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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 17/2004
Birgün vom 16.04.2004
Festnahme von TAYAD-Mitgliedern
Niyazi Agirman, Vorstandsmitglied
des Vereins der Angehörigen von Gefangenen TAYAD, und Fahrettin Keskin,
Mitglied von TAYAD, wurden am 16. April festgenommen. Nach einer Preseerklärung
von TAYAD wurde Bülent Solgun, ein Vorstandsmitglied vonTAYAD, bei
der Polizei in Aksaray geschlagen.
Evrensel vom 17.04.2004
Verfahren gegen Partei-
und Gewrkschaftsvorstandsmitglieder
Ein Gerichtsverfahren wurde
eingeleitet gegen die Vorstandsmitglieder der Gewerkschaft Deri-Is, Musa
Servi, der Gewerkschaft KESK, Güven Gerçek, der Gewerkschaft
Limter-Is, Haci Yapici, der Gewerkschaft Belediye-Is, Hüseyin Ayrilmaz,
die Vorsitzende des Bezirks Aksaray der Gewerkschaft SES, Songül Beydilli,
den Vorsitzenden der Gewerkschaft Limter-Is, Kazim Bakis, den Vorsitzenden
der Partei EMEP, Levent Tüzel, und Hasan Kaya, die an einer Gedenkveranstaltung
für den Gewerkschafter Süleyman Yeter teilnahmen, der am
7. März 1999 in Polizeihaft getötet wurde. Der erste Prozesstermin
fand am 16. April an der 10. Kammer des Strafgerichtes in Istanbul statt.
Das Gericht vertagte das Verfahren für weitere Aussagen auf den 23.
Juni.
Özgür Gündem
vom 17.-19.04.2004
Festnahmen und Verhaftungen
Celalettin Birtane, der
Vorsitzende der DEHAP in Diyarbakir, wurde am 17. April nach einer Pressekonferenz
festgenommen, auf der gegen die Europäische Union protestiert wurde,
weil sie KONGRA-GEL auf die Liste der terroristischen Organisationen gesetzt
hat. Aydin Degirmenci, Mustafa Kemal Ege, Halime Erol und Rahime Bor wurden
im Bezirk Baskale von Van unter der Beschuldigung „Mitglieder von KONGRA-GEL”
zu sein festgenommen. Am 16.April wurde am Staatssicherheitsgericht in
Istanbul SSC ein Termin in einem Verfahren gegen 8 Personen statt, die
im Januar unter der Anklage “Mitglieder von KONGRA-GEL” zu sein, verhaftet
worden waren. Gurbet Geçkin, Galip Öztürk, Havyet Yilmaz
und Nurettin Avci wurden an diesem Gerichtstermin freigelassen. Das Gericht
lehnte die Freilassung von Yalçin Kiliç, Aydin Nas, Meysu
Altay und Kemal Aydin ab. Saban Pasli, Vorsitzender der Jugend-Abteilung
der DEHAP in Diyarbakir und Mitglied des Stadtrates, wurde am 18. April
im Bezirk Silvan festgenommen.
Özgür Gündem
vom 18.04.2004
Schläge in Diyarbakir
H.Y. (17) vom Atatürk
Gymnasium in Diyarbakir hat der Polizei vorgeworfen, ihn am 14. April erst
im Garten der Schule und dann auf der Wache verprügelt zu haben, nur
weil er seinen Ausweis nicht dabei gehabt habe. Einige Lehrer hätten
versucht, das zu verhindern, seien aber von den Polizisten ferngehalten
worden. Er sei dann in Handschellen in ein Auto gesteckt und dort weiter
ins Gesicht, auf die Brust und den Kopf geschlagen worden. In die Zelle
auf die Wache seien die Polizisten abwechselnd gekommen, um ihn weiterhin
zu schlagen. Schließlich habe er Dokumente unterzeichnen müssen,
die er nicht lesen durfte. Am 15. April sei er dann von der Staatsanwaltschaft
freigelassen worden.
Özgür Gündem
vom 20.04.2004
IHD’ler freigesprochen
Vetha Aydin, der Vorsitzende
der IHD Zweigstelle in Siirt wurde vom Amtsgericht in Siirt im Zusammenhang
mit einem Poster in Türkisch und Kurdisch “Frieden wird siegen – Jeder
ist anders, alle sind gleich” am 19. April freigesprochen. Der Vorwurf
lautete auf unerlaubtes Anbringen von Plakaten, strafbar nach § 536
TSG.
Özgür Gündem
vom 21.04.2004
Elisabeth Brunner entführt
und gefoltert
Elisabeth Brunner von der
Internationalen Liga für den Kampf der Völker (ILPS) hat auf
einer Pressekonferenz am 20. April geschildert, was ihr am 18. April widerfahren
war. Sie sei zu einer Diskussion der Gewerkschaft Deri-Is in Tuzla (Istanbul)
gegangen und als sie ein Sammeltaxi besteigen wollte, hätten sich
zwei Männer bei ihr eingehakt und gesagt, dass sie wüssten, wo
sie hin wolle. Sie hätten sie nicht in das Taxi steigen lassen und
gesagt, dass sie festgenommen sei. Damit andere Personen aufmerksam wurden,
hätte sie Parolen gegen Folter geschrien, aber die Männer hätten
sie in ein weißes Auto gesteckt und ihr die Augen verbunden. Im Auto
sei sie sexuell belästigt worden. Nach einer langen Fahrt habe sie
aussteigen müssen und sei als Terroristin beschimpft worden. Sie sei
nach ihrem Vorgesetzten gefragt worden, aber sie habe keine Frage beantwortet.
Sie hätten ihr deswegen eine Waffe an den Kopf gehalten und ihr mit
dem Tode gedroht. Die Männer hätten Zigaretten auf ihrem Arm
ausgedrückt und als sie mit einem harten Gegenstand auf den Hals geschlagen
wurde, sei sie ohnmächtig geworden. In einem Wald sei sie wieder zu
sich gekommen. Einen der Männer habe sie an der Stimme als einen Beamten
der Anti-Terror Abteilung erkannt.
TIHV vom 21.04.2004
DEP Abgeordnete erneut
verurteilt
Am heutigen Tage verurteilte
das SSG Ankara die ehemaligen Abgeordneten der Demokratiepartei (DEP),
Leyla Zana, Hatip Dicle, Orhan Dogan und Selim Sadak erneut zu 15 Jahren
Haft. Das bedeutet, dass sie erst im Juni 2005 mit Freilassung rechnen
können. Hatip Dicle, Leyla Zana, Mahmut Alinak, Ahmet Türk, Sirri
Sakik und Orhan Dogan waren am 17. März 1994 in U-Haft genommen worden.
Am 8. Dezember 1994 waren Hatip Dicle, Ahmet Türk, Orhan Dogan, Leyla
Zana und Selim Sadak zu je 15 Jahren Haft wegen Mitgliedschaft in der PKK
verurteilt worden. Am 26. Oktober 1995 hatte der Kassationsgerichtshof
die Strafe gegen Ahmet Türk aufgehoben, aber die Strafen von Hatip
Dicle, Leyla Zana, Orhan Dogan und Selim Sadak bestätigt. Der Europäische
Menschenrechtsgerichtshof hatte das Verfahren als unfair eingestuft. Nach
den entsprechenden Gesetzesänderungen war das Verfahren am 28. März
2003 wieder aufgenommen worden. Die Verteidigung hatte sich mehrfach beklagt,
dass auch das erneute Verfahren nicht fair sei (sich nicht vom ersten Verfahren
unterscheide). Das Urteil wurde in Kreisen der EU und von internationalen
Organisation wie amnesty international scharf kritisiert.
Hürriyet vom 21.04.2004
Journalist kommt ins
Gefängnis
Wegen eines Artikels, den
Hakan Albayrak am 28. Juni 200 in der Milli Gazete schrieb, muß er
für 6 Monate ins Gefängnis. Die 2. Kammer des Amtsgerichts in
Bakirköy hatte ihn wegen Beleidigung von Atatürk (Sondergesetz
mit der Nummer 5816) zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt.
Die 11. Kammer des Kassationsgerichtshof hat das Urteil nun bestätigt.
Nach dem Strafvollzugsgesetz sind davon 40% (oder 12 Tage für jeden
Monat) zu verbüßen.
Bia vom 22.04.2004
Journalist freigesprochen
Hasan Özgün, ehemaliger
Diyarbakir Verantwortlicher für Özgür Gündem, wurde
von der 4. Kammer des Amtsgerichts in Diyarbakir vom Vorwurf der Beleidigung
der Sicherheitskräfte freigesprochen. Das Verfahren war wegen einer
Petition des Journalisten, in der er um eine erneute Aufnahme eines Verfahrens
bat, eröffnet worden. Die Petition hatte er aus dem Gefängnis
gestellt, wo er eine 12,5-jährige Haftstrafe wegen Mitgliedschaft
in der PKK verbüßte. Er hatte seinen Antrag mit den Erkenntnissen
zu Susurluk begründet, die er seinerzeit als Journalist schon aufgedeckt
hatte.
TIHV vom 22.04.2004
Urteil gegen Mehmet Desde
aufgehoben
Die 9. Kammer des Kassationsgerichtshof
hat das Urteil gegen Mehmet Desde, Maksut Karadag, Hüseyin Habib Taskin,
Serafettin Parmak und Mehmet Bakir (jeweils 50 Monate Haft) wegen führender
Mitgliedschaft in der Bolschewistischen Partei Nordkurdistan/Türkei
und auch die Urteile gegen Metin Özgünay, Ömer Güner
und Ergün Yildirim wegen Unterstützung (jeweils 10 Monate Haft)
aus grundsätzlichen Erwägungen aufgehoben. Dem SSG Izmir, dass
die Angeklagten am 24.07.2003 verurteilt hatte, wurde aufgegeben, die Änderungen
an den Gesetzen zu berücksichtigen. Das Gericht hatte die Angeklagten
nach Artikel 7 des Anti-Terror Gesetzes im Zusammenhang mit Artikel 1 des
gleichen Gesetzes verhängt. Am 19.07.2003 war das 6. Anpassungspaket
(Gesetz Nr. 4928) in Kraft getreten. In diesem Gesetz wurde der Artikel
1 (Definition von Terror) geändert.
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