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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Thema: Menschenrechte in
der Türkei
Woche 35/2004
Sabah vom 23.08.2004
Flüchtling ertrunken
Aus dem Kreis Edremit (Balikesir)
wurde berichtet, dass bei Altinoluk 20 afghanische Flüchtlinge ihre
Reise zur Insel Lesbos starteten, aber auf See ausgesetzt wurden. Einer
der Flüchtlingen ertrank, vier sind "verschwunden" und 15 wurden von
der Küstenwache aufgegriffen.
Özgür Gündem
vom 21./22.08.2004
Misshandlungen in Diyarbakir
14 Personen, die in Diyarbakir
festgenommen wurden, nachdem sie Petitionen für die Freilassung von
Abdullah Öcalan unterschrieben hatten, haben Vorwürfe von
Misshandlungen erhoben. Einer von ihnen, Süleyman Kisa, sprach auf
einer Pressekonferenz des IHD Diyarbakir und sagte, dass Polizisten sie
am Ausgang des Amtes des Gouverneur erwarteten. Zuerst hätten sie
die Empfangsbestätigungen der Petitionen zerrissen. "In der Polizeihaft
mussten wir uns sehr laute Popmusik anhören. Wir protestierten, wurden
aber beleidigt und beschimpft. In Batman sagte der Jugendliche M.Y. (17),
dass er von Beamten auf der Kinderabteilung der Polizei bedroht worden
sei. Er war aus dem gleichen Grunde festgenommen worden. Die Beamten hätten
ihm gesagt, dass er Türkei sei und immer Türke bleiben werde.
Als er sagte, dass er Kurde sei, hätten sie entgegnet, dass Landesverräter
in Brand gesteckt werden sollten.
Özgür Gündem
vom 23.08.2004
Minenexplosion
Der Dorfschützer Abdulaziz
Bayram starb, als er am 22. August in der Nähe der Stadt Balveren
(Sirnak) auf eine Mine trat.
Özgür Gündem
vom 24.08.2004
Folter in Adana
Meral Türkmen, ehemalige
Mitarbeiterin des Mittelmeer-Kultur- und Kunstzentrums in Adana, beschwerte
sich, dass sie am 14. August von Kriminalbeamten entführt, gefoltert
und aufgefordert wurde, als Spitzel zu arbeiten. Die Beamten hätten
sie in einen Mercedes gezwungen und ihr dort die Augen verbunden und sie
geknebelt. Die Polizisten hätten sie als Terroristin beschimpft. Ihren
Vater bezeichneten sie ebenfalls als Terroristen, der Guerilla anwerbe.
Meral Türkmen wurde beschuldigt, Aktionen am Tage der Verschleppung
von Abdullah Öcalan in die Türkei durchgeführt zu haben.
Ein Mann habe seine Pistole entsichert und an ihre Schläfe gehalten.
Da Meral Türkmen die Frage nicht beantwortete, sei sie beleidigt und
geschlagen worden. Ihr wurde Schutz für den Fall der Zusammenarbeit
mit der Polizei versprochen. Als sie jedoch das Angebot ablehnte, sei sie
brutal geschlagen worden. Die Beamten sollen sie hin und her geschuppt
haben. Sie sei hoch gehoben und dann fallen gelassen worden und schließlich
wurden sie auf den Boden gelegt und in den Magen getreten. Erst in den
Morgenstunden des 15. August sei sie in der Nähe von Ceyhan freigelassen
worden. Sie habe bei der Gerichtsmedizin ein Attest erhalten und habe eine
Strafanzeige gestellt.
Özgür Gündem
vom 25.08.2004
Folter in Akhisar
Mehrere Mitglieder der Familie
Güngör aus dem Kreis Akhisar in der Provinz Manisa haben der
Polizei vorgeworfen sie nach der Festnahme am 13. August gefoltert zu haben.
Auf der Suche nach Bedrettin Güngör, der im Verdacht einer kriminellen
Tat stand, kam die Polizei und nahm an seiner Stelle den Bruder Hamdi Güngör
fest. Anschließend ging Bedrettin Güngör zur Wache und
wurde ebenfalls festgenommen. Die Verwandten Yasin, Behçet, Selamettin,
Cengiz und Kerem Güngör wurden vor der Wache verprügelt,
als sie sich nach ihren Angehörigen erkundigen wollten. Behçet,
Selamettin, Kerem und Cengiz Güngör kamen am 15. August in U-Haft,
weil sie Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet haben sollen. Bedrettin
Güngör wurde am 17. August freigelassen. Nach seiner Freilassung
sagte er, dass ihm im Keller Stromkabel gezeigt wurden und ihm mit Elektroschocks
gedroht wurde. Unterdessen hat eine Delegation des IHD Izmir den Vorfall
untersucht. Sie besuchten Behcet und Cengiz Güngör im Gefängnis
von Manisa und berichteten, dass Behcet Güngör an Gedächtnisschwund
leide, weil er Schläge auf den Kopf erhielt. Cengiz Güngör
habe Schwierigkeiten gehabt, zu gehen und habe Wunden an verschiedenen
Körperteilen gehabt.
Weitere Meldungen (Zusammenstellung
vom DTF)
Özgür Politika
vom 24.08.2004
Massengrab in Bitlis
Aus dem Kreis Tatvan in
der Provinz Bitlis wurde von der Entdeckung von 2 Massengräbern berichtet,
die aus dem Jahre 1994 stammen sollen. Bei den Leichen seien die von der
Guerilla benutzten Turnschuhe, aber auch militärische Kleidung gefunden
worden. An den Hängen des Berges Kender soll ein Grab mit 13 Leichen
und auf dem Gipfel des Bindaki Berges ein Grab mit 19 Leichen sei. In dem
Album der "Märtyrer" führt die PKK 13 Todesopfer bei einer Auseinandersetzung
am 27. Oktober 1994 auf. Unter den Getöteten soll der "Kommandant"
Aytekin Sezgin aus dem Kreis Kozluk (Batman) sein. 19 Tote gab es bei einem
Gefecht, auf dem Bindaki Berg, das 3 Tage lang dauerte. Die Leichen sollen
schon im Juni 1994 von Schäfern gefunden worden sein, aber niemand
habe den Mut gehabt, etwas zu unternehmen.
Bia vom 26.08.2004
Weitere Verfahren gegen
Nureddin Sirin
Der Journalist Nureddin
Sirin verbüßt derzeit eine Haftstrafe von 17,5 Jahren, die ihm
nach den Ereignissen in Sincan im Jahre 1997 wegen Mitgliedschaft in der
"Hizbullah" erteilt wurden. Im Gefängnis in Kandira (Typ F) hat er
einen Antrag auf Anwendung des Gesetzes zur Eingliederung in die Gesellschaft
gestellt. Darüber soll am 8. September entschieden werden. Es liegen
aber weitere Verurteilungen gegen ihn beim Kassationsgerichtshof zur Entscheidung
an. Eines dieser Verfahren beruht auf einem Artikel in der inzwischen eingestellten
Wochenzeitschrift "Selam" mit dem Titel "Satanismus und Kemalismus". Nureddin
Sirin wurde von der 2. Kammer des SSG Istanbul deswegen zu einer Freiheitsstrafe
von 3 Jahren nach § 312/2 TSG verurteilt. Ein weiterer Artikel in
der Zeitschrift mit dem Titel "Selbst wenn es Atheisten sind, müssen
wir den Schwachen beistehen" wurde am 5. Juni 1997 veröffentlicht
und brachte Nureddin Sirin eine Haftstrafe von 20 Monaten ein.
Radikal vom 28.08.2004
Minenexplosion in Pervari
Abdullah Baytekin und Mizgin
Baytekin (9) starben, als auf einem Weg in das Dorf Bilgili im Kreis Pervari
(Siirt) eine Anti-Panzer-Mine explodierte. Abdullah Baytekin war mit seinem
Kleintransporter auf die Mine gefahren, die von der PKK verlegt worden
sein soll. Weitere 5 Personen wurden durch die Explosion verletzt.
Özgür Politika
vom 28.08.2004
Schüsse an der Grenze
Aus dem Kreis Özalp
(Van) wurde berichtet, dass die Gendarmerie in der Nacht vom 26. August
in der Nähe des Dorfes Bakisik 6 Dorfbewohner festnahmen, die im Verdacht
des Schmuggelns mit Heizöl standen. Im Verlauf einer Diskussion sollen
die Soldaten Bilal Yakan (16) und Davut Korkut (15) auf die Füße
geschossen und die anderen Dorfbewohner verprügelt haben. Der ältere
Bruder von Bilal Yakan, Bülent Yakan berichtete, dass sie häufiger
von den Soldaten drangsaliert würden, die von einem Ramazan mit dem
Spitznamen "Rambo" angeführt würden. Über Handy würden
sich die Soldaten mit ihren Kollegen auf der iranischen Seite verständigen
und sie kassierten Bestechungsgelder, sagte Herr Yakan. In den letzten
3 Jahren wurden im Kreis Özalp 6 Schmuggler getötet und 6 verletzt.
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