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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Woche 47/2004
Cumhuriyet vom 15.11.2004
Folter in Istanbul
Von den Personen, die bei
der Razzia auf den Verlag “Yeniden Özlem”, der die Zeitschrift Genclik
Gelecektir heraus gibt, am 10. November festgenommen wurden, habe einige
Foltervorwürfe erhoben. Trotz der Einwände des Anwalt Behic Asci
habe die Polizei sie brutal behandelt, sagte einer von ihnen, Gökhan
Türker. “Durch Schläge mit dem Gewehrkolben wurden wir zu Boden
geworfen, Sie haben die Tastatur der Computer auf unseren Köpfen zerschlagen.
Dann wurden wir zur Anti-Terror-Abteilung gebracht und uns wurde gesagt,
dass wir wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen worden seien.
Als wir zur Abnahme der Fingerabdrücke geführt wurde, trat mich
einer, so dass ich ein blaues Auge bekam. Er lachte und meinte, warum ich
gegen die Tür gelaufen sei.” Özgür Karakaya sagte: “Durch
die Schläge mit dem Gewehrkolben ist mein Kopf aufgeplatzt. In den
Gesichtern der festgenommenen Frauen sind die Kratzspuren von den Fingernägeln
der Polizistinnen zu sehen. Auf der Anti-Terror-Abteilung mussten wir uns
splitternackt ausziehen und wurden geschlagen.” Von den Festgenommenen
kamen Meryem Özcelik, Derya Güler und Yunus G. am 12. November
in U-Haft. Ihnen wurde die Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation
zur Last gelegt. Sie sollen uniformiert an einer 1. Mai Kundgebung und
an der Beerdigung eines Hungerstreikenden teilgenommen haben.
Özgür Gündem
vom 17.11.2004
Keine Haftverschonung
Meral Bektas erklärte,
dass ihr Bruder Sitki Bektas wieder in das F-Typ Gefängnis in Kiriklar
(Izmir) kam, nachdem er 6 Monate lang im Yesilyurt Krankenhaus wegen Blutkrebs
und Hepatitis behandelt wurde. Vor drei Wochen habe er ein Attest erhalten,
nach dem die Fortdauer der Haft für ihn eine Lebensbedrohung darstellt.
Er sei gleich am nächsten Tag wieder ins Gefängnis gebracht worden.
Özgür Gündem
vom 15.11.2004
Politiker verurteilt
Das Landgericht in Erzurum
hat Güngör Alp, Vorsitzender der DEHAP für die Provinz,
zu einer Haftstrafe von 6 Monaten nach § 312 TSG verurteilt. Die Strafe
wurde zur Bewährung ausgesetzt. Herr Alp hatte in einer Rede am 8.
März die in Gefechten getöteten Militanten als “Märtyrer”
bezeichnet.
Özgür Gündem
vom 18.11.2004
Folter in Izmir
Aus Izmir wurde mitgeteilt,
dass Ali Ayboga, der durch Schüsse der Polizei bei einer Razzia gegen
Straßenhändler am 13. November verletzt wurde, in der Polizeihaft
gefoltert wurde. Abdülrezzak Ayboga meldete sich bei IHD in Izmir
und sagte, dass er und seine Brüder keine Straßenhändler
seien. Sein Bruder Ali sei bei der Operation angeschossen und er und sein
anderer Bruder Abdülcabbar seien verprügelt worden. “Angehörige
der schnellen Eingreifstruppe kamen in unseren Laden und wollten die Sachen,
die wir vor dem Geschäft ausgelegt hatten, durcheinander bringen.
Es begann eine Diskussion und dann haben sie uns mit Pfeffergas angegriffen.
In der Passage wurde wild geschossen und mein Bruder Ali wurde verletzt.
Mich haben sie mit Händen, Füßen und Stöcken geschlagen.
Neben Ali wurde auch Abdulkadir Ayboga und unserer Verwandter Servet Bal
wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt verhaftet.” Der Anwalt Zeynel
Degirmenci sagte, dass Ali Ayboga zuerst auf der Wache in Kemeralti und
dann auf der Wache Anafartalar festgehalten wurde. Dort wurde er verprügelt,
aber erst 8 Stunden später behandelt.
Hürriyet vom 19.11.2004
Todesschüsse in
Eregli
Der private Wachmann Üstün
Yücel hat am 17. November Tamer C. (19) im Kreis Eregli (Zonguldak)
erschossen. Er hatte ihn und dessen Bruder F.C. in der Nähe der Unterkünfte
des Eisen- und Stahlwerks angetroffen und sie als Diebe verdächtigt.
F.C. sagte zu dem Vorfall: “Wir wollten dort kein Alteisen sammeln, schauten
aber in den Abfall. Der Wachmann fragte, was wir machten und schoss dann.
Ich habe mich gleich auf den Boden geworfen. In dem Moment lief mein Bruder
fort und der Wachtmann hinterher. Ich habe die Situation genutzt und bin
selber weg gelaufen. Wegen der Schüsse bin ich zurück gekehrt
und sah meinen Bruder tot am Boden liegen. Seine Hände waren auf dem
Rücken verbunden.” Der festgenommene Wachmann Üstün Yücel
sagte, dass er einen Warnschuss abgegeben habe. Bei der Verfolgung sei
er auf nassem Rasen ausgerutscht und dabei habe sich unbeabsichtigt ein
zweiter Schuss gelöst.
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