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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 11/2004
Özgür Gündem
vom 06.03.2004
Weiteres Opfer des Todesfastens
Günay Ögrener
(31), der sich am 2. März im Gefängnis in Usak selber in Brand
setzte, verstarb am 4. März im Krankenhaus Yesilyurt (Izmir). Ögrener
befand sich seit 1995 in Haft und seit dem 20. Oktober 2003 im Todesfasten.
Er wurde in Burdur beigesetzt.
Özgür Gündem/Zaman
vom 06.07.03.2004
Folter in Mardin
Hamit Celik, der am 3. März
im Rahmen von Hausdurchsuchungen in Mardin und Kiziltepe festgenommen wurde,
hat sich wegen Folter beschwert. Bei den Operationen wurden weitere Personen
festgenommen. Ahmet Özcelik und Ali Fidan kamen noch am selben Tag
frei, während Mursit Aslan, Ali Fidan und Hamit Celik am 4. März
wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation in U-Haft kamen. Hüseyin
Cangir, der Anwalt von Hamit Çelik, sagte, daß sein Mandant
an einen ihm umbekannten Ort gebracht wurde. Dort wurde ihm eine Waffe
gegen die Schläfe gehalten und er wurde mit Erschiessung bedroht.
An den Armen und auf dem Rücken habe er Spuren von Schlägen.
Er (der Anwalt) habe eine Überweisung ins Krankenhaus der Universität
in Diyarbakir beantragt.
Özgür Gündem
vom 06.03.2004
Folter in Istanbul
Derya Aksakal von der Union
der Rentnerinnen (EKB) sprach auf einer Pressekonferenz beim IHD in Istanbul
am 5. März. Sie berichtete, daß sie von maskierten Männer
am 3. März entführt und gefoltert worden sei. Die Männer
hätten sie mit einem grauen Minibus vor dem Numune Krankenhaus in
Haydarpasa entführt, ihr die Arme und Hände verbunden, sie auf
den Boden gelegt und sexuell belästigt. Da sie die Fragen nicht beantwortete,
hätten sie Zigaretten auf ihrem Arm und ihrer Hüfte ausgedrückt.
Sie sei auch mit dem Tode bedroht worden und nach ca. 2 Stunden auf einem
freien Feld in Ümraniye freigelassen worden.
Özgür Gündem
vom 07.03.2004
Ermittlungen wegen “Verschwinden”s
eingestellt
Die Staatsanwaltschaft am
SSG Diyarbakir hat die Ermittlungen wegen des Verschwindens der HADEP Funktionäre
Serdar Tanis und Ebubekir Deniz eingestellt. Sie waren nach einem Besuch
bei der Gendarmerie in Silopi am 25. Januar 2001 “verschwunden”. Danach
war gegen 47 Soldaten auf den Wachen in Silopi und Sirnak ermittelt worden.
Die Staatsanwaltschaft in Silopi hatte die Akte am 22.04.2003 an die Staatsanwaltschaft
am SSG Diyarbakir geschickt. Inzwischen haben die Anwälte der Familien
Einspruch gegen die Einstellung des Verfahrens eingelegt, nachdem sie von
der Entscheidung vom 10. Februar unterrichtet worden waren. Sie rügten
u.a., daß die Telefonate, die Serdar Tanis vor seinem “Verschwinden”
geführt hatte, nicht untersucht wurden. Des weiteren beschwerten sie
sich darüber, daß im Rahmen der Geheimhaltung die Aussagen von
Gehimdienstmitarbeitern nicht in die Akte aufgenommen wurden.
Evrensel/TIHV vom 09.03.2004
Prügel in Istanbul
Ibrahim Öner, der im
Kreis Babaeski (Kirklareli) lebt, hat sich über brutale Schläge
durch Polizisten beschwert. Er sei festgenommen worden, weil er bei einer
Veranstaltung am 14. Februar aus Versehen in die Frauentoilette gegangen
sei. Danach sei er vom Kommissar Ekrem Cicek, Ayhan Keskinkilic und einem
Beamten mit dem Vornamen Fikret aus der Stadt gebracht worden und dort
brutal verprügelt worden. Sie liessen ihn später in einer Gegend,
die als Kadiköy Strecke bekannt sei, wieder frei. Ibrahim Öner
stellte Strafanzeige und erhielt vom Staatskrankenhaus in Lüleburgaz
ein Attest, in dem ein Nasenbeinbruch und “blaue Flecken” am Körper
bescheinigt wurde. Der Kommissar Ekrem Çiçek und die Polizisten
Ayhan Keskinkiliç und Fikret ... wurden in U-Haft genommen. Nach
Widerspruch seiner Anwälte kam Ayhan Keskinkiliç wieder auf
freien Fuß. Den Beamten soll vor dem Landgericht in Kirklareli der
Prozeß gemacht werden.
Cumhuriyet/Özgür
Gündem vom 09.03.2004
Erlaubnis für “Kurdisch-PEN”
Die Abteilung für Vereine
im Polizeipräsidium Diyarbakir hat die Gründung des Vereins kurdischer
Schriftsteller mit dem Namen “Kurdisch-PEN” genehmigt. In dem Schreiben,
das dem Vorsitzenden Edip Polat zugestellt wurde, wurde auf eine Unstimmigkeit
mit dem Innenministerium über den anzuwendenden Artikel des Vereinsgesetzes
aufmerksam gemacht. Zunächst sei nach Artikel 5 verfahren worden,
aber in diesem Falle sei der Artikel 10 für die Genehmigung der Satzung
und des Namens ausschlaggebend gewesen.
Milliyet vom 10.03.2004
Überfall auf Freimaurerloge
Bei einem Überfall
auf die Freimaurerloge in Kartal (Istanbul) wurden am 9. März der
Mitarbeiter Hüseyin Kurdül und einer der Angreifer getötet
und 6 Personen verletzt. Die Angreifer kamen gegen 22.30 Uhr und verschafften
sich Zutritt, indem sie den Wärter Mehmet Lamba verletzte. Danach
beschossen sie die Gäste im Restaurant. Einer der Angreifer zündete
eine Bombe, die ihn selber und den als Bedienung arbeitenden Hüseyin
Kurgül tötete. Fünf Gäste und der zweite Angreifer,
der sich Abdullah Islam nannte, wurden verletzt.
Cumhuriyet/Özgür
Gündem vom 10.03.2004
Mord in der Provinz Tunceli
In der Nacht vom 8. März
wurde im Dorf Alanyazi im Kreis Mazgirt (Tunceli) Imam Boztas (51) von
zwei unbekannten Männern ermordet. Der Gouverneur bezeichnete die
Angreifer als Militante der Maoistischen Kommunistischen Partei (MKP als
Nachfolger von TKP/ML). Die Mutter Fidan Boztas berichtete, daß 2
bewaffnete Männer mit Tüchern um den Kopf nach ihrem Sohn fragten
und behaupteten, daß sie mit ihm befreundet seien. Sie habe die Anwesenheit
geleugnet, aber der Sohn sei dann aus einem Zimmer gekommen. Die Männer
wollten ihn mitnehmen, er aber weigerte sich, weil er sie nicht kannte.
Als er sich in das Zimmer zurückziehen wollte, hätten die Männer
geschossen und ihn fünf Mal in die Brust und ein Mal am Arm getroffen.
Sie habe bei der Gendarmeriestation in Bulgurcu angerufen, aber die Soldaten
seien erst nach 3 Stunden gekommen, obwohl die Strecke nur 2 Stunden dauere.
Der Vater Hidir Boztas berichtet, daß sie im Oktober 2003 von Soldaten
bedroht worden seien, weil angeblich Terroristen das Dorf besuchten. Sein
Sohn sei dann zur Gendarmeriewache gegangen. Nach der Rückkehr habe
er Angst gehabt, daß man ihn töten werde. Deswegen sei er eine
Zeit lang in Istanbul gewesen. Auf der Wache hätte man ihm gesagt,
daß er nur noch eine Kugel wert sei.
TIHV vom 10.03.2004
Verfahren gegen den Vorstand
Am 9. März ging das
Verfahren mit Antrag auf Amtsenthebung des Vorstandes der TIHV vor der
15. Kammer des Justizgerichts in Ankara weiter. Da der Anwalt des Antragstellers
(Direktorat für Stiftungen) nicht erschienen war, beschloß der
Richter das Verfahren auszusetzen. Sollte der Antrag nicht binnen eines
Monats erneuert werden, wird das Verfahren aufgehoben. Das Verfahren war
angestrengt worden, weil die TIHV ohne Genehmigung mit ausländischen
Stellen kooperiert (Berichte an einen UN Rapporteur, einen Vertreter des
Europarates und dem Türkeiberichterstatter des EP, Hannes Swoboda
übergeben) haben und unerlaubt Spenden gesammelt haben soll (für
die Behandlung der erkrankten Hungerstreiker).
Özgür Gündem
vom 12.03.2004
Mißhandlung in
Siirt
Leyla K. wandte sich an
den IHD in Siirt und berichtete von einem Besuch im Gefängnis in Siirt,
wo ihr Sohn A.K. mit weiteren Kindern (A.K.K., F.K., M.A. und S.K.) nach
einer Demonstration vom 14. Februar für Abdullah Öcalan inhaftiert
sind. Bei dem Besuch am 3. März erzählten ihr die Kinder, daß
sie am 2. März von einem Wärter aufgeweckt wurden, der ein Rechtsradikaler
sei und ihnen gedroht habe, sie alle umzubringen. Er habe sie gezwungen,
sich in einer Reihe aufzustellen und einen Marsch zu singen. Als die Kinder
sich weigerten, habe er auf alle Kurden und Abdullah Öcalan geflucht.
Der Wärter habe des weiteren die Kinder zum Zigarettenrauchen gezwungen
und ihnen gedroht, daß er jede Nacht das Gleiche machen werde, wenn
sie nicht täten, was er wolle. Der Vorsitzende des IHD in Siirt, Vetha
Aydin, gab an, daß dies nicht die erste Beschwerde über Mißhandlung
von Kindern sei. Im Stadtzentrum sei es im letzten Monat zu Folter und
Mißhandlung von Kindern gekommen, deren Angehörige sich daraufhin
beim IHD beschwerten.
Özgür Gündem
vom 12.03.2004
Folter in Izmir
Am 9. März wurden Cengiz
Karadan und Salih Taban unter dem Verdacht des Diebstahls in Izmir festgenommen.
Die Frau von Cengiz Karadan und Schwester von Salih Taban, Yüksel
Karadan berichtete dem IHD: “Ein Bekannter rief mich an und sagte mir,
daß er die Festnahme gesehen habe und wisse, daß mein Mann
und mein Bruder auf der Polizeiwache in Bayrakli seien. Ich habe meinen
Anwalt angerufen und ihn gebeten, sich der Sache anzunehmen. Er rief später
zurück und sagte mir, daß es beiden Männern schlecht ging.
Er riet mir von einem Besuch auf der Wache ab. Ich bin aber aus Sorge hingegangen
und habe mit dem Oberkommissar gesprochen. Ich wollte meinen Mann und meinen
Bruder sehen, aber sie haben mich rausgeworfen. Da ich darauf bestand,
haben sie mich wieder reingelassen. Dann sah ich, daß mein Bruder
eine genähte Wunde auf der Stirn hatte und die Nase von meinem Mann
blutete. Ich bin dann nach Hause gegangen, um saubere Kleidung zu besorgen.
Als ich zurückkam, hiess es, daß sie einem Richter vorgeführt
würden. Gleichzeitig hat mich ein Polizist als Schlampe beleidigt.
‘Mach dich aus dem Staub,’ sagte er ‘und beschwere dich über welche
Menschenrechte auch immer’.” Der Anwalt Hasan Canpolat bestätigte,
daß er die Verdächtigen im verletzten Zustand gesehen habe.
Die Polizei habe wohl Zeugen gefunden, die aussagten, daß die Verletzten
sich bei der Festnahme selber verletzt hätten.
Hürriyet/Sabah vom 12.03.2004
Überfall auf die
Freimaurerloge
Die Polizei hat die Namen
der Angreifer auf die Freimaurerloge vom 9. März in Kartal (Istanbul)
mit Nihat Dogruel (28) und Engin Vural (33) angegeben. Nihat Dogruel war
bei dem Angriff umgekommen. Neben Spekulationen über eine kleine radikale
islamische Gruppe, der die Angreifer angehören, ging bei der Zeitung
El Kuds El Arabi, die in London herausgegeben wird, ein Bekennerschreiben
ein, daß sowohl den Überfall auf die Freimaurerloge als auch
das Attentat auf Züge in Madrid (am 11.03.) einer Organisation mit
Namen “Krieger von Jerusalem” zuordnet. Hierbei soll es sich um eine Organisation
handeln, die der Al Kaida angehört.
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