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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Woche 50/2004
Radikal, 03.12.2004
Verfahren gegen Folterer
droht zu verjähren
Am 2. Dezember wurde am
Gericht für Schwere Srttrrafen in Iskenderun das Verfahren gegen die
Polizeibeamten Murat Cikar, Halil Özkan, Aysun Yüksel und Gürkan
Ilhan, Leiter der Abteilung Politische Angelegenheiten, wegen der Folterung
von Fatma Deniz Polattas und Nazime Ceren Samanoglu fortgesetzt, die im
März 1999 in Iskenderun festgenommen worden waren. Das Verfahren wurde
auf den 27. Mai vertagt um einen Bericht der Gerichtsmedizin abzuwarten.
Das Gericht hatte schon die letzten drei Jahre auf den Bericht der Gerichtsmedizin
gewartet. Es besteht die Gefahr, dass das Verfahren gegen die Folterer
verjährt.
Özgür Gündem,
03.12.2004
Musiker und Journalist
vor Gericht
Das Strafgericht in Beyoglu
(Istanbul) begann am 2. Dezember ein verfahren gegen den Musiker Ferhat
Tunc und gegen Mehmet Colak, den herausgeber der Tageszeitung Özgür
Gündem wegen eines Artikels von ferhat Tunc mit dem Titel “Ein Revolutionär
Leyla und ein Lied”, der am 19. Januar von Özgür Gündem
veröffentlicht worden war. Das gericht vertagte sich auf den 3. März
2005 um fehlende Dokumente zu komplettieren. Die Anklage beruht auf folgender
Äußerungen in dem Artikel: “Ich habe mich nie über das
Ergebnis im Fall der DEP-Abgeordneten vor dem Staatssicherheitsgericht
Ankara gewundert. Ich kannte das Urteil von Anfang an. Keine Freilassung!
Unsere “tiefe” Rechtsprechung setzte ihr schmutziges Spiel vor den Augen
ganz Europas fort. Darüberhinaus, sie machten das Recht zu einem Instrument...”
Die Anklage fordert eine Verurteilung von Tunc und Colak nach Art. 159
tStG.
Birgün vom 05.12.2004
Extra-legale Hinrichtung
in Kiziltepe
Die Delegation der CHP hat
ihren Bericht zum Vorfall in Kiziltepe vom 21. November, bei dem Ahmet
Kaymaz (31) und sein Sohn Ugur (12) erschossen wurden, am 4. Dezember vorgelegt.
In dem Bericht wurde darauf hingewiesen, dass es keine bewaffnete Auseinandersetzung
gab. Die Opfer seien aus einer kurzen Entfernung erschossen worden. Die
Opfer hätten Hausschuhe getragen und es habe keine Einschüsse
aus ihrer Richtung gegeben. Normalerweise würden die Sicherheitskräfte
Gewehre benutzen, aber die Opfer seien von 9mm-Munition getötet worden.
Sie könne aus einer MP5 oder einer Uzi-Schnellfeuerwaffe stammen.
Radikal/Özgür Gündem
vom 09.12.2004
Todesschüsse in
Semdinli
Nach der Erschiessung des
Schäfers Fevzi Can am 30. November in der Nähe des Dorfes Ortaklar
im Kreis Semdinli (Hakkari) wurde der Unteroffizier Murat Sener in U-Haft
genommen. In einer Erklärung sagte der Gouverneur von Hakkari, Erdogan
Gürbüz: “Als 448 Schafe illegal über die Grenze gebracht
werden sollten, sind zwei Personen und eine als Schäfer vermutete
Person der Aufforderung stehen zu bleiben nicht nachgekommen und haben
versucht zu fliehen. Die Gendarmen haben in die Luft geschossen und fünf
Mal gewarnt. Bei diesem Ereignis wurde der Schäfer Fevzi Can durch
eine Kugel getötet.” In der Fallschilderung des Staatsanwaltes in
Semdinli vom 7. Dezember wurde beantragt, dass der Verdächtige wegen
Mordes durch Überschreitung seiner Dienstpflicht angeklagt weren soll.
In einem Bericht des Menschenrechtsvereins
wurde festgestellt: “Nach der Untersuchung des Hinterhaltes und unter Berücksichtigung
der Stärke der Truppe muss davon ausgegangen werden, dass weder das
Opfer noch die 2 angeblich fliehenden Personen entkommen konnten. Es gibt
keinen Hinweis darauf, dass das Opfer bewaffnet war. Die Staatsanwaltschaft
hat den Tatort nicht inspiziert.”
Özgür Gündem/Radikal/Sabah
vom 05.12.2004
Massengräber im
Kreis Kulp
Eine Delegation des Menschenrechtsausschusses
im Parlament hat sich mit dem Vorwurf von Massengräbern in der Nähe
des Dorfes Alaca im Kreis Kulp (Diyarbakir) beschäftigt. Nach Gesprächen
mit offiziellen Stellen besuchten sie am 3. Dezember auch den in Diyarbakir
einsitzenden Arif Sakik, Bruder des ehemaligen PKK-Kommandanten Semdin
Sakik. Er habe behauptet, dass es sich bei den 11 Leichen um Opfer einer
organisations-internen Hinrichtung handele und erklärte, dass die
Köpfe wohl fehlten, weil Tiere die Leichen ausgruben und in Stücke
rissen. Wenn gewünscht, könne er den Ort des Grabes identifizieren.
Die Delegation machte auch darauf aufmerksam, dass zu dem fraglichen Zeitpunkt
im Jahre 1993 11 Dorfbewohner “verschwunden” seien.
Özgür Gündem
vom 05.12.2004
Anwaltsbüro überfallen
Am 4. Dezember durchsuchte
die Polizei das Büro des Rechts des Jahrhunderts, in dem die Anwälte
von Abdullah Öcalan tätig sind. Die Durchsuchung erfolgte aufgrund
einer Anordnung der 10. Kammer des Landgerichts Istanbul. Computer, Disketten
und Dokumente wurden beschlagnahmt. Der Anwalt Okan Yildiz beschwerte sich,
dass auch die Verteidigung von Abdullah Öcalan vor dem Europäischen
Menschenrechtsgerichtshof beschlagnahmt wurde und die Durchsuchung nachts
anstatt am Tage stattfand.
Milliyet vom 0512.2004
Neue Strafprozessordnung
verabschiedet
Am 4. Dezember wurde im
Parlament die neue Strafprozessordnung (StPO) mit 325 Artikeln verabschiedet.
Das Gesetz bringt etliche Neuerung. Die Polizeihaft darf 24 Stunden nicht
überschreiten. Das Maximum der Untersuchungshaft beträgt 2 Jahre
und kann nur in bestimmten Fällen verlängert werden, in jedem
Fall aber nicht mehr als 3 Jahre betragen. Bei der Wiederaufnahme von Verfahren
müssen andere Richter tätig werden. Für organisierte Verbrechen
wird ein Zeugenschutzprogramm eingerichtet.
TIHV vom 10.12.2004 (nach
Star, Evrensel und Özgür Gündem)
Festnahmen und Verhaftungen
Burhan Bengü, Murat
Kayikçi, Özgür Özel, Mehmet Ali Bozok, Kurtulus Çelik,
Serkan Yüksel und das Mitglied der Musikgruppe “Grup Yorum” Inan Altin
wurden in Istanbul unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in der DHKP-C
festgenommen. 22 Arbeiter, Mitglieder der Transportarbeiter-gewerkschaft
TÜMTIS, die am 30. November festgenommen worden waren, wurden am 3.
Dezember vom Gericht freigelassen. Suna Parlak, Autorin für die Tageszeitung
Özgür Gündem, wurde am 4. Dezember während einer Hausdurchsuchung
festgenommen. Hüseyin Dogar, der in Van festgenommen worden war, wurde
am 4.Dezember unter der Beschuldigung “einer illegalen Organisation zu
helfen” in Untersuchungshaft genommen. Ramazan Çeber und Bekir Kiliçaslan,
die kürzlich in Istanbul festgenommen worden waren, wurden am 4. Dezember
vom gericht freigelassen. Zemirhan Alayumad, Ihsan Kalkan und Mehmet Hanifi
Öncel wurden unter der Beschuldigung “einer illegalen organisation
zu helfen” festgenommen.
Özgür Gündem,
10.12.2004
Kampfhandlungen und Anschläge
im Südosten
Bei Kampfhandlungen am 9.
Dezember in der Nähe des Dorfes Dayilar im Kreis Mazgirt in Tunceli
wurden Berichten zufolge die beiden TIKKO-Militanten Ecevit Bulut und Ebru
Aslan getötet. Bezüglich der Anklage des Menschenrechtsvereins,
in der behauptet worden war, dass Fatma Iyiden, die Guerilla der YJA (eine
Unterorganisation weiblicher Guerillas in der HPG), die sich am 6. September
in Siirt selbst getötet hatte, um nicht gefangengenommen zu werden,
an einen Panzer gebunden worden und damit über den Boden geschleift
worden zu sein, wurde auf Nicht-Verfolgung entschieden. In seiner Entscheidung
behauptete der Staatsanwalt, dass es auf dem Körper keine Zeichen
eines Schleifens zu sehen seien, und dass die Blutergüsse an den Beinen
durch den Tod verursacht worden seien. Sie sei durch einen einzigen Kopfschuß
getötet worden.
Weitere Meldungen (DTF)
Bianet (unabhängiges
Kommunikationsnetzwerk) vom 08.12.2004
November-Bilanz von Mazlum-Der
Die Menschenrechtsorganisation
berichtete für den Monat November von 9 Morden durch unerkannte Täter
und von 3 extra-legalen Hinrichtungen. Im gleichen Zeitraum beschwerten
sich 13 Personen bei ihnen wegen Folter. Bei Minenexplosionen starben 5
Personen und 9 wurden verletzt. Bei Gefechten wurden 13 Personen getötet.
Radikal vom 10.12.2004
Anwaltskammer in Izmir
löst Anti-Folter Gruppe auf
Die Anwaltskammer in Izmir
hat die Gruppe zur Verhütung der Folter aufgelöst und das von
der Europäischen Kommission unterstützte Projekt zur “Rolle der
Juristen bei der Verhütung von Folter” gestoppt. Als Grund wurde genannt,
dass die Gruppe sich nicht im Rahmen der Kammer bewegt habe. Der Vorsitzende
Nevzat Erdemir versicherte, dass die Organisation den Kampf gegen die Folter
weiterführen werde.
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