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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 10/2004
TIHV vom 01.03.2004
Tod im Gefängnis
Muharrem Karademir (30),
der im Gefängnis vom Typ F in Kandira im Todesfasten war, ist am 28.
Feburar verstorben. Am 130. Tag seiner Aktion hatte er sich selber in Brand
gesetzt, als er merkte, daß er zu einer medizinischen Interventtion
ins Krankenhaus gebracht werden sollte. Karademir befand sich seit 1992
in Haft als Mitglied der Devrimci Sol. Nach der Operation gegen die Gefängnisse
im Dezember 2000 wurde er von Bayrampasa in das Gefängnis in Kandira
verlegt.
Özgür Gündem
vom 28.02.2004
Pressekonferenz in Izmir
zu Kindern
Im IHD in Izmir wurde eine
Pressekonferenz zu den Kindern abgehalten, die nach der Demonstration für
Abdullah Öcalan festgenommen worden waren. Der Vorsitzende der Zweigstelle
Mustafa Rollas sagte, daß es gegen das Gesetz sei, wenn Kindern Handschellen
angelegt werden. Er beschwerte sich auch, daß Y. Yildirak nach der
Anordnung der U-Haft am 16. Februar am 17. Februar erneut verhört
werden sollte. Der Onkel Behcet Yildirak sagte, daß er seinen Neffen
im Gefängnis besucht habe und dieser stark eingeschüchtert gewesen
sei. Er habe an verschiedenen Stellen des Körpers Spuren von Schlägen
gesehen.
Özgür Gündem
vom 29.02.2004
Zeitung stellt das Erscheinen
ein
Die Tageszeitung “Yeniden
Özgür Gündem” hat mit dem 29. Februar ihr Erscheinen eingestellt.
Die Zeitung war seit dem 2. September 2002 erschienen. Seitdem wurden gegen
315 Ausgaben insgesamt 541 Verfahren eröffnet und in 174 Verfahren
wurden Strafen verhängt, zu denen auch Erscheinungsverbote über
293 Tage gehörten (davon 5 Tage vollstreckt). Der Chefredakteur Mehmet
Colak erhielt Strafen von insgesamt 25 Monaten Haft und der Besitzer Ali
Celik Kasimogullari wurden zu Geldstrafen in Höhe von insgesamt 478
Milliarden TL verurteilt. Anstelle von Yeniden Özgür Gündem
wird ab dem 1. März “Ülkede Özgür Gündem” erscheinen.
Radikal vom 28.02.2004
Freispruch für Bucak
aufgehoben
Die 8. Kammer des Kassationsgerichtshofs
hat den Freispruch für den Ex-Abordenten der DYP Sedat Edip Bucak
aufgehoben. Die 2. Kammer des Landgerichts in Istanbul hatte ihn wegen
seiner Verwicklung in den Susurluk Skandal am 26. Juni 2003 freigesprochen.
Radikal vom 28.02.2004
Erlass zu Durchsuchungen
Die 10. Kammer des obersten
Verwaltungsgerichts hat zwei Artikel des Erlasses zu Durchsuchungen als
verfassungswidrig aufgehoben. Die Anwaltskammer in Izmir hatte das Verfahren
gegen die Artikel 9 und 20 des Erlasses beanstandet, weil dort die “Einwilligung
zu einer Durchsuchung” genannt wurde, die sonst nicht im Gesetz vorhanden
ist. Das oberste Verwaltungsgericht argumentierte mit dem Schutz der Privatspähre
und Hausfriedensbruch.
Özgür Gündem
vom 02.03.2004
Aufforderung zum Agententum
Mehmet Tahir Doman, der
am 11. Februar aus dem F-Typ Gefängnis in Tekirdag entlassen wurde,
hat bekanntgegeben, daß er von Angehörigen der JITEM verhört
wurde und er als Spitzel arbeiten sollte. Im Gefängnis seien die Briefe
der Gefangenen geändert worden. So habe sein Vater einen Brief von
ihm erhalten, in dem er angeblich ankündigte, vom Reuegesetz Gebrauch
zu machen. Sein Mitgefangener Güven Güney sei misshandelt worden,
weil er vergessen habe, das Licht in der Toilette auszumachen.
Radikal vom 02.03.2004
Verfahren gegen Ärzte
Die Staatsanwaltschaft in
Ankara hat Anklage gegen Füsun Sayek, Vorsitzender der Ärztekammer
(TTB) und Metin Bakkalci (2. Vorsitzender) erhoben. Sie sollen sich in
beleidigender Weise über den Gesundheitsminister Recep Akdag geäussert
haben.
Özgür Gündem
vom 03.03.2004
Verfahren gegen KADEK/Kongra-Gel
Vor dem SSG Istanbul ging
ein Verfahren gegen 6 Personen zu Ende, denen Aktivitäten für
KADEK/Kongra-Gel vorgeworfen wurde. Abdurrahman Dag wurde zu 15 Jahren
Haft als Mitglied verurteilt, während Salih Demir, Resul Yildiz, Ramazan
Kurt und Mehmet Orak wegen Unterstützung zu 45 Monaten Haft verurteilt
wurden. Das Verfahren gegen Hacer Kaya, die im Gefängnis in Bakirköy
gestorben war, wurde aufgehiben
Özgür Gündem
vom 04.03.2004
Folter in Istanbul
Mustafa Ilhan, der nach
den Anschlägen in Istanbul vom 15. und 20.11.2003 am 9. Dezember festgenommen
worden war, hat sich wegen Folter in der Polizeihaft beschwert. Er sagte,
daß er nach 4 Tagen aus der Polizeihaft entlassen worden sei. Am
1. Februar sei er erneut festgenommen worden. “Mit mir sprach ein untersetzter,
weisshäutiger Mann. Er sagte mir, daß es zum Polizeipräsidium
in Gayretepe gehe. Nach 40 Minuten Autofahrt mussten wir noch 5-10 Minuten
gehen. In einem Zimmer wurden mir alle Kleider abgenommen und ich erhielt
einen Pyjama. Danach wurde ich in einen grösseren Raum gebracht und
gefragt, warum ich nichts gesagt hatte. Ich sollte das erzählen, was
ich verschwiegen hatte. Dann begannen sie, mich mit dem Knüppel zu
schlagen. In einem anderen Raum haben sie angesetzt, mich mit dem Polizeiknüppel
zu vergewaltigen und dann wieder gefragt, ob ich reden würde. Ich
hörte aus anderen Zimmer Folterschreie und eine Stimme, als würde
jemand vergewaltigt. Sie haben gesagt, dass mir das Gleiche passiere, wenn
ich nicht rede.” Mustafa Ilhan gab ferner an, daß er am gleichen
Abend gegen 21.30 Uhr in einem Waldstück ausgesetzt wurde.
TIHV vom 04.03.2004
Mitarbeiter vor Gericht
Das Amtsgericht in Izmir
führte die Verhandlung gegen Dr. Alp Ayan, von der TIHV Vertretung
in Izmir, Ecevit Piroglu (vom IHD), Mert Zengin und Gonca Coban weiter.
Sie waren wegen einer Presseerklärung vom 10. Februar 2001 zu den
Gefängnissen vom Typ F angeklagt wurden. Das Gericht vertagte sich
auf den 26. März und verlangte von der Staatsanwaltschaft die Angeklagte
Gonca Coban zu finden, die bislang noch nicht vor dem Gericht ausgesagt
habe.
Özgür Gündem
vom 05.03.2004
Kurdischer Verein nicht
erlaubt
Das Polizeipräsidium
in Diyarbakir hat den Schriftsteller Edip Polat, der Vorsitzender des Kurdischen
PEN werden sollte, mitgeteilt, daß ein Verein mit dem Wort “Kurdisch”
nicht erlaubt werde, da es nach Artikel 5 des Vereinsgesetzes verboten
sei, auf bestimmte Rassen hinzuweisen.
Zaman vom 05.03.2004
Verfahren gegen Sarp
Kuray
Der Kassationsgerichtshof
hat das Urteil gegen Sarp Kuray, der eine leitende Figur der 68er Generation
war und die Organisation “16. Juni Bewegung” gegründet haben soll,
aufgehoben. Er war vom SSG Istanbul nach § 168 TSG zu einer Strafe
von 12,5 Jahren Haft verurteilt worden. Der Kassationsgerichtshof vertrat
die Meinung, daß die Verurteilung nach § 146 TSG zu erfolgen
habe, was eine lebenslängliche Haftstrafe zur Folge haben würde.
Radikal vom 05.03.2004
Arzt strafversetzt
Dr. Ilker Mese, der am Staatskrankenhaus
in Tekirdag arbeitet, hat gesagt, daß er strafversetzt wurde und
Ermittlungen gegen ihn angestrengt wurden, weil er einen Gefangenen ordungsgemäß
untersuchen wollte. Am 26. Dezember 2003 sei ein Gefangener mit dem Wernicke-Korsakoff
Syndrom zu ihm gebracht worden, den er untersuchen sollte. Die Gendarmen
hätten aber sein Zimmer nicht verlassen. Er habe mit ihnen diskutiert
und sie auf eine Verfügung vom 10. Dezember 2003 hingewiesen, den
das Gesundheits-ministerium erlassen habe. Schliesslich hätten sie
das Zimmer verlassen. Vier Tage nach dem Vorfall sei er auf ein Gesundheitsamt
versetzt worden und später sei gegen ihn ermittelt worden, weil er
die Gendarmen beleidigt und sich nicht an die Vorschriften gehalten haben
soll. Dazu wurde auf einen gemeinsamen Erlaß der Minister des Inneren,
der Justiz und der Gesundheit hingewiesen, der am 15. Januar an alle Dienststellen
in Tekirdag verteilt wurde. In diesem Erlaß soll das Begleitpersonal
von Gefangenen hinter einem Vorhang oder einer Wand im Raum stehen können,
wenn der Arzt Gefangene untersucht.
Özgür Gündem
vom 05.03.2004
Folter in Kocaeli
Mehmet Sirin Sünük
hat sich an den IHD in Kocaeli gewandt und sich darüber beschwert,
daß Polizisten ihn am 19. Februar entführten, als er auf dem
Nachhauseweg war. Im Auto seien ihm die Augen verbunden worden und er habe
Schläge erhalten. Die Augenbinde sei ihm in einem Lager mit Reifen
abgenommen worden. Dort habe man ihn 12 Stunden festgehalten und er sei
von drei Personen gefoltert worden. Sie hätten ihn in die Magengegend
mit einem eingewickelten Polizeiknüppel geschlagen. Er sei auch auf
die Beine geschlagen worden, aber die Schläge hätten keine Spuren
hinterlassen.”
Cumhuriyet vom 05.03.2004
Journalist verprügelt
Der NTV Reporter Hilmi Hacaloglu
wurde bei einer Presseerklärung der Gewerkschaftskonföderation
DISK auf dem Taksim Platz von Polizisten verprügelt, als er sich um
einen Demonstranten kümmern wollte, der am Straßenrand getreten
wurde. Die Polizei nahm beide Personen mit auf die Wache, wo sie zwei Stunden
festgehalten wurden. Dem Sender wurde mitgeteilt, daß er bei der
Polizei “zu Gast” sei.
Radikal vom 05.03.2004
Neues Gesetz
Die TBMM hat am 3. März
ein Gesetz verabschiedet, mit dem Personen, die nach dem 12. September
1980 verurteilt wurden, ihre bürgerlichen Rechte wieder erhalten sollen.
Das Gesetz bezieht sich auf “Vergehen”, die vor dem 31. Dezember 1987 begangen
wurden. Bislang konnten die als 78er bekannten Personen weder ein Amt in
einem Verein oder einer Partei bekleiden noch bei Wahlen kandidieren.
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