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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 21/2004
Özgür Gündem
vom 16.05.2004
Folter in Igdir
Ismet Toka, Ramazan Simsek
und Metin Ayyildiz, die am 10. Mai in Igdir festgenommen wurden, weil sie
alkoholisiert waren, haben der Polizei vorgeworfen, sie gefoltert zu haben.
Ismet Toka sagte dem Staatsanwalt: “Ein kleingewachsener Polizist mit grauen
Haaren beschimpfte mich und schlug auf mich ein. Mir wurden Handschellen
angelegt und ich wurde auf den Boden gelegt. Sie traten mich und schlugen
mich mit ihren Polizeiknüppeln. Mit einem Kabel haben sie mir auf
den Rücken geschlagen. Sie legten einen Schlauch um meinen Hals und
zogen mich über den Boden.” Das Staatskrankenhaus in Igdir attestierte
Ismet Toka Rötungen an verschiedenen Körperteilen und 2 Wunden
unterhalb der linken Brustwarze. Bei einer Gegenüberstellung erkannte
er die Polizeibeamten Yusuf Bakirci, Ali Öztürk, Mustafa Demir
und Yücel Akin. Wie weiter verlautete existiert ein Verfahren wegen
Folter gegen die Beamten Kuvvet Yasar, Ugur Demir, Hikmet Sesli, Ahmet
Toksoy und Bülent Küçükatay, die ebenfalls beim Polizeipräsidium
in Igdir beschäftigt sind und 2 Studenten gefoltert haben sollen.
Ein weiteres Verfahren wegen Misshandlung an den DEHAP Mitgliedern Mehmet
Alp, Levent Tastan, Mehmet Cirkan, Resul Gür, Erkan Ipek und Salahattin
Filizkiran ist gegen die Polizisten Turgut Tutar, Hüseyin Egin und
Hasan Korkmaz anhängig. Die DEHAP Mitglieder waren am 15. Februar
dieses Jahres festgenommen worden.
Özgür Gündem
vom 16.05.2004
Besuchsverbot für
PRD Mitglieder
Die Verwaltung des Gefängnisses
Kürkcüler (Adana) hat gegen Angehörige der Demokratischen
Befreiungspartei (PRD), die einen 5-tägigen Hungerstreik gegen das
Strafvollzugsgesetz gemacht hatten, ein Besuchsverbot von 1 Monat verhängt.
Für die Dauer von 6 Monaten sollen sie nicht in den Genuss von “offenen
Besuchen” kommen.
Evrensel vom 17.05.2004
Minenexplosion
Mehmet Erdem (27) starb
als er auf der Hochweide Asartepe im Kreis Hassa (Hatay) beim Hüten
seiner Schafe auf eine Mine trat.
Birgün vom 18.05.2004
Hungerstreik in Civril
Aus dem Gefängnis in
Civril (Provinz Denizli) verlautete, dass der Gefangene Turan Bayol ein
Todesfasten begonnen hat. Im Dezember 2003 hatte er einen Hungerstreik
gegen die schlechten Haftbedingungen gemacht. Dieses Mal protestiert er
dagegen, dass er nicht zu seinem Gerichtsverfahren nach Izmir gebracht
wird.
Bia vom 18.05.2004
Gefangene wegen Beleidigung
angeklagt
Die Staatsanwaltschaft in
Tekirdag hat am 10. November 2003 Anklage gegen die Gefangenen Bayram Kama,
Ramadan Sadikogullari, Adem Kepeneklioglu, Nurettin Peker, Nurettin Erenler,
Mehmet Aytunç Altay, Imam Akmut, Hasan Polat und Ramazan Aydin aus
dem F-Typ Gefängnis erhoben. Sie hatten im Februar 2003 Strafanzeige
gegen den Major Osman Aksu und den Unteroffizier Ilker Akin gestellt, weil
sie versucht am 29. Januar 2003 versucht hatten, den Gefangenen Veli Özdemir
zu überreden, ein Überläufer zu werden. Die diesbezüglichen
Ermittlungen endeten im März 2003 mit der Einstellung des Verfahrens,
während die Gefangenen wegen Beleidigung des Justizministeriums angeklagt
wurden. Das Verfahren begann am 2. April.
Milliyet vom 18.05.2004
Minenexplosion
In der Nähe des Dorfes
Kocyurdu im Kreis Güclükonak (Sirnak) explodierte eine Mine auf
einem Weg. Durch die Explosion wurden zwei Militante der HPG getötet.
Özgür Gündem
vom 20.05.2004
Polizeiposten angegriffen
Am 18. Mai griffen Militante
der HPG einen Polizeiposten im Kreis Pervari (Siirt) an. Der Polizist Cumali
Hakan und der Gefängniswärter Cihan Aydogdu, der den Polizeiposten
besuchte, wurden dabei getötet. Der Polizist Hüseyin Kogoglu
wurde verletzt.
DIHA vom 21.05.2004
Folter in Elazig
Die Strafanzeige von Semdin
Erol und Cebrail Savucu, die am 17. März in Osmaniye festgenommen
und unter dem Verdacht des Diebstahls an die Polizei in Elazig überstellt
worden waren, endete in Einstellung der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft
entschied, dass gegen die Soldaten Arif Danaci, Fatih Türkmenoglu,
Abdulkadir Özbek, Gökhan Arslan, Sedat Sariz, Murat Yücedaglar
und Abdulkadir Miklar, die auf der zentralen Gendarmeriestation ihren Dienst
versehen, nicht genügend Beweismittel existieren. Erol und Savucu
hatten ihnen vorgeworfen, sie so stark geprügelt zu haben, dass sie
Zähne verloren. Des weiteren hatten sie gesagt, dass sie mit Spießen
in die Hände gestochen wurde und ihnen Salz in die Wunden gestreut
worden war. Der Bruder von Semdin Erol, Recep Erol sagte, dass er die Gefangenen
im Gefängnis besuchte und die Spuren von Folter sah. Sie hätten
Wunden am Kopf gehabt und es habe ihnen Zähne gefehlt. Ihnen sei auch
mit Spießen in die Hände gestochen und Salz in die Wunden gerieben
worden. Trotz der sichtbaren Spuren habe der Arzt ihnen kein Attest ausgestellt.
Anträge auf weitere Untersuchungen seien abgelehnt worden. Sein Bruder
sei nun im Gefängnis von Kayseri und leide unter psychischen Störungen.
Er werde aber nicht behandelt.
Cumhuriyet vom 21.05.2004
Anwälte verurteilt
Die 1. Kammer des Landgerichts
Kadiköy hat die Anwälte Murat Celik und Bilgütay Hakki Durna
zu einer Haftstrafe von 6 Monaten nach § 268 TSG verurteilt. Sie sollen
im Verfahren gegen den “Idealisten” Ihsan Bal wegen Mordes an Hüseyin
Duman, Mitglied der Sozialistischen Herrschaftspartei (SIP) das Gericht
beleidigt haben. Die Haftstrafen wurden in Geldstrafen verwandelt.
Birgün vom 21.05.2004
3 Freisprüche für
DEHAP Vorsitzenden
Der DEHAP Vorsitzende Tuncer
Bakirhan wurde in 3 Verfahren freigesprochen. In einem Verfahren war er
vor dem SSG Van wegen einer Rede in Hakkari nach Artikel 7/2 ATG angeklagt.
Ein weiteres Verfahren vor dem SSG Van war wegen einer Rede im Kreis Yüksekova
geführt worden. Vor dem SSG Erzurum war er wegen einer Rede im Kreis
Patnos (Agri) am 8. Oktober 2003 angeklagt nach § 312 TSG und Artikel
7/2 ATG angeklagt worden. Die Freisprüche erfolgten aufgrund der Änderungen
an Artikel 7 ATG vom August 2003, da die Propaganda für illegale Organisationen
nur noch dann strafbar ist, wenn sie zur Anwendung von Gewalt empfiehlt.
Weitere Meldungen (Zusammenstellung
DTF)
Özgür Politika
vom 20.05.2004
Freispruch für “verehrter
Öcalan”
Vor 2 Tagen erfuhr Semira
Varli, Vorsitzende der Frauenkommission von DEHAP in Van, dass sie in einem
Verfahren vor dem SSG Van von dem Vorwurf der Propaganda für eine
illegale Organisation nach Artikel 7/2 ATG freigesprochen worden ist. Das
Verfahren war nach einer Pressekonferenz vor dem Büro der AKP in Van
vom 22.10.2003 eröffnet worden. In der Presseerklärung war gefordert
worden, die Isolationshaft gegen den KADEK Führer, den verehrten Abdullah
Öcalan aufzuheben. Wegen einer ähnlichen Erklärung am 8.
Februar 2003 war Mahinur Tas, Vorsitzende der Frauenkommission der DEHAP
in Bulanik vom SSG Van zu 45 Monaten Haft verurteilt worden.
Bia vom 20.05.2004
Anklage gegen mordende
Dorfschützer nach 10 Jahren
Aus dem Kreis Malazgirt
(Mus) wurde gemeldet, dass 10 Jahre nach der Entführung von Ermordung
von Ramazan Öznarci nun 7 Dorfschützer auf die Anklagebank kommen.
Nach der Schilderung hatte sich Ramazan Öznarci im Jahre 1994 sein
Heimatdorf Nurettin verlassen, weil er sich weigerte, Dorfschützer
zu werden. Er war in die Kreisstadt Patnos (Provinz Agri) gezogen und hatte
einen Gemüseladen eröffnet. Dort wurde er am Morgen des 21. August
1994 von bewaffneten Personen entführt. Am nächsten Tage erhielten
seine Angehörigen die Todesnachricht. Ramazan Öznarci sollte
sich nach der offiziellen Darstellung einer Gruppe von PKK’lern angeschlossen
und sein Heimatdorf angegriffen haben. In dem Gefecht mit den Dorfschützern
sei er getötet worden. Die anderen PKK’ler seien geflohen, hieß
es. Erst am 26. Mai 2003 stellte sein Sohn Alpaslan Öznarci Strafanzeige
und behauptete, dass sein Vater von den Dorfschützern Ahmet Çelik,
Enver Çelik, Zülküf Polat, Bahattin Koçak, Abdullah
Koçak, Nusrettin Büyükdag und Sahin Koçak entführt,
gefoltert und getötet wurde. Er benannte Zeugen für den Vorfall
und die Staatsanwaltschaft in Malazgirt nahm die Ermittlungen auf. Da es
sich um Mord handelte, wurde die Sache nach Mus weitergeleitet und schliesslich
wurde Anklage nach § 450/4 TSG erhoben. Im Autopsiebericht vom 22.
August 1994 war von einem gebrochenen Halswirbel, Hautabschürfungen,
gequetschten Zehen die Rede. Zudem wurde nun festgestellt, dass damals
die Aussagen von Dorfschützern und Soldaten widersprüchlich waren.
Die Soldaten hatten z.B. den Einsatz einer BTR Gruppe verneint. Der Anwalt
der Familie, Mensur Isik, machte darauf aufmerksam, dass andere Dorfschützer
derzeit in Haft sind, weil sie im Jahre 2002 3 Personen umbrachten, die
Gras mähen wollten.
Anm.: Der Vorfall ereignete
sich am 9. Juli 2002. Damals wurden Yusuf Ünal (75), sein Bruder Abdulsamet
Ünal (48) und sein Sohn Abdurrahim Ünal getötet, als sie
in das Dorf zurückkehren wollten. Danach waren die Dorfschützer
Mehmet Polat, Yilmaz Polat, Cemil Polat, Kemal Erkoçak, Kemal Koçak,
Nizamettin Çelik, Harun Çelik, Filit Koçak.
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