Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 18/2004
Cumhuriyet/Özgür
Gündem vom 23./24.04.2004
Keine Ermittlungen wegen
Prügel
Der Gouverneur von Siirt
hat der Staatsanwaltschaft keine Erlaubnis erteilt, wegen der Anzeige
von 7 Studenten zu ermitteln. Sie waren am 17. April von Diyarbakir nach
Siirt gekommen, um über den Druck an den Unis zu berichten und wurden
am Ortseingang aufgehalten. Dabei sollen sie mit Knüppeln und Riemen
verprügelt worden sein. Die Anzeige richtete sich gegen den Polizeichef
H. Murat Karcioglu und die Beamten Serafettin Uz, Ugur E. Akkay, Emniyet
Amiri Ali Hikmet Yalçin, Hasan Basaran, Ali Gayret, Neset Aydemir,
Neslihan Keles, Cengiz Cengiz und Muzaffer Karakaya. Der Gouverneur lehnte
Ermittlungen mit der Begründung ab, dass es nicht zur Anwendung von
Gewalt gekommen sei. Es sei keine Ambulanz angefordert worden und die Beschwerdeführer
hätten auch keine Atteste. Demgegenüber sei festgestellt worden,
dass sie sich schon in der Vergangenheit an solchen Aktionen beteiligt
hätten.
Özgür Gündem
vom 23.04.2004
Tod im Gefängnis
Ahmet Dal, der im Gefängnis
von Kiziltepe (Mardin) eine 45-monatige Haftstrafe nach § 169 TSG
verbüßte, ist in der Nacht zum 21. April an einem Herzschlag
gestorben. Er hatte schon 2 Jahre in Haft verbracht.
Birgün vom 24.04.2004
Patronenexplosion
Am 23. April kam es in der
Nähe der Stadt Varsak (Provinz Antalya) zur Explosion einer Patrone,
die Umut Gürpinar (15) und E.D. (14) auf einem Schießstand gefunden
hatten. Beide Kinder wurde verletzt. Umut Gürpinar verstarb im Krankenhaus
von Akdeniz.
Özgür Gündem
vom 25.04.2004
Verfahren gegen Soldaten
Der Staatsanwalt in Uludere
leitete wegen der Ermordung von Haci Ölmez am 7. April 2003 im Dorf
Andac in der Provinz Sirnak ein Verfahren gegen 18 Soldaten ein. Nach Information
des Rechtsanwaltes Tahir Elci hatte der Staatsanwalt nach dem Vorfall ein
Ermittlungsverfahren eingeleitet und beim Sub-Gouverneur in Uludere um
Genehmigung nachgefragt. Die Anwälte der Soldaten hatten beim örtlichen
Verwaltungsgericht in Diyarbakir die Beendigung der Ermittlungen beantragt,
und das Gericht hatte auch entschieden, dass es nicht genügend Beweise
und Dokumente gebe, die eine Straftat der Soldaten belege. Daraufhin
entschied der Staatsanwalt, keine Ermittlungen durchzuführen. Rechtsanwalt
Elci klagte dagegen beim Strafgericht in Siirt. Dieses Gericht hob die
Entscheidung, die Ermittlungen einzustellen, wieder auf mit der Begründung
„es gebe genügend Beweismittel, um ein Verfahren einzuleiten“. Augrund
dieser Entscheidung wurden von Staatsanwalt Ermittlungen eingeleitet und
ein Verfahren gegen die 18 Soldaten nach den Artikeln 448 (Tötungsabsicht)
und 463 des TStG eingeleitet.
Cumhuriyet/ Özgür
Gündem vom 24.04.2004
Kampfhandlungen im Südosten
Bei Kampfhandlungen in der
Nacht vom 22. April in der Nähe des Dorfes Yoncadüzü im
Kreis Erzin wurden drei HPG-Militante getötet. Bei Kämpfen
zwischen HPG-Kämpfern und Dorfschützern in der Nähe des
Dorfes Celtikli bei Bitlis sollen 6 Dorfschützer verwundet worden
sein.
Birgün/ Cumhuriyet vom
27.04.2004
Studenten bei YÖK-Protesten
geschlagen und festgenommen
Am 24. April beendete die
Polizei einen Protestmarsch von Studenten gegen YÖK auf dem Taksim-Platz
von Istanbul mit Tränengas und Knüppeln. 48 Studenten wurden
unter Schlägen festgenommen. Am 26. April wurden sie vom Staatsanwalt
freigelassen.
TIHV vom 27.04.2004
Verfahren gegen Mitarbeiter
Am 26. April sprach die
8. Kammer des Amtsgerichts in Izmir Dr. Alp Ayan, Mitarbeiter der TIHV
in Izmir, und Ecevit Piroglu, Vorsitzender der SDP in Izmir, vom Vorwurf
einer unerlaubten Demonstration nach dem Gesetz Nr. 2911 frei. Sie hatten
im Jahre 2001 eine Presseerklärung zur Operation vom 19. Dezember
2000 gegen die Gefängnisse und die Gefängnisse vom Typ F verlesen.
Yeni Safak vom 27.04.2004
Journalist verurteilt
Das SSG Istanbul hat Mustafa
Döküler, den Chefredakteur der im Ausland erscheinenden Zeitung
“Yeni Asya International” zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten nach
§ 312 TSG verurteilt. Die Haftstrafe wurde in eine Geldstrafe verwandelt
und es wurde der Zeitung ein Erscheinungsverbot von 3 Tagen auferlegt.
Mustafa Döküler hatte das Erdbeben vom August 1999 als eine Warnung
Gottes bezeichnet.
Cumhuriyet vom 28.04.2004
Gewerkschafter freigesprochen
In einem Wiederaufnahmeverfahren,
das nach einer positiven Entscheidung des Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte (EGfMR) erfolgte, hat das SSG Istanbul den ehemaligen
Vorsitzenden der Gewerkschaft Petrol-Is, Münir Ceylan, wegen eine
Artikels in “Yeni Ülke” aus dem Jahre 1991 freigesprochen. Herr Ceylan
hatte wegen des Artikels “Morgen kann es zu spät sein” eine Strafe
von 20 Monaten Haft nach § 312 TSG erhalten. Der Kassationsgerichtshof
hatte die Strafe im Januar 1994 bestätigt und Herr Ceylan war am 1.
Juni 1994 in Haft gekommen, aus der er am 29. Januar 1995 entlassen wurde.
Der EGfMR hatte ihm eine Abfindung von 70.000 fr. Franc zuerkannt.
BIA vom 28.04.2002
Verfahren gegen Journalisten
Gegen Ersen Korkmaz, den
Herausgeber der Lokalzeitung Demokratisches Iskenderun, und Necmettin Salaz,
Vorstandsmitglied der Türkischen Kommunistischen Partei (TKP), wurde
im Zusammenhang mit einer TKP-Veranstaltung ein Verfahren eröffnet.
Beide werden beschuldigt, „die Sicherheitskräfte beleidigt zu haben“,
Salaz in seiner Rede und Korkmaz in seinem Bericht über die Veranstaltung.
Die Anklage fordert eine Verurteilung nach Art. 159 TStG. Der nächste
Gerichtstermin ist am 3. Juni.
Bia vom 29.04.2004
Journalistin freigesprochen
Die 1. Kammer des Landgerichts
Mersin hat die ehemalige Chefredakteurin der Lokalzeitung “Çinar”,
Gülay Yildiz beim 4. Gerichtstermin freigesprochen. Sie hatte einen
einleitenden Artikel zum Buch von Nadire Mater “Buch des Soldaten” geschrieben
und war nach § 159 TSG angeklagt worden. Dafür war sie am 21.06.2001
zu 10 Monaten Haft verurteilt worden. Der Kassationsgerichtshof hatte das
Urteil aufgehoben, aber das Gericht hatte auf dem Urteil bestanden, jedoch
die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Dieses Mal erhob der Kassationsgerichtshof
Einspruch wegen des veränderten § 159 TSG. Trotzdem entschied
das Gericht erneut auf 10 Monate Haft. In dem Urteil vom 1. April 2003
wurde die Strafe zu einer Geldstrafe verwandelt und zur Bewährung
ausgesetzt, aber der Kassationsgerichtshof wies auch dieses Urteil zurück.
Im vierten Anlauf schloss sich nun das Gericht der Auffassung des Kassationsgerichtshofs
an und entschied auf Freispruch.
TIHV vom 30.04.2004
Folterverfahren in Corum
Das Landgericht in Corum
hat mit dem Verfahren gegen die Offiziere Selahattin Köse und Meset
Sakrak und die Ärzte Fatih Sarioglu und Muzaffer Aymergen begonnen.
Ihnen wird vorgeworfen, Feride Kaya, die im September 2002 unter dem Verdacht
der Mitgliedschaft in der DHKP/C festgenommen worden war, gefoltert zu
haben. Die nächste Verhandlung wird am 15. Juli stattfinden.
Cumhuriyet vom 30.04.2004
Festnahmen und Verhaftungen
Bei Razzien in Beyoglu,
Sisli und Besiktas (Istanbul) wurden am 29. April im Rahmen der Sicherheitsmaßnahmen
vor dem Nato-Treffen, das im Juni in Istanbul stattfinden soll, 100 „verdächtige“
Personen festgenommen.
Evrensel/Özgür
Gündem vom 30.04.2004
Kampfhandlungen im Südosten
Nach Informationen von Özgür
Politika sollen 9 Soldaten bei Kampfhandlungen mit HPG-Kämpfern getötet
worden sein. Bei einem Angriff bei den Cudi-Bergen als Racheaktion auf
die Tötung von zwei Militanten bei Kampfhandlungen bei dem Dorf Demirkapi
im Bezirk Eruh (Siirt) sollen 6 Soldaten getötet und 4 verwundet worden
sein. Und nachdem drei Militante bei dem Dorf Yoncadüzü im Kreis
Erzin (Hatay) getötet worden waren, gab es am 28. April auf der Straße
von Cudi nach Sirnak einen Angriff, bei dem 3 Soldaten getötet und
4 verwundet worden sein.
Weitere Meldungen (Zusammenstellung:
DTF)
Zaman vom 05.04.2004
Vorbereitung eines neuen
Asylgesetzes für die Türkei
In Zusammenarbeit mit England
und Dänemark soll in der Türkei ein neues Flüchtlingsgesetz
vorbereitet werden, das dem europäischen Recht angepasst ist. Nach
Statistiken der VN gehört die Türkei zu den Ländern mit
der höchsten zahl von Flüchtlingen und ist gleichzeitig wichtiges
Herkunfts- und Transitland für internationale Migration. Das Projekt
wird von der EU-Kommission mit 516.000 Euro unterstützt.
(Quelle: Istanbul Post vom
26.04.2004-05-02
Radikal vom 04.04.2004
Entwurf für neues
Pressegesetz im Parlament
Zwar strebe der Entwurf
eine Harmonisierung mit europäischem Recht an, aber mit Verweis auf
die „nationale Sicherheit“ und „Staatsgeheimnisse“ könne weiterhin
die Pressefreiheit eingeschränkt werden. Die hohen Geldstrafen bei
Verstößen gegen das Presserecht sollen gesenkt werden. Die presserechtliche
Verantwortung soll allein der Autor tragen. so dass Redakteure und Herausgeber
nicht mehr mithaften.
DIHA (Dicle Nachrichtenagentur)
vom 29.04.2004
Warnung Karayilans
Falls es militärische
Operationen gäbe, werde ein Verteidigungskrieg geführt. M. Karayilan,
Mitglied des Vorbereitungskomitees des KONGRA-GEL erklärte in einer
Warnung, falls die türkischen Streitkräfte ihre Militäroperationen
weiterführen würden, könne in der Türkei zum Zweck
der Verteidigung ebenfalls ein Krieg geführt werden.
Quelle: Informationsstelle
Kurdistan
Özgür Politika
vom 30.04.2004
Schweiz will Flüchtling
nicht haben
Gestern schob die Schweiz
den kurdischen Schriftsteller Ahmet Kaya nach Deutschland ab. Er hatte
am 23. September (2002?) bei der Schweizer Botschaft in Ankara einen Antrag
auf Asyl gestellt und ihm war der Status eines Flüchtlings zuerkannt
worden. Am 7. Dezember war er in Basel angekommen und wurde von dort nach
Bern verwiesen. Nachdem sich herausstellte, dass er auf Einladung des deutschen
PEN mit einem gefälschten Visum in Deutschland gewesen war, wurde
er nach Deutschland abgeschoben.
Bia vom 29.04.2004
Özkan Hoshanli ist
wieder frei
Das ehemalige Vorstandmitglied
von Mazlum-Der in Malatya, Özkan Hoshanli, ist heute aus der Haft
entlassen worden. Er war nach Demonstrationen gegen das Kopftuchverbot
an der Uni in Malatya vom SSG Malatya zu 15 Monaten Haft verurteilt worden
(siehe die Sonderberichte aus dem Jahre 2003 auf der Homepage des DTF).
Bia vom 29.04.2004
Journalisten verurteilt
Das Amtsgericht in Musa
hat Faruk Aktas, den Besitzer der Lokalzeitung “Mus Haber” zu 21 Monaten
Haft und die Chefredakteurin Berna Aktas zu einer Geldstrafe von 7,34 Milliarden
TL verurteilt. In der Zeitung waren Meldungen über Bereicherungen
des Gouverneurs und Landrats erschienen.
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