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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Woche 42/2004
Cumhuriyet vom 12.19.2004
Politiker verurteilt
Die 3. Kammer des Amtsgerichts
Bursa hat Cem Uzan, den Vorsitzenden der „Jungen Partei“ (GP) zu einer
Strafe von 8 Monaten Haft und knapp 700 Millionen TL Geldstrafe verurteilt.
Er wurde nach § 159 TSG wegen Beleidigung des Premierministers Recep
Tayyip Erdogan bestraft.
Bia vom 13.10.2004
Radiosender muss für
einen Monat schließen
Der Hohe Rat für Radio
und Fernsehen (RTÜK) hat dem Radiosender Imaj Radyo die Sendungen
für 30 Tage untersagt. In einem Musikwunschprogramm war das Lied “Sarkisla”
gespielt worden. Nach der Meinung des RTÜK soll darin ein Verstoß
nach § 312 TSG enthalten sein.
Milliyet vom 13.10.2004
Minenexplosion
Der Gefreite Ali Aydogan
starb und der Gefreite Ali Tara wurde verwundet, als sie am 12. Oktober
auf eine Landmine im Kreis Ovacik (Tunceli) traten.
Radikal vom 14.10.2004
Urteil im TKEP Verfahren
Am 13. Oktober gab die 9.
Kammer des Kassationsgerichtshofs sein Urteil in einem Verfahren gegen
vermeintliche Angehörige der Kommunistischen Arbeiterpartei der Türkei
(TKEP) bekannt. Das Gericht befand, dass Teslim Töre als „Gründer
und Führer“ der Partei nach $ 146/1 TSG verurteilt werden müsse,
hob es das Urteil gegen ihn auf. Er hatte 18 Jahre, 9 Monate Haft nach
§ 168 TPC erhalten und muss nun mit lebenslanger Haft rechnen. Die
lebenslange Haftstrafe gegen Mehmet Ali Ayhan wurde bestätigt. Er
ist derzeit der Einzige in diesem Verfahren, der noch einsitzt und soll
am Wernicke-Korsakoff Syndrom leiden. Das Gericht bestätigte auch
die Haftstrafen gegen Yusuf Ergin Adakli, Hüseyin Bakir und Kemal
Bilgeç sowie den Freispruch für Recep Üzmez.
Radikal vom 14.10.2004
Politiker verurteilt
Der Kassationsgerichtshof
hat die Haftstrafen von 45 Monaten gegen den Vorsitzenden der Sozialistischen
Arbeiterpartei der Türkei (TSIP), Turgut Kocak und die ehemaligen
Vorstandsmitglieder Necmi Özyurda und Hasan Yavas bestätigt.
Sie waren nach § 169 TSG verurteilt worden, weil nach einer Demonstration
gegen die F-Typ Gefängnisse etliche DemonstrantInnen in das Parteibüro
eingedrungen waren und Spruchbänder hinterlassen hatte. Diese wurden
später von der Polizei entdeckt und vom Gericht als Unterstützung
einer illegalen Organisation bewertet. Die Politiker waren nach dem ersten
Urteil 2 Jahre lang im Gefängnis und wurden im August 2003 entlassen.
Cumhuriyet vom 15.10.2004
Revolte im Gefängnis
Buca
Ungefähr 2000 Häftlinge
in Buca/Izmir starteten einen Aufstand in der Nacht des 13. Oktober. Es
begann damit, dass die Insassen des Flügels 5 die Wärter nicht
in ihren Saal ließen. Später breitete sich der Aufstand auf
das gesamte Gefängnis aus. Die Gefangenen nahmen 5 Wärter als
Geiseln. Einige Gefangene erklommen das Dach und riefen um Hilfe. 6 Anwälte
der Gruppe gegen Folter in der Anwaltskammer Izmir wurden dann in das Gefängnis
gelassen und nach 2 Stunden Verhandlungen wurde der Aufstand beendet. Nach
dem Besuch sagte der Anwalt Ali Koç, dass die Gefangenen sich über
den Arzt beschwert hätten. Sie bemängelten auch, dass die Gefangenen
die Stromkosten zu zahlen haben. Sie wandten sich gegen Misshandlungen
und Transfers zu den F-Typ Gefängnissen. Während des Aufstandes
wurden die Gefangenen Mehmet Sahin, Selahattin Güven, Murat Özonur,
Bilal Satik, Hamza Eryahsi, Ali Özcan, Mehmet Zobi und Muhammet Kitçil
verletzt. Sie wurden ins Krankenhaus in Yesilyurt zur Behandlung gebracht.
Aus dem Gefängnis wurden auch Anschuldigungen laut, dass die Gefangene
Mithäftlinge, die wegen Vergewaltigung von Kindern einsitzen, mit
Messern angegriffen haben sollen.
Evrensel vom 15.10.2004
Folter an Dorfvorsteher
der Provinz Tunceli
Haki Simsek, Vorsteher des
Dorfes Dayilar im Kreis Mazgirt, hat sich beschwert, dass Mitglieder der
Sondereinheit der Gendarmerie, JITEM, ihn entführt und gefoltert haben.
Am 12. Oktober sei er von einer Person mit dem Namen „Efe“ nach Mazgirt
bestellt worden. Als er hingegangen sei, habe man ihn in einer weißen
Kleintransporter gezerrt, wo noch 2 weitere Personen gewesen seien. Sie
hätten ihn zu einer Mülldeponie in der Nähe von Tunceli
gefahren. Dort seien ihm die Augen verbunden und die Hände gefesselt
worden. Dann sei er geschlagen worden. Man habe auch seine Hoden gequetscht
und ihn aufgefordert, bis Samstag die Region zu verlassen.
Weitere Meldungen (zusammengestellt
vom DTF)
Radikal vom 16.10.2004
Haftentlassungen aufgrund
neuen Strafgesetzes
Obwohl das neue Strafgesetz
erst am dem 1. April 2005 in Kraft tritt, haben nun schon Entlassen aus
der Haft begonnen. In Bursa wurden 75 Gefangene, in Sivas 8 und in Adiyaman
2 Gefangene aus der Haft entlassen. Experten schätzen, dass an die
8.000 Gefangene freikommen könnten, wenn sich andere Gerichte der
Meinung anschließen. Die meisten davon würden Personen sein,
die wegen Mitgliedschaft in einer Organisation, bzw. wegen Raub verurteilt
wurden.
Radikal vom 16.10.2004
Mehdi Zana kehrte zurück
Zusammen mit seiner Ehefrau
Leyla Zana ist Mehdi Zana, der ehemalige Bürgermeister von Diyarbakir
in die Türkei zurückgekehrt. Bei seiner Ankunft in Istanbul wurde
Mehdi Zana festgenommen. Anm.: Er kam am Folgetage auf freien Fuß.
Özgür Politika
vom 16.10.2004
Yeziden können wieder
in ihr Dorf
Die Bewohner des Dorfes
Kivex im Kreis Idil (Sirnak), die im Jahre 1993 ihre Heimat verlassen mussten
und zum großen Teil nach Europa gegangen waren, können nun in
ihr Dorf zurückkehren. Im Jahre 1994 hatten Dorfschützer das
Dorf besetzt. Die ersten Rückkehrer wurden mit ihrer Anwältin
Eren Keskin im Dorf vom Landrat Hasan Tanriseven und dem Gendarmeriekommandanten
Halil Celik begrüßt. Der Landrat betonte, dass die Dorfschützer
sich ohne ihr Wissen in dem Dorf niedergelassen hätten. Der Prediger
Ismail Deniz sagte, dass ihre momentane Rückkehr nur symbolisch sei.
Er hoffe, dass in Zukunft alle Bewohner zurückkehrten und dankte denjenigen,
die die Übernahme möglich gemacht hatten. Die Frist für
die Dorfschützer, das Dorf zu verlassen, war am 15. Oktober abgelaufen.
Bia vom 14.10.2004
Polizeichef von Malatya
gegen kurdische Sendungen
Die Polizeidirektion in
Malatya hat die lokalen Sender aufgefordert, keine kurdische Musik mehr
zu spielen. Die Sendungen würden 24 Stunden lang durch die Polizei
verfolgt, heißt es in einem Schreiben vom 6. Oktober. Am 25. Januar
2004 war die Verordnung zu Sendungen in Dialekten und Sprachen außerhalb
der türkischen Sprache verabschiedet worden. Darin erhalten regionale
Fernseh- und Radiosender erst dann eine Genehmigung für Sendungen,
wenn ein entsprechendes Profil (der in dem Gebiet vorherrschenden Sprachen
und Dialekten erstellt wurde). Derzeit warten etliche Lokalsender auf die
Erstellung von entsprechenden Profilen. Seit dem 7. Juni wird in TRT1 (Radio)
und TRT3 (Fernsehen) jeweils montags Sendungen in der bosnischen Sprache,
am Dienstag in Arabisch, an Mittwochen in Kurdisch (Kirmanc), am Donnerstag
im Zaza-Dialekt und am Samstag in der tscherkesischen Sprache ausgestrahlt.
Bia vom 14.10.2004
3 Monats-Bilanz zu Journalisten
Das Projekt Bia2 hat die
Statistik über die Monate Juli-September herausgegeben. In diesem
Zeitraum wurden 9 Verfahren gegen 13 Journalisten eröffnet. Von den
Verfahren wegen 2 wegen § 159 TSG, 2 wegen § 312/1 TSG und jeweils
ein Verfahren wegen angeblichen Vergehen nach den §§ 169, 168/2
und 308 geführt. Zwischen Juli und September wurden 6 Journalisten
festgenommen. In dem davor liegenden Quartal waren es 33 gewesen. Das Verbot
von Sendungen gegen 2 Fernseh- und 2 Hörfunksender erreichte die Summe
von 120 Tagen. Im Quartal davor hatte es keine Verbote gegeben, aber im
1. Quartal des Jahres waren es wiederum 120 Tage gewesen.
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