|
|
Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 03/2004
Radikal vom 11.01.2004
Todesschüsse in
Istanbul
Am 10. Januar erschoss die
Polizei in Istanbul Ramazan Akbiyik, da er angeblich Aufforderungen stehen
zu bleiben nicht nachkam. Nach offizieller Darstellung wollten die Polizisten
in der Gegend von Kücükköy ein Fahrzeug kontrollieren, aber
der Fahrer hielt nicht an. Ramazan Akbiyik wurde vermutlich durch einen
Schuss in den Nacken getötet. Der ihn begleitende Ismail Vurucu wurde
festgenommen.
Özgür Gündem
vom 11.01.2004
Prügel in Adana
Abdullah Yapici (18) hat
sich beschwert, dass er am 9. Januar von Polizisten verprügelt wurde.
Er war in seiner Heimatstadt Seyhan (Provinz Adana) unterwegs, als eine
Polizeistreife mit Auto ihn aufforderte, das T-Shirt, auf dem “HADEP” stand,
auszuziehen. Als er sich weigerte, hätten die Beamten das Fahrzeug
verlassen und seien auf ihn losgegangen. Sie hätten ihn vor allem
in die Magengegend geschlagen. Gleichzeitig sei er beschimpft worden.
Radikal vom 11.01.2004
Verfahren gegen Folterer
eröffnet
In Izmir wurden die Polizisten
H.E., Ç.H., M.T., I.Ü. und Ü.A. Nach § 243 TSG angeklagt,
weil sie Mitte 2003 die in Buca-Izmir wegen des Verdachts von Diebstahl
festgenommenen Melih Sirankan (22), Sinan Dag (24), Mehmet Fatih Özisik
(19) und M.D. (15) misshandelt haben sollen. Das Verfahren wird vor der
7. Kammer des Landgerichts Izmir durchgeführt werden.
Cumhuriyet vom 10.01.2003
IHD'ler festgenommen
Veysi Altay aus dem Vorstand
des IHD in Istanbul wurde im Kreis Tutsak (Provinz Agri) festgenommen.
Er war dort wegen eines Verfahrens gegen seinen Bruder hingegangen.
Hürriyet vom 10.01.2004
Todesstrafe auch für
Kriegszeiten abgeschafft
Die Türkei hat am 9.
Januar durch den ständigen Vertreter beim Europarat, den Botschafter
Numan Hazar, das 13. Protokoll zur Europäischen Menschenrechtserklärung
unterzeichnen lassen. Dieses Protokoll verbietet die Todesstrafe auch in
Zeiten des Krieges.
Özgür Gündem
vom 13.01.2004
Gefangener tot aufgefunden
Am 11. Januar verstarb Ridvan
Saday (17) im Gefängnis von Mardin. Er war am 7. Januar unter dem
Verdacht der Unterstützung einer illegalen Organisation festgenommen
und zusammen mit seinem Onkel Mikail Sadak (von DEHAP) in U-Haft genommen
worden. Nach der offiziellen Darstellung soll ein Wärter ihn gegen
16 Uhr in seiner Zelle vorgefunden haben, wo er sich erhängt haben
soll.
Özgür Gündem
vom 14.01.2004
Strafe gegen Lehrer bestätigt
Der Kassationsgerichtshof
hat die 5-monatige Haftstrafe gegen den pensionierten Lehrer Hasan Basri
Aydin (75) bestätigt. Er war von der 6. Kammer des Amtsgerichts in
Ankara wegen eines Briefes an den Direktor der Abteilung für Gefängnisse
im Justizminister Ali Suat Ertosun wegen Beleidigung von Staatsmännern
verurteilt worden. In dem Brief hatte sich Herr Aydin gegen die Bezeichnung
der Gefängnisse als Hotel gewandt. Hasan Basri Aydin war im März
2002 schon einmal zu 40 Monaten Haft verurteilt worden. Diese Strafe hatte
er am 12. November 2003 angetreten. Da er aber Herzprobleme und ein gelähmtes
rechtes Bein hat, hatte der Staatspräsident ihn begnadigt und er wurde
am 2. Mai 2003 aus dem Gefängnis entlassen. Nun wird die Gerichtsmedizin
zu prüfen haben, ob er haftfähig ist oder nicht.
Yeni Safak vom 14.01.2004
Parteichef verurteilt
Das Amtsgericht in Urfa
hat Abdülmelik Firat, Vorsitzender der Partei für Recht und Freiheiten
(HAKP-PAR) zu einer Haftstrafe von 6 Monaten und 1,3 Milliarden TL verurteilt,
weil er auf einer Veranstaltung seiner Partei am 9. Mai 2002 Kurdisch gesprochen
hatte. Die Haftstrafe wurde in eine Geldstrafe verwandelt. Der st. Vorsitzende
der Partei, Ibrahim Güclü, wurde in Hazro (Diyarbakir) zu einer
Haftstrafe von 6 Monaten und 218 Millionen TL Geldstrafe verurteilt. Er
hatte auf einer Veranstaltung am 3. November 2002 Kurdisch gesprochen.
Seine Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Cumhuriyet vom 15.01.2004
DEHAP Vorsitzender inhaftiert
Lütfü Dag, der
stellvertretende Vorsitzende der DEHAP in Istanbul wurde am 14. Januar
in Haft genommen. Die Inhaftierung hängt mit der Verurteilung zu 45
Monaten Haft wegen Unterstützung einer illegalen Organisation zusammen.
Ein Gericht in Güroymak (Bitlis) verurteilt den alten DEHAP Vorsitzenden
des Kreises, Cahit Göktas zu einer Haftstrafe von 6 Monaten und 186
Millionen TL Geldstrafe, weil er im November 2002 auf einer Veranstaltung
in Kurdisch gesprochen hatte.
Aksam vom 16.01.2004
Verfahren gegen Zeugen
Jehovas
Die 3. Kammer des Amtsgerichts
in Kartal (Istanbul) hat die Geldstrafen gegen Ziya Umar und Turgay Babayigit
wegen unerlaubten Abhalten eines Gottesdienstes aufgehoben. Die 2. Kammer
des Amtsgerichts in Kartal hatte sie nach § 529 TSG zu einer Geldstrafe
von 86 Millionen TL verurteilt. Die 3. Kammer kam zu dem Schluss, dass
der Gottesdienst in einem Gebäude stattgefunden habe und die Angeklagten
dies zuvor dem Landrat von Kartal mitgeteilt hatten. Eine Bestrafung käme
einem Verstoß des Artikel 24 der Verfassung gleich. Dort wird Religionsfreiheit
gewährt.
Radikal vom 17.01.2004
Folter um 80% zurückgegangen
Der Sprecher der obersten
Polizeidirektion, Ramazan Er, behauptete, dass die Zahl der Ermittlungen
in Fällen wie Folter und Misshandlungen im Vergleich zum Vorjahr um
80% zurückgegangen sei. Im Jahre 2003 seien 1.164 Polizeibeamte bei
den Disziplinarausschüssen angezeigt worden. Die Ermittlungen seien
in 1.064 Fällen abgeschlossen worden und hätten bei 10 Polizisten
zum Verlust des Beamtenstatus, bei 208 Beamten zur Dienstentlassung geführt.
Darüber hinaus gab es verschiedene disziplinarische Strafen. Zu Strafverfahren
wegen Misshandlung sei es in 218 Fällen gekommen und 21 Beamte hätten
sich wegen Folter verantworten müssen. Bislang seien 16 freigesprochen
worden und 3 Beamte seien verurteilt worden, während derzeit noch
88 Verfahren andauern.
Özgür Politika
Grüne Karte nur
für Dorfschützer?
Fikri Korkmaz ist 55 Jahre
alt. Er lebt in Cakirkas im Kreis Kovancilar (Provinz Elazig) und hat 8
Kinder. Ein Sohn ist Beamter, so dass er und seine Frau über ihn sozialversichert
sind. Da seine anderen Kinder aber keinen Schutz besitzen hat er sich mehrfach
an den Landrat gewandt, damit ihm eine grüne Karte für kostenlose
Behandlung und Medikamente ausgestellt wird. Dies wurde beim ersten Mal
mit Hinweis auf den verbeamteten Sohn abgewiesen. Herr Korkmaz hatte sich
bei den entsprechenden Stellen (Banken, Versicherungen etc.) die notwendigen
Dokumente besorgt, aber auch sein Widerspruch wurde abgelehnt. Als Letztes
entschloss er sich, den Landrat persönlich aufzusuchen. Er wurde dazu
von der Reporterin Fatma Bilgin begleitet. Da der Landrat Resul Kir nicht
mit der Presse reden wollte, musste sie wieder den Raum verlassen, während
Herr Korkmaz unter etlichen Besuchern warten sollte.
Was danach passierte, schilderte
Fikri Korkmaz folgendermassen: „Als er zurückkam, kam er mit den Worten
‚Hast du die Reporterin mitgebracht?’ auf mich zu und würgte mich
am Hals. Der Kommandant der Gendarmerie und die Beschäftigen schauten
dabei zu. Der Landrat warf mir vor, dass ich ein Haus und 24 Kühe
besitze, einer meiner Söhne als Fahnenflüchtiger im Ausland sei
und er mir keine grüne Karte geben werde. Als ich mich vom Würgegriff
befreit hatte, entgegnete ich ihm, dass einer meiner Söhne gerade
seinen Wehrdienst ableiste, der andere Sohn nicht im Ausland sondern in
Istanbul sei und ich ihm die Adresse geben könne, damit sie ihn zum
Wehrdienst einziehen. Ich sagte ihm auch, dass mein Haus bei dem Erdbeben
in Bingöl beschädigt wurde ich nicht 24 sondern nur 2 Kühe
besitze. Der Landrat wollte wissen, wo ein anderer Sohn von mir als Lehrer
beschäftigt sei. Er drohte mir, dass er für seine Strafversetzung
sorgen werde.“ Herr Korkmaz will die Sache weiter verfolgen und hat sich
an den IHD gewandt. Im Kreis Kovancilar waren schon vorher Vorwürfe
laut geworden, dass der Landrat Resul Kir nur Dorfschützern eine grüne
Karte ausstelle, sie aber den Bedürftigen verweigere.
|