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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 28/2004
Özgür Gündem
vom 03.07.2004
Folter an Dorfbewohnern
Das Landgericht in Burdur
sprach am 2. Juli das Urteil in dem Verfahren gegen 8 Gendarmen, denen
Folter an Tahir Yildiz, Ismail Yüncü, Salih Duran, Salih Yüncü,
Erol Kirci, Ali Macit, Ali Gökpinar, Yunus Gürbüz, Nurettin
Aydin, Tahsin Horzum, Orhan Kaymakçi, Ramazan Danaci, Ragip Uysal,
Ramazan Karaaslan, Abdullah Parlar, Ayar Çakir und Hasan Ayyildiz
aus Dörfern des Kreises Bucak (Provinz Burdur) und Dinar (Provinz
Afyon) im März 2000 zur Last gelegt wurde. Der Kommandant der Gendarmeriestation
in Bucak, Hikmet Batur wurde wegen Folter (§ 243 TSG) und der Tatsache,
dass er den Verhafteten Rechtsbeistand verweigerte, zu einer Freiheitsstrafe
von 6 Jahren verurteilt. Der Leutnant Mustafa Türköz wurde zu
einer Haftstrafe von 2 Jahren verurteilt. Die Unteroffiziere Seref Göztepe,
Süleyman Alagöz, Ali Ulvi Çelik und Erkan Izgüngör
wurden freigesprochen. Das Verfahren gegen den Unteroffizier Yusuf Hökelekoglu
wurde eingestellt, weil er im Januar 2003 Selbstmord begangen hatte. Im
Verfahren war ein Aziz Turan angeklagt, der der Intelligenz der Gendarmerie
angehören sollte. Sein Verfahren wurde abgetrennt, weil in der Akte
des Überläufers der PKK Abdülkadir Aygan wichtige Informationen
sein sollen. Diese Akte wurde jedoch nicht aufgefunden.
Özgür Gündem
vom 03.07.2004
Spezielle Landgerichte
Der Hohe Rat von Richtern
und Staatsanwälten hat die Einrichtung von 18 Kammern an besonderen
Landgerichten in 8 Provinzen der Türkei beschlossen. Sie sollen an
die Stelle der Staatssicherheitsgerichte treten. In Adana werden es die
Kammer 6 und 7 sein, in Ankara die Kammer 11, in Diyarbakir die Kammern
4-7, in Istanbul die Kammer 9-14, in Izmir die Kammer 8, in Malatya die
Kammer 3 und in Van die Kammer 3 und 4. Die Zuständigkeit der Gerichte
für die einzelnen Provinzen wurde wie folgt festgelegt: Adana: Adana,
Aksaray, Gaziantep, Hatay, Mersin, Karaman, Kilis, Konya, Nigde, Osmaniye.
Ankara: Ankara, Afyon, Amasya, Bartin, Bolu, Çankiri, Çorum,
Eskisehir, Karabük, Kayseri, Kastamonu, Kirikkale, Kirsehir, Kütahya,
Nevsehir, Samsun, Sinop, Tokat, Yozgat, Zonguldak, Düzce. Diyarbakir:
Diyarbakir, Batman, Bingöl, Mardin, Siirt, Sirnak, Sanliurfa. Erzurum:
Erzurum, Agri, Ardahan, Artvin, Bayburt, Erzincan, Giresun, Gümüshane,
Igdir, Kars, Ordu, Rize, Sivas, Trabzon. Istanbul: Istanbul, Balikesir,
Bilecik, Bursa, Çanakkale, Edirne, Kirklareli, Kocaeli, Sakarya,
Tekirdag, Yalova. Malatya: Malatya, Adiyaman, Elazig, Maras, Tunceli. Izmir:
Izmir, Antalya, Aydin, Burdur, Denizli, Isparta, Manisa, Mugla, Usak. Van:
Van, Bitlis, Hakkari, Mus.
Özgür Gündem
vom 09.07.2004
Freisprüche in Diyarbakir
Die 1. Kammer des Amtsgerichts
in Diyarbakir hat Selahattin Demirtas, Vorsitzender der Zweigstelle des
IHD, Necdet Atalay von der Kammer der Maschineningenieure, Emir Ali Simsek
von SES, Ali Öncü von Tes-Is, und Bülent Kaya von BES von
einem Vorwurf unter § 312 TSG freigesprochen. Das Verfahren war wegen
Reden in Kurdisch auf der Frieden und Demokratie Kundgebung vom 21. Juni
eröffnet worden. Die gleiche Kammer sprach auch Cabbar Leygara, ehemaliger
Bürgermeister von Baglar, frei. Er war angeklagt worden, weil er am
27.10.2003 der Polizei nicht erlaubt hatte, einer Veranstaltung beizuwohnen.
In beiden Fällen stützte sich das Gericht auf die Europäische
Menschenrechtskonvention.
Weitere Meldungen (Zusammenstellung:
DTF)
Bia vom 06.07.2004
Süryani treffen
sich in Adiyaman
Am 29. Juni haben sich Süryanis
(syrisch-orthodoxe Christen) aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich,
Istanbul, Ankara und anderen Städten der Türkei in Adiyaman versammelt,
um am Gottesdienst in der Petrus und Paul Kirche teilzunehmen. Der Gottesdienst
wurde vom Metropoliten Yusuf Cetin geleitet. Nach dem Gottesdienst ging
die Gemeinde in den Stadtteil Musalla, in dem sie zuvor gelebt hatten und
besuchten einige Familien, die vor ca. 30 Jahren ihre Nachbarn waren.
Radikal vom 09./10.07.2004
Ereignisse in Van
Der Vater des im Zusammenhang
mit einer Operation gegen Schmuggler in Van festgenommenen Hamit Bayram,
Mustafa Bayram, hat eine lange Liste von Verbrechen auf seinem Konto. Er
hat eine Zeitlang wegen Drogenhandels in Haft gesessen. Die Anklage gegen
ihn, eine Akte wegen Mordes aus dem Gerichtsgebäude in Van gestohlen
zu haben, wurde fallen gelassen, als sich einer der seiner Leute zu der
Straftat bekannt. Mustafa Bayram wurde 1995 Abgeordneter für die ANAP.
Im Jahre 1999 erlangte er einen Sitz für die FP. Sein Name wird insbesondere
im Zusammenhang mit Drogenhandel genannt. 1979 wurden dabei 8,8 kg Heroin
beschlagnahmt. Im Jahre 1986 waren es 20 kg Heroin, die in Istanbul sichergestellt
wurden. Im Jahre 1990 soll er einen Überfall auf das Gerichtsgebäude
in Istanbul angeordnet haben und im Jahre 1997 war in den Mord an zwei
Personen aus der Broki-Sippe verwickelt.
(10.07.) Es hat sich herausgestellt,
dass Hamit Bayram nicht in Haft ist. Er war angeblich am Mittwoch mit 8,5
Gramm Heroin festgenommen worden, die er der als Käufer auftretenden
Polizei als "Muster" anbot. Die Polizei wartete dann auf die Leute von
Bayram, die das Heroin bringen sollten. Er aber informierte sie übers
Handy und es kamen 25-30 Personen, die die Polizeibeamten überwältigten.
Inzwischen sollen sich 7 Personen gestellt haben, aber obwohl Mustafa Bayram
versprochen hatte, seinen Sohn auszuliefern, ist dies bislang nicht geschehen.
Hikmet Tan, der Gouverneur von Van, gab daraufhin bekannt, dass er den
Vater und den Bruder festnehmen lassen werde, wenn Hikmet Bayram sich nicht
stelle.
Özgür Politika
vom 09.07.2004
Bericht der OMCT
Die Weltorganisation gegen
die Folter (OMCT) hat am 7. Juli einen Bericht zu Gewalt gegen Frauen im
Jahre 2003 herausgegeben. Unter den 10 Beispielländern war auch die
Türkei. Dem Bericht zufolge verlieren jedes Jahr 200 Frauen in der
Türkei ihr Leben aufgrund von "Ehrenmorden". Es wurde festgestellt,
dass Vergewaltigungen in Kamerun, Brasilien und der Türkei dann kein
Verbrechen darstellen, wenn die Opfer die Täter heiraten. Insbesondere
politische Frauen und unter ihnen wiederum Kurdinnen sind einem besonderen
Risiko von sexueller Folter ausgesetzt, heißt es in dem Bericht mit
einer Anzahl von beispielhaften Fällen. Der Bericht kann komplett
oder als pdf-Datei zu den einzelnen Ländern unter http://www.omct.org/base.cfm?page=article&num=4958&consol=close&kwrd=&cfid=1105967&cftoken=83064274
heruntergeladen werden.
Özgür Politika
vom 10.07.2004
6-Monats Berichte vom
IHD in Bingöl und Van
Die Zweigstellen des IHD
in Bingöl und Van haben Berichte über Menschenrechtsverletzungen
in den ersten 6 Monaten des Jahres 2004 herausgegeben. Ridvan Kizgin, der
IHD Vorsitzende in Bingöl, sagte, dass die relative Abnahme an Menschenrechtsverletzungen
auf die Auswirkungen der Repressalien im Jahre 2003 zurückzuführen
seien. Kaum eine Organisation wage es noch, Veranstaltungen zu organisieren.
Er betonte aber auch, dass es einen Anstieg von Verstößen im
Bereich des Recht auf Leben gegeben habe. Vier Personen seien bei Gefechten
ums Leben gekommen und zwei Personen verloren ihr Leben aufgrund von Minenexplosionen.
Hinzu kämen zwei zweifelhafte Todesfälle. Foltervorwürfe
seien von 11 Personen beim IHD eingereicht worden.
Der IHD in Van gab für
den Monat Juni bekannt, dass zwei Personen bei Gefechten ums Leben kamen
und fünf Personen gefoltert wurden.
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