nach dem Gesetz werden die Haftanstalten in 8 Kategorien unterteilt. Neben
den Hochsicherheits- (geschlossenen) Haftanstalten wird es geschlossene
Gefängnisse für Frauen, Kinder, Jugendliche geben. Hinzu kommen
offene Haftanstalten, Erziehungsanstalten für Kinder und Zentren zur
Beobachtung und Einstufung. In den F-Typ Gefängnissen werden diejenigen
gehalten, die zu erschwerter lebenslanger Haft (vormals: Todesstrafe) verurteilt
wurden, die kriminelle Vereingungen gründeten oder ihnen angehören,
die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurden oder denen
Mord, Drogenschmuggel oder Vergehen gegen die Sicherheit des Staates vorgeworfen
wurde. Es können auch gefährliche Gefangene dorthin geschickt
werden. In den Gefängnissen können Zellen und Gegenstände
der Gefangenen jederzeit durchsucht werden. Leibesvisitationen sind ebenfalls
erlaubt. Durchsuchungen finden mindestens einmal im Monat statt. Gefangene
dürfen nicht in Ketten gelegt werden, aber mit Ausnahme von Kindern
sind Handschellen erlaubt. Radio, Fernsehen und das Internet können
zu Schulungszwecken erlaubt werden. Hungerstreikende können auch ohne
Einwilligung medizinischen Eingriffen unterzogen werden.
Özgür Gündem
vom 16.12.2004
Prügel in Istanbul
Der Straßenverkäufer
Mehmet Aydin Babayigit hat sich an den Menschenrechtsverein in Istanbul
gewandt. Er berichtete, dass am 3. Dezember die Polizisten seinen Kleinbus
überfielen, von dem er seinen Verkauf mache. Sein Sohn F. (15) sei
verprügelt worden und danach auch sein Sohn S. (13) und ein Verwandter
mit Namen Abdullah Babayigit, die dies verhindern wollten. Dabei sei seinem
Sohn S. der rechte Arm gebrochen worden und Abdullah habe einen Einschuss
im rechten Bein.
Özgür Gündem
vom 17.12.2004
Menschenrechtler geschlagen
Am 16. Dezember wollte der
Menschenrechtsverein (IHD) in Diyarbakir ein Seminar zum Thema “Kennst
Du deine Rechte?” abhalten. Vor dem Seminarort hatte sich Polizei versammelt.
Abdülkadir Aydin vom Vorstand des IHD wollte sich die Kennzeichen
der Polizeiautos notieren, während Journalisten Fotos machten. Daraufhin
wollten die Polizisten den Journalisten die Kameras abnehmen. Als Abdülkadir
Aydin die Beamten nach ihren Ausweisen fragte, wurde er von ihnen getreten.
Die Anwältinnen Sila Talay und Aygül Demirtas verhinderten eine
Festnahme von Herrn Aydin.
Weitere Meldungen (DTF)
Özgür Politika
vom 17.12.2004
Rekrutierung von Dorfschützern
Eine Delegation von der
Anwaltskammer in Van, dem Menschenrechtsverein (IHD), Mazlum-Der und Göc-Der
hat die Vorwürfe von Bewohnern des Weilers Xrabedar (Tasnacak) beim
Dorf Oguldami im Kreis Gürpinar (Van) untersucht und einen Bericht
dazu herausgegeben. Demnach zwang der Kommandant der Gendarmerie am 10.
Dezember 30 Bewohner, als Dorfschützer aktiv zu werden. Nach Schilderung
des Dorfbewohners Süleyman Alici kam es im Juni in der Nähe des
Weilers zu einer Explosion (die Mine tötete einen Feldwebel und 2
Soldaten). Acht Bewohner seien zum Ort des Vorfalls gegangen und anschließend
von der Gendarmerie festgenommen worden. Nach 7 Tagen seien 4 Personen
freigelassen und die anderen 3 in U-Haft genommen worden. Nach 2 Monaten
sei ein neuer Kommandant gekommen, der den Bewohnern des Dorfes vorwarf,
Terroristen zu unterstützen, indem sie nicht berichteten, wie es zur
Explosion gekommen sei. Er wollte, dass 7 Personen Waffen als Dorfschützer
nehmen. Für den Fall der Weigerung drohte er mit Evakuierung des Dorfes.
Am 6. Dezember seien sie zur Gendarmeriestation in Gürpinar bestellt
worden und vor die Wahl von Waffen oder Verlassen des Dorfes binnen 3 Tagen
gestellt worden. 30 Dorfbewohner haben daraufhin Waffen akzeptiert.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 16.12.2004
Flüchtling in der
Türkei
Die Handelskammer Istanbul
hat einen Bericht zu Flüchtlingen in der Türkei herausgegeben.
Er wurde von Dr. Ahmet Icduygu angefertigt. Er schätzt, dass jedes
Jahr zwischen 200 und 300.000 Flüchtlinge in die Türkei kommen.
Die meisten kommen aus dem Irak, Afghanistan, Pakistan und dem Iran, aber
die Zahl an Flüchtlingen aus Rumänien, der Ukraine und der russischen
Föderation habe zugenommen. Der Bericht unterteilt die Flüchtlinge
in 3 Kategorien: a) legal Einreisende: sie kommen vorwiegend aus dem Osten
und sind auf der Suche nach Arbeit. Frauen aus Moldavien, der Ukraine,
Rumänien und Russland seien vor allem als Prostituierte und im Vergnügungssektor
aktiv; Männer aus dem Iran, Irak, Moldawien und Rumänien arbeiteten
vor allem im Bausektor. b) Transit-Reisende: sie kommen vor allem aus dem
Iran, Irak, dem Nahen Osten, Afganistan, Pakistan und afrikanischen Ländern.
c) Abgelehnte: eine weitere Gruppe ohne Visum besteht aus den abgelehnten
Asylbewerbern, die nicht nach Hause zurückkehren.
Bia (Kommunikationsnetzwerk)
vom 16.12.2004
Murat Utku berichtet
aus einem Dorf im Kreis Yüksekova
Das Dorf Doganli im Kreis
Yüksekova (Hakkari) hat eine bewegte Geschichte, die der Dorfvorsteher
Musa Alkan erzählt. Seine Gruppe stamme eigentlich aus der Stadt Uludere
(Kreis Cukurca), die sie im Jahre 1995 verlassen mussten. Erst kamen sie
in das Dorf Canakli, dass sie aber aus Sicherheitsgründen wieder verlassen
mussten. Die Häuser in Doganli waren noch nicht fertig, so dass die
Familien mit einem Einkommen von 340 Millionen TL (als Dorfschützer)
die Häuser erst noch fertigstellen mussten. Von den 2150 Menschen
in 250 Häusern haben 25 Familien keine Waffen als Dorfschützer
akzeptiert. Vorher kamen sie mit Landwirtschaft und Viehzucht aus, aber
nun haben viele ihrer Häuser nicht einmal Fenster. Wasser muss aus
einer Entfernung von 300 Metern (von den Frauen) geholt werden.
Eine Rückkehr ist undenkbar,
denn die Stadt mit ehemals mehr als 6.000 Einwohner hat den Status einer
Stadt verloren. Zudem müssten erst Straßen, Strom, Telefone
verlegt werden. Des weiteren wollen die “Vertriebenen” ihre Felder und
Tiere zurück.
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