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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 08/2004
TIHV vom 16.02.2004
Verfahren wegen Erschießung
Am 12 Februar ging vor der
1. Kammer des Landgerichts in Van der Prozess gegen 7 Soldaten zu Ende,
die am 19. September den taubstummen Hasim Beyazgül in der Nähe
des Dorfes Yüksel im Kreis Baskale (Van) erschossen hatten. Das Gericht
sprach den Hauptfeldwebel Adem Kardas, den Feldwebel Rahim Iskender Demir
und die Soldaten Murat Dikbas, Turan Sayar, Bayram Çetin, Kenan
Uysal und Recep Kaymaz frei. Der Freispruch erfolgte, weil es keinen Straftatbestand
von “unerlaubtem Beerdigen” gibt, obwohl eine Strafanzeige wegen “Verletzung
der Dienstaufsicht” erfolgt war. Die Gendarmen hatten seinerzeit Schmuggler
verfolgt, wobei der Taubstumme Hasim Beyazgül ihre Warnungen nicht
hören konnte. Er war durch eine Kugel in der Achselhöhle getötet
worden.
Özgür Gündem
vom 14.02.2004
Verfahren gegen Zeitung
Das SSG Istanbul verhandelte
am 13. Februar in 8 verschiedenen Verfahren gegen “Özgür Gündem”,
in denen es vor allem um die Veröffentlichung von Erklärungen
illegaler Organisationen gibt. Zwei der Verfahren endeten in Verurteilungen,
für die der Besitzer Ali Çelik Kasimogullari und der Chefredakteur
Haftstrafen von je 5,24 Milliarden TL zahlen müssen. Der Zeitung wurde
das Erscheinen für 2 Tage untersagt. Die anderen 6 Verfahren wurden
ausgesetzt.
TIHV vom 16.02.2004
Mitarbeiter verurteilt
Am 13. Februar ging das
Verfahren gegen 68 Personen zu Ende, die an der Beerdigung des am 26. September
1999 in der geschlossenen Haftanstalt von Ankara getöteten Nevzat
Çiftçi beteiligt hatten. Unter ihnen befanden sich auch die
Mitarbeiter des TIHV, Günseli Kaya und Alp Ayan. Das Amtsgericht in
Aliaga sprach 34 Angeklagte vom, Vorwurf der Beteiligung an einer unerlaubten
Demonstration frei. Adnan Akin wurde zu einer Strafe von 3 Jahren und 1
Tag Haft und Dr. Alp Ayan zu einer Strafe von 18 Monaten und 1 Tag
Haft verurteilt, weil dies nicht seine erste Verurteilung war. Die Angeklagten
Haydar Cenan, Cihan Erkul, Zafer Dogan, Günseli Kaya, Hacay Yilmaz,
Rahsan Çetiner, Birol Karaaslan, Turgut Yenidünya, Erhan Polat,
Ahmet Birge Uzuner, Ihsan Durmus, Mehmet Basri Akan, Irfan Gülesen,
Sokulu Cem Pakdemir, Sevda Dag, Ayten Noral, Buket Acartürk, Timur
Baspinar, Celal Saglam, Murat Hançer, Nedim Sarikaya, Binali Güler,
Selma Topçuoglu, Erdal Yagçeken, Seray Topal, Mihti Perinçek,
Betül Kiliçaslan, Baris Bozyigit und Alev Yazici wurden zu
jeweils 18 Monaten Haft verurteilt.
Özgür Gündem/TIHV
vom 18.02.2004
Menschenrechtler vor
Gericht
Die Staatsanwaltschaft am
SSG Izmir hat ein Verfahren gegen Ahmet Dagli vom Gesamtvorstand des IHD,
Mustafa Rollas, Vorsitzender des IHD in Izmir, Mihriban Karakaya, Sekretärin
des IHD in Izmir und Selahattin Ilgaz von der Sozialistischen Plattform
der Unterdrückten nach Artikel 7/2 des Anti-Terror Gesetzes und §
145/1 TSG eröffnet. Die Anklage beruht auf einem Sitzstreik am 8.
Oktober 2003, der aus Protest gegen den Druck in den Gefängnissen
durchgeführt wurde. Die Angeklagten sollen beim Abspielen der Nationalhymne
nicht aufgestanden und Aktionen der Propaganda für PKK/KADEK gemacht
haben. Die erste Verhandlung wird am 8. April sein.
Özgür Gündem
vom 19.02-2004
HPG Militanter getötet
Der Name des am 13. Februar
bei einem Gefecht in der Nähe der Stadt Akarsu im Kreis Nusaybin (Mardin)
getöteten Militanten der HPG (KADEK) wurde als Sirac Kilinc angegeben.
Sabah vom 20.02.2004
Folter in Istanbul
Erkan Celik (18), der am
18. Februar in Kadiköy-Istanbul festgenommen worden war, hat sich
über Folter beschwert. Er sagte, dass er als Sicherheitsbeamter in
einer Bar arbeite und es in jener Nacht zu einem Streit kam, weil er ein
paar Personen keinen Einlass gewährt habe. Die Polizei habe diese
Personen und ihn festgenommen. Den anderen Personen sei nichts passiert,
obwohl sie Drogen bei sich hatten, aber er sei bis in die Morgenstunden
geschlagen worden. Danach habe er nicht mehr gehen können und von
der Gerichtsmedizin habe er ein Attest über 7 Tage Arbeitsunfähigkeit
erhalten, mit dem er Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Kadiköy
gestellt habe.
Milliyet/Özgür
Gündem vom 20.02.2004
Festnahmen bei TAYAD
Der Verein der Angehörigen
von Gefangenen TAYAD hat angegeben, dass in der letzten Woche 142 Mitglieder
festgenommen wurden. Unter den Leuten, die in Ankara festgenommen wurden,
befanden sich auch Kinder, die entgegen der Vorschrift 50 Stunden lang
in Haft gehalten wurden. Die in Istanbul festgenommene Hatice Ruken Kiliç
habe einen gebrochenen linken Arm. Am 16. Februar wurde in Izmir Ozan Anar
festgenommen. Er soll so stark verprügelt worden sein, dass er 4 Stunden
auf der Intensivstation zubringen musste. Sabahattin Firazoglu, der bei
der gleichen Aktion verprügelt wurde, soll ein gebrochenes Bein haben.
TIHV vom 20.02.2004
Verfahren gegen Folterer
Die 7. Kammer des Landgerichts
in Izmir setzte am 19. Februar das Verfahren gegen Muhtesem Çavusoglu
(jetzt st. Polizeichef von Aydin) und die Polizisten Mesut Angi, Alim Erçetin
und Hürriyet Gündüz fort. Ihnen wird Folter an dem deutschen
Staatsbürger Mehmet Desde im Juli 2002 vorgeworfen. Das Gericht vertagte
sich auf den 18. März, um eine Antwort von der Gerichtsmedizin in
Istanbul abzuwarten.
Bia vom 20.02.2004
Hungerstreiker muss wieder
in Haft
Mustafa Benli, der unter
dem Wernicke- Korsakoff Syndrom leidet, wurde am 18. Februar wieder in
Haft genommen. Er war als ehemaliger Besitzer der Zeitschrift “Hedef” inhaftiert
und hatte sich am Todesfasten beteiligt, bis er am 17. Januar 2003 aufgrund
von § 399 StPO freigelassen wurde. Nun wurde er ins Gefängnis
von Corum eingeliefert, obwohl er nach Aussagen seines Anwaltes Hasan Erdogan
an Gedächtnisschwund und mangelnder Durchblutung von Armen und Beinen
leidet.
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